Hegel portrait by Schlesinger 1831.jpg Georg Wilhelm Friedrich Hegel (* 27. August 1770 in Stuttgart; † 14. November 1831 in Berlin) war ein deutscher Philosoph und sowohl zentrale als auch letzte Gestalt des Deutschen Idealismus.
Hegel war ein idealistischer Philosoph, der das dialektische Denken in spekulative Höhen trieb und enzyklopädisch ausweitete. Sein System resultiert aus dem Grundsatz: "Das Wahre ist das Ganze." G.W.F. Hegel. Phänomenologie des Geistes, Vorrede, S. 22.. Dieses Wahre-Ganze realisiert sich in der Geschichte durch antithetische Teilwahrheiten, die sich in einer höheren Synthese zusammenfinden. Diese wird ihrerseits zur Antithese in einem neuen Gegensatz.
Der dialektische Grundgegensatz ist derjenige von Idee und Natur, welcher im Begriff des Geistes aufgehoben wird G.W.F. Hegel. Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse, Einleitung, § 18, S. 63f.. Der Geist kommt in der Natur (seinem "Anderen") gestaltend zu sich selbst, zum Bewusstsein seiner eigenen Idee, indem er die Natur (durch Arbeit) wie sich selbst (in Staat, Kunst, Religion und Philosophie) nach der Idee formt bzw. bildet.
Unter dieser Perspektive entwickelte Hegel eine umfassende Geschichtsphilosophie von großer deutender Kraft. Er pflegte mit Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling und Friedrich Hölderlin, mit welchen er im Tübinger Stift Theologie studiert hatte, eine enge Freundschaft.
Hegels spekulatives, eher aufs "große Ganze" als aufs kleine Detail gerichtete Denken wird einerseits als Fortsetzung von, andererseits aber auch als deutlicher Gegensatz zu der Philosophie Immanuel Kants gesehen. Während Kant sich selbst eher in der Tradition der englischen Philosophie sah und noch klar dem Zeitalter der Aufklärung angehört, ist Hegel in die deutsche Klassik einzuordnen.
Die Werke Hegels wurden zum Ausgangspunkt für zahlreiche Strömungen im gesamten Bereich der Kultur, in Philosophie (Links-, Rechts-, Neo-Hegelianismus, Existenzialismus u.a.) wie Wissenschaftstheorie, aber auch in Kunst (z.B. Richard Wagner"- er Der Fall Wagner. Werke in zwei Bänden, Bd. 2. 5. Aufl., Carl Hanser Verlag, München Wien 1981. S. 309.) und Kunsttheorie"In der umfassendsten, weil aus der Metaphysik gedachten Besinnung auf das Wesen der Kunst, die das Abendland besitzt, in Hegels »Vorlesungen über die Ästhetik«, [..." target="_blank" >*" - Martin Heidegger. Der Ursprung des Kunstwerks. Reclam Verlag, Ditzingen 2001. S. 84., Soziologie, Historie, Theologie, Politik (z.B. Marxismus) und Jurisprudenz, um nur einige zu nennen. Aufgrund der Methode Hegels, den Gegenstand dadurch zu begreifen, indem alle seine Ansichten zur Darstellung gebracht werden, ist es möglich, dass sich die gegensätzlichsten Standpunkte auf Hegel beriefen und berufen: "Faktisch schloß sich aber alles mögliche an Hegel und seine Dialektik an, der Literat, der Ästhet, der Nihilist." Johannes Hirschberger. Geschichte der Philosophie. Band 2, S. 798. In: Bertram, M. (Hrsg). Digitale Bibliothek Band 3: Geschichte der Philosophie. Directmedia, Berlin 2000. S. 10521.
Im Hegelhaus in Stuttgart befindet sich eine Dauerausstellung über den Lebensweg Hegels. Ihm zu Ehren verleiht die Stadt Stuttgart alle drei Jahre den internationalen Hegel-Preis.
GEORG WILHELM FRIEDRICH HEGEL (seine Familie nannte ihn nur "Wilhelm") wurde am 27. August 1770 in Stuttgart geboren.
Sein Vater Georg Ludwig (1733-1799 ), geboren in Tübingen, stammt aus einer Familie von Beamten und Pfarrern. Er war ein gewöhnlicher Einkünfteoffizier im fiskalischen Dienst von Württemberg ("Rentkammersekretär" seit 1766, ab 1796 "Rentenkammer-Expeditionsrat"). Hegels Mutter, Maria Magdalena Louisa (geborene Fromm, 1741-1783), stammte aus einer wohlhabenden Stuttgarter Familie, die einige Theologen, Rechtsanwälte und hochrangige Bürokraten hervorgebracht hat. Sie war für ihre Zeit gebildet und hatte genügende Kenntnisse, den jungen Hegel die Grundlagen des Lateins zu lehren. Georg Ludwig und Maria Magdalena haben am 29. September 1769 geheiratet. Hegel war das älteste ihrer drei Kinder (noch vier weitere Kinder sind kurz nach ihrer Geburt gestorben 1771, 1774, 1777 und 1779). Seine Schwester, Christiane Louise (1773-1832), die 1807-1814 als Gouvernante für Josef von Berlichingen gearbeitet hatte, hatte 1820 einen Nervenzusammenbruch und wurde für ein Jahr in die Irrenanstalt Zwiefalten eingeliefert. Drei Monate nach Hegels Tod beging sie Selbstmord.Hegels Bruder Georg Ludwig (1776-1812), der jüngste, ist kämpfend als Offizier für die Armee Napoleons in der russischen Kampagne gestorben.
Hegel lernte ab der 5. Klasse auch Hebräisch, zwei Stunden wöchentlich. Er scheint während der Mittagszeit Französischkurse besucht zu haben, die von seiner Schule angeboten wurden. Er lernte auch Englisch, vielleicht von einem Privatlehrer, denn spätestens ab Frankfurt liest er englische Zeitungen im Original. Lieblingswerke deutschsprachiger Autoren werden Goethes Werther, Schillers Fiesko, Lessings Nathan der Weise, Klopstocks Messias und Hippels Lebensläufe. An deutscher Philosophie liest er als Schüler u.a. Moses Mendelssohns Phaedon, und Wolfs Logik.
Die Lieblingsspiele von Hegel waren Schach und Karten. Er begann Tabak zu schnupfen. 1783, im Alter von dreizehn, erlebte Hegel mit dem Tod seiner Mutter wegen Gallenfieber seine erste persönliche Tragödie. Hegel und seine Schwester erkrankten dabei auch selbst schwer an dieser Krankheit und beinahe wäre er daran gestorben.
Aus seiner Schulzeit ist uns von Hegel (neben seinen Übersetzungen) vor allem ein Tagebuch (teilweise in Latein) überliefert, geschrieben, mit Pausen, während achtzehn Monaten (angefangen hat er es mit 14, am 26. Juni 1785, der letzte Eintrag stammt vom 7. Januar 1787, mit sechzehn).
Aber das Hauptmerkmal seiner Studien war seine Liebe zu Notizen und Exzerpten, die er sein ganzes Leben lang weiter gesammelt und aufbewahrt hat. Diese Sammlung, alphabetisch geordnet, enthielt Notizen zu klassischen Autoren, Exzerpte von Zeitungen, Traktate zur Philologie, Literaturgeschichte, Arithmetik, Geometrie, angewandter Mathematik, Physik, Moral, Psychologie und Erziehung aus den Standardwerken von der Periode. Diese Notizen waren der Rohstoffe für weitere Ausarbeitung, er war auch nicht bloß passiv in diesen Exzertpen; der junge Hegel schrieb auch Abhandlungen, die seine Bewunderung der Klassischen Welt ausdrücken, eine Bewunderung, die er nie verloren hat.
Hegel hat die Atmosphäre beim Tübinger Stift als bedrückend empfunden. Die strenge und künstliche Disziplin des Stiftes erschien ihm wie eine überholte Erbschaft einer düsteren Vergangenheit. Die Explosion der französischen Revolution, die für viele Studenten, und wahrscheinlich auch für Hegel, der Anfang einer neuen Epoche bedeutete, hat im Tübinger Stift, wo auch Studenten die zu Württemberg gehörenden Mömpelgarder aus Frankreich studierten, deutlichen Eindruck gemacht (s.u.).
Aber Hegel hat weiter das Studium geliebt und einen akademischen Beruf angestrebt. Nach nur zwei Jahren hat Hegel im September 1790 den Grad eines "Magisters der Philosophie" erhalten. Am 23.September 1793 hat er das begehrte theologische Lizenziat erhalten. Die Abschlussbescheinigung von Hegel besagt, dass er gute Fähigkeiten gehabt hat und vielfältige Kenntnisse. Die ursprüngliche Bescheinigung besagte, dass Hegel der Philosophie viele Bemühungen gewidmet hat. Dies wurde in Latein folgendermaßen geschrieben: "Philosophiae multam operam impendit". Jedoch wurde durch den Fehler eines Kopisten das Wort multam, (viel, viele) als nullam (keiner) übertragen. Viele Biografien wiederholen die spätere, falsche Version. (Siehe dazu das Dokument 46 in der 1977 Ausgabe von Nicolin von "Briefe von und an Hegel", Vol IV/1 "Dokumente und Materialien zur Biographie " incl. des Kommentars dort).
Hegels düstere Erscheinung hat ihm von seinen Mitstudenten, denen er sich anschloss auf ihren Wanderungen, um Bier zu trinken und Karten zu spielen, Spitznamen wie "alter Mann" eingebracht. Wie Terry Pinkard in seiner Biografie von Hegel bemerkt hat:
Hegel profitierte viel von dem intellektuellen Austausch mit seinen später berühmten (zeitweisen) Zimmergenossen Hölderlin und Schelling. Von Hölderlin lernte er Schiller und die alten Griechen noch mehr zu lieben, während die Pseudo-Kantianische Theologie seiner Lehrer ihn mehr und mehr abstiess. Schelling teilte diese Ideen. Sie alle protestierten gegen die politischen und kirchlichen inneren Zustände in ihrem Heimatstaat und formulierten neue Prinzipien von Vernunft und Freiheit.
Im Sommer 1792 nimmt Hegel an den Versammlungen eines revolutionär-patriotischen Studentenclubs teil, der Ideen aus Frankreich nach Tübingen bringt. Sie lesen mit großem Interesse französische Zeitungen und Hegel und Hölderlin werden (zumindest im Rückblick seines ehemaligen Mitstudentens Leutwein) als Jakobiner bezeichnet. Nach der selben Quelle soll Hegel dabei "der enthusiastische Fürsprecher von Freiheit und Gleicheit" gewesen sein. Mit einer Gruppe gleichgesinnter Studenten studieren sie Plato, Kant und Jacobi. Am 14. Juli 1792, sollen Hegel, Hölderlin und Schelling (der gerade die Marsellaise ins Deutsche übersetzt hatte), um einen Freiheitsbaum auf einer nahegelegenen Wiese getanzt haben. Diese alte Geschichte wird immer wieder bezweifelt (siehe dazu die klassische Studie von Dieter Henrichs: 'Leutwein über Hegel' in den 'Hegel Studien' Band 3, in denen allerdings in erster Linie der Ort des Freiheitsbaumes bezweifelt wird), die Geschichte veranschaulicht aber die wahrscheinlichen Tendenzen Hegels und seiner Freunde, wie wir sie aus Hegels Briefen und den Zeitumständen im Tübinger Stift kennen.
Hegel schlug nicht die kirchliche Laufbahn ein, nachdem er die Hochschule verlassen hatte. Stattdessen wurde er, in der Hoffnung auf Zeit und Muße für das Studium der Philosophie und der griechischen Literatur in seiner Freizeit, Hauslehrer. 1793 erhält Hegel, mit Hilfe von Johannes Brodhag (dem Gastwirt von Schillers Lieblingsgasthaus in Stuttgart, dem "Ochsen"), eine Anstellung in Bern, wo er den Kindern des Kapitäns Karl Friedrich von Steiger Privatunterricht geben soll. In jenen Tagen hatte ein junger Magister der Theologie aus dem Bürgertum im wesentlichen nur die Wahl, Pastor oder Hofmeister zu werden. Hölderlin und Hegel entschieden sich für die Belastungen des Hofmeisterberufs.
Wie Anthony La Vopa in seinem Essay ANMUT, TALENT UND VERDIENST berichtet:
Wie alle wichtigen Bürger von Bern, war auch Kapitän ("Dragonerhauptmann") Karl Friedrich von Steiger (1754-1841) Mitglied der Gesetzgebung, des große Rates von Bern ("Conseil Souverain"). Er nahm diesen Posten nach dem Tod seines Vaters 1785 ein. Karl Friedrich und sein Vater Christoph von Steiger (1725-1785) gehörten früher zur Berner Oligarchie, aber ihre Kritik an ihren Standesgenossen wuchs und so zogen sie sich aus dem Rat zurück. Die vergleichsweise liberale Ideen der Steigers fielen bei Hegel auf fruchtbaren Boden. Die Steigers führten Hegel auch in die damalige soziale und politische Situation in Bern ein.
Nach Martin Bondeli, dem führenden Experten für die Berner Periode Hegels, hatten Hegel und die Steigers einige lebhafte Kontroversen über Politik und Philosophie, insgesamt jedoch freute sich der junge Hegel, dass die Familie Steiger nach Wissenschaft und Bildung strebte und er von ihnen Kritik an der Berner Politik hörte.
Im Winter blieben die Steigers in ihrer Berner Stadtwohnung in der Junkerngasse 51, nahe der Berner Stadtbibliothek. Den Sommer verbrachten sie auf ihrem Weingut in Tschugg bei Erlach (im Randgebiet von Bern). Dort stand Hegel ihre Privatbibliothek zur freien Verfügung, die von Christoph von Steiger d. Ä. (1651-1731) gegründet war. Die Bibliothek war durch Christoph von Steiger d. J., einem Staatsmann, der ein spezielles Interesse an der politischen Literatur der Antike und vom Mittelalter bis zur Neuzeit hatte, angelegt worden. Diese Bibliothek war reich an Büchern der französischen und englischen Autoren, die sonst in Bern eher selten waren. Karl Friedrich von Steiger trug weniger zu dieser Bibliothek bei, obgleich er später seine 3.871 Bücher katalogisierte (der volle Katalog ist in "Hegel in der Schweiz" veröffentlicht, herausgegeben von H. Schneider und N. Waszek).
In Tschugg las Hegel einen beträchtlichen Teil dieser Bibliothek, mit besonderem Schwerpunkt auf Montesquieu (Esprit des Lois), sowie Grotius, Hobbes, Hume, Leibniz, Locke, Macchiavelli, Rousseau, Shaftesbury, Spinoza, Thukydides und Voltaire. Diese Autoren waren auch die Lieblingsautoren Christoph von Steigers. Man kann also sagen, dass Hegel in seiner Berner Periode die Grundlage für sein breites Wissen in Philosophie, Sozialwisssenschaften, Politik, Volkswirtschaft und der politische Ökonomie|politischen Ökonomie gelegt hat. Die Spuren dieses weiten und spezialisierten Wissens finden sich z.B. in Hegels berühmter Philosophie des Rechtes (1821).
Von der Beschäftigung als Redakteur der Bamberger Zeitung gelangte Hegel 1809 nach Nürnberg. Die Vermittlung dorthin besorgte der Freund Friedrich Immanuel Niethammer, selbst zu der Zeit Oberschulrat und Mitglied der Sektion für öffentliche Unterrichts- und Erziehungsanstalten in München. Niethammers Frau fühlte in einem Beibrief zu einem Verpflegungspaket schon einmal vor, da sich Niethammer nicht sicher war, ob er nicht doch mit einem derartigen Angebot beleidigend wirke. Doch Hegel war, nachdem sich eine Professur in Heidelberg zerschlagen hatte, für das sichere Einkommen durchaus dankbar. Und so erging am 15. November 1808 die Ernennung zum Professor der Vorbereitungswissenschaften und Rektor des Egidiengymnasiums in Nürnberg. Die Besoldung betrug 900 Gulden zuzüglich einer Rektoratszugabe von 100 Gulden und freiem Logis, was man ihm anfänglich allerdings in Richtung 100 Gulden oder freies Logis auszulegen versuchte. Hegel hielt nun den Unterricht in Philosophie wie vorgesehen, darüber hinaus aber auch vertretungsweise Germanistik, Griechisch und höhere Mathematik. Die Anforderungen der pädagogischen Vermittlung wirkten sich nach seinen eigenen Aussagen in die Richtung einer Mehrung der Transparenz der Darstellung überaus positiv aus. Als Lehrer-„Persönlichkeit“ scheint er dabei eher zu den Gutmütigen gehört zu haben.
Die Gliederung des Unterrichts war zwar streng - so wurde der Stoff beispielsweise in diktierten Paragraphen abgehandelt, auch wurde vom einzelnen Schüler erwartet, das in der vergangenen Stunde Durchgenommene in der nächsten aufsagen zu können -, dies System wurde aber dann wieder durchlässig dadurch, dass Zwischenfragen nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht waren und so das „Auskunftgeben“ des Lehrers den größten Anteil der Stunde zu füllen vermochte.
Das so in die Hefte gebrachte philosophische Wissen wurde später von Karl Rosenkranz aus den Schülermitschriften kompiliert und als Philosophische Propädeutik herausgegeben. Aber auch Hegel selbst griff in der Heidelberger Zeit auf seine Aufzeichnungen der Philosophiestunden am Egidiengymnasium gern zurück.
Die erhoffte Ordnung der finanziellen Verhältnisse stellte sich allerdings nicht ein. So wenig die öffentlichen Gelder für einen Pedell, einen Kopisten etc. gereicht zu haben scheinen, so wenig ist man wohl auch in der Lage gewesen, den Rektor selbst regelmäßiger Zahlungen zu versichern. Rückstände von Monaten in der Anweisung des Gehaltes konnten vorkommen und brachten Hegel in neue alte Schwierigkeiten. In anderer Hinsicht brachte die Nürnberger Zeit allerdings etwas Neues. Wohl zu seiner eigenen Überraschung lernte Hegel hier eine junge Frau kennen, die mit ihm in den Stand der Ehe zu treten gewillt war:
Marie von Tucher war gerade zwanzig Jahre alt, als ihr Hegel am 16. April 1811 die Ehe antrug. Sie war damit in etwa halb so alt wie Hegel selbst. Dennoch scheinen die Bedenken des Vaters, Jobst Wilhelm Karl Freiherr von Tuch zu Simmelsdorf, Senator der Stadt Nürnberg, und auch der Mutter Maries, geb. Susanna Freiin Haller von Hallerstein, auf einem anderen Gebiete als dem des Alters gelegen zu haben.
Als Niethammer von der Neuigkeit mit dem Datum des 18. Aprils 1811 erfuhr, schrieb Hegel dazu, sein „Glück ist zum Teil an die Bedingung gebunden, dass * eine Stelle auf der Universität erhalte“, da Marie doch neben der Aussteuer mit einer jährlichen Apanage von 100 Talern beschieden werden sollte. Um die Sache nicht zu dramatisieren, erweist sich Niethammer auch hier als Freund und antwortet mit einer Art Empfehlungsschreiben für Hegel, durchaus zur Vorlage bei den Tuchers geeignet. Auf diese oder andere Weise scheinen sich die Tucherschen Bedenken dann zerstreut zu haben, denn für den 16. September 1811 wurde die Hochzeit anberaumt. Der Ehe entsprang eine Tochter, die allerdings kurz nach der Geburt verstarb. Der nachfolgende Sohn wurde nach Hegels Großvater Karl benannt und später als Professor für Geschichte bekannt. Der nachfolgende (zweite) Sohn Hegels erhielt nach seinem Paten Niethammer den Namen Immanuel und brachte es zum Konsistorialpräsidenten der Provinz Brandenburg. Auch wurde das Verhältnis der Eheleute als bis zum Tode durchgehend von liebevoller Zuneigung geprägt beschrieben.
In genau der Zeit kurz nach der Eheschliessung begann Hegel auch an seiner Wissenschaft der Logik zu schreiben. „Es ist keine Kleinigkeit, im ersten Semester seiner Verheiratung ein Buch des abstrusesten Inhaltes * zu schreiben“ bekam Niethammer im Februar 1812 zu hören. Im Jahr 1813 wurde Hegel dann zum Schulrat ernannt, womit sich seine materielle Situation etwas verbesserte.
Er arbeitete in der Redaktion der „Heidelberger Jahrbücher für Literatur“ mit. Dort erschien seine Schrift über die Verhandlungen der Landesfürsten des Königreiches Württemberg.
Am 26. Dezember 1817 erhielt Hegel das Angebot von zum Altenstein, dem ersten preußischen Kultusminister, an die Berliner Universität zu kommen.
In einem Vorwort zu einer Buchbesprechung polemisiert Hegel 1822 heftig gegen die Gefühlstheologie Schleiermachers:
Beispiele dafür:
Im Einzelnen ist dazu zu sagen: unter „Logik“ fasst Hegel nicht das, was seit Aristoteles und gewissermaßen bis heute darunter verstanden wird, sondern quasi die Struktur, den Möglichkeitsgrund, auf dem sich Sein (naturwissenschaftlich) und Geist aufbauen. Hegels Naturphilosophie ist nur schwer mit dem heutigen Verständnis von Naturwissenschaften zu vereinbaren, sie spiegelt das Wissen seiner Zeit aber sehr präzise wider. Es ist frappierend, welche Massen an Literatur Hegel verarbeitet und in sein System integriert hat. Dazu gehören völlig überholte Modelle wie das der geologischen Erdalterbestimmung (Hegel glaubte wahrscheinlich nicht daran, orientierte sich aber an der Bibel) wie auch zukunftsmächtige Forschungen wie die Alexander von Humboldts. Eine Renaissance auch dieses Teils der Hegelschen Philosophie bahnt sich an (siehe Literatur).
Hegels Geschichtsphilosophie ist der wirkungsmächtigste Teil seines Systems. Während das 18. Jahrhundert sich um den Begriff der (ungeschichtlich verstandenen) Vernunft gekümmert hat, leitet Hegel ein Jahrhundert der Geschichte und der Entwicklung ein. Seine Definition von Geschichte lautet: „Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“, womit eine der ersten Nennungen des Konzepts des Fortschritts gegeben wurde. Als erstes war das menschheitliche Bewusstsein so, dass nur einer frei war, der Kaiser, der Pharao. Dann wurde man sich bewusst, dass einige frei seien, die Freien in Griechenland, als es dort noch Sklaven und quasi versklavte Frauen gab. Im Christentum ist laut Hegel das Bewusstsein so, dass jeder frei ist, selbst wenn er im Gefängnis sitzt.
Hegels Schema ist genial einfach, im Detail aber oft äußerst verwickelt. Dem Geschichtsmodell wird immerzu vorgeworfen, dass es extrem eurozentristisch sei. Insbesondere sind seine Äußerungen über Afrika und Afrikaner bei Anwendung heutiger Maßstäbe indiskutabel, obwohl dem entgegengehalten werden kann, daß Rationalität auf dem afrikanischen Kontinent anders definiert werden müsse als in Europa (Léopold Sédar Senghor spricht von einer europäischen "Augenvernunft" und einer afrikanischen "Umarmungsvernunft"). Indiskutabel auch, wie Hegel das Deutsche als höchste Stufe des (Welt)geistes installierte, obwohl dies, von einer Wertung einmal abgesehen, innerhalb seines Systems einleuchtet, da er ja gerade die bislang höchste erreichte philosophische Synthese verkörpert, und seine Philosophie ja nicht rein zufällig in "Deutschland" entstanden ist (wenngleich zweifellos andere europäische Sprachkulturen und Nationen "Deutschland" befruchtetet haben, und umgekehrt).
Ernst Bloch urteilt in Subjekt - Objekt. Erläuterungen zu Hegel anders:
Die Beschreibung von Karl Rosenkranz, Schüler und späterer Biograph Hegels, bietet eine psychologische Erklärung:
Hat die Hegelsche Philosophie es sich zur Aufgabe gestellt, das Sich-selbst-Werden oder In-sich-Zurückkehren des Weltgeistes darzustellen, so eröffnet und illustriert sich dieses Vorhaben im Besonderen in der Sprache, derer sie sich bedient. Sprache und Anspruch müssen einhergehen in der Frage nach dem Sinn der dunklen Ausdrucksweise Hegels. Das ungeheure Satzkonstrukt, das sich bei Hegel auftut oder vielmehr in sich selbst verschließt, ist vor allem auch Ausdruck von Hegels Anspruch: Er, als Begründer der absoluten Philosophie, muss sich selbst ein Weltgeist werden, um diese Aufgabe zu meistern. Hegel rechtfertigt sich so durch das Vorhaben selbst. Gott selbst spricht durch die Erscheinung Hegel. Gott argumentiert nicht über seine Meinung, er liefert keine Erläuterungen zum Verständnis, er bedarf keiner Rechtfertigung. Theodor W. Adorno sagt deshalb:
Das Subjekt scheint sich im Satz selbst – wo es sich eigentlich mit einem Prädikat behaften sollte – gewahr zu werden „sich selbst zu sein“: Dergestalt formuliert sich der unbewiesene Verweis auf die höhere Logik der Gesamtintention. Seitenlang wird das Subjekt, um das sich die Geschehnisse bewenden, nur in Pronominalform geführt, so dass der Unterschied langsam zu zerfließen und der Leser der unausgesprochenen Suggestion zu unterliegen droht, alles sei schließlich Geist und Einheit. Selbst Adorno gibt in Drei Studien zu Hegel unumwunden zu: „Dem mit der Gesamtintention gar nicht Vertrauten sperrt sich Hegel.“ Das Dunkle und Mehrdeutige in Hegels Sätzen zieht Verständnisschwierigkeiten und im Besonderen die Möglichkeit zu radikalen Umdeutungen nach sich. Adorno stellt weiter fest:
Nach Adorno besteht echtes Verständnis Hegelscher Originaltexte nicht im Verständnis des Wortgehalts, sondern im Weiterdenken, Ausmalen und Komplementieren dessen, was Hegel nicht sagt aber dunkel antizipiert. Nur die Assoziation versteht die Hegelsche Antizipation:
Darin birgt die Gefahr im Umgang mit Hegel, die Gefahr der mannigfaltigen Umdeutungen der Rezeptionsgeschichte.
Im Folgenden die Ausarbeitung einiger zentraler Begrifflichkeiten der Hegelschen Dialektik. Hegel benutzt an keiner Stelle die im Zusammenhang mit seiner Dialektik oft verwendeten Termini These, Antithese, Synthese. Er hat diese eingedeutscht.
Das An-sich-Sein stellt das dialektisch Unvermittelte, die Thesis, dar, das heißt, es ist noch nicht in Austausch getreten mit einer Negation von ihm. Es ist ein einfaches Sein, das Vorhandensein, welches noch nicht zu sich gefunden hat.
Das Für-andere-Sein oder auch Außer-sich-Sein ist die erste Negation des An-sich-Seins, seine Antithesis. Das An-sich tritt außer sich, es ist für das Sein der anderen. Das Ich ist nicht ursprünglich ein Ich für sich selbst, sondern es bildet sich gemäss Hegel wesentlich mittels der anderen und umgekehrt. Das Umfeld wird Gegenstand des Wesens und dieses gleichsam Gegenstand des Umfelds. Das einfache An-sich-Sein wird sich in diesem Außer-sich-Sein ein anderes.
Das Für-sich-Sein ist die Negation des Für-andere-Sein, die Synthesis von An-sich-Sein und Für-andere-Sein. Das An-sich-Sein hat sich im Für-andere-Sein bewahrt: In diesem Moment kehrt das entäußerte Wesen wieder zu sich selbst zurück. Im überwundenen Für-andere-Sein ist es an den anderen gereift. Das Wissen im An-sich-Sein ist im Außer-sich-treten des Für-andere-Sein ein Wissen von sich selbst geworden, das Subjekt konnte sich selbst zum Gegenstand nehmen, heißt, es hat sich selbst im anderen erkannt als das, was es ist: ein wissendes Subjekt. Nach Hegel: Die einfache Gewissheit seiner selbst ist ihm geworden.
Das An-und-für-sich-Sein ist das neu gesetzte An-sich-Sein, das eine neuerliche dialektische Bewegung eingeht. Hegels Dialektik beschreibt so einen ewig zu wiederholenden Kreis.
Die Negation versteht Hegel im dreifachen Sinne. Die Verneinung eines Begriffs kann die Vernichtung (einfache Negation), die Aufhebung als Aufbewahrung (des An-sich-Seins im Für-andere-Sein) oder die Aufhebung als Erhebung (zur Synthese) desselben bedeuten. Die Negation ist so bei Hegel die Triebkraft aller dialektischen Bewegung.
Der ursprüngliche Begriff Substanz faßt das Zugrundeliegende, das Wesen der Dinge, das immer schon Dagewesene zusammen. Hegel versteht den Begriff in zweifacher Weise: Die Substanz ist bei ihm Subjekt, ein zwar zugrunde liegendes, doch vielmehr sich entwickelndes Wesen. Das Zugrundeliegende ist Hegel ferner die Bewegung des Gesamtsubjekts, des Weltgeistes.
Aus diesem Werk ergibt sich folgendes Bild seines systematischen Gesamtwerkes:
I. Wissenschaft der Logik (1812-16, überarb. 1831)
II. Naturphilosophie
III. Philosophie des Geistes
Weitere, nicht in sein System gehörige, Werke und kleinere Schriften sind:
Philosoph (19. Jh.) | Philosophischer Idealist | Erkenntnistheoretiker | Hegelianer | Pädagoge (19. Jh.) | Deutscher | Mann | Geboren 1770 | Gestorben 1831
جورج فيلهلم فريدريك هيغل | Георг Гегель | Георг Хегел | গেয়র্গ ভিলহেল্ম হেগল | George Wilhelm Friedrich Hegel | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Hegelo | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | هگل | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | גיאורג וילהלם פרידריך הגל | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Friedrich Hegel | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | ゲオルク・ヴィルヘルム・フリードリヒ・ヘーゲル | 게오르크 빌헬름 프리드리히 헤겔 | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Georgius Wilhelmus Fridericus Hegel | Georgas Vilhelmas Frydrichas Hėgelis | Георг Вилхелм Фридрих Хегел | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Гегель, Георг Вильгельм Фридрих | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Георг Вилхелм Фридрих Хегел | Friedrich Hegel | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Геґель Ґеорґ Вільгельм Фрідріх | 黑格尔
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