Die Hedschasbahn ist eine 1.308 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Damaskus in Syrien nach Medina in Saudi-Arabien. Die Streckenführung verläuft von Damaskus über Dera und Amman in Jordanien nach Medina. Eine Zweigstrecke führte von Dera in Syrien nach Haifa in Israel. Die Hedschasbahn ist seit Jahren nur noch in Teilabschnitten befahrbar.
Die Hedschasbahn, die auch Mekkabahn, Heilige Bahn oder Wüstenbahn genannt wird, gilt wie die Bagdadbahn als technische Pionierleistung. Letztere wurde von der Firma Philipp Holzmann AG gebaut und von der Deutschen Bank unter Georg von Siemens (1839-1901) finanziert. Die Hedschasbahn wurde im syrischen und jordanischen Teil von lokalen Baufirmen, weiter südlich ausschließlich von bis zu 7.000 Soldaten der osmanischen Streitkräfte gebaut.
Chefingenieur war der Deutsche Heinrich August Meißner (1862-1940), der im Jahre 1904 zum Pascha ernannt wurde. Er ließ für die 1.308 Kilometer lange Bahntrasse 1.532 Brücken, zwei Tunnel und 96 architektonisch reizvolle Bahnhöfe errichten. Die Bahn wurde in der seltenen Spurweite von 1050 mm angelegt.
Finanziert wurde das "Heilige Projekt" durch Spenden von Muslimen aus aller Welt, wenngleich der Hauptanteil der Baukosten durch Steuergelder bestritten wurde. Die Hedschasbahn ist bis heute unveräußerliches Eigentum aller Muslime.
Auf der Bahnstrecke wurden vor allem fromme Muslime für den Hadsch Richtung Mekka befördert. Zur Wallfahrtszeit verkehrten täglich fünf Züge. Bei einer Geschwindigkeit von maximal 60 Kilometer pro Stunde legten sie die Strecke in nur drei Tagen zurück, eine Kamelkarawane benötigte rund eineinhalb Monate. Für das Osmanische Reich, zu dem das Gebiet der Bahn damals gehörte, hatte die Bahn außerdem die Funktion, die unruhigen Grenzgegenden besser kontrollieren zu können.
Der Bau der eingleisigen, schmalspurigen Strecke von Damaskus in die heilige Stadt Medina begann im Jahre 1900 und war trotz enormer Schwierigkeiten durch Hitze, Sandstürme und Wassermangel in einer Rekordzeit von nur acht Jahren fertiggestellt. Sie wurde am 1. September 1908 eröffnet, die Zweigstrecke von Dera nach Haifa schon 1904.
Doch die Hedschasbahn blieb ein kurzer Traum. Der Regelbetrieb dauerte nur sieben Jahre. Die Bahnstrecke bekam im Ersten Weltkrieg hohe militärische Bedeutung und wurde zum Ziel von Angriffen. Mehrfach verübten aufständische Beduinen unter Führung von Thomas Edward Lawrence, besser bekannt als Lawrence von Arabien, Sprengstoffanschläge auf die strategisch wichtige Strecke. Noch heute künden verrostete Wracks vom Aufstand gegen das Osmanische Reich.
Im Jahre 1924 befuhr der letzte Zug die Gesamtstrecke. Der geplante Ausbau bis nach Mekka kam erst gar nicht zur Ausführung.
Die Zweigstrecke nach Haifa wurde während des Palästinakrieges in den späten 1940er Jahren von den Israelis unterbrochen, um den Nachschubweg der britischen Mandatsmacht in Palästina abzuschneiden.
Mitte der 60er Jahre gab es Versuche, die Bahn wieder zu eröffnen. Durch den Sechstagekrieg 1967 wurde dieses Vorhaben aber nie umgesetzt. Derzeit sind nur zwei Teilabschnitte noch in Betrieb: Von Amman nach Damaskus mit touristischen Zügen und die inner-jordanische Linie von Ma'an nach Aqaba am Roten Meer.Letztere wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt, um für den Export bestimmtes Phosphat zu transportieren. Heute verkehren neben Diesellokomotiven immer noch Dampfloks, die aus der Erbauungszeit stammen, darunter auch Fahrzeuge der deutschen Firmen Richard Hartmann AG, August Borsig und Arnold Jung.
Israel plant die Wiederbelebung eines Seitenarmes der Bahnlinie von Haifa nach dem jordanischen Irbid. Angestrebt wird auch eine Abzweigung nach Dschenin im Westjordanland. Die Europäische Union hat offenbar Interesse daran bekundet, dieses Projekt finanziell zu unterstützen.
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