Die Grammatik der hebräischen Sprache (Althebräisch) als Sprache des Tanach (Altes Testament) ist schon seit Jahrhunderten Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtungen. Wir geben hier einen Einblick in die althebräische Grammatik aus moderner linguistischer Sicht. Um den Artikel allgemeinverständlich zu halten, werden grammatische Begriffe, wenn möglich auf Deutsch bezeichnet und in Klammern das jeweilige Fachwort oder gegebenenfalls die hebräische Bezeichnung. Hebräische Beispiele werden in transkribierter Form wiedergegeben, in Klammern in hebräischer Schrift.
Lautumfang
Das
hebräische Alphabet ist letztlich eine Weiterentwicklung des phönizischen Alphabetes. Die vorhandenen 22 Zeichen entsprachen dem Lautstand der phönizischen Sprache, waren bzw. sind aber für die Wiedergabe des Hebräischen nur bedingt geeignet. So kommt es zu der Erscheinung, daß ein Zeichen zur Wiedergabe mehrerer (ähnlichklingender) Laute Verwendung finden konnte. Da sich aber auch der Lautstand der hebräischen Sprache im Laufe ihrer Geschichte und in verschiedenen Aussprachetraditionen gewandelt hat, sind bei der Betrachtung der Phonologie diachrone und lokale Gesichtspunkte zu beachten.
Hinweise auf eine unterschiedliche Realisierung der Buchstaben Chet und Ajin finden sich in der Wiedergabe von Eigennamen in der griechischen Version (Septuaginta) des Tanakh Tanach. So wird z.B. in den Namen Rachel oder Achaz das hebräische Chet mit griech. Chi wiedergegeben, während es in Eva oder Isaak keinerlei Entsprechung findet. Ähnlich wird im Ortsnamen Anathoth hebräisches Ajin nicht wiedergegeben, während es bei Gaza oder Gomorrha als Gamma erscheint. Die Konsequenz bei der griechischen Wiedergabe und die Korrespondenz zu entsprechenden arabischen Lauten legen es nahe, daß im Hebräischen dieser Zeit die Unterscheidung der velaren und pharyngalen Frikative noch existierte, während in späterer Zeit nur noch die pharyngalen Laute realisiert wurden.
Gemäß dem tiberiensischen Vokalisationssystem werden auch die Buchstaben Beth, Gimel, Daleth, Kaph, Pe und Taw doppelt - "weich"/spirantisiert und "hart"/plosiv - realisiert. Man nimmt an, daß die Spirantisierung dieser Laute unter dem Einfluß des Aramäischen einsetzte.
Ebenfalls zur Darstellung zweier Laute dient das vorletzte Zeichen des Alphabetes. Nach dem tiberiensischen System wird durch einen diakritischen Punkt die Aussprache als Schin (Punkt rechts oben) oder als Sin (Punkt links oben) unterschieden. Vermutlich war der Laut Sin zunächst dem Schin ähnlicher und wurde daher mit demselben Zeichen geschrieben. Später glich sich die Aussprache dem Samech an, so daß sich bereits in biblischen Schriften die Vertauschung von Samech und Sin findet.
Das Hebräische unterscheidet - im tiberiensischen Vokalisationssystem - die sieben Vokalfärbungen
i – e – ä – a – â – o – u (
â bezeichnet hier ein offenes
o) und deren kurze oder lange Aussprache. Zur Aussprache und Schreibweise im Einzelnen siehe
Hebräische Schrift.
Lautveränderungen
Für das Lehren von Sprachen ungewöhnlich ist die Behandlung von
phonetischen Gesetzmäßigkeiten, die in modernen Hebräisch-Lehrbüchern noch viel Raum einnehmen. Dies kann für Fachleute interessant sein. Man kann beim Erlernen des Hebräischen auch ohne die Kenntnis dieser Regeln auskommen, indem man sich – wie man es z.B. beim Englischlernen tut – einfach die Formen merkt, statt sie zu verstehen. Die Gesetzmäßigkeiten lohnen insofern der Betrachtung, weil deren Kenntnis das Verstehen von Formbildungen erleichtern kann.
Veränderung von Konsonanten
In der Hebräischen Sprache verändern sich verschiedene Konsonanten durch Wortbildung, Beugung (
Flexion), oder aus Gründen des sprachlichen Wohlklanges. Dies geschieht durch Vertauschung, Angleichung (Assimilation), Auslassung, Hinzusetzung und Versetzung der Konsonanten.
Vertauschung findet unter Lauten statt, die ähnlich klingen oder mit demselben Sprechorgan artikuliert werden. Angleichung findet statt, wenn Konsonanten in einer schwer auszusprechenden Kombination auftauchen (vergl. dt. selbständig statt selbstständig). Auslassung erfolgt bei "schwachen" Konsonanten, wenn sie auf Grund ihrer Stellung kaum hörbar wären. Hinzugesetzt werden Konsonanten, um die Aussprache anderer Konsonanten zu erleichtern (vergl. dt. beim Wort(e) nehmen). Versetzung kommt nur bei Zischlauten aus Gründen des Wohlklanges vor.
Vertauschung und Versetzung haben mehr für lexikalische Fragen Bedeutung als für eigentlich grammatische.
Veränderung von Vokalen
Wie die Veränderung von Konsonanten ist auch die Veränderung von Vokalen kein isoliert auftretendes Phänomen der hebräischen Sprache, doch ist hier eine Regelhaftigkeit erkennbar. Außergewöhnlich sind dagegen die sogenannten
Pausa. So nennt man die verstärkte Betonung eines Wortes am Satzende. Die dabei vor sich gehenden Veränderungen der Vokale werden in der masoretischen Vokalisation, die als streng phonetisch anzusehen ist, schriftlich festgehalten. Dies hat zur Folge, dass ein Wort am Ende eines Satzes in anderer Schreibweise auftauchen kann, als innerhalb. Weiteres zu diesem Thema siehe im Artikel
Teamim.
Silbenbildung
Die Silbenbildung hat ebenfalls Einfluss auf die Bildung von grammatischen Formen. Im Hebräischen unterscheidet man zwei Möglichkeiten: Eine Silbe ist offen, d.h. sie endet mit einem Vokal (Kv), oder sie ist geschlossen, d.h. sie endet auf einem oder zwei Konsonanten, letzteres nur am Wortende (KvK, KvKK).
Silben, die mit einem Vokal beginnen, gibt es im Hebräischen nicht (strenggenommen im Deutschen auch nicht, nur dass wir den Stimmeinsatz (Alef, Ajin) vor dem Vokal nicht mitschreiben). Einzige Ausnahme ist der Buchstabe Waw in der Bedeutung und, der vor bestimmten Konsonanten als "u" ausgesprochen wird. Mehrere Vokale stehen nie nebeneinander. Es gibt keine Silben ohne Vokal.
Doppelkonsonanz am Silbenanfang wird aufgelöst, in dem der erste Konsonant ein kaum hörbares e (genannt Schwa) erhält (K°Kv). Dies hat für die Formenbildung Konsequenzen, in der Praxis wird dies je nach Sprechbarkeit gehandhabt (z.B. schetajim = zwei; im Ivrith schtajim).
Wortbetonung
Die Betonung eines hebräischen Wortes liegt - historisch betrachtet - auf der vorletzten Silbe (lat. Pänultima, hebr. mil'él). Im Laufe der Sprachgeschichte wurde diese durch den Abfall der kurzen Auslautvokale vielerorts zur letzten Silbe, so dass in heutiger Aussprachetradition meist die letzte Silbe (
lat. Ultima, hebräisch milrá') den Wortton trägt. Bei der Bildung grammatischer Formen kann die Betonung eines Wortes wechseln, (z.B. durch Anhängen der Personalpronomina ans Verb).
Die Wurzeln
Wurzelwörter (lat.:Radices, Einzahl: Radix, hebr. Schoresch=Wurzel ) des Hebräischen werden größtenteils in Verben verwendet, seltener in Nomen. Sie haben mit anderen semitischen Sprachen (z.B.
Arabisch) gemeinsam, größtenteils aus drei Konsonanten (Radikalen) zu bestehen (Dreiradikalität). Ursprünglich hat es auch zweikonsonantige Wurzeln gegeben. Da die dreikonsonantigen allerdings prägnant überwogen, wurden sie im Sprachgefühl als "richtig" angesehen und die kürzeren Wurzeln wurden auf drei Konsonanten verlängert. Dies geschah meist durch Verdopplung eines der Konsonanten. Worte, die naturgemäß kaum dem Sprachwandel unterliegen, zeigen noch kürzere Formen (
אב = 'aB = Vater,
אם = 'eM = Mutter,
אח = 'aCh = Bruder,
הר = HaR = Berg,
יד = JaD = Hand).
Die Wurzeln werden durch unterschiedliche Vokale modifiziert, sowie durch angehängte Silben (vergl. dt. binden, band, gebunden).
Da das hebräische Schriftbild die Konsonanten stark hervorhebt, während es die Vokale nur als optisch marginale Zusätze notiert, werden hier gewisse sprachliche Phänomene besonders augenscheinlich. So bezeichnen die Konsonanten das Bedeutungsfeld einer Wurzel, während die verbindenden Vokale die Bedeutungsnuance konkretisieren. Dies mag in allen Sprachen so sein, tritt aber nicht zuletzt auch wegen der überwiegenden Dreiradikalität im Hebräischen besonders zutage. Untersuchungen von Wurzeln und deren unterschiedlichen Modifikationen ergeben gelegentlich interessante Einblicke in die Denkweise einer archaischen Kultur (z.B. die Wurzel זכר, ZKR, im Verb ZaKaR = an etwas denken sowie im Adjektiv ZâKâR = männlich). Zum Teil können solche Betrachtungen aber zu Spekulationen und mystischen Deutungen verleiten, z.B in der Kabbala. Einen Einblick in die Funktion des Wurzelsystems im Arabischen erhalten Interessierte auf der Seite Radikale.
Das Nomen
Geschlecht und Zahl
Das Hebräische unterscheidet zwei Geschlechter (weiblich und männlich) in Ein- und Mehrzahl. Ein Neutrum gibt es nicht. Unbelebte Dinge werden durch männliche und weibliche Formen gebildet.
Abstrakta sind häufig weiblich.
Ein zusätzlicher Numerus im Hebräischen ist der auch in verwandten semitischen Sprachen verwendete Dual, eine Form, die für typischerweise im Paar auftretende Dinge gebraucht wird (יד = JâD = Hand, ידיים = JâDaJiM = Hände etc.), aber auch für einige Zeitbegriffe (יום = JoM = Tag, (ימים = JaMiJM = Tage, יומיים = JoMaJiM = zwei Tage).
Die Einzahl des männlichen Geschlechtes weist als "Grundform" keine besondere Endung auf. Männliche Nomen enden in der Mehrzahl oftmals auf ים- (-im); viele weibliche Nomen enden in der Einzahl auf ה- (-ah) bzw. ית- (-it) und in der Mehrzahl auf ות- (-ot), doch gibt es hierzu zahlreiche Ausnahmen. Das Wort ארץ = 'äRäZ = Erde, Land erscheint z.B. männlich, gilt aber trotzdem als weiblich, mit der Mehrzahlendung auf -ot (ארצות = 'aRaZoT). Es gibt auch Worte, die der Form nach als Mehrzahl erscheinen, aber wie einzahlige gebraucht werden (eLoHiJM=Gott).
Verbindung von zwei oder mehreren Nomen
Zu diesem Zweck gibt es wie in anderen semitischen Sprachen den sogenannten Status Constructus (siehe Syntax), der die Funktion des
Genitivs übernimmt und in Ein- und Mehrzahl des Nomens spezielle Formen bildet.
Nomenklassen
In der Literatur des Hebräischen werden phonetische und morphologische Bildungsprinzipien relativ ausführlich behandelt und klassifiziert. Dies mag lohnenswert erscheinen, insofern es sich um wenige, durchschaubare Prinzipien handelt. Zu den wichtigsten Klassen gehören die Segolata (dreikonsonantige Nomen, die mit
Segol - einem offenen ä - vokalisiert und auf der vorletzten Silbe betont werden).
Zugehörigkeit
Ein langes
i, an einem Nomen angehängt, drückt die Zugehörigkeit zu einem Land, Volk oder auch zu einer Zahl aus ('aMMoN=Ammon, 'aMMoNiJ= Ammoniter, vergleiche
Israeli, ShNaJiM=zwei, SheNiJ= der Zweite).
He an Nomen angehängt
Der Konsonant
He, der an ein Nomen angehängt wird, kann diesem eine richtungsweisende Funktion verleihen, so dass das Nomen zum Lokaladverb wird. Dieses Phänomen wird in der Fachsprache
He locale genannt. Beispiele:
ארץ = 'äRäZ= Erde, Land; mit He-Locale
ארצה = 'aRZâH = zur Erde hin bzw. ins Land;
מעל = Ma'aL = oben,
מעלה = Ma'LâH = nach oben.
Nomen mit Personalpronomen
In der hebräischen Sprache bilden Personalpronomina (dein, sein, mein etc.) mit dem dazugehörigen Nomen eine Worteinheit. Siehe unten unter Personalpronomen.
Das Adjektiv
Adjektive richten sich in Geschlecht und Zahl nach dem dazugehörigen Substantiv, wie in vielen europäischen Sprachen. Die Adjektive sind in der Regel dem Nomen nachgestellt. Beispiel:
shana: Jahr,
tov/tova: gut (männliche/weibliche Form),
shana tova: ein gutes Jahr.
Im Unterschied zu den meisten Sprachen kennt Hebräisch keine Steigerungsformen (besser, schneller...). Vergleiche werden ausschließlich durch die Präposition min (Kurzform mi) ausgedrückt, die sonst meistens mit von übersetzt wird, bei einem Vergleich aber dem deutschen als entspricht. Dies hat in einigen Fällen zu falschen Bibelübersetzungen geführt. Ein bekanntes Beispiel ist Genesis Kapitel 49, Vers 11. In seinem abschließenden Segensspruch für seine zwölf Söhne wendet sich der Patriarch Jakob an Juda und sagt (in der Version der Elberfelder Bibel): Seine Augen sind trübe vom Wein und seine Zähne weiß von Milch. Eine solche Übersetzung würde auf übermäßigen Alkohol- und Milchkonsum hindeuten. Gemeint ist vielmehr: Seine Augen sind funkelnder als Wein, seine Zähne sind weißer als Milch.
Zahlwörter
Für
Grundzahlwörter von drei bis zehn gilt die Regel der
umgekehrten Polarität, d.h. weibliche Formen der Zahlwörter werden mit männlichen Formen des Nomens verbunden und umgekehrt. Die Regel der umgekehrten Polarität geht auf die protosemitische Epoche zurück; eine überzeugende Erklärung ist dafür bisher nicht gefunden worden. Beispiel:
sch°loscha 'anaschim = drei Männer, schalosch naschim: drei Frauen.
Zwischen 11 und 20 wird die Einerzahl der Zehnerzahl vorangestellt (wie im Deutschen), über 20 wird die Einerzahl der Zehnerzahl nachgestellt und mit und verbunden (wie im Französischen). Beispiel:
'achad-asar (m.) = elf (wörtl. eins-zehn); esrim w'echad (m.) = einundzwanzig (wörtl. zwanzig und eins)
Von eins bis zehn gibt es spezielle Ordnungszahlen. Größere Ordnungszahlen werden durch die entsprechenden Kardinalzahlen mit dem bestimmten Artikel gebildet.
Die Ordnungszahlen enden in der Grundform (Einzahl maskulin) auf ein Jod und sind von der entsprechenden Kardinalzahl abgeleitet, Beispiel:
שישי = schischi = sechster, von שיש = schesch = sechs.
Einzige Ausnahme ist das Wort für erster: Rischon ist nicht vom Wort für eins (echad) abgeleitet, sondern von der Wurzel ר-א-ש, die im Wort rosch erscheint (Kopf, Haupt, Anfang).
Das Verb
Allgemeines
Dem hebräischen Verb liegt meist eine dreikonsonantige Wurzel zugrunde, welcher der Sinn des Bedeutungsfeldes anhaftet. Diese Wurzel erhält durch unterschiedliche Vokalisation und weitere Elemente ihre konkrete Bedeutung im Satz (vergl. dt. BND: BiNDe, BaND, geBuNDen, der BuND, das BaND etc.)
In hebräischen Wörterbüchern ist es bei Verben üblich, als Stichwort diese Wurzel anzugeben und alle abgeleiteten Formen unter dieses Stichwort einzuordnen.
Es werden regelmäßige und unregelmäßige Verben unterschieden. Unregelmäßige Verben beruhen auf einer Wurzel, deren Konsonanten unter Umständen bei Formenbildung Veränderungen erfahren, sei es, dass sie nicht mehr gesprochen werden oder dass sie auch in der Schrift ganz entfallen. Unregelmäßig sind auch diejenigen Verben, deren Wurzel nur aus zwei Konsonanten besteht.
Zwei Zeitformen
Man unterscheidet weiterhin zwischen konjugierbaren und nicht-konjugierbaren Formen (Partizip, Infinitiv) und innerhalb der konjugierbaren Formen zwei Zeitformen. Das
Perfekt ist die Zeitform für vollendete Handlungen und zeigt meist auch eine Vorzeitigkeit an, das
Imperfekt ist die Zeitform für unvollendete Handlungen und zeigt meist eine Nachzeitigkeit an. Die Verwendung des
Imperfekts ist meist mit dem deutschen
Futur I vergleichbar. Die Zeitformen werden nach ihren Bildungsweisen auch
Präfix- und
Suffix-Konjugation benannt (bzw.
Präformativ- und
Afformativ-Konjugation). Zu deren Bedeutung innerhalb des Satzes, siehe Syntax.
Beispiel für Perfekt- und Imperfektformen des regelmäßigen Verbs כתב katav (schreiben):
| Perfekt | | Imperfekt |
|
| katávti | ich habe geschrieben | 'ächtóv | ich werde schreiben
|
| katávta | du hast geschrieben | tichtóv | du [m. wirst schreiben
|
| katávt | du hast geschrieben | ticht°ví | du [f. wirst schreiben
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| katáv | er hat geschrieben | jichtóv | er wird schreiben
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| kat°vá | sie hat geschrieben | tichtóv | sie wird schreiben
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| katávnu | wir haben geschrieben | nichtóv | wir werden schreiben
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| k°tavtäm | ihr habt geschrieben | ticht°vu | ihr [m. werdet schreiben
|
| k°tavtän | ihr habt geschrieben | tichtóvna | ihr [f. werdet schreiben
|
| kat°vú | sie haben geschrieben | jicht°vú | sie [m. werden schreiben
|
| kat°vú | sie haben geschrieben | tichtóvna | sie [f. werden schreiben
|
dient dem Zeilenumbruch, bitte nicht entfernen
Konjugationsstämme
Zum Ausdruck verschiedener Aktionsarten kennt das Hebräische ein System von Modifikationen des Verbalstammes. Man spricht von "Konjugationsstämmen", hebr.
binjanim. Die unveränderte Reihe bezeichnet man als "Grundstamm" (G-Stamm), hebr.
qal. Zu ihr existiert eine Passivreihe, von der sich im Biblischen Hebräisch aber nur Reste erhalten haben. Einziges Überbleibsel ist das Partizip passiv. Daneben gibt es den N-Stamm, hebr.
nif'al. Er erfüllt zumeist die Funktion eines Reflexivs oder Passivs zum Grundstamm, hat aber gelegentlich auch aktive Bedeutung.
Zum Ausdruck des Veranlassens werden die sog. "Kausativ-Stämme" (K-Stämme), hebr. hif'il bzw. hof'al (passiv) benutzt. Sie werden im Perfekt durch Vorsetzen der Silbe hi bzw. ho gebildet. Oft empfiehlt sich eine Hilfsübersetzung mit der Bedeutung im Grundstamm + lassen. Bsp.: G-Stamm "kommen", K-Stamm "kommen lassen" = "bringen".
Eine dritte Gruppe bilden die Intensiv- bzw. Doppelungs-Stämme (D-Stämme). Ihr Charakteristikum ist die Verdoppelung des mittleren Wurzelkonsonanten. Zum sog. pi'el existiert als Passiv das pu'al und als Reflexiv das hitpa'el. Die Bedeutung wurde in älteren Theorien in der Intensivierung des im Grundstamm ausgedrückten gesehen. Diese Ansicht lässt sich aber kaum halten.
Sonderfälle
=
An einige Imperfektformen der ersten Person Singular wird der Buchstabe
He (
He cohortativum (von lat.
cohortor = ermuntern, anfeuern, ermahnen)) angehängt. Es verleiht dem Verb die Bedeutung des Wünschens, Wollens oder der Selbstermunterung. ('äSKoR = ich gedenke, 'äSK°RaH = ich will gedenken).
=
Durch ein
Waw in der Bedeutung von
und, das einer konjugierten Verbform vorangestellt wird, erhält eine Vergangenheitsform eine Zukunftsbedeutung und umgekehrt. Beispiel:
hajáh = es war;
wehajáh = und es wird sein.
jidabér = er wird sprechen;
wajidabér = und er sprach.
=
Die Hinzufügung des Buchstabens
Nun - ein n - an Verbformen heißt in der Fachsprache
Nunation oder auch
Nun paragogicum (von griech.
paragoge = Verlängerung). Da dieses Nun keine grammatikalische Bedeutung hat, wird es beim Übersetzen nicht berücksichtigt. Es entspricht in diesem Sinne dem -e in deutschen Dativformen wie "dem Kind
e", "dem Mann
e", die hauptsächlich um des Wohlklangs willen geschrieben werden. Zur Bedeutung der Nunation in der arabischen Grammatik siehe den Artikel
Nunation.
Personalpronomen
In der hebräischen Sprache bilden die Peronalpronomen mit den betreffenden Nomen, Verben und Partikeln eine Worteinheit. Nur im Nominativ erscheinen sie als separate Wörter ('ani= ich, hu' =er). Dies ist nicht nur so zu verstehen, dass man einfach den Leerraum zwischen den Worten weglässt. Das mit Personalpronomen versehene Wort kann dabei seine innere Struktur verändern (MiN=von, MeHäM=von ihnen, SiKâRoN=Gedächtnis, SiKRoNeJKäM=euer Gedächtnis).
Man geht davon aus, dass alle Personalpronomen ursprünglich separate Worte waren und sich mit der Zeit so eng an das Bezugswort anschlossen, dass sie mit diesem eine Einheit bildeten (vergl dt. er hat's).
Partikel
Partikel sind diejenigen Teile der Sprache, welche die Beziehung zwischen den Wörtern herstellen. Sie sind ihrer Natur nach später als Nomina und Verben entstanden. Es handelt sich größtenteils um
Konjunktionen und
Präpositionen. Die wichtigste hebräische Konjunktion ist
Waw in der Bedeutung
und, das mit dem anschließenden Wort nahtlos verbunden wird (siehe "Das Verb"). Die am häufigsten gebrauchten Präpositionen sind einsilbig, wobei es sich um eine offene Silbe handelt. Solche Präpositionen werden mit dem folgenden Substantiv ebenfalls nahtlos verbunden, werden also zu einer
Vorsilbe. Beispiele:
beth, ausgesprochen "be" bzw. "ba", wenn das Substantiv mit Artikel definiert ist, bezeichnet die Standortangabe:
בארץ = Ba'aRäZ = im Land.
Lamed, ausgesprochen "le" bzw. "la" in der definierten Form, bezeichnet die Richtungsangabe:
לארץ = La'aRäZ = ins Land. Ferner gibt es Präpositionen, die aus einer geschlossenen Silbe bestehen, wie z.B.
ToCH = "inmitten von" oder
MuL = "vor", oder auch mehrsilbige Präpositionen wie
LiQRaT = "entgegen". Diese werden mit dem nachfolgenden Wort nicht direkt verbunden, sind also selbständige Wörter.
Status Constructus
Der Status constructus (=Verbindung eingehende Stellung) hat die Funktion des Genitives. Er zeigt ein Abhängigkeitsverhältnis an. Der Unterschied zu unserem Genitiv besteht darin, dass sich nicht das Wort beugt, das im Genitiv steht (
König,
Vater des Königs), sondern das Wort, dass den Genitiv verlangt (
aB=Vater,
MeLeCh= König,
aBi MeLeCh= Vater des Königs). Das ist inhaltlich identisch, aber eine andere syntaktische Form. Die Normalform bezeichnet man als Status absolutus.
Literatur
Jenni, Ernst: Das hebräische Pi'el: Syntaktisch-semasiologische Untersuchung einer Verbalform im Alten Testament. Zürich 1968.
Siehe auch
Hebräisch