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Unter Leverage-Effekt (engl. "Hebelkrafteffekt") wird die Hebelwirkung der Finanzierungskosten des Fremdkapitals auf die Eigenkapitalverzinsung verstanden.

Berechnungsmethode


Wenn die Gesamtkapitalrendite rGK (Interner Zinsfuß der Investition) höher ist als der Fremdkapitalzinssatz iS, erhöht sich mit zunehmendem Verschuldungsgrad V (Verhältnis von Fremd- und Eigenkapital) die Rendite rEK des eingesetzten Eigenkapitals.

Unter der Prämisse, dass der Fremdkapitalzinssatz konstant auch bei hohem Verschuldungsgrad ist, gilt folgende Formel:

r_{EK} = r_{GK} + V \cdot (r_{GK} - i_s)

Leverage-Risk


Der Leverage-Effekt kann indes auch negative Auswirkungen auf die Eigenkapitalverzinsung hervorrufen: Liegt die Gesamtkapitalrentabilität unter dem Zins des Fremdkapitals, verringert sich die Eigenkapitalrentabilität umso stärker, je größer der Anteil der Fremdfinanzierung an der Gesamtfinanzierung der Investition ausfällt. Dieser negative Effekt wird Leverage-Risk genannt.

Zu beachten ist ferner, zu welcher Rendite eventuell überschüssiges oder freigesetztes Kapital angelegt werden kann, wenn der Leverage-Effekt ausgenutzt werden soll.

Beispiele


Beispiel 1

Ein Unternehmen kann ein Projekt mit einer Rendite auf das eingesetzte Kapital (rGK) von 10 Prozent erzielen. Das gesamte eingesetzte Kapital beträgt 1000 Euro und wurde hälftig durch Eigenkapital und Fremdkapital (also je 500 Euro) finanziert. Der Gewinn beträgt somit 100 Euro. Der FK-Zins, den das Unternehmen dem FK-Geber zahlen muss, beträgt 2 Prozent = 10 Euro, da 500*0,02. Den Rest des Gewinnes (90 Euro) erhält das Unternehmen. Die Rendite beträgt somit 18 Prozent (90/500 * 100), da sie diesen Gewinn zur Hälfte aus Eigenkapital erwirtschaftet hat.

Der Leverage Effekt ist die Differenz aus Rendite und Zinsaufwand, also 90 Euro (100-10) oder 18 Prozent auf sein eingesetztes Kapital. Was das bedeutet, wird im Beispiel 2 klar.

Exkurs 1: Die EK-Rendite (Rentabilität) ist geringer, da mehr EK (die Hälfte) zur Verfügung stand.

Beispiel 2

Das gleiche Unternehmen (rGK 10 Prozent, FK-Zinssatz 2 Prozent) reduziert nun den EK-Anteil am Projekt von 500 Euro auf 200 Euro. Für die Lücke kommt FK mit dem unveränderten FK-Zinssatz auf. Somit beträgt das FK nun 800 Euro.

Aus den unveränderten Gewinnen von 100 Euro müssen nun 16 Euro (2*800/100) für Zinsen bezahlt werden. Der Rest des Gewinnes beträgt 84 Euro, welche mit nur 200 Euro eingesetzem EK-Kapital erwirtschaftet wurden. Die EK-Rendite beträgt neu 42 Prozent (84*100/200).

''Exkurs 2: Die EK-Rendite (Rentabilität) hat sich deswegen erhöht, weil weniger EK zu Verfügung stand, jedoch die Gewinnerzielung die gleiche ist.

Beispiel 3

Nun ändern wir die Bedingungen für Fremdkapital fundamental! Plötzlich ist für das Fremdkapital ein Zinssatz von 12 Prozent zu bezahlen (vorher 2%). Aus dem Gewinn von 100 Euro sind plötzlich 96 Euro (12*800/100) an FK-Zinsen zu bezahlen. Für das Unternehmen verbleiben 4 Euro (100-96), was einer EK-Rendite von nur noch 2 Prozent (4*100/200) entspricht.

Schlussfolgerungen

Die Grundannahme für Beispiel 2 ist, dass die Gesamtkapitalrendite größer als der FK-Zinssatz ist. In einer solchen Konstellation ist es sinnvoll, eigenes Kapital möglichst durch Fremdkapital zu ersetzen. Man kann zudem noch die gezahlten Zinsen von den Steuern absetzen, was einen zusätzlichen Steuervorteil aus der Verschuldung ergibt (Tax-Shield). Zinsen bedeuten Aufwand, dieser mindert den Gewinn, welcher versteuert werden muss. Dies wurde jedoch in den obigen Beispielen vernachlässigt.

Falls die Gesamtkapitalrendite kleiner wäre, als der Zinsatz für Fremdkapital, dann würde es sinnvoller sein, die Investition zu unterlassen und das EK zu FK-Zins anzulegen (Kapitalverzinsung z.B. durch Wertpapieranlage). Dadurch würde mehr Ertrag erwirtschaftet werden und zudem kein Investitionsrisiko bestehen. Unter dieser Annahme wird klar, dass der Hebeleffekt nur solange spielt, wie der FK-Zins unter der Gesamtkapitalrendite liegt.

In Beispiel 3 wird klar, dass sich bei teurerem Fremdkapital oder bei einbrechender Rendite die Gesamtrendite entsprechend dem Hebel auch ins Negative kehren kann. Dies ist das Leverage-Risk.

Leverage-Effekt am Terminmarkt


Analog zu den Wirkungen des physikalischen Hebelgesetzes ermöglicht dieses Phänomen den Terminmarktteilnehmern, mit geringen Mitteln verhältnismäßig große Positionen im Basiswert einzugehen. Dies bedeutet jedoch auch, dass die prozentuale Veränderung der Gewinne und Verluste auf Terminkontrakten und Optionen größer ist als die entsprechende Veränderung des Basiswertes.

Siehe auch


Wertpapiere und Börse | Finanzierung

Leverage (finance) | Velkavipu | Dźwignia finansowa | Финансовый рычаг | 資金槓桿

 

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