Hausunterricht (auch Heimunterricht, "Domizilunterricht" oder Homeschooling auf Englisch) ist eine Form der Bildung und Erziehung, bei der die Kinder zu Hause von den Eltern oder Privatlehrern statt in Schulen unterrichtet werden. Die konkrete Praxis des Hausunterrichts kann sehr unterschiedlich aussehen. Das Spektrum reicht von stark strukturierten, an traditionellem Schulunterricht orientierten Formen bis zu sehr offenen wie dem Unschooling.
Das Phänomen Homeschooling stammt ursprünglich aus den USA, wo es sowohl aufgrund der möglichen Entfernung zur nächsten Schule als auch aus weltanschaulichen Gründen traditionell verankert ist und wo zur Zeit fast 2 Millionen Kinder zu Hause unterrichtet werden.
Siehe auch:
In Europa ist Hausunterricht vielfach nur eingeschränkt zulässig.
In den meisten europäischen Ländern besteht Bildungspflicht, das heißt die Vermittlung von Wissen ist für das Kind nicht an den Besuch einer Schule aber an Unterricht gebunden. Werden Kinder zu Hause unterrichtet, so wird z.B. in Österreich der Wissensstand der Kinder in regelmäßigen Abständen von einer geeigneten staatlichen Schule überprüft. Schüler staatlich nicht anerkannter Schulen (zum Beispiel viele Montessori-Schulen) werden nach dem gleichen Prinzip geprüft. Wenn ein Kind diese Prüfung, die sich auf den gesamten Jahresstoff bezieht, nicht schafft, muss es im Folgejahr eine staatliche Schule besuchen.
In der Schweiz finden Hausbesuche in der Familie statt. Leitfaden des Unterrichts ist hier jeweils der staatliche Bildungsplan. Die Gesetze sind aber je nach Kanton sehr unterschiedlich Beispielregelung Schweiz.
In Dänemark ist Heimunterricht vergleichsweise weit verbreitet; es gibt auch hier staatliche finanzielle Unterstützung beim Kauf von Unterrichtsmaterialien. Dänemark kennt seit 1855, also seit mehr als 150 Jahren, keine Schulpflicht mehr, sondern dort herrscht Bildungspflicht.
Da in Deutschland nicht Bildungspflicht, sondern Schulpflicht besteht und diese im Gegensatz z.B. zur schwedischen oder österreichischen Schulpflicht an einen Schulbesuch gebunden ist, darf nur in Sonderfällen von dem Besuch einer Schule abgesehen und Hausunterricht erteilt werden. Die herrschende Rechtsprechung erlaubt Hausunterricht nur für Schüler, deren Eltern im Ausland arbeiten, oder für Schüler, die wegen Behinderung oder Krankheit nicht transportfähig sind ("Krankenunterricht"). Auch hier ist der staatliche Lehrplan Grundlage des Unterrichts. Durch alle diese Einschränkungen wird so in Deutschland zur Zeit z.B. auch Fernunterricht verhindert.
Immer wieder ist die deutsche Schulpflicht vor allem von religiöser Seite zugunsten von Heimunterricht in Frage gestellt worden.
Im Jahre 2002 kam es zu Verfahren und Einsätzen gegen eine neue christliche Glaubensgemeinschaft namens Die Zwölf Stämme und im Winter 2003 kam es zu einem Verfahren gegen eine Familie aus Hessen, die für sich in Anspruch nahm, bibeltreue Christen zu sein und ihre fünf schulpflichtigen Kinder von der Schule abgemeldet hatte. Alle Verfahren gingen jeweils mit Entscheidungen gegen die Eltern aus. Es wurden Buß- und Zwangsgelder von über 130 000 Euro gegen die Glaubensgemeinschaft verhängt, jedoch nie bezahlt. Im November 2004 gab es ernsthafte Versuche von Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft Zwölf Stämme, den Konflikt mit den Behörden durch einen Kompromiss etwa durch das Angebot an das zuständige Kultusministerium, durch den Besuch eines Schulpsychologen einen Eindruck vom Leistungsstand der Kinder zu erhalten.
Von Kritikern des religiös motivierten Heimunterrichts wird betont, dass auch Kinder von Eltern mit strengen religiösen Vorstellungen das Recht haben müssen, sich über Sexualität, Naturwissenschaften und andere Weltanschauungen zu informieren, deren Ablehnung durch die Eltern häufige Gründe für Heimunterricht sind. Auch der Umgang mit Gleichaltrigen unterschiedlicher Herkunft soll den Kindern nicht verwehrt bleiben.
Nach einer Schätzung der "Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen" werden in Deutschland zwischen 40 und 80 Kinder aus religiösen Gründen nicht zur Schule geschickt, insgesamt wird die Zahl der Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, derzeit auf 500 bis 3000 (Focus) geschätzt.
Siehe auch: Christlicher Fundamentalismus.
Neben diesen religiösen Gründen sind die Motive der Familien, die Heimunterricht praktizieren, vielfältig. In Umfragen und Studien meistgenannte Gründe:
siehe auch: Ivan Illich (Entschulung der Gesellschaft, Schule ins Museum), John Holt (Growing Without Schooling), Pierre Bourdieu (Die Illusion der Chancengleichheit, Homo academicus) und Freie Schule (Summerhill u.a.), Raimund Pousset ("Schafft die Schulpflicht ab!"), Antiautoritäre Erziehung
Vor Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht war Hausunterricht insbesondere in den höheren Ständen verbreitet; in den meisten Königshäusern Europas wurde es sogar erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts üblich, den Nachwuchs in eine Schule zu schicken.
Hausunterricht erhielten in ihrer Jugend unter anderem
Bis ins 19. Jahrhundert hinein war das Dasein als Hauslehrer ("Hofmeister") für viele stellenlose Akademiker der einzige Weg, der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Als Hofmeister arbeitete unter anderem Friedrich Hölderlin.
siehe auch die Freie Schule für Bauernkinder, gegründet von Leo Tolstoi
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