Als Hauskirche bezeichnet man im Christentum Gruppen, die den Gottesdienst hauptsächlich in kleiner Gemeinschaft in privaten Häusern abhalten und nicht in einer größeren Gemeinschaft in speziellen Kirchenräumen. Solche Hauskirchen können einzeln existieren oder Teil einer mehr oder weniger organisierten größeren Gemeinschaft sein.
Das Urchristentum begann mit Hauskirchen. In den ersten Jahrhunderten waren Hauskirchen üblich, schon aus praktischen Gründen während Verfolgungen. Auch später gab es in der Kirchengeschichte dort Hauskirchen, wo es keine speziellen Kirchenräume gab oder wo die Kirche sich im Untergrund halten musste. Eine große Rolle spielen solche Hauskirchen heute beispielsweise im chinesischen Christentum.
In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstand in der evangelikalen Tradition eine so genannte Hauskirchenbewegung, die sich bewusst in Hauskirchen organisiert und dafür eine eigenständige Kirchenlehre entwickelt hat.
Im Judentum spielte die Familiengemeinschaft parallel zum zentralen Tempel und zu den Synagogen eine wesentliche Rolle für das Glaubensleben. Die wöchentliche Sabbatfeier und viele jüdische Feste fanden im Rahmen der Familie statt und die Verantwortung für die Weitergabe des Glaubens an die Kinder lag bei der Familie.
Von Jesus werden im Neuen Testament viele Aufenthalte in privaten Häusern und Teilnahme an privaten Feiern berichtet. Auch das Abendmahl fand in einem privaten Rahmen statt. Die ersten jüdischen Christen trafen sich in Privathäusern für Abendmahlsfeiern und nahmen parallel dazu am jüdischen Tempelkult teil. Außerhalb des Judentums war das Privathaus in der ersten Zeit die einzige praktikable Möglichkeit für christliche Gemeinschaft.
Gegen Ende des zweiten Jahrhunderts versammelten sich die Gemeinden auch in den oft unterirdisch angelegten Grabstätten von Märtyrern. Zum Rückgang der Hauskirchen führten im dritten Jahrhundert die zunehmende Größe der Gemeinden, die mehr und mehr ausgebaute organisatorische Struktur der Kirche, zu der teilweise auch Schulen gehörten, und die stärker betonte Feierlichkeit der Liturgie, die dafür einen besonderen Platz erforderte. Neben den schlichten Hauskirchenversammlungen gab es jetzt in großen Privathäusern spezielle Kapellenräume, zu Kirchen umfunktionierte Gebäude sowie auch bereits einzelne zu diesem Zweck errichtete Kirchengebäude.
Diokletian ordnete im Rahmen der nach ihm benannten Verfolgungen im Jahre 301 die Zerstörung von Kirchen an. Auch das Toleranzedikt von Nikomedia, das den Christen erlaubt, ihre Kirchen wieder herzustellen, und das Toleranzedikt von Mailand von 312 bestimmte, dass die Christen ihre Versammlungsstätten zurückerhalten sollten, weisen darauf hin, dass es schon vor der konstantinischen Wende zahlreiche Kirchengebäude gegeben hat.
Nach der konstantinischen Wende entstanden zahlreiche und immer prächtigere Kirchengebäude - sowohl Konstantin als auch seine Mutter Helena ließen selbst Kirchen bauen und die Gottesdienste fanden üblicherweise in Kirchengebäuden statt. In Situationen der Verfolgung gab es aber immer noch Versammlungen in zu Kirchen umfunktionierten Räumen in Privathäusern wie beispielsweise die Anastasia-Kirche, in der Gregor von Nazianz 379/80 im arianisch dominierten Konstantinopel predigte.
Auch im Laufe der Expansion des Christentums im Frühmittelalter in Europa kam es immer wieder zu Hauskirchensituationen, wenn etwa die christliche Frau eines heidnischen Königs die Erlaubnis hatte, mit ihrem Gefolge privat Gottesdienste zu feiern.
Während des Hoch- und Spätmittelalters gab es Hauskirchen notgedrungen in den meisten christlichen Bewegungen außerhalb der Kirche, beispielsweise bei den Bogomilen, Waldensern und Lollarden.
In der Reformationszeit wurden innerhalb mancher reformatorischen Kirchen Hausversammlungen parallel zu kirchlichen Gottesdiensten wieder aufgewertet, sowohl im Calvinismus wie bei Martin Luther: "Die dritte Form der Messe sollte eine wahre evangelische Ordnung sein und sollte nicht öffentlich für alle Arten von Menschen abgehalten werden. Diejenigen, die mit Ernst Christ sein wollen und das Evangelium mit der Tat und dem Munde bekennen, müssten sich mit Namen eintragen und sich etwa in einem Hause für sich allein versammeln um zu beten, die Bibel zu lesen, zu taufen, die Sakramente zu empfangen und andere christliche Werke zu tun..." Daneben gab es weiterhin Hauskirchen unter allen Konfessionen, wenn sie sich in der Situation der verfolgten Minderheit sahen, insbesondere bei den Täufern und Hugenotten.
Im Pietismus und Methodismus kam es zu einer systematischen Bildung von verbindlichen Hauskreisen, die sich zur Vertiefung des Glaubenslebens in Privathäusern trafen, in Ergänzung zum Gottesdienst und den Sakramenten, nicht als Ersatz derselben.
Hauskreise in der Art des Pietismus gibt es bis heute in vielen evangelischen Kirchen und Freikirchen. Einen besonderen Aufschwung erlebten sie in der charismatischen Erneuerung ab den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts, in der neu auch viele Hauskreise in der katholischen Kirche und viele überkonfessionelle Hauskreise und Hauskreisbewegungen entstanden. Gemeinsam ist diesen Hauskreisen, dass sie sich als Ergänzung zur Kirche sehen und nicht als eigenständige Kirche. In einigen dieser Hauskreise gibt es gemeinsame Abendmahlsfeiern, aber generell werden Sakramente und Sonntagsgottesdienst als Sache der Kirchen angesehen.
Neben den Hauskreisen gibt es bis in die Gegenwart Hauskirchen, wo das gesamte kirchliche Leben in Privathäusern stattfinden, insbesondere im Untergrund in kommunistischen oder islamischen Ländern wo das Christentum offiziell verboten ist.
Eine ganz besondere Rolle spielt die Hauskirchenbewegung in China, wo die kommunistische Regierung 1948 sämtliche christlichen Missionare aus dem Land schickte, die etwa 30'000 bekehrte Christen zurückließen. Erlaubt war nur noch die staatlich kontrollierte "Drei-Selbst-Kirche", jede andere Form des Christentums war verboten. Vierzig Jahre später, als wieder eine gewisse Kommunikation mit China möglich wurde, entdeckte man, dass aus den wenigen unabhängigen Christen, die sich nur im Verborgenen in Privathäusern treffen konnten, die über keine Theologen und über eine vollständige Bibel verfügten, eine Hauskirchenbewegung entstanden war, die auf 80 Millionen Anhänger geschätzt wird.
Aber auch in Indien wächst die Hauskirchenbewegung multiplikativ. Im Westen wird nicht alles "Hauskirche" genannt, was ähnliche Werte repräsentiert. Ihre Grundsätze sind jedoch zu finden im Begriff der "Organic Church"-Bewegung um Neil Cole, oder auch der Emerging Church-Bewegung. In Europa ist die Hauskirchenbewegung verhältnismäßig klein. Ein übergreifendes Konzept oder auch nur eine zentrale Webseite gibt es nicht. Bestimmte biblische Werte hingegen sind für Hauskirchen typisch: Gemeinschaft, Mitverantwortung, gemeinsamer Dienst, Schlichtheit. Beziehungen sind wichtiger als Programme. Gebet, Lehrgespräch und Mahlzeiten charakterisieren ein hauskirchliches Treffen. Ganz praktisch soll Jüngerschaft (Nachfolge von Jesus Christus) in einer Hauskirche gelebt und gefördert werden.
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