Das Hauskaninchen ist die domestizierte Form des europäischen Wildkaninchens.
Hauskaninchen1.jpg | Kaninchen1.jpg Hauskaninchen werden sowohl als Nutztiere zur Fleisch- und Pelzproduktion als auch als Heimtiere gehalten, wofür sich vor allem die Zwergrassen eignen. Als "Kuscheltiere" für Kinder sind Hauskaninchen kaum geeignet.
Das lat. Wort lebt unter anderem im Altfranzösischen in den beiden Formen conil und conin fort; letztere wurde (möglicherweise über das Niederländ. conijn) im 16. Jahrhundert als kanin ins Mittelhochdeutsche übernommen, zu dem dann die Verkleinerungsform Kanin-chen gebildet wurde.
Auf anderem Weg war das lat. Wort auch schon als mittelhd. küniclin entlehnt worden. Da dieses Wort an künic "König" bzw. dessen Verkleinerungsform küniclin anklingt, wurde es durch Volksetymologie auch als "kleiner König" interpretiert, woraus die landschaftlichen Bezeichnungen Königshase (bair. kiniglhaas) hervorgegangen sind.
Dazu passt der reale Befund, denn bewusst gezüchtet wird das Kaninchen erst seit dem späten Mittelalter. In Klöstern wurden die Tiere in Käfigen gehalten, da die Mönche, die in den Fastenzeiten vegetarisch leben sollten, Kaninchen kurzerhand zur "fleischlosen Kost" erklärten. Schon im 16. Jahrhundert züchtete man verschiedenen Rassen von Hauskaninchen als Nutztiere. Dabei züchtete man zuerst Rassen mit größerem Körpergewicht, da Wildkaninchen nur 2 bis 2,5 kg wiegen. Später züchtete man dann auch kleinere Rassen.
Der BDK führt einen eigenen überlieferten Standard. Der ZDK hat in Deutschland 88 Rassen in 370 Farbenschlägen anerkannt, die in 7 Abteilungen geordnet sind.
Die Rassestandards anderer Länder führen weitere Rassen, die dort gezüchtet werden. Für Europaschauen gilt der Europastandard. Darüber hinaus bemüht sich insbesondere der BDK (Bund Deutscher Kaninchenzüchter e. V. von 1892) um das vom Aussterben bedrohte Belgische Bartkaninchen, welches von diesem Verband bereits anerkannt wird.
Während heutzutage Kaninchen wohl eher als Spieltiere gesehen werden, waren sie in der Vergangenheit auch wichtiger Wirtschaftsfaktor. So wurden die Felle einiger Rassen als Imitat für Pelze verwendet (Das Fell der Rasse Castor-Rex z. B. ähnelt dem Biberpelz), und auch Produktion und Weiterverarbeitung von Angora-Wolle spielten eine Rolle. Löwenkopfkanichen haben langes Fell und müssen oft gebürstet werden. Sie heißen so, weil ihr Kopf wie eine Löwenmähne aussieht.
Eine Besonderheit der Tierart ist ihre sprichwörtliche Fähigkeit zur Fortpflanzung, welche in der freien Wildbahn das Überleben dieser als Beutetier sehr begehrten Tiere sicherstellt. Gleich zwei Mechanismen sichern eine optimale Reproduktionsleistung. Zum einen sorgt die kopulationsinduzierte Ovulation dafür, dass bei einem Deckakt gleichzeitig ein Eisprung erfolgt, was die Paarung sehr effektiv macht. Eine weitere Einrichtung ist der Uterus duplex, über welchen die Tiere quasi über zwei voneinander unabhängige Fortpflanzungsorgane verfügen.
Kleinwüchsige Tiere (so genannte Zwergkaninchen) vererben ihre Körpergröße relativ häufig nicht stabil weiter, selbst wenn sie mit Artgenossen aus kleinwüchsigen Zuchtlinien verpaart werden. Das heißt: Schon die Embryonen werden dann im Mutterleib viel zu groß für die Mutter. So kommt es häufig zu Totgeburten oder gar zum Absterben der Embryonen vor der Geburt, was eine Notoperation der Mutter zur Folge hat. Die Verpaaarung von kleinwüchsigen Kaninchen aus nicht genau bekannten Zuchtlinien kann daher äußerst riskant sein.
Kaninchen, fälschlicherweise oft als Hasen bezeichnet oder mit diesen gleichgestellt, lassen sich nicht mit Hasen kreuzen, da diese eine andere Art darstellen.
Die Ernährung mit kommerziellen Trockenfuttermitteln entspricht in der Regel nicht den physiologischen Bedürfnissen von Kaninchen, da die angebotenen Produkte als wesentliche Inhaltsstoffe verschiedene Getreidearten, Melasse oder Honig enthalten und zu energiereich sind. Handelsübliche Mischfuttermittel sollten nur in geringem Umfang (etwa 1 Eßlöffel pro Tag) verabreicht werden. Deren leichte Verdaulichkeit hat verschiedene negative Effekte: neben der Tatsache, dass die Tiere infolge des zu hohen Energieangebotes verfetten, kommt es durch den geringen Gehalt an Rohfasern zu einer "Unterforderung" des Darmes, was sich in bakteriellen Fehlbesiedlungen (Dysbakterie) und damit verbundenen Durchfallerkrankungen auswirken kann. Der zu geringe Zahnabrieb begünstigt die Entstehung von schwerwiegenden Maulhöhlenerkrankungen. Die Verfettung bei übermäßiger Kraftfuttergabe führt zu weiteren Problemen wie Kreislaufschwäche oder wunden Läufen.
Grundlegender Nahrungsbestandteil von Kaninchen sind Heu und Wasser. Die Qualität des Heus kann man an der Länge der einzelnen Halme sehen (ca. 20-35 cm), außerdem sollte es einen wesentlichen Anteil von Wiesenkräutern haben. Gutes Heu muss grün sein und nicht grau, es duftet natürlich und aromatisch. Wichtig ist auch, dass es von biozidfreien Wiesen kommt, ebenso darf es nicht feucht und muss schimmelfrei sein. Um Verschmutzungen der Nahrung zu vermeiden, bietet sich die Verwendung entsprechender Vorratsbehältnisse (Raufe, Trinkflasche) an.
Neben Heu und Wasser ist Frischfutter für Kaninchen der zweite wesentliche Nahrungsbestandteil. Es sollte stets frisch und nicht nass sein. Futterpflanzen, Gemüse und Obst sind reich an Eiweiß und Kalzium und haben einen hohen Nährstoffgehalt. Übliche Nahrungsbestandteile sind Fenchel, Möhren, Gurke, Apfel, Feldsalat, Knollensellerie, rote Beete, Petersilie, Löwenzahn, Schafgarbe, Johannisbeerblätter, Kohlrabiblätter und andere frische Kräuter. Frisches Gras kann nach der Gewöhnung in großen Mengen angeboten werden. Der Obstanteil sollte den Gemüseanteil aufgrund seines hohen Zuckergehaltes nicht übersteigen. Kohlrabiblätter, Luzerneprodukte („Grünrollies“), Petersilie, Dill und Broccoli sollten nur in Maßen verfüttert werden, da der hohe Kalziumgehalt der Blätter zumeist zur Ausfällung von Kalziumkristallen in der Harnblase führt. Diese können zur Bildung von Blasensteinen führen, welche nur operativ entfernt werden können. Sämtliche Kohlarten (Kohlrabi, Brokkoli, Chicoree etc.) können Blähungen bis hin zur oftmals tödlich verlaufenden Trommelsucht verursachen und sollten daher nur sparsam verfüttert werden.
Wasser sollte ständig verfügbar sein, am besten mittels einer Tränkflasche. Die Wasseraufnahme hängt vom Grünfutteranteil ab. Ein zu geringes Wasserangebot fördert ebenfalls die Bildung von Blasensteinen.
Die "Lust" am Knabbern ist für Kaninchen arttypisch. Deshalb sind Hauskaninchen für den Freilauf in der Wohnung ungeeignet, zumal wenn irgendwelche Kabel für die Tiere erreichbar sind. Ähnlich wie beim Umgang mit Katzen darf man Hauskaninchen nicht bestrafen, wenn die "Tat" bereits zurückliegt, denn das Hauskaninchen kann den Zusammenhang nicht mehr herstellen. Werden Kaninchen auf frischer Tat ertappt, kann man z.B. in die Hände klatschen; damit ahmt man das Warnklopfen der Tiere nach und sie lassen von der unerwünschten Tätigkeit ab. Gut geeignet ist auch eine griffbereite mit Wasser gefüllte Sprühflasche. Das Besprühen mit Wasser ist für die Tiere richtig unangenehm, aber schmerzlos. Kaninchen dürfen aber nicht richtig nass gemacht werden, sonst werden sie schnell ernsthaft krank. Kaninchen dürfen auch nie an den Ohren gezogen werden, das kann zu schmerzhaften Verletzungen führen.
Wichtig ist also: wer beschliesst, ein Kaninchen in der Wohnung zu halten, sollte seine Wohnung dementsprechend kaninchengerecht aufbereiten (so wie man seine Wohnung schließlich auch kindgerecht gestaltet, sobald Nachwuchs ins Haus steht). Denn es ist sicherlich keine artgerechte Tierhaltung, das Tier permanent im Käfig zu lassen, weil es einem zu lästig ist, das Tier zu beaufsichtigen.
Kabel sollten so angebracht sein, dass das Kaninchen sie nicht erreichen kann. Falls dies nicht möglich ist, muss es beim Auslauf beaufsichtigt werden.
Die Krallen, Augen und Zähne sollte man regelmäßig selbst oder bei Unkenntnis durch ein fachkundiges Personal überprüfen lassen.
Grundbedürfnisse:
Wirklich artgerechte Kaninchenhaltung ist anspruchsvoller, aufwändiger und teurer als konventionelle Käfighaltung.
Um dem Bewegungsbedürfnis der Tiere Rechnung zu tragen, sollte den Kaninchen ein zusätzlicher Freilauf gewährt werden. An das Gehege werden folgende Anforderungen gestellt: Mindestfläche 6 Quadratmeter, Ein- und Ausbruchsschutz (Kaninchen sind eine beliebte Beute für kleine Raubtiere), Sichtnähe, wetterfeste Hütte, überdachte Futterstellen, erhöhte, geschütze Fläche, Kiste(n), hohler Baumstamm oder Röhre, Naturmaterialien wie Äste, Wurzelstöcke etc.
Wobei eine permanente Haltung eines (oder mehrerer) Kaninchen im Stall (egal ob Innen- oder Außenhaltung) generell schon als Tierquälerei angesehen werden kann. Es entspricht nicht den natürlichen Bedürfnissen eines Tieres, sein Leben lang auf kleinster Fläche eingesperrt zu sein. Menschen, die also von vorne herein wissen, dass sie nicht ausreichend Zeit haben, sich um ein Kaninchen zu kümmern und diesem regelmässigen Auslauf zu gewähren (mind. 2 Stunden pro Tag!), sollten gar nicht erst in Betracht ziehen, Kaninchen zu halten. Dies gilt auch für die Haltung in der Wohnung.
Pro Tier sollten mindestens 2m² in Form eines Zimmergeheges oder einer geschützten Stelle am Balkon zur ständigen Verfügung stehen, die handelsüblichen Käfige mit Maßen von 50x100cm sind daher gänzlich ungeeignet und Grenzen an Tierquälerei. Das Gehege sollte mit Versteckmöglichkeiten (Kartons, Häuschen) ausgestattet sein, da Kaninchen von Natur aus Höhlen lieben.Man kann den Tieren auch eine Buddelkiste zur Verfügung stellen, die mit Einstreu oder Erde gefüllt wird.
Als Unterlage im Gehege eignen sich Plastikwannen oder PVC- Belag, da dies leicht zu reinigen ist. Zum Einstreuen empfiehlt sich Naturfaser- oder Maiseinstreu dank hoher Saugkraft, eine Schicht Heu oder Stroh sorgt für mehr Wohlbefinden seitens der Kaninchen.
Bei reiner Innenhaltung müssen die Krallen, die sich sonst zuwenig abnutzen, in regelmäßigen Abständen gekürzt werden.
Weitere häufig zu beobachtende Verhaltensstörungen sind sexuell motivierte Aggressionen, welche sich vor allem unter männlichen Kaninchen entladen und mit schwerwiegenden Verletzungen einhergehen können. Diese Verhaltensmuster lassen sich nicht per Kastration beheben, da das Sozialverhalten nichts mit dem Sexualverhalten zu tun hat. Wer sich zum Alpha-Tier berufen fühlt, wird auch nach einer Kastration seinen Platz behaupten.
Grundsätzlich sind Rangkämpfe normal und sollten nur bei ernsthaften Beeinträchtigungen eines der Tiere unterbunden werden.
Am Unproblematischsten erweist sich oft die Haltung einer Häsin in Kombination mit einem kastrierten Rammler, die etwa gleich alt oder ein Geschwisterpaar sind.
Der Buchstabe steht für den jeweiligen Landesverband. Die Zahl steht für den Ortsverein. Die Erste Zahl gibt den Geburtsmonat an. Die Zweite das Geburtsjahr und die letzte Zahl gibt die laufende Nummer der Rasse an
Für die oben genannte Nummer heißt das: Landesverband Hannover, Ortsverein Gnarrenburg. Das Tier ist im April 2004 geboren und ist das fünfzigste Tier einer Rasse, das tätowiert wurde.
Eine Haltung im selben Zimmer und auch Auslauf unter Aufsicht funktioniert auf alle Fälle mit den meisten Meerschweinchen.
Eine Haltung im selben Zimmer funktioniert auch mit kleineren Sittichen wie Wellen- und Nymphensittichen, auch mit Prachtfinken gibt es hier keine Probleme.
Allerdings sollten diese so unterschiedlichen Tierarten nicht unbedingt in engen Kontakt miteinander kommen, da sie sich zum einen gegenseitig verletzen können und sich auch gegenseitig mit Parasiten anstecken können.
Nicht im selben Zimmer sollten nach Möglichkeit Tiere wie Hamster und Chinchillas leben, da sie im Gegensatz zu Kaninchen nachtaktiv sind. Die Kaninchen stören tagsüber die Ruhe von Hamster oder Chinchilla, nachts stören dagegen Hamster oder Chinchilla die Ruhe der Kaninchen.
Große Papageienarten sollten ebenfalls nicht in der Nähe von Kaninchen untergebracht werden. Die Verletzungsgefahr für die Kaninchen ist nicht zu verachten, zudem neigen viele Papageien zu Eifersucht. Auch die Geräuschkulisse, die Papageien produzieren, ist für Kaninchenohren unangenehm.
Hund und Katze sollten genauso nur unter Aufsicht in die Nähe von Kaninchen gelassen werden. Man kann ihnen zwar beibringen, dass Kaninchen zur Familie bzw. zum Rudel gehören und nicht als Mittagessen gedacht sind, aber ein unbedachter Schubser oder Pfotenhieb kann trotzdem das Ende für ein Kaninchen bedeuten.
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