Friedrich Wilhelm Voigt (* 13. Februar 1849 in Tilsit; † 3. Januar 1922 in Luxemburg) war ein aus Ostpreußen stammender Schuhmacher. Bekannt wurde er unter dem Namen Der Hauptmann von Köpenick.
Voigt hatte in diversen Trödelläden, u. a. in Potsdam in der Mittelstraße 3, im Holländischen Viertel, die Teile der Uniform eines preußischen Hauptmannes erworben.
Zehn Tage später wurde er verhaftet und durch das Landgericht zu vier Jahren Haft verurteilt. Da Kaiser Wilhelm II. ihn begnadigte, wurde er am 16. August 1908 vorzeitig aus der Haftanstalt Tegel entlassen.
Grab_des_Hauptmann_von_Koepenick.jpg
Seit 1975 wird das Grab von der Stadt gepflegt und auf Betreiben einiger Abgeordneter des Europäischen Parlamentes wurde auch zugleich der Grabstein erneuert. Er zeigt nun eine Pickelhaube und die Aufschrift „HAUPTMANN VON KOEPENICK“. Darunter steht noch kleiner „Wilhelm Voigt 1850–1922“, wobei hier das Geburtsdatum falsch angegeben wurde.
Das Haus, in dem er bis zu seinem Tode wohnte, kann nicht mehr besichtigt werden, da es mittlerweile abgerissen worden ist.
Vor dem Rathaus in Köpenick wurde 1996 ein Denkmal aufgestellt. Die Bronzefigur wurde von dem Armenier Spartak Babajan entworfen und von der Kunstgießerei Seiler in Bronze gegossen. Märkische Oderzeitung vom 18./19. März 2006, S. 14 In Wismar, in der Lübschen Straße 11, ist an dem Haus, in dem Wilhelm Voigt bei dem Hofschuhmacher H. Hilbrecht gewohnt und gearbeitet hat, eine Tafel angebracht worden.
Ganz Deutschland lachte über die Affäre. Einige wurden aber auch nachdenklich. Konnte es wirklich sein, dass ein Soldat ohne jegliche Legitimation außer seiner Uniform die Zivilgewalt außer Kraft setzte? Viele sahen in diesem Vorfall ein Symptom für die bedenkliche Rolle des Militärs im Reich.
Nicht so der Kaiser. Er lachte auch. „Das soll uns mal jemand nachmachen“, soll er gesagt haben.
In gewisser Weise war die Begebenheit ein komödianter Vorläufer der Zabern-Affäre.
Das Stück behandelt im zweiten und dritten Akt die Zeit um den spektakulären Überfall und im ersten ein Stück Vorgeschichte zehn Jahre vorher. Neben kleineren Änderungen (so wird Voigts Geburtsort in die Nähe der Wuhlheide verlegt, sodass Voigt Berliner Dialekt spricht), besteht der Hauptunterschied des Stückes zur Wirklichkeit wohl in der Stilisierung Voigts zum „edlen Räuber“ – allerdings hatte auch der reale Voigt die Stadtkasse ja nicht angerührt. So ist das Motiv für seinen Überfall ausschließlich der Pass, den er, um wieder ein normales Leben zu beginnen, dringend braucht und der während des ganzen Stückes und auch in der Vorgeschichte sein Ziel gewesen ist – wobei er nicht bedacht hat, dass er dafür ein Kreisamt hätte überfallen müssen – und er stellt sich, die Stadtkasse fast unangetastet, am Ende der Polizei, wobei er sich allerdings für die Zeit nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis einen Pass versprechen lässt.
Dadurch, dass Voigt die Uniform, anders als in der Wirklichkeit, „am Stück“ erwirbt – an sich eher eine banale Änderung – hat diese eine Geschichte und mehrere Vorbesitzer, sodass Zuckmayer, indem er diese vorstellt, nicht nur die Vorgeschichte einiger Nebenpersonen (des Köpenicker Bürgermeisters beispielsweise) erzählen, sondern auch die Gelegenheit zu einer Karikatur der kaiserlichen Armee und vor allem der Gläubigkeit an diese besser nutzen kann. Er zeigt die Allgegenwärtigkeit des Militärs vom Uniformhandel über stolze Reserveoffiziere und die Frage bei der Arbeitssuche „Wo hamse gedient?“ bis hin zu den grotesken militärischen Rollenspielen, die der Gefängnisdirektor seine Sträflinge, darunter auch den sich hier sehr hervortuenden Voigt, zur Feier des Jahrestages der Schlacht von Sedan aufführen lässt. Dass diese Darstellung zwar vielleicht etwas übertrieben, aber im Kern wohl zutreffend ist, zeigt der Vergleich mit Wilhelm II..
Daneben lässt auch die extrem unsympathische Darstellung des jüdischen Uniformschneiders A. Wormser und die wesentlich sympathischere, dafür aber umso geschäftstüchtigere des ebenfalls jüdischen Krämers Krakauer Schlüsse auf die latente leicht antisemitische Einstellung und die entsprechenden Vorurteile der Weimarer Republik zu.
Zuckmayers Stück wurde, beginnend mit dem Jahr seiner Uraufführung (mit Max Adalbert in der Titelrolle), mehrfach verfilmt – unter anderem mit Heinz Rühmann (1956), Rudolf Platte (1960; TV) und Harald Juhnke (1997).
Im Filmarchiv in Berlin existiert ein Originalfilmdokument mit Wilhelm Voigt.
Mann | Deutscher | Luxemburger | Hochstapler | Geboren 1849 | Gestorben 1922 | Stadtoriginal
Kaptajnen fra Köpenick | Wilhelm Voigt | Wilhelm Voigt | Kapitan z Köpenick
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Hauptmann von Köpenick".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world