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Eine Hartholzaue, oder Hartholzauwald, ist ein aus Harthölzern bestehender Auwald (s.a.: Wald). Hartholzauen sind ein- bis zweimal im Jahr, zwischen 20 - 50 Tagen mit 0,5 m bis 3 m überschwemmte Bereiche der Flüsse und Ströme des Mittel- und des Unterlaufes oder in verlandenden Altarmen, z.B. abgeschnittenen Mäandern. An den Oberläufen der Mittelgebirgsregionen sind selten Hartholzauen zu finden, da Strömungsgeschwindigkeit und der kiesige Boden Weichholzauen begünstigt.

Wie alle Auwälder gehört die Hartholzaue zu den azonalen Vegetationseinheiten Mitteleuropas.

Pflanzenarten


Baumschicht

Durch die gegenüber der Weichholzaue geringeren Strömungsgeschwindigkeit, Überschwemmungsdauer und Wassertiefe, etablieren sich in der Hartholzaue Gehölze, die Wechselfeuchte, Überschwemmungen wie Trockenheit und schwere, nährstoffreiche Böden tolerieren können, wie Stieleiche (Quercus robur), Ulmen-Arten (Ulmus laevis, Ulmus minor), Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), u.a. Diese genetisch und evolutiv bedingte größere ökologische Toleranz macht diese Gehölze konkurrenzstärker; dagegen sind sie aber im Alter weniger anpassungsfähig an plötzliche unnatürliche Überstauungen durch den Menschen. Als bestandsprägend erweist sich die Stieleiche (Quercus robur), die sich vor allem durch ihre Beständigkeit gegenüber Hochwasser auszeichnet. Nach dem flächenhaften Ausfall der Ulme durch das Ulmensterben, hat sie in vielen Auwäldern deren Lebensraum eingenommen.

Zweite Baumschicht und Strauchschicht

Roter Hartriegel, Gewöhnlicher Spindelstrauch, Weißdorn, Gemeiner Schneeball, Schwarzer Holunder, Hopfen, Hanf

Krautschicht

Buschwindröschen, Scharbockskraut, Gelbes Windröschen, Waldgoldstern, Echte Nelkenwurz, Gundermann, Waldziest, Riesenschwingel, Waldzwenke, Gefleckte Taubnessel, Giersch

Hartholzauen-Gesellschaften


Die geringe Strömungsgeschwindigkeit bei Hochwasserereignissen führt zur Ablagerung feinerer Sedimente wie Lehm und Ton (Auen-Vega-Lehm und Vergleyung). Nur in den am höchsten gelegenen Teilen der Hartholzaue gelingt es der Rotbuche in ozeanischen Klimaten, Fuß zu fassen, da sie empfindlich auf Staunässe und schwankende Grundwasserspiegel, Überschwemmungen und den damit verbundenen reduktiven Bodenbedingungen reagiert. Stieleiche, Hainbuche und Ulme vertragen diese Bedingungen besser als die Rotbuche.

Die zonalen Gesellschaften der Buchen-Eichen-Mischwälder werden in den Auen unabhängig der Vegetationszone von den azonalen Eichenmischwäldern der Hartholzauen abgelöst (siehe: Waldgesellschaften Mitteleuropas). In Bereichen, die selten überschwemmt werden, etablieren sich Assoziationen der Ulmen-Stieleichen-Auwälder (Ulmo-Quercetum, Stieleiche (Quercus robur), Bergulme (Ulmus glabra), Ulmus minor. Mit zunehmender Häufigkeit und Stärke der Überschwemmungen und mit zunehmender Bodennässe werden die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) und die Ulmus minor sowie Flatterulme (Ulmus laevis) häufiger und bilden den Ulmen-Eschen-Auwald (Ulmo-Fraxinetum). Bei weiter zunehmender Beeinflussung durch das Fließgewässer (Heftigkeit und Häufigkeit der Überschwemmungen, Strömung und Korngröße des Substrates steigen) bilden sich Weichholzauen.

Beim Abschneiden einer Mäander und Entstehung eines Altarmes gehen Hartholzauen in Bruchwälder über. Bei stetiger Überstauung entstehen Erlenbrüche.

Landschaftsökologischer Wert


Hartholzauen sind wegen der häufigen natürlichen Störungen reich an großvolumigem Totholz; die verschiedenen Entwicklungsphasen des Waldes können kleinsträumig nebeneinander auftreten und bieten so eine große Vielfalt an Lebensräumen. Hartholzauen bilden eine ausgeprägte 2. Baumschicht bzw. Strauchschicht, die von den Altbäumen überragt wird und bei längerem Hochwasser gestört wird. Dadurch entstehen Wälder mit sonnenexponierten alten Eichen und Ulmen, die idealer Lebensraum für stenöke Arten wie den Großen Eichenbock sind. Da Eichen und Ulmen lichtere Kronen als die Rotbuche besitzen, wird die Entstehung eines sehr dichten Unterwuchses gefördert.

Tierarten der Hartholzauen

Kammolch, Bergmolch, Erdkröte, Springfrosch, Laubfrosch, Gelbbauchunke, Kreuzkröte, Geburtshelferkröte, Kreuzotter

Eulen wie der Steinkauz, Rauhfußkauz, Waldohreule etc., und Spechte; Singdrossel, Pirol, Nachtigall, Mäusebussard, Rotmilan

Weitere Tierarten sind Fledermäuse, v.a. die Wasserfledermaus, Fischotter, Biber

Einfluss auf den Wasserhaushalt und das Gebietsklima

Rückgangsursachen und rechtlicher Schutz


Die Hartholzauen gehören zu den am stärksten gefährdetsten Biotopen Mitteleuropas; ebenso sind deren natürlichen Waldgesellschaften vom Aussterben bedroht bzw. gebietsweise ausgestorben. Ursprünglich waren Hartholzauen an allen Flüssen und Strömen, v.a. an Elbe, Donau, und Rhein verbreitet und auch großflächig prägend. Hinzu kommen sämtliche kleinere Flüsse des Hügel- und Tieflandes, sofern dort nicht Moore, Weichholzauen, Wasserflächen und Brüche vorherrschen würden.

Die Überstauung und die lang anhaltende Nässe fördert die Entstehung von Auen-Vega-Böden. Diese sehr fruchtbaren Böden machten die Flussauen schon in der Römerzeit zu begehrten Siedlungsstandorten. Durch die Siedlungstätigkeiten und die Nutzung (Hutewald, Waldäcker, später Weiden und Äcker; sowie durch den Holzbedarf waren die Hartholzauen wahrscheinlich schon im Hochmittelalter im Rückgang. In der Neuzeit wurden die Hutungen ausgeweitet und weitere Wälder gerodet, ab dem 18. Jahrhundert wurden Hartholzauen forstwirtschaftlich genutzt.

Die Umwandlung von Hartholzauen in Grünland und Acker hielt in Mitteleuropa bis in das späte 20. Jahrhundert an. Im 19. und 20. Jahrhundert waren die menschlichen Eingriffe, v.a. Bebauung, Flussbegradigungen und Aufforstungen mit anderen Baumarten die stärksten Rückgangsfaktoren. Der vom Ulmensplintkäfer (Scolytus scolytus) übertragene Pilz (Ceratocystis ulmi) führt zum flächigen Absterben der Ulme und zu einer Veränderung der natürlichen Waldgesellschaften auch in naturbelassenen Hartholzauen.

Hartholzauwälder sind nach FFH-Richtlinie, Anhang I, "natürliche Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen". In Deutschland sind sie nach § 30 BNatSchG "gesetzlich geschützte Biotope", die auch ohne weitere Anordnungen einem besonderen Schutz unterliegen (Landesgesetze beachten).

Literatur


Ellenberg, Heinz: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. Stuttgart, Eugen Ulmer Verlag 1996 (1095 S.)

Scheffer, Fritz; Schachtschabel, Paul; Blume, Hans-Peter: Lehrbuch der Bodenkunde. Berlin, Spektrum, Akademischer Verlag 2002 (593 S.)

Strasburger, Eduard: Lehrbuch der Botanik. Berlin, Spektrum, Akademischer Verlag 1999 (1007 S.)

Weblinks


Forstwirtschaft | Biotop

 

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