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ICD-10-Code
N39.- Harnwegsinfekt
Unter einem Harnwegsinfekt versteht man eine durch Krankheitserreger verursachte Infektion der ableitenden Harnwege.

Ätiologie


Bei einem Harnwegsinfekt handelt es sich um eine aufsteigende (aszendierende) Infektion. Die Erreger (in der Regel Bakterien) entstammen in den meisten Fällen der körpereigenen Darmflora, gelangen zur äußeren Harnröhrenöffnung und wandern die Harnröhre (Urethra) hinauf in die Harnblase, wo sie zu einer Blasenentzündung (Zystitis) führen. Bei weiterem Aufstieg kann es zu einer Nierenbeckenentzündung, einschließlich der Beteiligung des Nierengewebes selbst (Pyelonephritis), und schließlich zu einer Blutvergiftung (Urosepsis) kommen. Der mit Abstand häufigste Erreger (70 %) ist Escherichia coli, der gefürchtetste Pseudomonas.

Ein Infekt der Blase wird als untere Harnwegsinfektion bezeichnet, ein Infekt des Nierenbeckens als obere Harnwegsinfektion.

Die Ansiedelung der Erreger kann durch unzureichende Intimhygiene und bei Frauen durch den Geschlechtsverkehr („Hinaufmassieren“ der Bakterien) erleichtert werden. Man unterscheidet, auch wegen des unterschiedlichen Erregerspektrums, ambulant von im Krankenhaus erworbenen (nosokomialen) Harnwegsinfekten. Nosokomiale Infektionen werden häufig durch das Einlegen von (transurethralen) Blasendauerkathetern verursacht.

Epidemiologie


Wegen der kürzeren Harnröhre sind Blasenentzündungen bei Frauen weitaus häufiger als bei Männern. Unter den im Krankenhaus erworbenen (nosokomialen) Infektionen zählen Harnwegsinfekte zu den häufigsten.

Klinik


Typische Krankheitszeichen (Symptome) eines Harnwegsinfektes sind Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen (Algurie, Dysurie), häufiges Wasserlassen (Pollakisurie), Harndrang ohne Urinentleerung sowie bei der Nierenbeckenentzündung und Blutvergiftung zusätzlich Fieber und Klopfschmerzhaftigkeit der Nierenlager. Ein Harnwegsinfekt kann jedoch auch völlig unbemerkt (asymptomatisch) bleiben.

Diagnostik


Neben dem Erheben der Krankheitsgeschichte (Anamnese) und der körperlichen Untersuchung gehören dazu:

  • Die Urinuntersuchung mit Teststreifen, um Nitrit nachzuweisen, das ein Indiz für Bakterien im Urin ist.
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) ebenfalls mit Hilfe von Teststreifen oder auch mikroskopisch im Urinsediment nachzuweisen und zu zählen. Ein erhöhter Wert deutet auf eine Entzündung hin.
  • Das Anlegen einer Bakterienkultur auf einem speziellen Nährboden, um den Erreger zu bestimmen.
  • Labortests, auf welche Antibiotika der Erreger empfindlich reagiert.

Therapie


Die Behandlung von Harnwegsinfekten erfolgt in der Regel mit Antibiotika. Wirkstoffe der ersten Wahl sind: Fluorchinolone („Gyrasehemmer“), Cotrimoxazol, Cephalosporine, Aminopenicilline in Kombination mit Beta-Lactamase-Hemmstoffen. Nach Erhalt der Resistenzprüfung, die bei komplizierten oder wiederkehrenden Harnwegsinfektionen immer durchgeführt werden sollte, muss das Antibiotikum eventuell noch einmal gewechselt werden, falls sich das zuerst eingesetzte Mittel als unwirksam herausstellt. Für die weitere Behandlung ist abzuklären, ob es sich um einen komplizierten oder unkomplizierten Harnwegsinfekt handelt. Liegen beispielsweise anatomische Hindernisse vor wie ein Reflux, die einen Harnstau in den Nieren verursachen oder begünstigen, so spricht man von einem komplizierten Harnwegsinfekt, weil die Nieren dann langfristig geschädigt werden können. Bei oft wiederkehrenden Entzüngungen besteht die Gefahr, dass der Erreger gegen bestimmte Antibiotika resistent ist, so dass die Auswahl der zur Verfügung stehenden Medikamente gering ist.

Wichtigste Allgemeinmaßnahme zur Vorbeugung und Behandlung ist eine reichliche Flüssigkeitszufuhr, die zum „Spülen“ der ableitenden Harnwege führt.

Weitere vorbeugende Maßnahmen sind hygienisch korrektes Verhalten (insbesondere bei Frauen Abwischen von Harnröhrenausgang und After immer von vorne nach hinten) sowie nach dem Geschlechtsverkehr das Wasserlassen unmittelbar nach dem Koitus, damit eventuell hineingelangte Keime rausgespült werden. Hilfreich kann auch die Ansäuerung des Urins (beispielsweise mit Methionin oder Vitamin C), die Einnahme von Cranberry-Produkten oder das Trinken von Bärentraubenblättertee sein.

Weblinks


http://www.harnwegsinfekt.de www.netdoktor.de - Harnwegsinfektionen

Urologie | Infektionskrankheit

Urinary tract infection | Infection urinaire | Urinveisinfeksjon | Urinvägsinfektion

 

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