article

Hardcore Techno, in der entsprechenden Szene meist nur Hardcore genannt, ist der Oberbegriff für die schnellsten Varianten der Technomusik und bewegt sich in einem Tempospektrum ab ca. 150 BPM.

Merkmale


Hardcore Techno basiert auf einer schnellen und verzerrten Bassdrum. Der Rhythmus ist im Allgemeinen weniger komplex als bei anderen Techno-Richtungen. Des weiteren finden im Hardcore Techno vor allem als "hart" geltende Sounds Anwendung. Samples und Stimmen sind meist verzerrt oder anderweitig verfremdet und stammen oft aus Horror-, Action- und Kriegsfilmen (Hellraiser, Nightmare on Elm Street, Pulp Fiction, Full Metal Jacket etc.) oder Hip-Hop- und Gangsta Rap-Liedern von z. B. N.W.A., Public Enemy oder DMX. Seltener finden auch Elemente aus Metal-Produktionen Verwendung (z. B. Fucking Hostile von Pantera).

Geschichte


Flyer Jan 2005 Tunnel Linz Front and Back.JPG.]] Als Erfinder des Hardcore Techno gilt der Frankfurter Marc Acardipane mit seiner Veröffentlichung We have arrived (unter dem Pseudonym Mescalinum United, 1990), das auf seinem schon 1989 mit Thorsten Lambart (alias Don Demon/Slam Burt) gegründeten Label Planet Core Productions (PCP) veröffentlicht wurde. Weitere Hardcore Techno Tracks auf PCP sowie ausländische Stücke wie z.B. Cactus Rhythm von Plexus (bestehend u.a. aus B.B.E. Mitglied Emmanuel Top) folgten im Jahre 1991.

1992 gründete der Niederländer Paul Elstak (alias DJ Paul) das Label Rotterdam Records und legte wohlmöglich (es ist nicht genau geklärt, ob Elstak tatsächlich beteiligt gewesen war) zusammen mit dem Rotterdamer Act Euromasters mit der ersten Veröffentlichung Amsterdam waar lech dat dan? (Amsterdam, wo liegt das denn?) den Grundstein für den holländischen Hardcore Techno, der oft auch Gabber genannt wird. Bewiesen ist dies jedoch nicht, da es im Jahre 1992 eine ganze Reihe weiterer niederländischer (und natürlich ausländischer) Hardcore Techno Veröffentlichungen gab und genaue Veröffentlichungsdaten nicht bekannt sind.

Der Zenit wurde gegen Mitte der 90er erreicht, als die Gabber-Szene noch untrennbar mit der Techno-Szene verknüpft war und an Großveranstaltungen Hardcore Techno meist auf dem Mainfloor gespielt wurde. DJs und Musikproduzenten wie The Prophet, DJ Dano, DJ Gizmo und Buzz Fuzz (zusammen bekannt als The Dreamteam) galten als Stars. Als einer der wichtigsten Vertreter galt weiterhin der New Yorker DJ und Produzent Lenny Dee.

Hardcore-Compilations wurden selbst von Major-Labels (z. B. BMG, Arcade oder edel) hergestellt und verkauft - mit Namen wie z.B. Thunderdome, Bassrave oder auch Terrordrome. Die Verbindung zwischen Hardcore Techno und Pop-Kultur gelang 1995 dem englischen Duo Lee Newman und Michael Wells (bekannt unter dem Pseudonym Technohead) mit dem Dance Lied "I wanna be a Hippie" - das vom Sound her an Happy Hardcore erinnert, jedoch keine "harte" Bassdrum besitzt - welches ein weltweiter Hit wurde. Veröffentlicht wurde es auf dem Amsterdamer Kultlabel Mokum Records (!)

Das breite Interesse an Hardcore Techno nahm um 1996 sehr schnell wieder ab. Auch bei Techno-Partys waren Hardcore-Floors nicht mehr selbstverständlich, sondern meist nur noch in speziellen Clubs oder an Großveranstaltungen anzutreffen. Dominierte vor allem von 1995-1997 der schnelle Hardcore Techno Sound, sank in den Folgejahren, vor allem ab 1998, die BPM-Zahl der meisten Hardcore Techno Tracks. Die Midtempo Tracks (die eigentlich nichts neues waren, sondern lediglich zum Trend wurden), beinhalteten oft härtere Beats als die Tracks vergangener Tage und Melodien hörten sich oft "quietschig" an. Solche Tracks - wie auch "klassische" Hardcore Techno Tracks mit solchen Tönen - wurden später in Deutschland auch als "Quietschcore" bezeichnet. Dieser quietschige Sound war ebenfalls nichts neues, so wurde z.B. schon im Jahre 1995 ein "Quietschcore"-Track namens "The Hunter" von Manga Corps (Manu le Malin & Dr. Macabre) veröffentlicht. Der seit Jahren angesagte, langsamere Hardcore Techno, bekam schließlich um 2002/2003 den Namen "Mainstyle". Zu musikalischen Trends in der Gabberszene wurden ab ca. 2001 auch andere, meist langsamere (und ebenfalls nicht neue) Subgenres wie Industrial Hardcore und Trancecore.

Hardcorestile wie Speedcore, Terror, Gabber usw. sind heute weiterhin Ausdrucksmittel von bestimmten Veranstaltungen, wie der jährlichen Berliner Fuckparade und der Frankfurter Nachttanzdemo.

Untergenres


In den 90er Jahren entstand eine große Vielfalt an Genre-Unterteilungen. Hier die wichtigsten Stile im Überblick:

  • Happy Hardcore ist ein im Gegensatz zum normalen Hardcore Techno "fröhlicherer" Stil, der dennoch die typische verzerrte Hardcore-909 Bassdrum verwendet. Oft enthält er schnelle Pianomelodien und Vocals. Diese Musikrichtung war besonders Mitte der 90iger verbreitet.
  • Speedcore ist mit ca. 300 bis unendlich BPM die schnellste Variante des Hardcore-Techno. Sie ist oft geräuschbetont und minimaler gehalten und wirkt des Öfteren "rauh".
  • Terror ist schneller als der gewöhnliche Hardcore Techno, aber langsamer als Speedcore. Die Geschwindigkeit liegt ungefähr zwischen 200-240 BPM.
  • Breakcore ist harter Breakbeat Sound (aufgrund der Hardcore Techno üblichen Bassdrums), der auch mit, für Hardcore Techno oft typischen Elementen, wie z.B. dem sog. "Hoover Sound" (bekannt aus dem 91'er Techno Track "Mentasm" von Second Phase), kombiniert sein kann. Manche Breakcore Tracks klingen zudem verzerrt, "noisig" und chaotisch. Das Tempo kann beim Breakcore variieren. Breakcore, welcher größtenteils Ragga- oder Dancehall-Vocals, oder auch zusätzliche Einflüsse dieser Genres beinhaltet, wird als Raggacore bezeichnet.

  • Des weiteren gibt es manchmal regionale Unterschiede beim Hardcore Techno, so ist "Dutchcore" ("niederländischer -core") eine, nicht sehr oft verwendete und auch überflüssige Bezeichnung für meist sehr melodiöse Tracks der Stile Trancecore oder Mainstyle. "Frenchcore" wird oft Terror mit Industrial-Einfluss (z.B. Radium, The Speed Freak, Micropoint, The DJ Producer) genannt. In Deutschland, vor allem in Ostdeutschland gibt es ebenfalls viel industriellen Hardcore Techno/Terror, der sich jedoch vom sog. "Frenchcore" unterscheidet. Vertreter sind z.B. The Riotudder bzw. Raw State und Caleb. Im Westen Deutschlands, v.a. im Ruhrgebiet, wird dagegen oft der aktuelle niederländische Sound - vorwiegend Mainstyle, "Quietschcore", Trancecore und Industrial Hardcore - bevorzugt.

Anmerkungen zum Begriff


Zunächst wurde der Begriff Hardcore Techno ab ca. 1989 für eine Spielart genutzt, die aus der Electronic Body Music heraus entstanden ist. Mit der Techno-Welle erfolgte eine Bedeutungsverschiebung des Begriffs, sodass „Hardcore Techno“ ab Anfang der 1990er Jahre speziell die aggressive Form des Techno meinte. Um Verwirrungen vorzubeugen, verwendete man für den Abkömmling der EBM fortan die Bezeichnung Hardcore Electro.

Stiltypische Tracks


  • Mescalinum United We Have Arrived (1990) (größtenteils Industrial Hardcore)
  • Plexus Cactus Rhythm (1991)
  • T-Bone Castro Hilltop Hustler (I'm The One And Only) (1991)
  • Euromasters Amsterdam waar lech dat dan? (Maastunnel Mix) (1992)
  • Chosen Few Chosen Anthem (Against Racism) (1993) & Name Of The DJ (1995)
  • 3 Steps Ahead Stravinsky's Bass (1994)
  • DJ Buzz Fuzz Take 'm Up (1996)
  • Party Animals feat. Rob Gee Die Nazi Scum (1996)
  • DJ Arjuna Whut Cha Want (1997?)
  • Neophyte vs. The Stunned Guys Army Of Hardcore (1998)
  • Endymion The Power To Forget (2001)
  • Wapper & The Ladykiller Party Extractor (2001)
  • Promo Your Mother Sucked My Cock (And It Was Hell) (2002)

Hardcore Techno | Techno | Musikgenre | Elektronische Tanzmusik

hardcore techno | Hardcore techno | Hardcore (elektroninen musiikki) | Techno hardcore | Hardcore (musica) | hardcore techno

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Hardcore Techno".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld