Hans-Werner Sinn (* 7. März 1948 in Brake, Westfalen) ist ein deutscher Ökonom.
Seit 1984 hat Sinn den Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München inne und ist seit dem 1. Februar 1999 Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, einem der bekanntesten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute als Nachfolger von Karl Heinrich Oppenländer. Von 1997 bis 2000 war Sinn Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik. Er gilt als einer der einflussreichsten und international anerkanntesten marktliberalen Wirtschaftswissenschaftler Deutschlands und ist Autor des Buches Ist Deutschland noch zu retten?, mit dem er einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde und den Begriff der Basarökonomie prägte. Um auf Kritik seitens der Medien auf dieses Buch zu reagieren, schrieb er 2005 außerdem das Buch Die Basarökonomie.
Zudem weist Sinn eine hohe Medienpräsenz in Politshows oder Interviews auf.
Grundsätzlich hält Sinn einen Sozialstaat im Sinne einer Umverteilung zugunsten sozial Schwacher für notwendig. Jedoch hält er den deutsche Sozialstaat für falsch strukturiert. Er plädiert daher für einen Umbau. So wirke das Arbeitslosengeld wie eine Art Mindestlohn auf dem Arbeitsmarkt. Dies mindere die Bereitschaft, eine reguläre Arbeit für einen im Vergleich niedrigeren oder gleichen Lohn aufzunehmen. Der Staat solle seiner Meinung nach weniger fürs Wegbleiben, sondern mehr fürs Mitmachen bezahlen. Sinn folgert aus der Konstruktion des Sozialstaates, dass die Lohnskala von unten nach oben zusammengestaucht werde ("Ziehharmonika-Effekt"). Er behauptet, Deutschland weise daher die geringste Lohnspreizung auf und sei Weltmeister bei der Arbeitslosigkeit der gering Qualifizierten.
Stattdessen plädiert Sinn dafür, staatliche Lohnzuschüsse zu zahlen (aktivierende Sozialhilfe), um Jobs in einem Niedriglohnsektor zu schaffen, sodass der Betroffene zwei Einkommen hat (normales Lohneinkommen und den staatlichen Lohnzuschuss). Mit dem Kombilohnmodell des Ifo-Instituts sollen demzufolge 3 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen; vor allem für gering Qualifizierte.
Sinn hält außerdem eine Lockerung des Kündigungsschutzes für notwendig. So möchte er, dass sich ein Arbeitnehmer entscheiden kann, ob er einen Kündigungsschutz in Anspruch nehmen will oder nicht. Außerdem fordert Sinn eine Mitbeteilung der Arbeitnehmer an den Unternehmen in Form von Aktien, Wertpapieren oder sonstigen Kapitaleinkommen.
Er kritisiert außerdem die ökonomische Wiedervereinigungspolitik Helmut Kohls massiv. So hätte man die Treuhand bei den Tarifverhandlungen beteiligen müssen, um zu verhindern, dass die westdeutschen Konkurrenten in Ostdeutschland die Löhne über das Produktivitätsniveau hinausdrücken (siehe auch Stellvertreterverhandlungen).
Um Deutschlands Arbeitnehmer wettbewerbsfähiger zu machen, ist Sinn für eine zehnprozentige Ausweitung der Arbeitszeit von 38 auf 42 Stunden ohne Lohnausgleich. Neben dem Absenken der Lohnkosten, würde so jeder Arbeitnehmer produktiver gemacht. Auch steige Angebot und Nachfrage. Nach Berechnungen ergebe es einen Wachstumsschub von sechs bis zehn Prozent. Sinn weist außerdem nach, dass eine Verlängerung der Arbeitszeit - ökonomisch gesehen - exakt das Gleiche ist wie technischer Fortschritt.
Selbst hält sich Sinn für einen Keynesianier ("Ich bin auch ein Keynesianer")DIE ZEIT, 13.05.2004: "Sparen!" - "Nein, bloß nicht!" (Streitgespräch mit Sinn und Bofinger) siehe letzte Antwort, doch warnt er davor zu glauben, dass durch nachfragestütztende Elemente seitens des Staates die strukturellen Probleme Deutschlands auf dem Arbeitsmarkt zu beheben seien.
Eingewandt wird insbesondere (vgl. Peter Bofinger, Albrecht Müller), dass angesichts der im europäischen Vergleich niedrigen Stundenlöhne und niedrigen Tarifabdeckung in Ostdeutschland für die gerade dort hohe Arbeitslosigkeit nicht die Lohnpolitik der Gewerkschaften verantwortlich gemacht werden könne.
Ferner habe die moderate Lohnpolitik der letzten 10 Jahren die Wettbewerbsfähigkeit schon erheblich gesteigert. Zudem wird eingewandt, dass die Löhne in Deutschland außerhalb des verarbeitenden Gewerbes, das etwa 20% der Erwerbstätigen beschäftigt (2005), im EU-Mittelfeld lägen, zum Teil unterhalb derer von Ländern mit wesentlich niedrigerer Arbeitslosigkeit, sodass hohe Löhne und Gewerkschaftsmacht keine plausible Erklärung abgäben.
Die makroökonomischen Effekte, die Sinn als Folge einer Arbeitszeitverlängerung erwartet, sind nicht unumstritten. Sogar auf der Hompage von Sinns Institut ist dazu ein kritischer Artikel * Artikel der Financial Times Deutschland vom 10. November 2004 im Internetangebot des ifo Institut für Wirtschaftsforschung. Vieles spricht dafür, daß mit einer Arbeitszeitverkürzung und mehr Beschäftigten bessere Ergebnisse erreicht werden können.
Mann | Deutscher | Ökonom (20. Jh.) | Ökonom (21. Jh.) | Geboren 1948
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