Modrow.jpg Dr. Hans Modrow (* 27. Januar 1928 in Jasenitz, Landkreis Randow, Pommern - heute zu Police, Polen) war ein führender SED-Politiker in der DDR.
Modrow war SED-Parteifunktionär und von November 1989 bis März 1990 Vorsitzender des Ministerrates der DDR. Er ist Ehrenvorsitzender der Linkspartei.PDS.
1949, nach seiner Rückkehr, trat er der herrschenden SED bei, den Blockorganisationen Freie Deutsche Jugend und Freier Deutscher Gewerkschaftsbund und wurde - aufgrund seiner vorausgegangenen Kaderschulung in Moskau - Funktionär im Zentralrat der FDJ.
Auch innerhalb der SED machte Modrow schnell Karriere: Ab 1954 wurde er Mitglied der Bezirksleitung Berlin der SED. 1958 wurde er Mitglied der Volkskammer und blieb dies bis zum Ende der DDR im Jahr 1990. Im September 1961 wurde er zum 1. Sekretär der SED-Kreisleitung Berlin-Köpenick gewählt. Danach als Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin, zuständig für Agitation. Im Zentralkomitee (ZK) der SED arbeitete Modrow als Abteilungsleiter für Agitation von 1967 bis 1973. Von 1967-1989 war er Mitglied des Zentralkomitees der SED. Von 1973 bis 1989 war Modrow als 'Erster Sekretär' der Bezirksleitung der SED in Dresden tätig.
1975 wurde er mit dem Vaterländischer Verdienstorden der DDR und 1978 mit dem Karl-Marx-Orden ausgezeichnet.
Ab dem 8. Oktober 1989 bemühte er sich zusammen mit dem Dresdner Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer um einen Dialog mit der oppositionellen Gruppe der 20. Modrow galt innerhalb der SED als „Reformer des sozialistischen Systems”, mit relativ großen Sympathien für den sowjetischen Führer Michail Gorbatschows und dessen Kurs der Perestroika in der Sowjetunion. Im November 1989 wurde er Mitglied des Politbüros der SED und im Dezember stellvertretender Vorsitzender der mittlerweile in SED-PDS umbenannten kommunistischen Partei. Am 13. November wurde Modrow als Nachfolger Willi Stophs zum Ministerpräsidenten der DDR gewählt. Die DDR stand vor dem wirtschaftlichen Ruin und Prosteste beherrschten das Straßenbild einiger Städte der DDR. Modrow versuchte in dieser Situation einen Dialog mit den DDR-Bürgerrechtlern aufzunehmen, um letztlich den drohenden Untergang des DDR-Staates zu verhindern. Am 5. Februar 1990 nahm er Vertreter des zentralen Runden Tisches als Minister ohne Geschäftsbereiche in die Regierung auf. Es entstand die kurzlebige Regierung der nationalen Verantwortung. KohlModrowMomperBrandenburgerTor.jpg, der Regierende Bürgermeister (West-Berlin) Walter Momper und im Hintergrund zwischen Kohl und Momper der Oberbürgermeister (Ost-Berlin) Erhard Krack während der Öffnung des Brandenburger Tores am 22. Dezember 1989]] Mit dem am 7. März 1990, kurz vor den ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18. März 1990, verabschiedeten sogenannten Modrow-Gesetz gab er DDR-Bürgern die Möglichkeit die Grundstücke, auf denen ihre Häuser standen, preiswert zu erwerben. Aus rechtlichen Gründen (weil z. B. die Eigentümer in den Westen geflohen waren) war in der DDR oftmals das Eigentum am Haus und am Grundstück getrennt.
Nach der so genannten Wende (Auflösung der DDR mit dem Beitritt zur BRD) wurde Modrow Ehrenvorsitzender der nunmehr in PDS umbenannten SED. Im Oktober 1990 wurde Modrow, dank eines Sondergesetzes für DDR-Parteien, Abgeordneter der PDS im Deutschen Bundestag.
1993 wurde er vor Landgericht Dresden wegen Anstiftung zur Wahlmanipulation (in der DDR) angeklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt.
1999 wurde Modrow in das Europaparlament gewählt. Er sitzt dort im Ausschuss für Entwicklungshilfe und war unter anderem für die EU-Beitrittsgespräche Tschechiens mitverantwortlich. Zur Europawahl 2004 trat er trotz anfänglichen Interesses nicht mehr an, da ihn der PDS-Vorsitzende Lothar Bisky nach eigenen Angaben für andere Aufgaben dringend brauchte und Modrow daher nicht mehr auf die Vorschlagsliste des Europaparteitags setzte.
Siehe auch: Geschichte der DDR. Krise und Ende 1981-1990
Im April 2006 sorgte Modrow für Aufregung, als er auf die Frage, ob die politische Führung der DDR die Mauertoten nicht billigend in Kauf genommen habe, dem Magazin Cicero antwortet: „Die Verantwortung für die Toten tragen die Verantwortlichen auf beiden Seiten.“ Die DDR sei für ihn der „Versuch einer sozialistischen Entwicklung“ gewesen, „in der auch Demokratie mit Einschränkungen wirksam war.“
Mann | Deutscher | Politiker (DDR) | Bundestagsabgeordneter | SED-Mitglied | Linkspartei-Mitglied | Geboren 1928 | Linkspartei-Mitglied
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