Hans Jonas (* 10. Mai 1903 in Mönchengladbach; † 5. Februar 1993 in New York) war ein jüdischer Philosoph und Ethiker deutscher Herkunft.
1933 wanderte er nach London aus, 1935 nach Palästina (Jerusalem). Von 1940 bis 1945 war er britischer Soldat in der Jüdischen Brigade, 1948 bis 1949 in der israelischen Armee. Nach der Rückkehr nach Deutschland erfuhr er von der Verschleppung und der Ermordung seiner Mutter in Auschwitz. 1949 siedelte Jonas nach Kanada und 1955 schließlich nach New York über. Er war Professor in Princeton, an der Columbia University, der University of Chicago und der Universität München. Für sein Werk erhielt Jonas zahlreiche internationale Auszeichnungen, 1987 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Mönchengladbach, zahlreiche Ehrendoktorate und die Verleihung von Ehrenmitgliedschaften in der American Academy of Arts and Science (Cambridge) und der International Academy of Science. 2003 erschien zum 10-jährigen Todestag seine Autobiographie "Erinnerungen".
Jonas beschäftigte sich zunächst vorwiegend mit geistes- und philosophiegeschichtlichen Themen. Dabei galt sein Hauptinteresse der spätantiken Gnosis, die er aus existenzphilosophischer Perspektive als Ausdruck der menschlichen Grunderfahrung einer tiefen Entzweiung von Ich und Welt deutete.
Spätere Arbeiten entwickelten die Konzeption einer philosophischen Biologie, die als ontologisch orientierte Philosophie des Organischen den in Gnosis und Neuzeit gleichermaßen aufbrechenden Dualismus von Subjekt und Objekt, Geist und Materie, Seele und Leib, Freiheit und Notwendigkeit theoretisch zu überwinden versucht. Ihr zufolge bildet das Organische bereits in seinen phylo- und ontogenetisch elementarsten Formen das Geistige vor, während der Geist umgekehrt noch in seinen höchsten und subtilsten Leistungen stets Teil des Organischen bleibt. So wird z.B. die alles Geistige wesentlich kennzeichnende Freiheit als ein im Kern schon im organischen Vorgang des Stoffwechsels angelegtes Prinzip interpretiert, das sich in steter Abhängigkeit von seinen materiellen Grundlagen gleichwohl zu gattungsgeschichtlich immer höher entwickelten Formen entfaltet.
Auf dieser naturphilosophischen Grundlage wandte sich Jonas schließlich zunehmend ethischen Fragestellungen zu, die insbesondere das Verhältnis des Menschen zur Natur und seinen Umgang mit der Technik betrafen. Gegenüber der vorwiegend auf den Menschen als denkendes und handelndes Subjekt bezogenen Ethik der Neuzeit blieb dabei der ontologische Gesichtspunkt bestimmend: Was gut und richtig ist, verdankt sich nicht primär subjektiver Reflexion, sondern ist im Sein selbst gleichsam objektiv vorgezeichnet. Jonas' Hauptwerk erschien 1979 unter dem Titel Das Prinzip Verantwortung - Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Aus ihm stammt das bekannte, in der Formulierung an Kants kategorischen Imperativ angelehnte Zitat:
Zuletzt suchte Jonas diesen verantwortungsethischen Ansatz auch für konkrete Anwendungsfelder wie die Ökologie, die Medizin und insbesondere die Biomedizin zu präzisieren.
Im Spätwerk hat sich Jonas wieder vermehrt religionsphilosophischen Fragestellungen zugewandt, die insbesondere die eigene jüdische Tradition einer neuen Lesart unterzogen haben. Von besonderer Bedeutung ist hier sein Beitrag zur Theodizeefrage nach Auschwitz. Um nach dem millionenfachen Mord an den Juden Europas überhaupt noch von Gott sprechen zu können, müsse die Vorstellung von der Allmacht Gottes aufgegeben werden. Gott, der sich in der Erschaffung der Welt ihrem zufällig, evolutionären Werden ausgesetzt hat, bleibt zwar gütig und steht in Kommunikation zu seiner Schöpfung, doch kann er selbst auf den Weltlauf keinen Einfluss nehmen. Die Verantwortung für das Böse in der Welt trägt infolgedessen der Mensch allein.
Philosoph (20. Jh.) | Philosophie des Geistes (Vertreter) | Moralphilosoph | Mann | Geboren 1903 | Gestorben 1993 | Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels
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