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Hans Albert (* 8. Februar 1921 in Köln) ist ein deutscher Philosoph und Soziologe.
Nach Ansicht des Philosophen Hans-Joachim Niemann bestand der Verdienst von Hans Albert vor allem darin, dass er das philosophische System Karl Poppers erweitert und systematischer noch als dieser selbst dargestellt habe.
Albert wandte sich insbesondere gegen dogmatische Wissenschaften, wie die Theologie.
In der Soziologie sind insbesondere seine Beiträge zur Marktsoziologie anzuführen.
Hans Albert war Mitherausgeber der Zeitschrift "Aufklärung und Kritik" und Ehrenpräsident der Gesellschaft für kritische Philosophie e.V. (Nürnberg) sowie wissenschaftlicher Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.
In der Philosophie des Hans Albert kommt der Erkenntnistheorie eine wesentliche Bedeutung zu. Zunächst die Ideen des Positivismus vertretend, sympathisierte er ab Mitte der 50er Jahre mit dem Kritischen Rationalismus und entwickelte sich in Deutschland neben Sir Karl R. Popper wohl zu dem bekanntesten Vertreter dieser philosophischen und wissenschaftstheoretischen Ansicht.
Dementsprechend besagt eine grundlegende Annahme seiner philosophischen Auffassung, dass keine Behauptung bzw. Aussage (Proposition), entstamme sie nun evidenter Intuition, deduktiver Schlussfolgerung und Beweisführung (z. B. durch Axiomatik in Logik und Mathematik), empirisch-induktiver Erkenntnis, oder welchen Ursprung eine Aussage auch immer haben mag, auf eine sichere Begründung zurückzuführen sei. Es ist nicht möglich für irgendeine Aussage Letztbegründung zu beanspruchen. Und somit ist die Garantie sicheren Wissens nicht gegeben. „Alle Sicherheiten in der Erkenntnis sind selbstfabriziert und damit für die Erfassung der Wirklichkeit wertlos.“
(Albert, Hans. Traktat über kritische Vernunft, 1991; 5. Auflage, Verl.: J.C.B. Mohr. S. 36)
Wenn wir nach Erkenntnis, wenn wir nach Wissen über die Welt streben, dann streben wir doch nach der Wahrheit dieser Erkenntnisse, der Wahrheit unseres Wissens über diese Welt. Wir wollen erkennen und wissen wie die realen Zusammenhänge der Welt beschaffen sind, wie die Welt an sich, also vollkommen unabhängig von unserem Bewusstsein und unseren Handlungen, funktioniert. Nun scheint es ganz selbstverständlich zu sein, dass wir die Sicherheit (Gewissheit) darüber besitzen möchten, dass das über die Welt in Erfahrung gebrachte Wissen - unsere Erkenntnis - nun auch tatsächlich der Wahrheit entspricht und nicht etwa bloße Meinung oder Glaube ist und wir womöglich einer Täuschung aufgesessen sind. Und diese Sicherheit, die Wahrheit erkannt zu haben und von ihr zu wissen, kann dadurch erlangt werden, dass man eine Basis, ein Fundament unseres Wissens sucht, das unser Wissen derart begründen kann, so das es über jeglichen Zweifel erhaben ist. Mit dem Streben nach wahrer Erkenntnis, also nach wahren Überzeugungen und Aussagen über die Welt, ist das Streben nach Sicherheit - nach Gewissheit - die Wahrheit der Erkenntnisse und des Wissens zu besitzen, offenbar eng verbunden.
Ergo: Suche nach einem Fundament; suche nach einer sicheren und absoluten Begründung und damit nach einer Rechtfertigung deiner Erkenntnisse - deines Wissens, und du bist im Besitz der Gewissheit, dass diese Erkenntnisse der absoluten Wahrheit entsprechen. Diese Auffassung, von der Möglichkeit sichere Erkenntnisse erreichen zu können, entspricht den Gedanken der klassischen Erkenntnislehre, also dem klassischen Rationalismus und Empirismus.
Die klassische Erkenntnislehre vertritt hier also ein Offenbarungsmodell der Wahrheit. Sie geht davon aus, dass die Welt einen letzten Grund, eine absolute und objektive Wahrheit besitzt, die durch den Menschen zu entdecken und als solche auch zu erkennen sei und dass sich das Entdeckte und Erkannte, in Form von (wahren) Aussagensystemen, exakt wiedergeben und beschreiben lässt.
So soll der Mensch die Welt in der Art und Weise untersuchen, wie es der klassische Rationalismus fordert, nämlich mit "rein" deduktiver Methodik, die uns durch unsere menschliche Verstandes- und Vernunftkraft ermöglicht wird. Oder aber, der Mensch soll nach der Methode verfahren, wie sie vom Empirismus gefordert wird: Beobachte die Welt mit Hilfe deiner Sinnesorgane, denn nur diese allein geben dir die Möglichkeit die Tatsächlichkeit der Welt erkennen zu können. Der Mensch braucht also laut klassischer Erkenntnislehre die Welt nur genau genug, und genau genug meint in diesem Fall: mit Hilfe der jeweils "reinen" Methode, zu untersuchen, dann wird sich dem Menschen die Wahrheit der Welt zeigen, sie wird sich ihm offenbaren. Und wenn, wie oben bereits beschrieben, versucht wird, das Begründungsproblem der klassischen Erkenntnislehre dadurch zu lösen, dass die Rückführung auf ein Fundament, eben auf eine sichere und zureichende Begründung und damit eine Rechtfertigung des Wissens als sicheres und deshalb unanzweifelbares Kriterium für die Wahrheit dieses Wissens angesehen und für gewiss gehalten wird, so ist es verständlich, dass sich eine dem Geist (Verstand und Vernunft) oder den Sinnen des Menschen offenbarende Wahrheit, doch als ein sicheres Fundament angesehen werden kann. Denn die sich dem Menschen offenbarende Wahrheit zeigt sich als vollkommen unabhängig, unverfälscht von menschlichem Zutun, also frei von jeglicher Willkür des Menschen. Er braucht sie (die offenbar werdende Wahrheit) nur mit Hilfe seines "reinen" Geistes durchdenken oder durch "reine" Sinneswahrnehmung zu empfangen, um so die erkannte Wahrheit als unmittelbar einleuchtende Intuition, deren Evidenz sich eben auf das Fundament des "reinen" Geistes oder die "reine" Sinneswahrnehmung stützt, hinreichend zu begründen und somit in den Besitz der einen Wahrheit zu gelangen, der man sich absolut gewiss sein kann.
Diesen Thesen des klassischen Erkenntnisideals tritt Hans Albert mit seiner Konzeption des Kritischen Rationalismus entgegen. Seine kritische Methode, Aussagen (Behauptungen, Theorien, ...) einer ständigen kritischen Prüfung zu unterziehen und der damit einhergehenden Ablehnung jeglicher Letztbegründungsansprüche, gründet sich wohl auf die Schlussfolgerungen, die aus seinem bekannten Münchhausen-Trilemma gezogen werden können. Hans Albert stellt mit Hilfe seines Trilemmas die These auf, dass jeder Versuch eine Behauptung zu einer letztbegründeten und damit vollkommen unkritisierbaren Wahrheit zu erheben, scheitern muss. Und deshalb auch das bereits beschriebene klassische Erkenntnisideal mit seinem Rekurs auf einen archimedischen Punkt, also einem Punkt (Fundament), von dem aus sichere Erkenntnis garantiert werden kann, um damit zu einer letztbegründeten Behauptung, also absolut unbezweifelbaren Wahrheit des menschlichen Wissens zu gelangen, eine Illusion darstellt. Denn wenn ich behaupte, diese oder jene Aussage sei absolut wahr, weil ich sie auf eine absolut sichere Begründung zurückführen kann, dann bleiben mir laut der Konsequenzen, die sich aus dem Albertschen Trilemma ziehen lassen, stets drei Möglichkeiten, denen eine behauptete Letztbegründung zum "Opfer" fallen wird, und die deshalb allesamt den Lösungsversuch, irgendeine Behauptung als absolute und deshalb unkritisierbare Wahrheit auszeichnen zu wollen, zunichte machen:
Will man nun bei der Zurückführung seiner Behauptungen auf ein sicheres Fundament, den infiniten Regress und den logischen Zirkel angesichts ihrer Schwächen vermeiden, dann wird anhand des grade erwähnten „Scheidungsbeispiels“ deutlich, dass der Abbruch des Begründungsverfahrens prinzipiell möglich und gangbarer ist und deshalb so oder ähnlich in der Praxis häufig angewandt wird und ein festes Fundament des sicheren Wissens zu bieten scheint, so lange ich meine Behauptung nur gut genug gegen kritische Einwände immunisieren kann, so Hans Albert. D. h. ich sichere meine Aussagen ab, indem ich sie zu absolut gültigen Behauptungen erhebe, an denen kein Zweifel möglich scheint, ja gar nicht erst erlaubt sein soll.
Aber letzten Endes muss bei dieser Strategie der Kritikimmunisierung etwas in Kauf genommen werden, das einem dieses vermeintlich sichere Fundament unter den Füßen wegziehen wird. Das nämlich dieser Abbruch der Begründungskette und die damit beabsichtigte Kritikimmunisierung, nichts anderes darstellt als ein Dogma, ein Dogma, das aufgestell wird, um den Behauptungen das Risiko des Scheiterns durch mögliche kritische Einwände zu nehmen. Dadurch bleibt der Akt der Willkür aber erhalten. Nämlich die Begründungskette einfach an dem Punkt zu unterbrechen, der dem jeweils argumentierenden Menschen als evident genug erscheint.
Und welche konkreten Konsequenzen zieht Hans Albert nun angesichts dieser Folgerungen aus seinem Münchhausen-Trilemma?
Alle und Alles sind/ist fallibel. Nichts und Niemand ist unfehlbar. Und wenn nichts und niemand unfehlbar sein kann, dann natürlich auch nicht der "reine" menschliche Geist oder die "reine" menschliche Sinneswahrnehmung, die die offenbarte Wahrheit der Welt empfangen können und der Mensch somit im Besitz der unbezweifelbaren Wahrheit der Welt ist, wie es von der klassischen Erkenntnislehre behauptet wird.
Hans Albert versucht dem Letztbegründungsanspruch der klassischen Erkenntnislehre und damit jeglicher Art von Dogmatismus zu entgehen. Da es für Hans Albert und für den Kritischen Rationalismus keine unfehlbaren Aussagen (Behauptungen, Sätze, Theorien, ...) geben kann, setzt er an die Stelle einer unfehlbaren Dogmatik die Hypothese. Unsere Aussagen über die Welt sind somit stets als vorläufige Setzungen, eben als Annahmen über die wahren Vorgänge einer angenommenen realen Welt zu verstehen. All unsere Aussagen über die Welt sind Thesen, sind Theorien, die so lange als gültig angesehen werden können, bis eine neue Theorie die Beschreibung der Welt verbessert. Eine Theorie, die eine größere Erklärungskraft besitzt, die die Welt umfassender und genauer beschreiben kann, die weniger Widersprüche und größere Kongruenz mit der realen Welt aufweist. Somit kann stets versucht werden, durch eine umfassende kritische Prüfung, der als hypothetisch aufgefassten Aussagen über die Wahrheit unserer Erkenntnisse und unseres Wissens über die reale Welt, eine jede Theorie einer Erprobung zu unterziehen - sie an der Realität scheitern oder sich bewähren zu lassen und somit der Wahrheit vielleicht ein Stück näher zu kommen (Poppers Falsifikationsprinzip). Der Wahrheit unserer Erkenntnisse lässt sich durch eine kritische Prüfung an der realen Welt wohl eher näher kommen, als es mit dogmatischen Behauptungen möglich ist. Denn dogmatische Behauptungen beanspruchen ja bekanntlich für sich, dass sie die absolute und einzige Wahrheit darstellen. Mögliche Alternativen müssen also demnach allesamt der Unwahrheit entsprechen. Eine Sichtweise, die angesichts der unterschiedlichsten philosophischen und weltanschaulichen Auffassungen, von denen einige eben für sich in Anspruch nehmen die Gewissheit zu haben im Besitz der einen absoluten Wahrheit zu sein, eine widersprüchliche und deshalb unplausible, unbefriedigende Situation darstellt.
Wie man unschwer feststellen kann, hält der Kritische Rationalismus an der Idee der Möglichkeit einer/der Wahrheit der Welt, wie sie auch in der klassischen Erkenntnislehre anzutreffen ist, fest. Aber er leugnet im Gegensatz zu diesen Systemen, die Möglichkeit sich dem Erkennen und Wissen dieser Wahrheit vollkommen gewiss zu sein und somit jeglichen Zweifel ausschließen zu können. Die Idee der Wahrheit stellt hier, etwa wie bei Immanuel Kant, ein regulatives Prinzip des menschlichen Erkenntnisstrebens dar. Nichts kann als vollkommen wahr erkannt werden und mit absoluter Gewissheit gewusst werden aber deshalb die Idee einer möglicherweise (extramental) existierenden Wahrheit, der man näher kommen kann, ohne dies aber jemals mit letzter Gewissheit erkennen und wissen zu können, aufzugeben, kommt einer geöffneten „Schranke“ gleich, die dazu auffordert, den lockeren Weg des Relativismus und/oder Subjektivismus zu betreten. Damit soll aber nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass dieser Weg der falsche Weg sei, sondern das dieser Weg eben ein "lockerer" ist, weil er sich im Hinblick auf seine Plausibilität, also im Vergleich seiner Behauptungen mit unsereren alltäglichen und wissenschaftlichen "Logiken", Erfahrungen und Erlebnissen, die wir in und mit der realen Welt machen können, als offensichtlich zu widerspruchsvoll darstellt.
Der Kritizismus des Hans Albert ist ein plausibler Ansatz, um zu einer möglichst klaren und möglichst widerspruchsfreien Beschreibung unserer menschlichen Erkenntnissituation und Wissensmöglichkeit zu gelangen. Aber in keinem Fall möchte er eine absolute Wahrheit verkünden, die frei von Irrtümern und Fehlern ist.
Die kritische Philosophie des Hans Albert fasst sich selbst und damit auch seine eigenen Aussagen als hypothetische Annahme auf - eine Theorie, die sich der Kritik stellen möchte, um durch das Entdecken von Fehlern und Irrtümern, also dem Scheitern unserer Vorstellungen - unserer Konstruktionen - von der Welt, an der realen Welt, der Wahrheit dieser realen Welt vielleicht ein Stück näher kommen zu können. Ein Zitat von Hans Albert soll diese Zielsetzung verdeutlichen:
Mann | Deutscher | Philosoph (20. Jh.) | Wissenschaftstheoretiker | Geboren 1921
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