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Hannover war ab 1803 der Name eines Kurfürstentums und ab 1815 eines Königreiches. Es ging aus dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg hervor. Sein Gebiet macht heute den größten Teil Niedersachsens aus. Hauptstadt war die Stadt Hannover.

Gebiet und Bevölkerung


38.705 km²; 3.537.390 Einwohner (Mai 1939)

Geschichte


Vorgeschichte

Herzogtum Braunschweig-Lüneburg
Herrscherhaus von Hannover waren die Welfen, die bis zur Entmachtung Heinrichs des Löwen 1180 bereits das alte Herzogtum Sachsen regiert hatten. Das Welfische Hausgut wurde 1235 zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg erhoben. 1500 werden alle welfischen Gebiete dem Niedersächsischen Reichskreis zugeordnet.

Kurfürstentum Hannover
Nach mehreren Erbteilungen fielen 1634 die Fürstentümer Calenberg und Göttingen an das Fürstentum Braunschweig-Lüneburg-Celle und bildeten nach Verleihung der Kurwürde ab 1692 das Kurfürstentum Hannover.

Personalunion mit Großbritannien
Nach dem Tode Königin Anna Stuarts von Großbritannien erbte Kurfürst Georg Ludwig 1714 die britische Königskrone, da sie keine überlebenden Nachkommen hatte. Gemäß dem Settlement Act von 1701 fiel die Krone an die nächsten protestantischen Verwandten, also an das Haus Hannover. Die Personalunion endete mit der Thronbesteigung von Königin Viktoria 1837, da im Königreich Hannover nur männliche Nachkommen den Thron erben konnten. Daher ging die Regentschaft auf Victorias Onkel, Ernst August, Herzog von Cumberland, über.

Erwerb der Herzogtümer Bremen und Verden
1715 kaufte Hannover die Herzogtümer Bremen und Verden von Dänemark, welches diese früheren geistlichen Territorien kurz vorher von Schweden erobert hatte.

Königreich Hannover

Aufstieg zum Königreich
Aber nicht dadurch wurde Hannover zum Königreich, sondern durch den Wiener Kongress 1815. Bis zum Ende der Personalunion nannte sich der jeweilige Herrscher „König von Hannover und König von Großbritannien & Irland“.

Napoleonische Zeit
Im Rahmen der Napoleonischen Kriege wurde Hannover zunächst von den Franzosen besetzt – Jean-Baptiste Bernadotte, der spätere König von Schweden und Norwegen, war hier vom 14. Mai 1804 für mehrere Monate Gouverneur –, dann von Preußen besetzt und ging 1807 bzw. 1810 im Königreich Westfalen auf, wurde aber auf dem Wiener Kongress 1814 als Königreich neu gebildet und Mitglied des Deutschen Bundes.

Auf dem Wiener Kongress werden dem Königreich Hannover die Niedergrafschaft Lingen, das Herzogtum Arenberg-Meppen, die Grafschaft Bentheim, das Stift Hildesheim, die Stadt Goslar, Bereiche des Untereichsfelds und das Fürstentum Ostfriesland zugeteilt.

Unruhen und Revolution von 1848
Eine Verfassung (nur beratende Stimme des Parlaments bei der Gesetzgebung) wurde 1819 eingeführt, 1833 eine neue erlassen, aber von König Ernst August (1837–51) aufgehoben. Der Protest von sieben Professoren der Universität Göttingen, der Göttinger Sieben, darunter die Brüder Grimm, erregte großes Aufsehen in Deutschland und trug zur Förderung der liberalen Bewegung in Deutschland bei. Im Namen der Stadt Osnabrück reichte der Landtagsabgeordnete und spätere Innenminister der hannoverschen Märzregierung unter Graf Benningsen, Johann Carl Bertram Stüve, Beschwerde beim Deutschen Bund gegen den Verfassungsbruch ein. Die Revolution von 1848 führte vorübergehend zu einer Liberalisierung, diese wurden aber von König Georg V. (1851–66) unter dem Einfluß des preußischen Kanzlers Otto v. Bismarck, rückgängig gemacht.

Provinz Hannover

Besetzung durch Preußen und Annexion
1866, im Deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich verlor das Königreich Hannover seine Unabhängigkeit. Es hatte zuvor versucht, mit anderen Ländern im Deutschen Bund eine neutrale Stellung zu behalten, stimmte aber in der entscheidenden Abstimmung über die Mobilisierung der Bundestruppen am 14. Juni 1866 gegen Preußen; wenig später erklärte Preußen auf Grund dieser Haltung Hannover den Krieg. Zwar schlugen die hannöverschen Truppen die preußischen in der Schlacht bei Langensalza, doch wurden die Welfen entthront, das Königreich Hannover wurde ebenso wie das Kurfürstentum Hessen (Hessen-Kassel), das Herzogtum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt am Main von Preußen annektiert und in eine preußische Provinz umgewandelt. Das Privatvermögen der Welfen wurde von Bismarck als sogenannter Reptilienfonds zur Beeinflussung von Presseberichten und des immer geldbedürftigen bayerischen Königs Ludwig II. genutzt, ohne darüber dem Reichstag Rechenschaft abzulegen.

Tendenzen zur Wiedererrichtung Hannovers
Die hannoversche und welfische Gesinnung ging im Land aber trotz der Einverleibung nach Preußen nicht unter, es bildete sich als politische Partei die Deutsch-Hannoversche Partei (DHP), die für eine Neubildung des Landes Hannover und eine Rehabilitierung des Welfenhauses eintrat und die über das Kaiserreich hinaus bis in die Weimarer Republik hinein mehrfach im Reichstag vertreten war. Nach 1945 trat die konservative Niedersächsische Landespartei (1947 umbenannt in Deutsche Partei) die Nachfolge der DHP an, die aber in der Gesamtdeutschen Partei GDP aufging.

1944 wurden dem Reichsstatthalter in Oldenburg und Bremen die Regierungsbezirke Aurich und Osnabrück unterstellt.

Land Hannover

Entstehung der Länder Hannover und Niedersachsen
Nach dem Zweiten Weltkrieg erhält das Land Hannover mit der Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 23. August 1946 „Betreffend die Auflösung der Provinzen des ehemaligen Landes Preußen in der Britischen Zone und ihre Neubildung als selbständige Länder“ seine rechtlichen Grundlagen.

Am 23. November 1946 genehmigt die britische Militärregierung die Vereinigung des Landes Braunschweig (mit Ausnahme des östlichen Teils des Landkreises Blankenburg sowie der Exklave Calvörde des Landkreises Helmstedt, die an die sowjetische Besatzungszone fallen und in das Land Sachsen-Anhalt integriert werden), des Landes Oldenburg und des Landes Schaumburg-Lippe mit dem Land Hannover (mit Ausnahme des Amtes Neuhaus, das an die sowjetische Besatzungszone fällt und erst 1993 Niedersachsen wieder angegliedert wird) zum neuen Land Niedersachsen.

Wochenschau-Film zur Wiederherstellung des Landes Hannover 1946 klick

Bestandteil des Bundeslandes Niedersachsen.

Politik


Kurfürst von Hannover, Herzog von Braunschweig-Lüneburg
Haus Hannover
Name Herrschaft Bemerkungen
Ernst August 16291698 Sohn von Georg von Braunschweig und Lüneburg-Calenberg
Kurfürst von Hannover, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, König von Großbritannien und Irland
Mit dem Act of Settlement von 1701 wurde die Thronfolge auf Protestanten eingeschränkt. Sophie von der Pfalz, die nächste protestantische Verwandte, wurde deshalb Thronfolgerin. Sie starb kurz vor Königin Anne. Aus diesem Grund folgte ihr Sohn auf den Thron, der das Haus Hannover begründete.
Georg I. (George I) 1698/17141727 Sohn von Ernst August und Urenkel von Jakob I..
Georg II. (George II) 17271760 Sohn von Georg I.
Georg III. (George III) 17601820 Enkel von Georg II.
König von Hannover und Herzog von Braunschweig-Lüneburg
ab 1815 ist Hannover ein Königreich.
Georg IV. (George IV) 18201830 Sohn von Georg III.
Wilhelm IV. (William IV) 18301837 Sohn von Georg III.
König von Hannover und Herzog von Braunschweig-Lüneburg
1837 erbte Ernst August I. nach dem Tode von Wilhelm IV den Hannoverischen Thron. 1837 endet damit die 123jährige Personalunion der Könige von Großbritannien und Hannover.
Ernst August I. 18371851 Sohn von Georg III.
Georg V. 18511866 Sohn von Ernst August I.

Kurfürsten und Könige von Hannover

  • Ernst August, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, seit 1692 Kurfürst von Hannover (1629-1698)
  • Georg I. Ludwig. Kurfürst von Hannover, König von Großbritannien (1660-1727)
  • Georg II. August. Kurfürst von Hannover, König von Großbritannien (1683-1760)
  • Georg III.. Kurfürst von Hannover, seit 1815 König von Hannover; König von Großbritannien (1738-1820), seit 1801 König von Großbritannien und Irland
  • Georg IV.. König von Hannover, König von Großbritannien und Irland (1762-1830)
  • Wilhelm IV.. König von Hannover, König von Großbritannien und Irland (1765-1837)
  • Ernst August Herzog von Cumberland, König von Hannover (1771-1851)
  • Georg V. Herzog von Cumberland, König von Hannover (1819-1878), im österreichischen Exil seit 1866

Oberpräsidenten der Provinz Hannover

Provinziallandtag

1921: SPD 34,7% - 37 Sitze | DHP 16,7% - 17 sitze | DVP 15,0% - 16 Sitze | Liste Elbe-Weser 8,0% - 10 sitze | DNVP 7,0% - 7 Sitze | Zentrum 6,4% - 7 Sitze | DDP 4,6% - 5 Sitze | USPD 3,3% - 3 Sitze | KPD 3,2% - 4 Sitze | | Häuerleute 0,7% - 1 Sitz | Liste Ostfriesland 0,4% - 1 Sitz | Liste Esens-Wittmund-Friedeburg 0,4% - 1 Sitz
1925: SPD 32,9% - 37 Sitze | VHP 27,2% - 30 Sitze | Zentrum 9,7% - 11 Sitze | Haus und Grundbesitzer 7,3% - 8 Sitze | KPD 4,2% - 5 Sitze | DDP 3,9% - 5 Sitze | Wirtschaft, Handwerk und Gewerbe 3,7% - 5 Sitze | Hannoversche Ortsparteien 2,7% - 3 Sitze | DNVP 2,2% - 2 Sitze | Sparerbund 2,0% - 3 Sitze | DVP 1,3% - 1 Sitze | DVFP 0,7% - 1 Sitz | DHP 0,6% - 1 Sitz
1929: SPD 34,8% - 39 Sitze | DHP 10,9% - 12 Sitze | Mittelstandsblock 9,1% - 10 Sitze | Zentrum 8,9% - 10 Sitze | DVP 8,3% - 10 Sitze | NSDAP 6,8% - 8 Sitze | DNVP 6,7% - 8 Sitze | KPD 3,7% - 4 Sitze | CNBL 3,7% - 4 Sitze | DDP 3,1% - 4 Sitze | NF 1,9% - 2 Sitze
1933: NSDAP 48,8% - 55 Sitze | SPD 23,1% - 26 Sitze | DNVP 9,7% - 11 Sitze | Zentrum 8,1% - 9 Sitze | KPD 4,8% - 6 Sitze | DHP/CSVD 4,1% - 5 Sitze
An 100% fehlende Stimmen = Nicht im Provinziallandtag vertretene Wahlvorschläge.

Verwaltungsgliederung der Provinz Hannover (letzter Stand 1946)


Die Regierungsbezirke 1905:
  1. Regierungsbezirk Aurich
  2. Regierungsbezirk Hannover
  3. Regierungsbezirk Hildesheim
  4. Regierungsbezirk Lüneburg
  5. Regierungsbezirk Osnabrück
  6. Regierungsbezirk Stade
Kreissitze, die vom Namen des Kreises abweichen, sind in Klammern hinzugefügt

Regierungsbezirk Aurich

Stadtkreise
  1. Stadtkreis Emden
  2. Stadtkreis Wilhelmshaven (1919-1937, danach zu Oldenburg)
Landkreise
  1. Landkreis Aurich in Ostfriesland
  2. Landkreis Emden (bis 1932, danach zur Stadt Emden, zum Landkreis Norden und zum Landkreis Leer)
  3. Landkreis Leer
  4. Landkreis Norden
  5. Landkreis Weener (bis 1932, danach zum Landkreis Leer)
  6. Landkreis Wittmund

Regierungsbezirk Hannover

Stadtkreise:
  1. Stadtkreis Hameln (seit 1923)
  2. Stadtkreis Hannover
  3. Stadtkreis Linden (1886-1920, danach Stadtteil von Hannover)
Landkreise:
  1. Landkreis Grafschaft Diepholz (Landratsamt in Diepholz)
  2. Landkreis Grafschaft Hoya (Landratsamt in Syke)
  3. Landkreis Grafschaft Schaumburg (Landratsamt in Rinteln)
  4. Landkreis Hameln-Pyrmont (in Hameln, vor 1922 Landkreis Hameln)
  5. Landkreis Hannover
  6. Landkreis Linden (bis 1932, danach zum Landkreis Hannover)
  7. Landkreis Neustadt am Rübenberge
  8. Landkreis Nienburg/Weser
  9. Landkreis Springe
  10. Landkreis Stolzenau (bis 1932, danach zum Landkreis Nienburg)
  11. Landkreis Sulingen (bis 1932, danach zum Landkreis Diepholz)
  12. Landkreis Syke (bis 1932, danach zum Landkreis Grafschaft Hoya)

Regierungsbezirk Hildesheim

Stadtkreise
  1. Stadtkreis Göttingen
  2. Stadtkreis Goslar (nur bis 1941, dann zu Braunschweig)
  3. Stadtkreis Hildesheim
Landkreise
  1. Landkreis Alfeld
  2. Landkreis Duderstadt
  3. Landkreis Einbeck
  4. Landkreis Göttingen
  5. Landkreis Goslar (nur bis 1941, dann zu Braunschweig)
  6. Landkreis Hildesheim
  7. Landkreis Marienburg (Landratsamt in Hildesheim)
  8. Landkreis Münden beziehungsweise Hannoversch Münden
  9. Landkreis Northeim
  10. Landkreis Osterode am Harz
  11. Landkreis Peine
  12. Landkreis Zellerfeld (Landratsamt in Clausthal-Zellerfeld)

Regierungsbezirk Lüneburg

Stadtkreise
  1. Stadtkreis Celle
  2. Stadtkreis Harburg (ab 1927 Harburg-Wilhelmsburg und 1937 nach Hamburg eingegliedert)
  3. Stadtkreis Lüneburg
  4. Stadtkreis Wilhelmsburg (1925-1927, danach mit Harburg zu Harburg-Wilhelmsburg vereinigt)
Landkreise
  1. Landkreis Burgdorf
  2. Landkreis Celle
  3. Landkreis Fallingbostel
  4. Landkreis Gifhorn
  5. Landkreis Harburg (Landratsamt in Hamburg-Harburg)
  6. Landkreis Lüchow-Dannenberg (Landratsamt in Lüchow, 1932 aus den Kreisen Lüchow und Danneberg gebildet)
  7. Landkreis Lüneburg
  8. Landkreis Soltau
  9. Landkreis Uelzen (Landratsamt bis 1974 in Oldenstadt)

Regierungsbezirk Osnabrück

Stadtkreise
  1. Stadtkreis Osnabrück
Landkreise
  1. Landkreis Aschendorf-Hümmling (Landratsamt in Aschendorf, 1932 aus den Landkreisen Aschendorf und Hümmling gebildet)
  2. Landkreis Bersenbrück
  3. Landkreis Grafschaft Bentheim (Landratsamt in Bentheim)
  4. Landkreis Iburg (bis 1932, danach zum Landkreis Osnabrück)
  5. Landkreis Lingen
  6. Landkreis Melle
  7. Landkreis Meppen
  8. Landkreis Osnabrück
  9. Landkreis Wittlage

Regierungsbezirk Stade

Stadtkreise
  1. Stadtkreis Cuxhaven (seit 1937, gehörte vorher zu Hamburg)
  2. Stadtkreis Wesermünde (1924 aus den kreisfreien Städten Geestemünde und Lehe gebildet)
Landkreise
  1. Landkreis Bremervörde
  2. Landkreis Land Hadeln (Landratsamt in Otterndorf)
  3. Landkreis Osterholz (Landratsamt in Osterholz-Scharmbeck)
  4. Landkreis Rotenburg in Hannover
  5. Landkreis Stade
  6. Landkreis Verden
  7. Landkreis Wesermünde

Literatur


  • Zur Schlussphase des Königreichs Hannover
    • Heinrich Ringklib, Statistische Uebersicht der Eintheilung des Königreichs Hannover *, Hannover: Schlüter'sche Hofbuchdruckerei 1852
    • Hof- und Staats-Handbuch für das Königreich Hannover auf das Jahr 1864, Hannover: Berenbergsche Buchduckerei *

Weblinks


Weltliches Fürstentum | Staat (historisch) | Preußische Provinz | Niedersächsische Geschichte | Hannover

Hanover (state) | ハノーファー王国 | 하노버 주 | Hannover (land) | Hannover (stat) | 汉诺威 (地区)

 

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