Die Handspindel stellt die ursprüngliche Form des Werkzeuges zum Verspinnen von Fasern dar. Eine Handspindel besteht aus dem Wirtel, auch Wirtelstein oder Wörtel (Fig. c), und dem Schaft (Fig. b).
Als Wirtel wird auch in heutigen Ringspinnmaschinen das Teil bezeichnet, über das der Antrieb der Spindel erfolgt. Der Schaft (Stab der Handspindel) alleine wird manchmal auch als Spindel bezeichnet. Das obere Schaftende kann unterschiedlich geformt sein: spitz zulaufend, mit einem Metall- oder geschnitztem Haken, mit einer Kerbe oder Rille, bzw. einer Mittel- oder spiralförmigen Nut versehen.
Dieses Verfahren der Textilherstellung war/ist weltweit verbreitet und diente jahrtausendelang zur Produktion von Garnen für Kleidung. Es wurde im späten Mittelalter vom Spinnrad und zu Beginn der Industriellen Revolution durch Spinnmaschinen wie der Jenny abgelöst.
Auch heute noch dient die Handspindel in vielen weniger entwickelten Gegenden der Erde als Werkzeug zur Herstellung für Textilien des täglichen Gebrauchs. Auch unter der langsam wieder wachsenden Zahl der Hobby-Spinner findet die Handspindel immer noch Verwendung.
Der Vorteil der Handspindel gegenüber dem Spinnrad ist die Portabilität. Die Handspindel kann leicht transportiert werden und auch während vieler Tätigkeiten des normalen Lebens betrieben werden (z. B. beim Schafehüten, beim Gehen, beim Warten auf den Bus oder im Arztwartezimmer). Dadurch relativiert sich die langsamere Spinngeschwindigkeit gegenüber dem ortsfesten Spinnrad etwas. Eine Arbeitskraft in einer heutigen industriellen Spinnerei produziert jedoch mehrere tausend Mal mehr Garn als von Hand, gemessen in kg Garn pro Arbeitsstunde.
Neben den oben genannten frei hängend betriebenen Handspindeln gibt es auch Standspindeln, die im Englischen "Supported Spindles" genannt werden. Hierbei gibt es große schwere Spindeln mit langem Schaft, die auf dem Boden stehend betrieben werden, während der Spinner im Schneidersitz auf dem Boden oder auf einem Stuhl sitzt (z. B. die Navajo-Spindel) oder eher kleinere und leichtere Spindeln, die in einer Holz-, Keramik-, Muschelschale oder ähnlichem stehend besponnen werden. Mit großen, schweren Standspindeln werden u. a. von den Navajo-Indianern dicke Teppichgarne gesponnen. Kleine, leichte Standspindeln sind gut geeignet sehr feine und kurze Fasern (wie z. B. Baumwolle) zu sehr dünnen Fäden zu spinnen, die frei hängend das Gewicht der Handspindel nicht tragen könnten. Außerdem verhindert die Benutzung in einer Schale, daß der (Ton-)Wirtel bricht, falls der Faden reißt und die Spindel ansonsten zu Boden fällt. Standspindeln haben in der Regel ein angespitztes Schaftende und einen unten sitzenden Wirtel.
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