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In vielen Religionen ist die Handauflegung eine symbolische Geste der Übertragung von Segen, magischen Kräften oder Vollmacht.

Christentum


Segenshandlungen wurden bereits im Alten Testament (Tanach) von einer Handauflegung begleitet. Zu den wohl bekanntesten Handauflegungen gehört die Segnung von Ephraim und Manasse, die vom Stammvater Jakob (Beiname: Israel)) vollzogen wurde. Sie findet sich beschrieben in 1. Mose, Kapitel 48,13ff:
Dann nahm sie Josef beide, Ephraim an seine rechte Hand gegenüber Israels linker Hand und Manasse an seine linke Hand gegenüber Israels rechter Hand, und brachte sie zu ihm. Aber Israel streckte seine rechte Hand aus und legte sie auf Ephraims, des Jüngeren, Haupt und seine linke auf Manasses Haupt und kreuzte seine Arme, obwohl Manasse der Erstgeborene war. Und er segnete Josef und sprach: Der Gott, vor dem meine Väter Abraham und Isaak gewandelt sind, der Gott, der mein Hirte gewesen ist mein Leben lang bis auf diesen Tag, der Engel, der mich erlöst hat von allem Übel, der segne die Knaben, daß durch sie mein und meiner Väter Abraham und Isaak Name fortlebe, daß sie wachsen und viel werden auf Erden.

Auch Jesus praktizierte nach den Erzählungen des Neuen Testaments häufig die Handauflegung. Ein Beispiel unter vielen findet sich in Matthäus 19,13ff:

Da wurden Kinder zu ihm gebracht, damit er die Hände auf sie legte und betete. Die Jünger aber fuhren sie an. Aber Jesus sprach: Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solchen gehört das Himmelreich. Und er legte die Hände auf sie und zog von dort weiter.

Auch die von Jesus vollzogenen Krankenheilungen waren häufig vom Auflegen der Hände begleitet.

Die Apostelgeschichte berichtet von Handauflegungen im Zusammenhang von Ordination, Empfang des Heiligen Geistes und Krankenheilung.

Ordination: ... sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Judengenossen aus Antiochia. Diese Männer stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten die Hände auf sie. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. (Apostelgeschichte 6,5ff)

Geistempfang: Als diese hinabgekommen waren, beteten sie für sie, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten; denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist. (Apostelgeschichte 8,15ff)

Krankenheilung: In dieser Gegend hatte der angesehenste Mann der Insel, mit Namen Publius, Landgüter; der nahm uns auf und beherbergte uns drei Tage lang freundlich. Es geschah aber, daß der Vater des Publius am Fieber und an der Ruhr darnieder lag. Zu dem ging Paulus hinein und betete und legte die Hände auf ihn und machte ihn gesund. Als das geschehen war, kamen auch die andern Kranken der Insel herbei und ließen sich gesund machen. Und sie erwiesen uns große Ehre; und als wir abfuhren, gaben sie uns mit, was wir nötig hatten. (Apostelgeschichte 28,7ff)

Auch die so genannten Gnadengaben werden nach 1. Timotheus 4,14 und 2. Timotheus 1,6 durch das Auflegen der Hände übertragen. Der Apostel Paulus mahnt hier Timotheus, die ihm durch Handauflegung empfangenen Gnadengaben nicht zu vernachlässigen.

In 1. Timotheus 5,22 warnt Paulus seinen jungen Mitarbeiter, einem Menschen vorschnell die Hände aufzulegen. Es bestünde die Gefahr, fremder Sünde teilhaftig zu werden. Paulus vertritt hier offensichtlich die Ansicht, dass bei der Handauflegung nicht nur eine Wirkung vom Segnenden auf den Gesegneten statt findet, sondern auch in umgekehrter Richtung.

Nach den biblischen Berichten über das Handauflegen sind es also vor allem fünf Bereiche, in denen dieser Ritus zur Anwendung kommt:

  • Vermittlung von Segen
  • Heilung von Krankheiten und Gebrechen
  • Empfang des Heiligen Geistes
  • Weihe zum Dienst für Gott (Ordination)
  • Vermittlung besonderer Gnadengaben.

Kirchliche Praxis

Die römisch-katholische und die orthodoxen Kirchen sowie die ihnen nahe stehenden Kirchengemeinschaften (u.a. Altkatholiken, Anglikaner etc) praktizieren die Handauflegung im Zusammenhang der Spendung verschiedener Sakramente, so zum Beispiel der Taufe, der Firmung und der Priesterweihe. Auch in anderen Zusammenhängen (Gebet für Kranke, Krankensalbung und Exorzismus) wird hier unter Handauflegung gebetet. Ähnlich verhält es sich in den Kirchen, die dem Luthertum zugeordnet werden. Reformierte Kirchen verhalten sich, was das Auflegen der Hände angeht, äußerst zurückhaltend. In den Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden werden insbesondere Kinder, Täuflinge und Kranke unter Handauflegung gesegnet. Auch bei der Einführung von Ältesten, Pastoren und anderer Mitarbeiter der Gemeinde (zum Beispiel Jugendleiter, Sonntagschulleiter, Hauskreisverantwortliche wird häufig die Handauflegung praktiziert.

Siehe auch:


Literatur


  • Anthony T. Hanson, Friedemann Merkel: Art. Handauflegung I. Altes Testament/Judentum/Neues Testament/Religionsgeschichtlich II. Kirchengeschichtlich/Praktisch-theologisch. In: Theologische Realenzyklopädie 14 (1985), S. 415-428
  • Johannes Behm: Die Handauflegung im Urchristentum nach Verwendung, Herkunft und Bedeutung. In religionsgeschichtlichem Zusammenhang untersucht. Deichert, Leipzig 1911 (2. Aufl. 1968)
  • Nikolaus Adler: Taufe und Handauflegung. Eine exegetisch-theologische Untersuchung von Apg. 8, 14 - 17. Neutestamentliche Abhandlungen 19,3. Aschendorff, Münster 1951
  • Dominik Leupold-Kirschneck: Das Handauflegen. Eine ärztliche Urgebärde in Geschichte und Gegenwart. Basler Veröffentlichungen zur Geschichte der Medizin und der Biologie 33. Schwabe, Basel u.a. 1981 ISBN 3-7965-0777-8
  • Martina Bühring: Heiler und Heilen. Eine Studie über Handauflegen und Besprechen in Berlin. Krankheit und Kultur 6. Reimer, Berlin u.a. 1993 ISBN 3-496-00421-5
  • Jean Sayre-Adams, Steve Wright: Therapeutische Berührung in Theorie und Praxis. Ullstein Mosby, Berlin u.a. 1997 ISBN 3-86126-615-6

Weblinks


Ritus

 

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