Da der Begriff Chinesen im Deutschen nicht eindeutig unterscheidet zwischen Bürgern Chinas und Angehörigen der Han-Nationalität, also „ethnischen Chinesen“, hat sich die Bezeichnung „Han-Chinesen“ oder kurz Han zunehmend eingebürgert. Im Chinesischen wird zwischen „Chinese“ als Staatsbürger (中国人 Zhongguoren, „Mensch aus dem Land der Mitte“) und „ethnischem Chinese“ (汉族人 Hanzuren oder 汉人 Hanren, „Mensch des Han-Volkes“) klar unterschieden.
Die Han stellen heute etwa 91,59 % der Gesamtbevölkerung der Volksrepublik China und rund 98% der Gesamtbevölkerung der Republik China. Neben den Han-Chinesen gibt es in der Volksrepublik noch 55, in der Republik zwölf weitere offiziell anerkannte Völker („Nationalitäten“); siehe Völker Chinas und Indigene Völker Taiwans. Hinzu kommen jeweils 15–20 ethnische Gruppen, die nicht offiziell als Nationalitäten anerkannt sind.
Tatsächlich sind jedoch auch die Han-Chinesen keine so homogene Gruppe wie gerne angenommen. Besonders moderne staatliche Institutionen mit ihrem Drang zur Vereinheitlichung und Zentralisierung leugnen diese Heterogenität. Diese zeigt sich jedoch z. B. an den unterschiedlichen Sprachen der Chinesischen Sprachgruppe und an Bezeichnungen für Regionen und ihre Bewohner, die älter sind als die Han-Dynastie (z. B. Wu oder Shu). Auch andere Dynastien werden zur Eigenbenennung verwendet, so nannten sich Südchinesen (und tun dies im südostasiatischen Ausland immer noch) Tang und nicht Han - folgerichtig insofern, als diese Gebiete erst zur Zeit der Tang aus dem Norden besiedelt wurden und die autochthone Bevölkerung verdrängt oder assimiliert wurde.
Auch die meisten so genannten „Auslandschinesen“ entstammen dieser größten chinesischen Volksgruppe, welche jedoch durch eine große innerkulturelle Variabilität gekennzeichnet ist. Die eigentlich kulturbildenden Elemente sind die gemeinsame Schrift bei zum Teil sehr unterschiedlichen Dialekten und das Bewusstsein einer gemeinsamen Geschichte und Tradition.
Innerhalb Chinas stiegen sie so zur dominierenden und staatstragenden Kultur auf, eine Entwicklung welche von der Zentralregierung auch heute noch gefördert wird, zum Beispiel durch Maßnahmen der staatlichen Erziehung und gezielte Zuwanderung (Sinisierung) in Grenzregionen Chinas (Tibet, Xinjiang). So kam es in der Vergangenheit dort immer wieder zu Protesten wie staatlichen Repressalien.
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