| Basisdaten | bgcolor="#FFFFFF" | Bundesland: | Hamburg | bgcolor="#FFFFFF" | Bezirk: | Hamburg-Mitte | bgcolor="#FFFFFF" | Fläche: | 2,6 km² | bgcolor="#FFFFFF" | Einwohner: | 26776 (2002) | bgcolor="#FFFFFF" | Bevölkerungsdichte: | 10407 Einwohner je km² | bgcolor="#FFFFFF" | Vorwahl: | 040 | bgcolor="#FFFFFF" | Kfz-Kennzeichen: | HH
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Reeperbahn.jpg an der Reeperbahn genutzt.]]
Sankt Pauli ist ein Stadtteil von Hamburg im Bezirk Hamburg-Mitte.
Er schließt sich westlich an die Neustadt an und reicht entlang der Elbe bis zum Zentrum von Altona. Im Norden grenzt das zu St. Pauli gehörende Karolinenviertel an das (vorwiegend) zum Stadtteil Eimsbüttel gehörende Schanzenviertel.
Nach Ausbruch einer Pestepidemie im Jahre 1604 wurde in den Jahren 1605-07 der sog. "Pesthof" im Bereich der heutigen Annenstraße errichtet. Er bestand bis zur Zerstörung der Vorstadt Hamburger Berg durch die napoleonischen Besatzungstruppen im Winter 1813/14. Die letzten baulichen Überreste sollen jedoch als Kellergewölbe einiger Häuser an der Ecke Annen- und Clemens-Schultz-Straße noch erhalten sein.
Der "Pesthof", dessen Name 1797 – wohl im Zuge des Vordringens aufklärerischen Gedankenguts nach Hamburg – in "Krankenhof" geändert wurde, war ein Krankenhaus für an epidemischen oder auch psychischen Krankheiten leidende Kranke. Das für 700-900 Insassen eingerichtete Hospital wurde von der Kirche getragen. Ab 1679 wurden hier auch die "würklich Tollen" in einer Art von verschlossener Koje untergebracht. Diese sog. "Tollkisten" standen reihenweise in Sälen und hatten lediglich ein handgrosses Loch nach Außen. Der "Pesthof" hatte einen so guten Ruf, daß auch von außerhalb (gut zahlende) Patienten kamen. Deretwegen wurden ab 1764 keine "böße Tolle" - nach heutiger Sicht psychisch kranke Straftäter - mehr aufgenommen, sondern sie verblieben im Spinnhaus, einem Gefängnis.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden - zwischen 1616 und 1625 - zahlreiche Hügel des Vorortes Hamburger Berg im Zuge der Errichtung der Neubefestigung der Stadt planiert, um Material für die Errichtung der außerordentlich hohen Festungswälle zu gewinnen und zugleich freies Schussfeld ("Glacis") vor den Mauern am damaligen Millerntor zu haben.
Wegen des freien Schussfeldes waren Ansiedlungen zunächst verboten, doch seit dem 17.Jahrhundert wurden Betriebe, die wegen Geruchsentwicklung, Wasserverschmutzung oder Lärm in der Stadt unerwünscht waren, in den Vorort verbannt. Die Seilmacher (Reepschläger), die viel später der Reeperbahn ihren Namen gaben, zogen 1633 hierher, weil sie in den Mauern der Stadt nicht mehr den nötigen Platz für ihr Gewerbe fanden. Etwa zur gleichen Zeit begann auch die Tradition des Amüsierbetriebs in diesem Gebiet. Im gleichen Jahr werden eine Ölmühle und eine Glashütte nördlich des Heiligengeistfeldes erwähnt. Ungefähr seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, den Hamburg völlig unbeschadet überstand, dehnte sich auch die Bebauung des Hamburger Berges vom ersten Siedlungskern am Pepermölenbek nach Osten in Richtung der Reeperbahnen aus. Nach 1649/50 werde die T(h)ranbrennereien an das Elbufer verlegt. Dort hatten auch mehrere Schiffswerften und das Hanfmagazin ihren Standort. Nördlich davon entstand an der Geestkante, im Gebiet der Straße Pinnasberg, eine neue Bebauung. Weitere Häuser entstanden im nördlichen Teil des Gebietes (im heutigen Karolinenviertel).
Unter der napoleonischen Besatzung Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Hamburger Berg von den Franzosen vollständig abgerissen – wiederum, um vor dem nunmehr von Frankreich besetzten Hamburg freies Schußfeld zu haben. Nach dem Abzug der Franzosen wurde der Vorort sehr schnell wieder aufgebaut; bereits 1820 war der vorherige Zustand wieder hergestellt.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte besonders der Amüsierbetrieb Aufschwung. Die vorher verbreiteten Buden – ein zentraler Platz heißt heute noch Spielbudenplatz – wurden durch feste Häuser für Theater, Zirkus, Trinkhallen oder andere Amüsierbetriebe ersetzt.
Bis zum Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 war das Gebiet geteilt. Nur der östliche Teil gehörte zu Hamburg, der westliche - einschließlich der Straße Große Freiheit gehörte zur Stadt Altona. Verwaltungstechnisch gehört St. Pauli heute zum Bezirk Hamburg-Mitte.
In der Schmuckstrasse befand sich Anfang des 20. Jahrhunderts ein kleines Chinatown, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden die Einwohner allerdings deportiert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Teile der Gründerzeitbebauung St. Paulis durch Bomben zerstört.
An den Hamburger Berg erinnert heute noch eine Seitenstraße der Reeperbahn.
In St. Pauli sind linksalternative Ansichten stark vertreten. Besonders bekannt sind die ehemals besetzten Häuser in der Hafenstraße sowie das besetzte Kulturzentrum Rote Flora im Schanzenviertel, das Teil St. Paulis ist. Traditioneller Kommunismus oder Sozialismus nach marxistisch-leninistischem Verständnis spielen in St. Pauli dagegen ebenso wie Rechtsextremismus keine bedeutende Rolle. 2002 kam es in Schanzenviertel, Karolinenviertel und St. Pauli über Wochen zu den sog. Bambule-Unruhen, nachdem der damals neue konservative Senat einen gleichnamigen Bauwagenplatz gewaltsam räumen ließ. Anwohner und Teile des lokalen Einzelhandels solidarisierten sich mit den Demonstranten.
Der Stadtteil ist einer der ärmsten Stadtteile Hamburgs. Einwanderer-Familien lebten traditionell (teilweise seit mehreren Generationen) in St. Pauli, Studenten, Rentner, Sozialhilfeempfänger, Selbstständige, Künstler und Intellektuelle. Seit Mitte/Ende der Neunziger wurde das Viertel wieder schick, die Mieten stiegen, allein 2005 um durchschnittlich 20% und es kommt aufgrund der überhöhten Nachfrage auch zu unangemessen hohen Mieten bei minderwertigen Wohnungen, während ursprüngliche Mieter sich das Viertel teils nicht mehr leisten können (Gentrifizierung). Ein bedeutender Teil des Wohnungsbestandes wird aber auch von der Stadt verwaltet.
Obwohl St. Pauli ein bedeutendes Wohnquartier in Hamburg ist, ist der Stadtteil vor allem durch sein Vergnügungsviertel bekannt. Dieses umfasst jedoch nur ein behördlich festgelegtes Teilgebiet, in dem für die Gastronomie keine Sperrstunde giltDa die Sperrstunde nicht am Wochenende gilt und ihr Beginn in ganz Hamburg auf 5 Uhr verschoben wurde, spielt dies heute kaum noch eine Rolle. . Dieses betrifft die Reeperbahn, den Spielbudenplatz und weitere Parallel- und Seitenstraßen wie die Herbertstraße und die Große Freiheit. Tatsächlich gibt es auf St. Pauli größtenteils kleinbürgerliche Wohnstraßen oder Arbeitergegenden. Das Stadtviertel war auch bei Studenten und jungen Künstlern wegen der günstigen Wohnungsmieten, der zentralen Lage und des ausgesprochen vielfältigen und toleranten Milieus sehr beliebt. So gibt es auf St. Pauli noch einige fast parallel zueinander lebende soziale Schichten, die sich nur gelegentlich berühren.
Außer den hier stattfindenden Veranstaltungen und Volksfesten sorgten auch immer wieder kriminelle Vorkommnisse für Berichte in der Presse: Bandenkriege zwischen Zuhältern, Beraubung von Freiern nach unbemerktem Einflößen von Schlafmitteln ("K.O.-Tropfen"), Nepp von Gastronomen, der Mörder Fritz Honka und - in jüngerer Zeit - Körperverletzungen durch aggressive Jugendliche. Dennoch konzentriert sich das Hamburger Nachtleben zunehmend auf St. Pauli, nachdem die traditionellen Eckkneipen in den Wohnquartieren weitgehend verschwunden sind und den "Schmuddelkinos" am Steindamm erfolgreich der Kampf angesagt wurde.
Schon die Swing-Jugend übte hier kulturellen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Viele (Musik-)Trends (Beatles, Punk) kamen aus England und anderen Ländern über Hamburg - St. Pauli nach Deutschland (siehe auch Star-Club). Der Hafen diente auch als Tor und Umschlagplatz für neue Ideen und kulturelle Strömungen.
In St. Pauli finden sich mehrere kleine Kunstgalerien, von denen einige von Künstlern selber geführt werden.
Die Kneipe La Paloma am Hans-Albers-Platz wird vom Maler Jörg Immendorff betrieben. Die Hans Albers darstellende Statue auf dem Platz wurde ebenfalls von Immendorff gestaltet.
Am Pinnasberg befindet sich eine fantasievolle Parkanlage, die von Bürgern und Künstlern gemeinsam erstritten und gestaltet wurde (Park Fiction Projekt).
Erwähnenswert ist außerdem der allsonntäglich stattfindende Fischmarkt.
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