Hamas_logo.gif und eine Karte von dem Land, welches sie als Palästina beanspruchen (das heutige Israel, die West-Bank, und den Gaza-Streifen)]]
Die Hamas ist eine politisch-religiöse Bewegung der Palästinenser. Der Name Hamas, Hamās, ist ein Akronym aus Harakat al-muqāwama al-islāmiyya, was soviel wie „Islamische Widerstandsbewegung“ bedeutet, und ein gebräuchliches arabisches Wort für „Eifer“.
Die Hamas wird von der EU, den USA und anderen Staaten als terroristische Vereinigung eingestuft.
Die Hamas ist eng mit der Muslimbruderschaft verbunden. Ihr Ziel ist der Widerstand gegen die Besatzung Palästinas (Quelle *). Zu diesem Zweck übt sie Gewalt vorwiegend gegen israelische Zivilisten aus. Sie lehnt jegliche Zweistaatenlösung wie auch einen säkularen palästinensischen Staat ab. Ihr Ziel ist die Errichtung einer islamischen Theokratie im gesamten ehemaligen Mandatsgebiet Palästina zwischen Mittelmeer und Jordan.
Seit ihrer Gründung betätigte sich die Hamas auch auf dem karitativen Feld, in jüngster Geschichte ist sie auch erfolgreich als politische Partei in den palästinensischen Autonomiegebieten aufgetreten. Bei der Wahl am 25. Januar 2006 errang sie die absolute Mehrheit im palästinensischen Legislativrat.
Die Hamas stiftet zu Selbstmordattentaten gegen israelische Zivilisten an als ein Mittel ihrer asymmetrischen Kriegsführung gegen Israel. Ihrer terroristischen Aktionen wegen wurden die Führer der Hamas oftmals Opfer gezielter Tötungen durch den israelischen Staat, der diese Politik seit 2004 verfolgt.
Friedensinitiativen werden von der Hamas als "reine Zeitverschwendung" und "sinnlose Bemühung" abgelehnt. Sie seien "nichts anderes als ein Mittel, um Ungläubige als Schlichter in den islamischen Ländern zu bestimmen", doch für Palästina gäbe es keine andere Lösung als den Dschihad. (Artikel 13 der Charta)
Die Hamas bezeichnet die gesamte Region Palästina – damit auch Israel, das als "zionistisches Gebilde" bezeichnet wird – als "islamisches Heimatland", das niemals Nicht-Muslimen überlassen werden dürfe, und erklärt es zur Pflicht eines jeden Moslems für die Eroberung Israels zu kämpfen (in ähnlichem Sinne äußerte sich zuletzt der palästinensische Außenminister Zahar (im Amt seit März 2006) in einem Xinhua-Interview; vgl. "Für Israel kein Platz - Ultimatives Ziel der Hamas ist Zerstörung Israels und Gründung eines islamischen Staates", DER STANDARD, Wien, 3. März 2006, http://derstandard.at/?id=2400293 ). Diese Position ist radikaler als die der säkularen PLO, die 1988 zumindest Israels Souveränität anerkannt hat.
Die Charta basiert auf einer Anzahl von antisemitischen Verschwörungstheorien. Sie besteht auf der Echtheit der Protokolle der Weisen von Zion und behauptet, dass die Freimaurer, der Lions-Club und der Rotary-Club insgeheim "im Interesse der Zionisten" arbeiteten. Die Hamasmitglieder sehen in den Juden die Verantwortlichen für die Französische Revolution, den "westlichen Kolonialismus", den Kommunismus und die Weltkriege.
Hamasführer leugnen den Holocaust. Der von Israel inzwischen getötete Abd al-Aziz ar-Rantisi – Hamas-Führer nach der Ermordung Ahmad Yasins – behauptete, dass der Holocaust nie stattgefunden habe und dass hinter den Nazis Zionisten stünden und sie finanzierten.
Die Abkürzung "Hamas" erschien erstmalig 1987 in einem Flugblatt, das die israelischen Geheimdienste beschuldigte, die Moral der palästinensischen Jugend zu unterwandern und sie als Kollaborateure anzuwerben. Die Gewaltanwendung durch die Hamas begann zeitgleich mit der ersten Intifada. Sie fing mit "Bestrafungen gegen Kollaborateure" an und entwickelte sich über Angriffe gegen das israelische Militär schließlich zu gezielten terroristischen Anschlägen gegen Zivilisten. Wie ihre Methoden hat sich auch ihre Rhetorik in den letzten dreißig Jahren geändert und besagt nun, israelische Zivilisten seien – aufgrund der Wehrpflicht – „militärische Ziele“.
Entsprechend der halboffiziellen Hamasbiografie Wahrheit und Bestehen durchlief die Hamas vier Hauptstadien:
Viele Experten meinen, die Geschichte der Hamas beginne erst mit der Wandlung in den achtziger Jahren, als ihr politischer Einfluss zu wachsen begann.
Die Hamas im Westjordanland entwickelte sich erkennbar anders, unter anderem weil sie anfänglich kaum Aufsehen durch die Bildung oder Steuerung von öffentlichen Institutionen erregte. Die Muslimbruderschaft im Westjordanland bildete einen wesentlichen Bestandteil der Jordanischen Islamischen Bewegung, die sich einige Jahre mit dem Haschemitenregime verbündete. Zudem stellte die Muslimbruderschaft im Westjordanland eine höhere soziale Schicht – Kaufleute, Grundbesitzer und Beamte. Bis Mitte der achtziger Jahre nahm die Muslimbruderschaft wesentliche Positionen in den religiösen Institutionen des Westjordanlandes ein.
Das US-Außenministerium stuft die Hamas als terroristische Organisation ein. Am 6. September 2003 folgten die EU-Außenminister dem amerikanischen Beispiel. Dabei wurden auch die Unterorganisationen der Hamas mit einbezogen.
Zur Erfüllung ihrer Ziele betätigt sich die Hamas besonders in jüngerer Zeit auch auf partei-politischem Gebiet. So hat sie an den Wahlen am 25. Januar 2006 teilgenommen, bei denen sie auf Anhieb die absolute Mehrheit der Mandate erhielt und nach dem Rücktritt Ministerpräsident Ahmad Qurais (Fatah) voraussichtlich mit der Regierungsbildung beauftragt wird. Ein anderes Engagement im zivilen bzw. politischen Bereich stellt z.B. die Teilnahme an den Wahlen für die Handelskammer des Westjordanlandes dar. Nach dem Wahlsieg der Hamas-Extremisten hat US-Außenministerin Condoleezza Rice Palästinas Präsident Mahmud Abbas ihre Unterstützung zugesagt. Gleichzeitig erteilte Rice Gesprächen mit der Hamas eine Absage.
Ein wesentliches Problem bei der aktuellen Regierungsbildung stellt die Finanzierung der Politiker dar. Da die paläsitinensische Regierung von der EU und den USA weitestgehend finanziert wird, die Finanzierung seit dem Sieg der Hamas aber eingestellt wurde.
Wenige Tage später wurde Yasins Stellvertreter, der Kinderarzt Abd al-Aziz ar-Rantisi, in Gaza zum neuen "Generalkommandanten" proklamiert. Kurz darauf tauchte er in den Untergrund ab. Er vertrat wie Yasin die Ansicht, dass Terroranschläge ein legitimes Mittel "im Befreiungskampf gegen Israel" seien. Knapp einen Monat nach seinem Aufstieg zum Hamasführer am 17. April 2004 wurde Rantisi ebenso wie Yasin von der israelischen Armee gezielt getötet.
Innerhalb der Hamas-Führung, zu der v. a. Chalid Maschal und Mahmud az-Zahar zählen, stand Rantisi für den radikalen Flügel und hat im Sommer 2003 den befristeten Waffenstillstand („Hudna“) abgelehnt. Bekannt wurde er als Sprecher von 400 in den Libanon deportierten Kämpfern und durch seine Kontakte zur Hisbollah und zum Iran. Nach einigen Zeiten im Gefängnis war er seit der zweiten Intifada (September 2000) dauerhaft auf freiem Fuß.
Ismail Haniyeh, seit dem Wahlsieg 2006 palästinensischer Ministerpräsident, gilt als etwas weniger einflussreich.
Über das Internet rief die Hamas-Führung anlässlich des Irakkrieges alle Muslime dazu auf, gegen die "tyrannische und kreuzzüglerische Aggression" der USA und Großbritanniens zu protestieren und die Produkte dieser Staaten zu boykottieren. Ein Hamas-Sprecher appellierte an die Bevölkerung des Irak, "zehntausende Märtyrer" bereitzustellen, um sich inmitten der "amerikanischen Tyrannen" in die Luft zu sprengen.
Die im Rahmen eines Friedensplans für den Nahen Osten ausgehandelte Waffenruhe zwischen Israel, der Palästinensischen Autonomiebehörde und militanten islamistischen Gruppen fand schon nach zwei Monaten durch ein Attentat in Jerusalem ihr Ende, zu dem sich die Hamas bekannte.
Schon bald wurde die Hamas in den USA und Großbritannien als eine terroristische Organisation eingestuft. Die Behörden in Jordanien schlossen 1999 das Hamas-Büro in Amman. Die Mitglieder des Politbüros wurden festgenommen und ausgewiesen. Die Außenminister der EU setzten 2003 den politischen Arm der Hamas auf die Liste terroristischer Vereinigungen. Hamas-Anhänger können seitdem verfolgt und deren Konten eingefroren werden.
Die Hamas fordert die Verschleierung von Frauen in muslimischen Ländern und unterstützt den Bau von Moscheen. Sie finanziert soziale Einrichtungen und ersetzt so teilweise die fehlende Infrastruktur im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich in Gaza. Dabei konzentrieren sich diese Aktivitäten, die von einigen als reine Propaganda angesehen werden, auf die untere, also ärmere Schicht der eigenen Bevölkerung. So wird der starke Rückhalt begründet, den die Hamas in der palästinensischen Bevölkerung genießt. Hier werden auch die so genannten Märtyrer für Selbstmordanschläge angeworben. Die Hamas wirbt ständig um Mitglieder in Moscheen und Universitäten. Eine Schätzung geht von 80.000 Mitgliedern aus, der harte Kern der Hamas wird auf 300 bis 3.000 Mitglieder geschätzt.
Finanzielle Mittel kommen von ausgebürgerten Palästinensern, vom Iran und von privaten Unterstützern aus Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten. Finanzierungs- und Propagandatätigkeiten finden in Westeuropa und den Vereinigten Staaten statt.
Am 17. April 2006 sprengte sich ein 15-Jähriger aus Jenin vor einem Schnellimbis im israelischen Teils Jerusalems in die Luft und tötete dabei 8 Menschen, über 60 wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Während sich sowohl die Gruppe Islamischer Djihad als auch die Al-Aksa-Brigaden der Fatah zu dem Anschlag bekannten, rechtfertigte ihn ein offizieller Sprecher der Hamas als "Selbstverteidigung".
Im April 2006 werden nach Angaben der jordanischen Regierung Mitglieder der Hamas in Jordanien verhaftet, die auf Anweisung der syrischen Exilführung der Hamas Attentate in Jordanien ausführen sollten. Im jordanischen Fernsehen werden Waffenlager gezeigt, die laut Behördenangaben durch die Hamas angelegt wurden. Falls die Meldung zutrifft, wäre dies seitens der Hamas eine Abkehr von der bisherigen Strategie, militante Aktivitäten nur innerhalb Israels und den Palästinensischen Autonomiegebieten durchzuführen. Bereits 1999 waren zahlreiche Funktionäre der Hamas aus Jordanien wegen "subversiven Aktivitäten" ausgewiesen worden.
Seit dem die Finanzierung der palästinensischen Regierung durch den Westen eingestellt wurde - arabische Banken zahlen, wegen der Boykottdrohung der USA, der Hamas kein Geld aus -, gibt es verstärkte Bemühungen seitens der Hamas, das Geld illegal ins Land zu bringen. So wurde am 19.5.2006 Sami Abu Zuhri, Sprecher der Hamas, am Grenzübergang des Gazastreifens zu Ägypten festgehalten, er hatte 900.000 € in bar bei sich. Wenige Tage zuvor wurde Außenminister Mahmud Asahar aus Kuweit eine halbe Million Euro gestohlen. Die EU hatte die Kontrolle der Grenzen des Gazastreifens gegen Waffenschmuggel und unerwünschten Personen übernommen, eine Bedingung des israelischen Staates für den Abzug aus dem autonomen Gebiet. Infolge des Grenzzwischenfalles wurden Truppenbewegungen der Iz Edinne el Kassam, einem militanten Flügel der Hamas, am Grenzübergang beobachtet.
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