Als Halluzinogene werden Substanzen bezeichnet, die mehr oder minder ausgeprägte Veränderungen der visuellen, akustischen oder haptischen Wahrnehmung hervorrufen (siehe Halluzination), gleichzeitig aber nur im untergeordneten Maß stark ausgeprägte geistige Verwirrung, tiefgreifenden Gedächtnisverlust und grobe Desorientiertheit in Bezug auf Personen, Raum und Zeit hervorrufen. Halluzinogene werden damit abgegrenzt von den Delirantien sowie von den Dissoziativa. Eine weitere Abgrenzung besteht gegenüber den Oneirogenen (traumerzeugenden Substanzen), z.B. Harmalin.
Zu den potentesten Halluzinogenen gehören LSD und Salvinorin A, zu den wirkkräftigsten das DMT.
Historische Begriffsentwicklung
Der Begriff Halluzinogen stimmt zwar nicht überein mit seiner buchstäblichen Wortbedeutung, etablierte sich aber im kulturellen Sprachschatz und wurde, nachdem er sich eingebürgert hatte, nicht mehr umbenannt.
Bedeutungsähnliche Begriffe
Halluzinogene zählen also zu den
psychoaktiven Substanzen. Die Begriffe
Psychotomimetika (s.a.
Modellpsychose),
Psychodysleptika bzw.
Entheogene werden gebraucht, um bestimmte Aspekte von Halluzinogenen hervorzuheben, oder sind stilistisch kennzeichnend für eine historische Episode oder spiegeln weltanschauliche Züge wider. Der Begriff wird manchmal synonym zu
Psychedelikum gebraucht.
Eigenschaften
"Klassische" Halluzinogene
Chemisch-strukturelle Aspekte
Die serotonerg wirkenden "klassischen" Halluzinogene entstammen vorwiegend folgenden Strukturklassen:
Tryptamine,
Ergoline, kernsubstituierte
Phenethylamine und
Amphetamine.
Pharmakologische Aspekte
Es ist der 5-HT
2A-Rezeptor, der für den Wirkmechanismus der "klassischen" Halluzinogene von zentraler Bedeutung ist. Die bisherige Einteilung in Agonist / Antagonist bzw. die Angabe/Ermittlung der
intrinsischen Aktivität basierte auf dem Grad der Aktivierung des
Enzyms
PLC ("
PI-turnover"). Jedoch korrelliert die PLC-Aktivierung allein nicht gut mit der subjektiv erlebten halluzinogenen Wirkstärke. So hat LSD – ein starkes Halluzinogen – hier nur eine schwache
Efficacy von 22% (Serotonin=100%). Daher haben möglicherweise andere Phospholipasen für die Halluzinogenesis substanziellere Bedeutung (PLA
2, PLD).
[David E. Nichols (2004), Hallucinogens, Phamacol.Ther., 101 131-81 (S. 143) (pdf, engl.)]
Die Bindung an bestimmte weitere Serotonin-Rezeptoren oder Dopamin-Rezeptoren wirkt modulierend: additiv bzw. synergistisch potenzierend.
Subjektives Erleben
Die Wahrnehmungsveränderung kann sich in einer verstärkten Farbwahrnehmung oder auch der Wahrnehmung komplexer Muster in phantastischen Farben, Strukturen und Formen äußern. Bekannt sind auch
Synästhesien, das sind Vermischungen von Sinneseindrücken, wie etwa gehörte Farben oder geschmeckte Töne.
Prominente Einzelstoffe
Einige "klassische" Halluzinogene sind
LSD,
DMT,
Psilocin,
Meskalin und
DOM.
Weitere Stoffe
Ein Halluzinogen, das sich von den vorgenannten in seiner Pharmakologie sehr deutlich abhebt, ist das
Salvinorin A, aus der
Salbei-Art
Salvia divinorum.
Cannabis und
Ecstasy (
MDMA) werden mitunter den Halluzinogenen zugerechnet, wenn auch die Wahrnehmungsveränderungen hier im Vergleich zu den oben genannten Substanzen geringer sind, bzw. sich pharmakologisch unterscheiden.
Siehe auch
Referenzen
Weblinks
- Zur Pharmakologie "klassischer" Halluzinogene:
- Harel Weinstein (2006), Hallucinogen Actions on 5-HT Receptors Reveal Distinct Mechanisms of Activation and Signaling by G Protein-coupled Receptors, AAPS 7 (4), E872-84 (engl.)
- David E. Nichols (1998), The Medicinal Chemistry of Phenethylamine Psychedelics, Heffter Review, Vol 1, 40-45 (pdf, engl.)
Halluzinogen
Hallusinogeen | Psychedelics, dissociatives and deliriants | Alucinógeno | Hallusinogeeni | Hallucinogène | הלוצינוגן | Halucinigiva drogo | Ofskynjunarlyf | Allucinogeno | 幻覚剤 | Halusinogen | Hallucinogeen | Substancje psychozomimetyczne