Die Hallstattzeit bezeichnet einen Zeitabschnitt der älteren Eisenzeit. Sie wird nach den Funden in einem ausgedehnten Gräberfeld oberhalb des Ortes Hallstatt, im Salzkammergut (Österreich) benannt.
Chronologie
Nach dem Schema von
Paul Reinecke werden die ausgehende Bronzezeit und die frühe Eisenzeit in vier Perioden eingeteilt, Hallstatt A-D. Davon gehören HaC (800 - 650) und HaD (650 - 475 v. Chr) zu der eisenzeitlichen Hallstattkultur, HaA (1200 - 1000 v. Chr) und HaB (1000 - 800) zur bronzezeitlichen
Urnenfelderkultur. An die Hallstattzeit schloss sich die
La-Tène-Zeit an, die in die Perioden A-D unterteilt wird.
- Leittypen:
- HaC: Schwert Typ Mindelheim, Brillenfibeln, Harfenfibeln und Bogenfibeln, Lanze, Schild mit Schildbuckeln, Wagen
- HaD: Dolch, verschiedene Fibeln
Da die
Fibelmode sich rasch änderte, ist es möglich, HaD in 3 Stufen zu teilen (D1-D3). In HaD1 sind Kahnfibeln und Schlangenfibeln vorherrschend, in HaD2 die Paukenfibel sowie die Doppelpaukenfibel und die Fußzierfibel in HaD3. Der Übergang zu Latene-Zeit macht sich am Ende von HaD3 mit dem auftreten von Tierfibeln, Certosafibeln, Mazzabottofibeln und Omegafibeln bemerkbar.
Eponymer Fundort
Die Hallstattkultur steht üblicherweise für die
Periode der älteren
Eisenzeit. In
Hallstatt wurde
1846 von
Johann Georg Ramsauer ein ausgedehntes Gräberfeld entdeckt und teilweise ausgegraben. Dabei dokumentierte er die Ausstattung jedes einzelnen Grabes durch vorzügliche Zeichnungen, eine Seltenheit in der Frühzeit der Archäologie.
Das Gräberfeld liegt in einem Hochtal über dem
Hallstätter See. In dem Gebiet findet man Siedlungsspuren, die bis ins
Neolithikum zurück reichen. Die Hauptphase der Besiedlung reicht aber von HaC bis
LtA. Danach scheint
Hallein die führende Position im Salzbergbau eingenommen zu haben.
Das Gräberfeld umfasst über 1000 Gräber. 55% davon sind Körpergräber, 46% Brandgräber. Bei 26% der Gräber handelt es sich um Waffengräber, welche meistens am äußeren Rand des Gräberfeldes angelegt wurden, während sich die waffenlosen Gräber in der Mitte befinden. In Frauengräbern fand man
Fibeln, Gürtel und Schmuck, in Männergräbern Nadeln und Waffen.
Verbreitung
Die Hallstattkultur war im nordwestlichen Ungarn, der südwestlichen Slowakei, in Tschechien, Süddeutschland, Österreich, in der Schweiz und Ostfrankreich verbreitet. Der gesamte Bereich wurde 1959 von G. Kossack in einen Ost- und Westhallstattkreis unterschieden. Der Westhallstattkreis reicht von Ostfrankreich, Mittel- und Süddeutschland über die Schweiz bis nach Mittelösterreich. Der Osthallstattkreis umfasst Nordösterreich, Südmähren, Südwestslowakei, Westungarn, Kroatien und Slowenien.
Die wichtigsten Unterschiede zwischen Ost- und Westhallstattkreis findet man in der Bestattungssitte. Wurden im Westen wichtige Persönlichkeiten mit Schwert (HaC) oder Dolch (HaD) bestattet, gabt man ihnen im Osten eine Streitaxt mit ins Grab. Im Westen gibt es reiche Wagengräber, während der Krieger im Osten mit seiner kompletten Bewaffnung, inklusive Helm, Brustpanzer, etc, beerdigt wird.
Ethnische Zuordnung
Da keine Schriftzeugnisse überliefert sind, ist unbekannt, welche
Sprache die Hersteller der charakteristischen materiellen
Kultur sprachen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Kulturen in der Region des Caput Adriae mit den
Illyrern gleichgestellt, inzwischen ordnet man die Westhallstattkultur gerne
den Kelten zu. Ob eine Gleichsetzung von materieller Kultur, Sprache oder gar biologischer Abstammung möglich ist, gilt inzwischen jedoch als fraglich.
Sozialstruktur
In dieser Zeit lässt sich eine deutliche Hierarchisierung der Gesellschaft feststellen, die sich besonders in reich ausgestatteten Bestattungen unter Grabhügeln, wie etwa dem Grab von
Hochdorf an der Enz (Baden-Württemberg) teilweise mit der Beigabe von Wagen und
Pferdegeschirr (
Wagengrab) niederschlug. Das größte mitteleuropäische
Hügelgrab dieser Zeit ist der
Magdalenenberg in
Villingen.
Im 8. Jahrhundert v. Chr. begann sich das Eisen auch in Mitteleuropa zu etablieren. Dies hatte zur Folge, dass das alte Fernhandelssystem, welches den Handel mit Kupfer und Zinn kontrollierte, zusammenbrach. Es bildeten sich neue Verkehrswege mit neuen Handelsstationen. Durch den Handel mit dem begehrten Eisen entstand eine neue Oberschicht, die ihren erwirtschafteten Reichtum in mediterrane Importe, "Fürstensitze" (v.a. in Baden-Württemberg, der Schweiz und Ostfrankreich) Statt der in der Bronzezeit üblichen Großsiedlungen entstanden vor allem in Bayern nun Einzelhöfe. Diese
Herrenhöfe signalisierten einen neuen Anspruch auf Eigentum und das Bedürfnis nach Abgrenzung und Repräsentation.
Diese neue Form von Selbstdarstellung führte auch zu einer Veränderung des Verhältnisses der Menschen zu Leben und Tod. Der Bestattungsritus änderte sich von den einheitlichen Urnenbestattungen der späten Bronzezeit zu teils pompösen Gräbern. Auch hier machte sich mit prunkvoll ausgestatteten Großgrabhügeln ein Repräsentationsbedürfnis bemerkbar. Diese Hügel dienten dann einer, selten mehreren Generationen als Grabstätte.
Über die Einordnung der Siedlungsorte der Oberschicht als „Fürstensitz“, gegliedert in Burg und Unterstadt, besteht eine wissenschaftliche Debatte. Wolfgang Kimmig (1910-2001), Prähistoriker der Universität Tübingen prägte den Begriff insbesondere für die Heuneburg am Oberlauf der Donau, sein Kollege Manfred Eggert (*1941) ebenfalls an der Uni Tübingen lehnt den Begriff nach neueren Forschungen an der Außensiedlung der Heuneburg, am Ipf und in Hochdorf an der Enz ab und entwickelt ein differenzierteres Bild der keltischen Zentralorte. Seit 2004 wird die Siedlungsstruktur der Hallsteinzeit im Forschungsprogramm „Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft untersucht.
Die ursprüngliche Definition Kimmings hatte 3 Kriterien um einen Ort als „Fürstensitz“ zu klassizifieren:
- Die innere Struktur der Siedlung: Es müssen eine Burg und eine Unterstadt vorhanden sein
- Die Funde: Es muss Importware (z.B. massolitische Weinamphoren, attische schwarzfigurige Keramik...) vor Ort gefunden worden sein
- Grabhügel: In der nächsten Umgebung muss sich mindestens ein 'fürstlicher' Grabhügel befinden
Da dieses System ziemlich flexibel ist stand man bald vor einer Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten. Manchmal reichten schon Funde einiger Scherben von Importkeramik um einen Fundort als „Fürstensitz“ zu bezeichnen.
Beispiel: In Bragny sur Saône fand man attische Keramik, es handelt sich aber um eine Flachlandsiedlung und keine befestigte Höhensiedlung. Der Ausgräber Guillot interpretierte daraufhin die Siedlung als Handelsplatz, während Spindler darin einen „Fürstensitz“ sah.
Eggert sieht das Problem darin, dass man dem Fürstensitzkonzept einen bestimmten Siedlungstypus unterstellt. Waren die „Fürsten“ der Hallsteinzeit aber auf einen bestimmten Typus festgelegt?
Kontakte
Funde von griechischer
Keramik, etruskischen Bronzegefäßen in reichen Gräbern und in befestigten Siedlungen auch massaliotische Wein
amphoren beweisen Kontakte mit dem Mittelmeerraum, vermutlich über
Massillia und den
Rhônelauf.
Eisen wurde in der Hallstattzeit noch spärlich verwendet und setzte sich erst in der
La-Tène-Zeit durch. Funde spezieller Pferde
trensen und von
Dolchen mit durchbrochenem Griff belegen für Hallstatt C1 Kontakte mit der
Steppenzone (
Thrako-Kimmerischer Horizont) (siehe
Thraker,
Kimmerer).
Literatur
- Allgemeine Übersichten
- Rieckhoff, S.: Die Kelten in Deutschland, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2001
- Spindler, K.: Die frühen Kelten, 1996
- Cunliffe, B.: The ancient Celts, 1997
- Forschung
- Kromer, K.: Das Gräberfeld von Hallstatt, 1959
- Müller-Scheeßel, N.: Die Hallstattkultur und ihre räumliche Differenzierung. Der West- und Osthallstattkreis aus forschungsgeschichtlicher Sicht, 2000
- Pauli, L.: Die westliche Späthallstattkultur - Aufstieg und Niedergang einer Randkultur der antiken Welt, Bayer. Vorgeschichtsblätter, 60, 1995
- Sozialstruktur
- Stefan Burmeister Geschlecht, Alter und Herrschaft in der Späthallstattzeit Württembergs (Waxmann, Munster 2000), Tübinger Schriften zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie Bd. 4
- Chronologie
- Parzinger, H.: Chronologie der Späthallstatt- und Frühlatènezeit. Studien zu Fundgruppen zwischen Mosel und Save, 1988
Weblinks
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