| Moderne Haie und Rochen | ||||||||||||
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| Grosser weisser Hai.jpg | (Carcharodon carcharias)]]||||||||||||
| : | Wirbeltiere (Vertebrata) |
| : | Kiefermäuler (Gnathostomata) |
| : | Fische (Pisces) |
| : | Knorpelfische (Chondrichthyes) |
| : | Plattenkiemer (Elasmobranchii) |
| Zwischentaxon:'' | Moderne Haie und Rochen |
Die Modernen Haie und Rochen (Neoselachii) gehören als einzige überlebende Gruppe zu der Unterklasse der Plattenkiemer (Elasmobranchii). Sie werden in elf Ordnungen eingeteilt, zu denen etwa 800 Arten gehören. Die Rochen (Batoidea), die früher als Schwestergruppe der Haie galten, stellt man jetzt als eine von vielen unteren Taxa zu den Neoselachii.
Anders als die meisten Fischarten haben Haie ein sehr langsames Wachstum und erreichen teilweise erst mit 30 Jahren die Geschlechtsreife. Verbunden mit der geringen Zahl von Nachkommen führt das dazu, dass sich überfischte Haibestände nur sehr langsam erholen. Durch den Fang zur Herstellung von Haiflossensuppe (vermeintliches Aphrodisiakum) und anderen Haiprodukten wie Steaks, Schillerlocken und Seeaal sind viele Haiarten deshalb in ihrem Bestand bedroht.
Faszinierend ist unter anderem ihr Körperbau: Während die Knochenfische Schuppen tragen und deren Zähne aus dem gleichen Material bestehen wie unsere menschlichen Zähne, haben die Haie Schuppen, die als Zähne beginnen - und die Zähne breiten sich vom Maul über den ganzen Körper aus. Die Zähne verkleinern sich und werden als Hautzähnchen fortgesetzt. Dies erklärt auch, weshalb Schürfwunden entstehen, wenn ein Hai die unbekleidete Haut eines Tauchers rammt. Der Hai profitiert von diesem Körperbau: Dank der laminaren Strömung auf seiner Haut kann er beim Schwimmen massiv Energie einsparen.
Die Haie, die dem Menschen gefährlich werden können, gehören zu der Überordnung der Echten Haie (Galeomorphii). Die Gefahr von Haiangriffen wird oft übertrieben dargestellt; so ist die Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getroffen zu werden weitaus höher als die Gefahr einer Haiattacke. In einem Jahr registriert man durchschnittlich 100 Haiangriffe; ungefähr 5 bis 10 davon enden tödlich. Viele dieser Angriffe sind das Ergebnis folgender Faktoren:
Obwohl viele Menschen bei solchen Haiangriffen fast automatisch an einen Weißen Hai denken, so ist doch in Wirklichkeit auch der Bullenhai (Charcharinus leucas) für viele Attacken verantwortlich. Unter anderem liegt das daran, dass diese Haie oftmals die Flüsse heraufschwimmen und dort wochenlang verweilen (Amazonas, Nicaraguasee, Sambesi).
Zusätzlich zu dem Großen Weißen Hai (Carcharadon carcharias) und dem Bullenhai (Carcharhinus leucas), haben bereits Weißspitzen-Hochseehaie (Carcharhinus longimanus) und Tigerhaie (Galeocerdo cuvieri) Menschen nachweislich getötet. Die meisten Angriffe geschehen im Pazifik.
Weitere zehn Arten haben den Menschen bereits gebissen, jedoch ohne tödlichen Ausgang. Zu diesen Arten zählen unter anderem der Makohai (Isurus spec.), der Seidenhai (Carcharhinus falciformis), der Zitronenhai (Negaprion brevirostris) oder auch der Hammerhai (Carcharhinus falciformis). Nicht diesen Arten zuzurechnen ist, mit Ausnahme der australischen Gattung, der Ammenhai, da dieser niemals von sich aus Menschen angreifen würde.
Es wird häufig behauptet, dass Haie kein Menschenfleisch mögen. Diese Behauptung rührt daher, dass Haie oftmals nur einmal zubeißen, dann aber wieder verschwinden. Dieses Verhalten kann aber auch anders erklärt werden. Wenn ein Hai einen Seelöwen oder eine Robbe angreift, stellen die Augen die verletzlichsten Körperteile eines Hais dar, die ein angegriffenes Tier noch erreichen kann. Um sich vor Verletzungen zu schützen, die von den scharfen Krallen des sich wehrenden Tiers entstehen können, verschwindet der Hai kurzzeitig. Er wartet, bis sein Opfer genügend Blut verloren hat, um es dann in dem geschwächten Zustand erneut anzugreifen. Gebissene Menschen werden oftmals gerade in dieser Wartezeit gerettet: Nach dem ersten Haiangriff holen andere Wassersportler oder Fischer den Gebissenen aus dem Wasser. Der Hai kann also nicht wieder angreifen. Selbst unter Annahme dieser Theorie geht man jedoch davon aus, dass Menschen auf gar keinen Fall eine bevorzugte Beute für Haie darstellen.
Eine weitere Theorie beruht auf der Tatsache, dass bei diesen so genannten Probebissen oft nur eine kleine Fleischwunde entsteht. Immer mehr kristallisiert sich in der Haiforschung heraus, dass Haie intelligente Tiere sind, die ein komplexes Sozialverhalten zeigen. Besonders deutlich wird dies beim Grauen Riffhai (Charcharhinus amblyrhynchos), dessen mit gesenkten Brustflossen schwimmendes Warnverhalten bei Nichtbeachten oft schon zu Unfällen mit Menschen geführt hat. Es wäre denkbar, dass auch andere Haie ein solches Warnverhalten zeigen und dass große Konkurrenten (Haie, Kleinwale, Menschen, etc.) mit Bissen attackiert werden, um sie zu vertreiben. Dies würde die Tatsache erklären, dass einige Haiangriffe oft nur kleine Fleischwunden zur Folge haben.
Spezielle und hinsichtlich der Küche wertvolle Haie werden unter anderen Namen verkauft. Die Industrie vermarktet den Fisch vorsichtig, dennoch wird er oftmals unbewusst konsumiert. Die untenstehende Tabelle zeigt einige Beispiele dieser Namensgebung.
| Tarnname | Bedeutung |
|---|---|
| Grauhai/Greyfish | Besonders diskrete Namensgebung |
| Hammerhai | Japanische Spezialität |
| Rocksalmon | Katzenhai aus Irland |
| Saumonette | Katzenhai aus Frankreich |
| Seeaal | Dornhai in Gelee |
| Schillerlocke | geräucherter Dornhai |
| Schwertfisch | Steak in den USA, Hammerhai in Japan |
Den Wandel erfuhr das Hai-Image durch den österreichischen Taucher Hans Hass, der zusammen mit dem bekannten Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt wie Cousteau auf eine Expedition ging. Nur: Sie verzichteten auf die Stahlkäfige und konnten das natürliche Verhalten der Haie beobachten. Hass sagte von seinen Beobachtungen, dass er als Forscher auf ein genauso neugieriges Wesen gestossen sei, nämlich den Hai. Während Cousteau das Umkreisen eines Menschen durch den Hai noch als eine veritable Einschüchterung und als ein vorgefasster Entscheid zum Angriff beschrieb, erklärte Hass, dass dies Haie ganz einfach tun, damit sie den neuartigen "Gast" im Wasser besser begutachten können, denn sie tragen ihre Augen bekanntlich auf der Körperseite. Cousteau hatte offenbar sogar schon Angst vor anderthalb Meter langen Haien. Hass, nur mit Haistock "bewaffnet" - hatte Begegnungen mit bis zu fünf Meter langen Exemplaren. (Der Hai: Legende eines Mörders bzw. Wie Haie wirklich sind, 1977/1986.)
Seither hat die Haiforschung weitere Fortschritte gemacht. Der Hai wird immer stärker als faszinierendes Tier beschrieben, das dank seiner Ausstattungen wie zum Beispiel seiner speziellen Haut Jahrmillionen ohne große Veränderungen überdauerte. Bemerkenswert war etwa die rogue shark theory, auf Deutsch etwa die Schurken-Hai-Theorie. 1962 behauptete der australische Chirurg Victor Coppleson nämlich, dass nur verhaltensgestörte Haie Menschen angreifen, da Menschen offensichtlich nicht zu ihrer normalen Nahrung gehören (ansonsten wäre ja jeder Badestrand leergefressen). Unterstützt wurde diese These durch die Feststellung, dass fatale Haiangriffe oft kurz nacheinander im gleichen Gebiet stattfinden - was nahelegt, dass ein einzelner "verrückter" Hai dafür verantwortlich ist.
Heute wird vor allem nach den bionischen Eigenschaften der Haie geforscht. Themen sind etwa die verbesserte Bauweise von Flugzeugen und Schiffen. Dazu wird versucht, über das Fortpflanzungsverhalten der Haie mehr zu erfahren - bei fast allen größeren Arten wurde zum Beispiel noch nie eine Paarung beobachtet - um damit den Schutz der gefährdeten Haiarten zu verbessern.
Geruch: 100m und mehr
Die Geruchsorgane des Hais liegen seitlich vorne an der Schnauze. Das Riechzentrum kann wegen der Wichtigkeit bis zu 2/3 der Gehirnmasse ausmachen. Haie können so Blut in milliardenfacher Verdünnung (1:10 Mrd.) wahrnehmen. Der Hai wittert seine Beute schon aus großer Entfernung, auch wenn kein anderer Sinnesreiz hinzukommt. Durch ständige Kopfbewegung ("Pendeln") folgt er dieser Geruchsspur bis zum Ziel. So genannte Schneiderschen Falten kanalisieren das einströmende Wasser so, dass die Nasengruben ständig von Wasser umspült werden. Eine Nasengrube ist durch eine Membran nochmals in 2 Abschnitte unterteilt, je eine für ein- und ausströmendes Wasser. Die innere Oberfläche ist gefaltet, wodurch die rezeptive Fläche vergrößert wird. Selbst ein blinder Hai findet so zielsicher sein Futter.
Gehör: mehrere km
Das Gehör ist einfacher ausgeprägt als bei Landtieren, da Wasser den Schall schneller leitet als Luft. Die Ohren eines Hais befinden sich an beiden Seiten des Gehirnschädels, von außen ist nur eine kleine Pore sichtbar. Es ist neben dem Hören auch für den Gleichgewichts- und Orientierungssinn wichtig. Haie reagieren im Bereich der niederfrequenten Tönen = unter 600 Hertz. (z.Bsp. zappelnder Fisch, singende Wale, grunzende Seehunde, kämpfende Fische)und hochempfindlich auf pulsierende Schwingungen im 100 Hz-Bereich, wie sie von kranken oder verwundeten Tieren produziert werden
Geschmack:
Die Geschmacksknospen befinden sich beim Hai im Gaumenbereich. Der Hai entscheidet beim Fressen, ob eine Beute genießbar ist oder wieder ausgespuckt wird. Die Moses-Seezunge nutzt diesen Umstand und sondert einen Schleim ab, der den Giftstoff Pardaxin enthält und sie so für den Hai ungenießbar wird. Die Lernfähigkeit des Hais reicht aus, sodass der Fisch von nun an nicht mehr als Beute betrachtet wird. Über die gesamte Haut des Hais sind auch Geschmacksknospen verteilt, das Anstupsen und Reiben an einer Beute entspricht somit einer Vorverkostung. Es kann auch passieren, dass Haie ihnen unbekanntes Menschenfleisch wieder ausspucken.
Sehen: 10-100m
Die Augen eines Hais sind 10 Mal so lichtempfindlich wie die eines Menschen (was fürs Sehen in der Tiefe nötig ist) und die meisten Arten besitzen Farbsehvermögen. Durch die an der Kopfseite befindlichen Augen können fast alle Richtungen beobachtet werden. Bei Angriffen schützen die Haie oft ihre Augen durch eine Nickhaut, die sich als 3.Augenglied schützend davor schiebt, oder durch Verdrehen der Augen nach hinten. Die Zahl der Stäbchen (Schwarz-Weiß Sehen) überwiegt, was die Sehfähigkeit bei schlechten Lichtverhältnissen erhöht. Eine weitere Anpassung an das Dämmerungslicht wird durch das Tapetum lucidum erreicht. Dieses funktioniert wie ein Lichtverstärker durch eine Schicht winziger, spiegelähnlicher Kristalle. Da es hinter der Netzhaut liegt, wirft es das durch die Netzhaut gelangte Licht wieder an die Rezeptoren zurück. In der Dämmerung sehen Haie so sogar besser als Katzen, Wölfe und Füchse.
Seitenlinien:
Das Seitenlinienorgan der Haie verläuft von der Kopfregion bis zu Schwanzspitze. Es enthält in Gallerte eingebettete Sinneszellen. Sie sind darauf spezialisiert, Wasserbewegungen, also Druckunterschiede (durch Beutetiere, Gegner oder Hindernisse) entlang der Körperfläche zu registrieren. Der Hai kann aber nur Wasserbewegungen in seiner direkten Umgebung wahrnehmen.
Elektrische Sensoren:
Haie können elektrische Felder wahrnehmen. Da jedes Lebewesen durch seinen Herzschlag, Muskelbewegung oder Gehirn elektrische Felder produziert, kann es dem Hai nicht entkommen. Die Elektrosensoren der Haie sind die Lorenzinischen Ampullen, die sich am Kopf des Hais befinden. Die von außen gut sichtbaren Poren im Schnauzenbereich münden jeweils in einen Kanal im Inneren der Haut, der an einer hochempfindlichen Zelle (=Ampulle) endet. Dort werden die im befindlichen Wasser elektrischen Ströme gemessen. Da die Impulse von Beutetieren sehr schwach sind, funktionieren die Elektrosensoren nur im Bereich von einigen 10 cm. Haie sind auch empfindlich gegenüber dem Magnetfeld der Erde, das sie zum Navigieren benutzen. So können sie nach Abwesenheit in bestimmte Regionen wieder zurückkehren.
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Siehe auch: Systematik der Haie
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