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Der Begriff Hadīth () steht auch für historische Nachrichten sowohl profanen als auch religiösen Charakters. Im islamisch-religiösen Gebrauch bezeichnet der Begriff die Überlieferungen über Mohammed: über seine Anweisungen, nachahmenswerte Handlungen, Billigungen von Handlungen Dritter, Empfehlungen und vor allen Dingen Verbote und religiös-moralische Warnungen, die im Koran als solche nicht enthalten sind. Die Summe dieser Überlieferungen mit ihrem normativen Charakter bilden die Sunna des Propheten und sind somit Teil der religiösen Gesetze im Islam; sie ist nach dem Koran die zweite Quelle der islamischen Jurisprudenz (Fiqh).

Als koranischer Terminus ist hadith auch die Offenbarung Gottes

Als Synonym verwendet die islamische Tradition – in inhaltlicher Anlehnung an den obigen Koranvers – den Begriff kalām („Rede“, „Parole“, „Aussage“), indem man den Propheten wie folgt zitiert: .

Überlieferungen, in denen Aussprüche und Taten der Gefährten (Sahaba) des Propheten enthalten sind, können ebenfalls – wie die Hadithe – richtungsweisend sein. In diesem Fall spricht man nicht vom Hadith, sondern vom , die man hinterlässt und erst in übertragenem Sinne heißt es: Tradition, Überlieferung nach den Gefährten des Propheten. Oft sind aber beide Begriffe, hadith und athar, austauschbar.

Die Hadithkategorien


Die islamischen Hadithwissenschaften teilen die Hadithe mit Hinblick auf ihre Inhalte und auf die Qualität der ihnen beigefügten Isnade in drei Hauptgruppen ein:

  • ;
  • sind Traditionen nach dem Propheten, die sowohl inhaltlich als auch mit Hinblick auf ihre Überlieferer allgemeine Akzeptanz haben und somit normativen Charakter in der Anwendung der Sunna, der zweiten Quelle der Jurisprudenz besitzen;
  • ist dagegen eine Tradition, die – wie es Ahmad ibn Hanbal definiert – man in der Rechtspraxis trotz ihrer zweifelhafter Authentizität in bestimmten Fällen als Sunna anwendet, bevor man auf die Analogie (qiyas) als weitere Quelle der Jurisprudenz zurückgreift. Allerdings hat sich diese im Traditionalismus und nicht im Fiqh verwurzelte Ansicht Ibn Hanbals in der Hadithkritik nicht durchgesetzt. Denn ein „schwacher“ Hadith ist in der Jurisprudenz keine Argumentationsgrundlage ().

Diese drei Hauptkategorien der Hadithe haben zahlreiche, von der Hadithwissenschaft nach unterschiedlichen Kriterien entwickelte und definierte Unterkategorien; die wichtigste unter ihnen ist ein , der als authentisch (sahih) gilt und zugleich über mehrere glaubwürdige Überliefererketten auf den Propheten zurückgeht.

  • – aus dem Verb w-ḍ-ʿ = „erfinden“, im Sinne von „fälschen“ – ist ein Hadith, dessen Inhalt (matn) und Überliefererkette (Isnad) erfunden und somit als Fälschungen anzusehen sind.

Die Isnadkategorien


Ein Hadith besteht aus seinem Inhalt (matn) und einer vorangestellten Überliefererkette (isnad), die die Namen der Überlieferer (Traditionarier) in ihrer chronologischen Kontinuität bis in die Zeit des Propheten enthält; das letztes Glied in dieser Kette ist einer der Sahaba, der als Kronzeuge die Aussage des Propheten zitiert. Die Kategorisierung der Hadithe orientiert sich entweder am Isnad oder am Inhalt desselben. Die Einteilung der Hadithe nach den Isnaden erfolgt somit nach äußeren, formalen Kriterien und sagt über die Inhalte der Überlieferungen zunächst nichts aus. Ein Isnad kann sein:

  • und : eine chronologisch ununterbrochene Überliefererkette mit dem Prophetengefährten als Kronzeugen der Aussage. Seiner Form nach spricht man in diesem Fall von einem .
  • : in der Kette fehlt der Prophetengefährte als Kronzeuge, obwohl die darauf folgende Autorität einen Prophetenspruch zitiert, oder der Prophetengefährte als direkter Vermittler der Tradition keine Anerkennung findet. In diesem Fall spricht die Traditionsliteratur von marasil as-sahaba, wie z. B. die mursal-Tradition des 'Abd Allah ibn 'Abbas, der im Todesjahr Mohammeds erst dreizehn Jahre alt gewesen sein soll.
  • ist mit dem mursal verwandt; in diesem Isnad fehlt ein Vermittler an einer anderen Stelle, z. B. zwischen der dritten und vierten Generation der Überlieferungschronologie. Seiner Form nach spricht man in diesem Fall von einem .
  • und ist ein Isnad, in dem zwei oder gar mehrere Vermittler in der Überliefererkette fehlen oder aus unterschiedlichen Gründen, die die Hadithkritik zu erörtern hat, absichtlich nicht genannt werden. Somit ist ein mu'dil auch munqati, also unterbrochen in der Kette, aber nicht alle munqati' sind mu'dil.

In der Entwicklungsgeschichte der Hadithliteratur und der Hadithkritik haben die islamischen Gelehrten durch ihre scharfsinnige Kritik an der Struktur der Isnade weitere Kategorien geschaffen.

Die Anfänge der Hadithliteratur


In der zeitgenössischen Islamforschung ist es trotz einschlägiger Arbeiten von Alois Sprenger, Ignaz Goldziher, Nabia Abbott, Fuat Sezgin und anderen umstritten, wann die schriftliche Fixierung, Sammlung und Überlieferung von Hadithen in ihrer Einheit von Isnad und Matn anzusetzen sind. Heute geht man davon aus, daß es bereits im ersten muslimischen Jahrhundert Aufzeichnungen von Prophetentraditionen gegeben hat, die nach ihrer mündlichen Überlieferung in kleinen Schriftrollen oder Heften zusammengefaßt worden sind. F. Sezgin hat in seiner Geschichte des arabischen Schrifttums (Bd. 1) anhand islamischer Quellen einige Nachrichten zusammengetragen, die über die Existenz früher Hadith-Sammlungen zwar berichten, über ihre Inhalte aber nur wenig verwertbares aussagen. Am Forschungsstand hat sich in diesem Zusammenhang seit Goldzihers abwägender Feststellung im wesentlichen nichts geändert:

Hadithsammlungen


Maßgebliche Hadithsammlungen stammen unter anderem von Al-Buchari († 870), Muslim († 875), Malik Ibn Anas und Ahmad Ibn Hanbal. Es ist allerdings bis heute umstritten, ob der Muwatta von Malik ibn Anas als eine Hadith-Sammlung, oder als ein corpus iuris der medinensischen Rechtsschule zu verstehen sei. Zwar folgt das Werk der Anordnung der klassischen Hadith-Sammlungen der Folgegenerationen, jedoch wird es durch lange Abschnitte rein juristischer Überlieferungen – auch durch die Darstellung von Ra'y (opinio) – unterbrochen.

Für Hadithsammlungen der Schiiten siehe: Kutub arba'a

Die sechs Bücher

Folgende „sechs Bücher“ (al-kutub as-sitta) stellen den klassischen Kanon der Hadith-Sammlungen dar:

Folgende weitere Hadith-Sammlungen sind von Bedeutung:

Eine beliebte kleine Sammlung von insgesamt 40 Überlieferungen moralischen Inhalts, das Kitab al-arba'in hadithan („Das Buch von den vierzig Hadithen“), wurde von dem syrischen Gelehrten Yahya ibn Scharaf ad-Din an-Nawawi, der 1278 verstarb, verfasst. Er stellte außerdem in den Riyâd as-sâlihîn („Gärten der Frommen“) eine umfangreiche Sammlung zu moralisch-erzieherischen Zwecken zusammen.

Für die Suche nach einem gegebenen Hadith empfiehlt sich die Arbeit mit der Hadith-Konkordanz von A. J. Wensinck, die alle Hadithe der großen sechs Sammlungen sowie einiger kleinerer mit Nachweisstellen auflistet.

Siehe auch


Literatur


  • Ibn Hadschar al-Asqalani: Sharh Nuhbat al-fikar fi mustalahat ahl al-atar
  • Ignaz Goldziher: Über die Entwicklung des Hadith. In: Muhammedanische Studien. Bd. II, Halle 1890
  • J. Horovitz: Alter und Ursprung des Isnad. In: Islamica. 8/1918, S. 39 ff.
  • A. J. Wensinck: Concordance et Indices de la tradition musulmane: les Six Livres, le Musnad d'Al-Darimi, le Muwatta` de Malik, le Musnad de Ahmad ibn Hanbal. Reprint. Leiden 1992
  • M. Muranyi: Fiqh. Der Ḥadīṯ als Quelle des Fiqh. In: Helmut Gätje (Hrsg.): Grundriss der Arabischen Philologie. Bd. II. Literaturwissenschaft. Wiesbaden 1987. S. 301–306, ISBN 3-88226-145-5
  • Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Bd. I. Kap. Hadith. S. 53–233. Brill, Leiden 1967
  • John Burton: An Introduction to the Hadith. Edinburgh 1994

Weblinks


Islamische Literatur

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