Als Haberfeldtreiben bezeichnet man ein heute nicht mehr gebräuchliches, bayerisches Femegericht, eine Art Volksjustiz, welche in Oberbayern, hauptsächlich in der Gegend von Tegernsee, Miesbach und Rosenheim ausgeübt wurde und dem oft Reiche oder Angehörige der Obrigkeit zum Opfer fielen, zumeist aber Frauen, die unverheiratet schwanger geworden waren.
Abgesehen von den frühesten Treiben (bis ca.1700) fanden die H. nie innerhalb von Ortschaften statt, sondern stets auf nahegelegenen Wiesen oder Hügeln. Nah genug, dass man mit Publikum rechnen konnte, aber auch weit genug, um Umzingelung durch Gendarmerie oder Angriffe aus Häusern heraus zu vermeiden. In der Regel (Ausnahme z.B. das Treiben gegen den Pfarrer von Irschenberg) galten die Treiben mehreren Personen. Es sollte sich ja sowohl für die Haberer, als auch die Zuschauer lohnen. Gelegentlich, insbesondere während der Daxerzeit als Johann Vogl, genannt "der Daxer", Haberfeldmeister war (bis zu seiner unrühmlichen Absetzung 1886), setzte man dabei mehr auf Masse, denn auf Klasse und erfand gerne mal den einen oder anderen Rügegrund oder gab sich mit Gerüchten zufrieden.
Die Haberer waren spätestens ab 1840 wegen der zunehmenden staatlichen Verfolgung streng organisiert. 100 Teilnehmer waren keine Seltenheit. 1893 in Miesbach sollen es etwa 350 gewesen sein.
Wenn das missliebige Individuum zuvor trotz wiederholter mündlicher und brieflicher Verwarnungen keine Besserung gezeigt hatte, sammelten sich um das Gehöft des Missetäters hundert und mehr vermummte, geschwärzte, oft bewaffnete Personen, umschlossen das Haus und riefen den Schuldigen ans Fenster oder an die Tür, die er aber bei Leibes- und Lebensstrafe nicht überschreiten durfte. Darauf wurden "im Namen Kaiser Karls d. Gr. im Untersberg" die Treiber verlesen, und zwar unter fingierten Namen und Würden, wie: Herr Landrichter von Tegernsee, Herr Pfarrer von Gmund etc., und diese antworteten mit einem lauten "Hier".
Sobald sich genug Zuhörer eingefunden hatten wurde mit dem Verlesen der Rügeverse begonnen. Nach jedem Durchlauf fragte der Vorleser: "Is des wahr?", worauf die Haberfeldtreiber antworteten: "Ja! Wahr is!!", worauf der Vorleser rief: "Nachad treibt's zua!", worauf wieder gelärmt wurde. Wenn das Treiben nicht wegen Entdeckungsgefahr durch die Justiz frühzeitig beendet werden musste, endete es mit einem Hoch auf den Landesvater und einer minutenlangen Lärmsalve. Beim meist schnellen Rückzug wurden Lampen und Laternen gelöscht und man spielte die Melodie "Was man aus Liebe tut."
Wenn ein Haberfeldtreiben planmäßig vonstatten ging, war mit Ausschreitungen nicht zu rechnen. Viele Gewalttaten oder Zerstörungen, die den Haberern nachgesagt wurden, gelten in der heutigen Forschung als nächtlicher Radau ohne Bezug zum Haberfeldtreiben.
Mit einer einzigen Ausnahme ist nicht bekannt, dass sich jemals eines der Treibopfer aus dem Haus gewagt hätte. Bei diesem einen Treiben war es ein mutiger Wirt, dem allerdings durch Gewehrschüsse schnell gedeutet wurde, er möge sich wieder in seine Stube zurückbegeben. Die Haberer waren also nicht auf Körperkontakt aus.
Seine Blütezeit erlebte das Haberfeldtreiben im 18. und 19. Jahrhundert. Zwischen 1700 und 1900 sind etwa 130 Haberfeldtreiben aktenkundig, die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen. Das erste nachweisbare Haberfeldtreiben war 1716 in Vagen bei Bruckmühl. Ursprünglich kannte man den Brauch nur im Mangfallgebiet, etwa zwischen Bad Aibling und Miesbach, erst später hat er sich weiter ausgedehnt. Größere Haberfeldtreiben gab es nach alten Gerichtsakten u.a. in Albaching (1864), Edling (1865), Hohenlinden (1866) und in Miesbach (1893). Weithin bekannte Haberfeldmeister waren Johann Vogl, genannt der "Daxer von Wall, Balthasar Killi von Münster bei Glonn und Thomas Bacher aus dem Ort Feldkirchen-Westerham.
Das letzte offiziell dokumentierte große Haberfeldtreiben fand in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1893 im bayerischen Miesbach statt.
Jedes Jahr findet am letzten Samstag im August, im Oberbayerischen Miesbach, ein Haberfeldtreiben statt. Das Haberfeldtreiben am Abend auf dem Marktplatz, während des Bürgerfestes, wird vom Verein "D`Haberer" veranstaltet. Internet: http://www.haberer-miesbach.de
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