Mit Haar bzw. Haarstrang wird ein Höhenzug am südlichen Rand der Westfälischen Bucht in Nordrhein-Westfalen, Deutschland bezeichnet. Die höchste Erhebung mit 400 m befindet sich bei Rüthen-Kneblinghausen.
Der Begriff "Haar" findet sich auch als Namensbestandteil von anderen Höhenformationen, so der "Rothaar" im südlichen Sauerland (vgl. Rothaargebirge) oder auch bei der Haardt nördlich des Ruhrgebietes. "Haar" bezeichnet in Nordwestdeutschland allgemein einen (sandigen) Höhenzug.
Der Haarstrang bildete die natürliche Grenze für das Vordringen der nördlichen Gletscher der Eiszeit. Er gilt als eine der schärfsten Landschaftsgrenzen in Mitteleuropa. Nördlich des Haarstranges findet man zahlreiche Grund- und Endmoränen. Südlich davon liegt das Tal der Möhne und der Ruhr, daran anschließend das Sauerland. Die westlichen Ausläufer des Haarstrangs werden von diesem geologisch unterschieden und sind als Ardeygebirge bekannt. Entsprechende Sichtverhältnisse vorausgesetzt, kann man von exponierten Stellen der Haar (z.B. am Bismarckturm bei Wippringsen) im Norden bis tief in die Westfälische Bucht blicken (im Nordosten bis zur Dörenschlucht im Teutoburger Wald, im Norden bis zu den Beckumer Bergen, im Nordwesten bis zu den Industriebauten nördlich und westlich bei Hamm). Entlang der Haar nach Westen kann man bei gutem Wetter den ca. 60km entfernten Dortmunder Fernsehturm erkennen. Der Blick nach Süden hingegen geht tief bis ins Sauerland.
Der Haarstrang selbst besitzt steinigen, lehmigen Boden, der für die Landwirtschaft nicht besonders ergiebig ist. Im östlichen Teil befindet sich noch in begrenztem Maße die für diese Region seltene Kalkrasen-Vegetation. Die lehmige Bodenbeschaffenheit in weiten Teilen der Haar führt zu ergiebigem oberflächlichem Wasserabfluss, im Gegensatz zur östlich davon liegenden Paderborner Hochfläche, die Karsterscheinungen zeigt (starke Versickerung, unteriridischer Abfluss). Der Wasserabfluss der Haar kann bei ergiebigem Regen über die Abflussrinnen des Höhenzugs (Schledden) am nördlichen Fuß des Höhenzugs zu plötzlich auftretenden Überflutungen führen. Noch in den 60er Jahren waren deshalb Todesopfer zu beklagen (Ostönnen 1968). Heute schützt man die Börde durch Sperrdeiche in den Hauptrinnen, so z.B. bei Meiningsen.
Wirtschaftlich bedeutsam sind die Grünsandsteinvorkommen bei Anröchte, daneben gibt es Kalkabbau bei Erwitte und Geseke. Verkehrstechnisch ist der Haarstrang Teil der traditionellen Ost-West-Achse des Raumes, heute auf der Haar gekennzeichnet durch die BAB 44 und den Haarweg. In der Nähe von Büren befindet sich der Flughafen Paderborn-Lippstadt.
Die exponierte Lage der Haar erlaubt eine großzügige Windkraftnutzung. Nach den Windkraftstandorten südlich von Paderborn ist die Haar der größte Windkraftstandort im europäischen Binnenland, vgl. Ense.
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