Brueghel-Höllensturz.jpg Der Höllensturz, auch Engel(s)sturz genannt, ist ein zentrales Motiv sowohl der christlichen als auch der jüdischen und islamischen Eschatologie sowie der abendländischen Kunst.
Als Gründe für den Fall des Engels werden genannt:
In der Offenbarung des Johannes (Offb 12,3ff.) erscheint der Satan am Himmel in Gestalt eines Drachen mit "sieben Häuptern und zehn Hörnern", wo er mit seinem Schwanz ein Drittel der Stern hinwegfegt und den neugeborenen Christus zu verschlingen droht. Daraufhin entbrennt ein Kampf zwischen Gott und Satan: "Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen. Und der Drache stritt und seine Engel und siegeten nicht; auch ward ihre Stätte nicht mehr funden im Himmel. Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführet; und ward geworfen auf die Erde; und seine Engel wurden auch dahin geworfen." Die letzten Worte, die der Satan vor seinem Sturz hörte, sollen "Wer ist wie Gott?" gewesen sein - was eine wörtliche Übersetzung des hebräischen Namens Michael darstellt.
Die endgültige Vernichtung des hinabgestoßenen Satans lässt freilich auf sich warten. In (Offb 20,2ff. heißt es weiter: "Und (ein Engel) ergriff den Drachen, die alte Schlange, welche ist der Teufel und der Satan, und band ihn tausend Jahre. Und warf ihn in den Abgrund und verschloß ihn und versiegelte oben darauf, daß er nicht verführen sollte die Heiden, bis daß vollendet würden tausend Jahre; und danach muß er los werden eine kleine Zeit. (...) Und wenn tausend Jahre vollendet sind, wird der Satanas los werden aus seinem Gefängnis und wird ausgehen, zu verführen die Heiden in den vier Vierteln der Erde (...) Und der Teufel, der sie verführete, ward geworfen in den feurigen Pfuhl und Schwefel, da das Tier und der falsche Prophet war; und werden gequälet werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit."
Daneben hat Höllensturz noch eine dritte Bedeutung: Sie bezieht sich nicht auf die Vertreibung Satans und seines Gefolges aus dem Himmel, sondern auf die Verdammung der Sünder beim Jüngsten Gericht. Sie stellt das Gegenstück zur Aufnahme der Gerechten ins Paradies dar.
Im Christentum ist die Idee insbesondere in Offb 20,12ff. verankert. Hiernach werden die Toten "gerichtet nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken (...) Und so jemand nicht ward erfunden geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl.". Wenn die Stelle auch etwa von den Katholiken auf der einen Seite und den Calvinisten auf der anderen höchst unterschiedlich interpretiert wurde, so lässt sich jedenfalls festhalten, dass nur ein Teil der Menschheit erlöst wird und der andere infolgedessen der ewigen Verdammnis in der Hölle anheimfällt.
Im Islam finden sich ähnliche Gedanken in der 75. Sure des Koran.
Weniger ausgeprägt ist die Scheidung in "Sünder" und "Gerechte" im Judentum, das allenfalls ein Fegefeuer (Gehinom), nicht aber eine Hölle im christlichen Sinne kennt. Verstöße gegen Gottes Gebot werden eher durch die "Trennung vom Volk" bestraft (vgl. etwa Gen 17,14, Ex 31,14 als durch die Verbannung an einen Ort der Gottferne.
Hesiod berichtet in seiner Theogonie vom Kampf der Götter mit den Titanen, in deren Verlauf letztere mit Blitzen und Felsbrocken in den Tartarus gestoßen wurden.
1562 entstand Pieter Brueghels Gemälde „Der Sturz der gefallenen Engel“, das heute in den Musées Royaux des Beaux-Arts in Brüssel hängt. Es zeigt die Engel Gottes in hellen Gewändern und schimmernden Rüstungen vor einer strahlenden Sonnenscheibe. Während die einen Posaunen blasen, hauen und stechen andere mit Schwertern und Lanzen auf allerlei teuflische Wesen mit grotesk verzerrten Gesichtern ein. In der Manier Hieronymus Boschs werden sie etwa als Salamander, Lurche, Fische oder Insekten dargestellt, die sich in ihrer Verzweiflung Gliedmaßen abbeißen, den mit Eiern gefüllten Bauch aufreißen oder einen Darmwind fahren lassen.
Eine weitere Ausführung des Themas wurde von Tintoretto 1592 gemalt und gelangte spätestens 1754 nach Dresden, wo es heute in der Galerie der Alten Meister hängt. Das Bild erscheint diagonal in zwei Hälften geteilt. Links unten drängen sich im Dunkel der als siebenköpfiger Drache dargestellte Satan und feuerspeiende Furien. Den in strahlendes Licht getauchten rechten oberen Bildteil beherrschen indes die dynamische Figur des Heiligen Michael, ein weiterer Engel sowie Gottvater und Maria auf der Mondsichel. Zentrales Verbindungsglied zwischen den beiden Bildhälften ist die diagonal nach unten stechende Lanze des Erzengels. Vereinzelt wird das Bild auch Tintorettos Sohn Domenico oder seiner Werkstatt zugeschrieben.
Als Ritter mit schimmernder Rüstung und wehendem rotem Mantel stellt Peter Paul Rubens den Erzengel Michael auf seinem in der Alten Pinakothek in München hängenden Gemälde Der Engelssturz dar. Beschirmt von Gottvater und unterstützt von weiteren, blitzeschleudernden Engeln stößt er ein schlangenartig gewundenes Ungeheuer in die Tiefe. Mit diesem stürzen aber auch von Satan verführte Sünder, muskelbepackte, dramatisch verdrehte Leiber mit verzerrten Gesichtern.
Weitere bekannte Höllenstürze Satans stammen u.a. von Raffael (1518, Prado), Johann Michael Rottmayr (1697, Burgkapelle Tittmoning), Giuseppe Castiglione (18. Jahrhundert), William Blake (1826, Lithographie-Illustration zum Buch Hiob), Eugène Delacroix (1861, Saint-Sulpice, Paris), Gustave Doré (1865, Bibelillustration) und Marc Chagall (1923-47, Kunstmuseum Basel).
Höllenstürze der Menschen (vgl. die dritte der o.g. Wortbedeutungen) sind meist nur als Teil von Darstellungen des Jüngsten Gerichts zu sehen, deren bekannteste die von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle in Rom von 1541 sein dürfte. Eine Ausnahme bildet Peter Paul Rubens' Höllensturz der Verdammten von 1620, ebenfalls in der Alten Pinakothek in München. Das Gemälde bevölkern realistisch dargestellte und nach des Meisters Manier recht üppig ausgefallene menschliche Leiber. Die Farbflächen scheinen ineinanderzufließen und werden lediglich durch den stärker beleuchteten Korridor in der Bildmitte strukturiert. 1959 fiel das Werk einem Attentat mit Salzsäure zum Opfer, wurde aber erfolgreich restauriert.
Eine bekannte Darstellung des nicht dem Christentum, sondern der griechischen Mythologie zuzurechnenden Höllensturzes der Titanen, stammt vom italienischen Manieristen Giulio Romano und befindet sich im Saal der Giganten im Palazzo del Te in Mantua.
Bibel | Eschatologie | Christliche Kunst | Gemälde | Stoffe und Motive
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Höllensturz".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world