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Höhere Säugetiere
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: Chordatiere (Chordata)
: Wirbeltiere (Vertebrata)
: Kiefermäuler (Gnathostomata)
: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
: Säugetiere (Mammalia)
: Höhere Säugetiere
Wissenschaftlicher Name Eutheria Huxley, 1880 en Die Höheren Säugetiere oder Plazentatiere (Eutheria) bilden eine Unterklasse der Säugetiere (Mammalia), zu denen daneben noch die eierlegenden Kloakentiere (Protheria) und die Beutelsäuger (Metatheria) gezählt werden. Die Höheren Säuger bilden die artenreichste - zu diesem Taxon zählen rund 94% der rezenten Spezies - aber auch hinsichtlich des Körperbaues und der Lebensräume vielfältigste Gruppe der Säugetiere.

Beide deutschen Namen für dieses Taxon können jedoch missverstanden sein: das Wort „höher“ darf nicht im Sinne eines Werturteils verstanden werden, das einen „Fortschritt“ widerspiegelt, sondern deutet eher die in einer phylogenetischen Darstellung „höher“gelegene Entwicklungslinie an. Ebenso ist „Plazentatiere“ nicht völlig zutreffend, da auch manche Beutelsäuger (wie die Nasenbeutler und der Koala) eine einfache Plazenta besitzen.

Körperbau


Die Höheren Säugetiere haben die für Säugetiere typischen Merkmale wie ein Fellkleid aus Haaren, die drei Gehörknöchelchen, das Zwerchfell und andere, die unter Körperbau der Säugetiere beschrieben sind. Es gibt aufgrund der zahlreichen Anpassungen an die unterschiedlichsten Lebensweisen und Habitate nur wenig Exklusivmerkmale, die diese Gruppe von den übrigen Säugern unterscheidet.

Kopf und Zähne

Wie alle Säugetiere sind die Höheren Säugetiere in der Regel durch ein heterodontes Gebiss mit vier verschiedenen Zahntypen charakterisiert, die Schneidezähne (Incisivi), Eckzähne (Canini), und zwei Arten von Backenzähnen (Prämolaren und Molaren). Im Vergleich zu den Beutelsäugern, die oft zwischen 40 und 50 Zähne besitzen, haben die Höheren Säuger meist weniger Zähne. Die ursprüngliche Zahnformel lautete 3/3-1/1-4/4-3/3, das heißt pro Kieferhälfte drei Schneidezähne, einen Eckzahn, vier Prämolaren und drei Molaren, insgesamt also 44 Zähne. Diese ursprüngliche Zahnformel findet sich noch bei manchen Arten, zum Beispiel dem Wildschwein, in den meisten Fällen ist es durch eine spezialisierte Ernährung zu einer Reduktion der Anzahl der Zähne gekommen. Einige wenige Taxa, zum Beispiel die Ameisenbären oder die Schuppentiere, sind gänzlich zahnlos geworden. Der umgekehrte Fall, eine evolutionsbedingte Erhöhung der Anzahl der Zähne, ist nur in wenigen Fällen eingetreten: das Riesengürteltier (Priodontes maximus) hat bis zu 100 stiftartige Zähne in der röhrenförmigen Schnauze, die höchste Zahl aller Landsäugetiere. Einen Sonderfall stellen die Zahnwale dar, deren Zähne wieder gleichförmig (homodont) geworden sind, und deren Anzahl bei manchen Delfinarten bei 260 Zähnen liegen kann. Im Gegensatz zu den Beutelsäugern, die die meisten Zähne nur einmal anlegen, werden in der Regel die Zähne mit Ausnahme der Molaren zunächst als Milchgebiss angelegt und dann durch das bleibende Gebiss ersetzt.

Übriger Körper

Die rezenten Höheren Säugetiere unterscheiden sich von den Kloaken- und Beuteltieren durch das Fehlen der Beutelknochen (Ossa epubica), zwei vom Schambein des Beckens nach vorne ragende Knochen. Allerdings sind diese bei den urtümlichen Vertretern dieser Gruppe noch vorhanden und dürften ein ursprüngliches Säugetiermerkmale darstellen. Da diese Knochen bei den übrigen Säugern bei beiden Geschlechtern vorhanden sind, dürften sie ursprünglich nichts mit der Fortpflanzung zu tun gehabt haben, sondern eher dem Muskelansatz für die Bewegung der hinteren Gliedmaßen gedient haben.

Vielfalt im Körperbau

Im Zuge ihrer Entwicklungsgeschichte haben die Säugetiere nahezu alle Lebensräume besiedelt und sich dabei in eine Vielzahl von Formen aufgeteilt. Eine Reihe von Arten hat sich an eine aquatische (wasserlebende) Lebensweise angepasst, am spezialisiertesten die Wale, deren Körperbau Ähnlichkeiten mit den Fischen aufweist. Die Vordergliedmaßen sind zu Flossen (Flipper) umgestaltet, die Hintergliedmaßen sind rückgebildet und der Schwanz ist zu einer Fluke umgebildet. Bei anderen Taxa wie Robben und Seekühen geschah die Anpassung an das Wasser in weniger vollständiger Weise. Die Fledertiere sind neben den Vögeln und den ausgestorbenen Flugsauriern die einzigen Wirbeltiere, die zum aktiven Fliegen fähig sind. Sie weisen stark verlängerte Finger auf, die die Flughaut spannen. Daneben hat eine Reihe von Säugetiertaxa unabhängig voneinander Gleitmembranen entwickelt, die ihnen einen passiven Gleitflug ermöglichen, dazu zählen die Riesengleiter, die Gleit- sowie die Dornschwanzhörnchen. Verschiedenste Säugetiere sind an eine unterirdisch-grabende Lebensweise angepasst, diese haben einen walzenförmigen Körperbau mit kurzen, oft zu Grabwerkzeugen erweiterten Gliedmaßen entwickelt. Zahlreiche Arten führen eine arboreale (baumbewohnende) Lebensweise, diese sind oft durch greiffähige Pfoten mit opponierbarem Daumen und Greifschwanz charakterisiert. Bewohner von Grasländern und anderen offenen Habitaten weisen oft eine Reduktion der Zehenanzahl und die Herausbildung von verhornten Zehen oder Hufen auf, andere haben stark vergrößerte Hinterbeine und eine springende Fortbewegung entwickelt. Viele Arten, vorwiegend kleinere, versteckt lebende, weisen hingegen einen gedrungenen Körperbau mit kurzen Gliedmaßen auf, darunter zahlreiche Nagetiere und Spitzmausartige.

Verbreitung und Lebensraum


Höhere Säugetiere sind weltweit verbreitet, sie finden sich auf allen Kontinenten, in allen Ozeanen sowie auf den meisten Inseln. Lediglich in Australien waren sie nicht die dominante Säugergruppe, dort gab es, bevor der Mensch dort landete und zahlreiche Neozoen einführte, nur relativ wenige Arten, namentlich Fledertiere und Altweltmäuse. Auf abgelegenen Inseln gab es bis zur Ankunft des Menschen nur eine eingeschränkte Säugetierfauna, so waren auf vielen Inseln, darunter Neuseeland, Fledertiere die einzigen Säuger.

Höhere Säugetiere haben nahezu alle Regionen der Erde besiedelt und kommen in den meisten Lebensräumen vor. Man findet sie sowohl in Wüsten und Regenwäldern, im Hochgebirge und in den Polarregionen. Zu den wenigen Regionen, in denen sich (zumindest bis auf zeitweilige Aufenthalte des Menschen) keine Höheren Säuger finden, zählen die Tiefsee und das Innere des antarktischen Kontinents.

Entwicklungsgeschichte


Mit dem Verschwinden der Dinosaurier am Ende der Kreidezeit öffneten sich neue Lebensräume für die bis dahin relativ kleinen Säugetiere. Zwei zu diesem Zeitpunkt existierende Gruppen entwickelten jeweils eine große Artenvielfalt, die Beutelsäuger in Südamerika und Australien, die höheren Säugetiere auf den anderen Kontinenten.

Heute sind die höheren Säugetiere in Anzahl der Arten und Individuen die dominante Wirbeltiergruppe auf allen Kontinenten außer Australien und der Antarktis.

Der Begriff „höhere Säugetiere“ wurde geprägt, um die Artenvielfalt und evolutionäre Überlegenheit gegenüber den anderen Unterklassen auszudrücken. Heute gilt die Darstellung einer Tiergruppe als einer anderen „überlegen“ als problematisch. Nicht nur die Eigenschaften einer Tiergruppe, sondern auch die sie prägende Umgebung sowie Zufallsfaktoren bestimmen das Überleben. Der Begriff hat sich jedoch erhalten.

Systematik


Die höheren Säugetiere werden in vier bis fünf Überordnungen unterteilt:

Literatur


  • William J. Murphy, Eduardo Eizirik, Mark S. Springer et al., Resolution of the Early Placental Mammal Radiation Using Bayesian Phylogenetics,Science, Vol 294, Issue 5550, 2348-2351 , 14 December 2001.
  • Jan Ole Kriegs, Gennady Churakov, Martin Kiefmann, Ursula Jordan, Juergen Brosius, Juergen Schmitz. (2006) Retroposed Elements as Archives for the Evolutionary History of Placental Mammals. PLoS Biol 4(4): e91.*

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