Als Hüftdysplasie oder Hüftgelenkdysplasie bezeichnet man einen verzögerten Ausreifungsprozess oder eine gestörte Entwicklung der Hüftgelenke eines Neugeborenen. Die ursprünglich knorpelig angelegten Hüftpfannen sind bei der Geburt noch nicht verknöchert, sondern liegen als sogenannte Knorpelschablone vor. Bei der normalen Entwicklung der Hüftgelenke beeinflussen sich diese Schablonen gegenseitig, der frühkindliche Hüftkopf formt, man sagt auch "er bohrt sich" die Pfanne. Dieser Vorgang läuft leider nicht immer ungestört ab. Es kommt zu Verformungen der Hüftpfanne, in der leichtesten Ausprägung ergibt sich eine "mangelnde Überdachung". Das Zentrum des Hüftkopfes steht nicht ausreichend tief in der Pfanne, die Druckauffangzone wird schmal, später führt das zur "Dysplasiearthrose". Diese leichtere Ausprägung der Hüftdysplasie wird auch als Subluxation der Hüfte bezeichnet. Damit wird gesagt, daß der Hüftkopf zwar nicht mehr an korrekter Stelle des Gelenkes steht, aber die Pfanne noch nicht verlassen hat.
Wenn die Pfanne noch flacher wird, kann der Hüftkopf nach oben/außen abrutschen, man nennt das kongenitale Hüftluxation.
Diagnostik
Als Allererstes wichtig ist der klinische Aspekt des Säuglings. Wie sieht der Körper aus, ist er gerade, wie bewegt sich das Kind und wie sehen die "Speckfalten" an Oberschenkeln und am Gesäß aus. Sind hier Seitendifferenzen, sind die Beine gleichlang, all das sind Fragen, die sich durch genaues Ansehen beantworten lassen. Es folgt die Bewegungsprüfung, lassen sich die Hüften weit genug abspreizen, ist die Drehbeweglichkeit vollständig? Zeigen sich bei dieser ersten Untersuchung Auffälligkeiten, schließt sich eine Apparatediagnostik an.
In den ersten Lebenswochen ist die
Sonographie ein wertvolles diagnostisches Hilfsmittel, um Fehlformen der Hüften zu erkennen und auch, um den Reifungsprozess zu verfolgen. Ist das Becken weitgehend verknöchert, sind
Röntgenaufnahmen erforderlich. Die Sonographie der Hüftgelenke ist Bestandteil der
Vorsorgeuntersuchung U3.
Therapie
Tübinger Schiene.jpg
Bei den leichteren Formen der Hüftgelenkfehlbildung reicht es meistens aus, das Kind konsequent breit zu wickeln. Man stellt sich vor, dass dann der Hüftkopf Gelegenheit hat, sich während des Wachstums tiefer in die Pfanne einzubohren. Moderne
Windelsysteme unterstützen das Wickeln von Säuglingen in gespreizter Beinhaltung. Auch das Tragen von Babys im
Babytragetuch kann Dysplasien entgegenwirken. Dabei muss unbedingt auf einen ausreichend breiten Steg geachtet werden, der die Beine in einer breiten Position hält und die Beine nicht herabhängen lässt.
Sind die Veränderungen schwerer, so wird eine Bandagenversorgung, das Tragen einer Schiene oder ein Gips erforderlich. Es kann sogar notwendig werden, durch eine Operation dafür zu sorgen, dass die Hüftköpfe wieder in die Pfannen hineinrutschen können.
Spätfolgen
Unbehandelte Fehlbildungen leichterer Ausprägung der Hüftgelenke können später zu vorzeitigem Verschleiß führen, man nennt das "
Dysplasiearthrose". Sind die Hüften ausgerenkt, behindert das die Entwicklung der Motorik des Kindes erheblich. Hier ist es so früh wie möglich notwendig, auf konservativem oder operativem Weg, eine normale Funktion der Hüften zu erreichen. Früher wurden häufig Umstellungsoperationen durchgeführt, die den Winkel zwischen Oberschenkelschaft und Hals korrigieren sollten. Man nahm damals an, hiermit der Entwicklung von Arthrosen entgegenwirken zu können. Inzwischen weiß man, dass lange nicht alle Hüften, die von diesem idealen Winkel abweichen, auch tatsächlich früher arthrotisch werden. Die Indikation zur
Korrekturosteotomie wird also heute (2005) wesentlich restriktiver gehandhabt.
Andere Spezies
Weblinks
www.kinderhueftdysplasie.de
Fehlbildung
Hip dysplasia | Heupdysplasie (hond) | Дисплазија кукова