| Wissenschaftlicher Name
|
| Panthera leo spelaea
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| Goldfuss, 1810
|
Der
Höhlenlöwe (
Panthera leo spelaea) ist eine ausgestorbene
Großkatze, die zur Zeit des
Pleistozäns in Europa und Nordasien lebte. Während man sich früher unsicher über seine Artzugehörigkeit war, gilt er heute als klar abgegrenzte
Unterart des
Löwen (
Panthera leo). Die Erstbeschreibung erfolgte durch den Arzt und Naturforscher
Georg August Goldfuss anhand eines Schädels aus der
Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth bei
Muggendorf in der
Fränkischen Alb.
Geographische und zeitliche Verbreitung
In Europa erschienen Löwen erstmalig mit der Unterart
Panthera leo fossilis, dem sogenannten
Mosbacher Löwen, vor ca. 900.000 Jahren. Mit einer Kopf-Rumpflänge von 2,40 m waren diese Löwen etwa um ein Drittel größer als die heute in Afrika vorkommenden Löwen und entsprechen damit etwa einem „
Liger“, der Kreuzung eines männlichen Löwen mit einem weiblichen
Tiger. Aus dieser riesigen Löwenrasse entwickelte sich der Höhlenlöwe (
Panthera leo spaelea), der zum ersten mal vor etwa 300.000 Jahren auftritt. Der Höhlenlöwe war weit über das nördliche Eurasien verbreitet, und drang selbst während der Kaltzeiten weit nach Norden vor. Im Nordosten Asiens bildete sich als weitere Rasse der Ostsibirische oder Beringia-Höhlenlöwe (
Panthera leo vereshchagini), der über die wegen der Vereisung trockengefallenen
Bering-Landbrücke sogar
Alaska erreichte. Von dort aus stieß er wahrscheinlich weiter nach Süden vor und entwickelte sich zum
Amerikanischen Löwen (
Panthera leo atrox).
Der Ostsibirische Höhlenlöwe verschwand mit dem Ende der letzten großen
Vereisungsphase, der
Würm-Kaltzeit bzw.
Weichsel-Kaltzeit, vor etwa 10.000 Jahren. Der Europäische Höhlenlöwe starb wahrscheinlich etwa zur gleichen Zeit aus, hielt sich aber möglicherweise auf der
Balkanhalbinsel bis weit in die Nacheiszeit hinein. Bei diesen Löwen, die anscheinend noch zur Zeitenwende auf dem Balkan lebten, ist allerdings nicht geklärt ob sie tatsächlich zur Unterart des Höhlenlöwen gehörten.
Aussehen
Ein ausgewachsenes Höhlenlöwen-Männchen, das 1985 bei
Siegsdorf gefunden wurde, hatte eine Schulterhöhe von ca. 1,20 m und eine Körperlänge von 2,10 m, den Schwanz nicht mitgerechnet. Das entspricht einem sehr großen heutigen Löwen. Der Siegsdorfer Löwe wurde von anderen Exemplaren des Höhlenlöwen noch um einiges übertroffen. Europäische Höhlenlöwen dürften demnach etwa 5-10 % größer gewesen sein als heutige Löwen, erreichten aber nicht die enormen Ausmaße der gewaltigen Mosbacher Löwen (
Panthera leo fossilis) und der Amerikanischen Löwen (
Panthera leo atrox).
Dank der Höhlenmalereien und Schnitzereien, die uns die Menschen der Steinzeit hinterlassen haben, kann man sogar Rückschlüsse auf das Fell und die Mähne des Höhlenlöwen ziehen. Besonders eindrucksvolle Löwendarstellungen zeigen die Farbbilder der Chauvet Höhle in der
Ardeche in Südfrankreich und die Elfenbeinschnitzerei eines Löwen aus der
Vogelherdhöhle in der schwäbischen Alb in Süddeutschland.
Steinzeitliche Darstellungen zeigen Höhlenlöwen immer ohne Mähne, weshalb davon ausgegangen wird, dass männliche Höhlenlöwen im Gegensatz zu ihren afrikanischen und indischen Verwandten mähnenlos waren. Allerdings zeigen diese Darstellungen oftmals die löwentypische Schwanzquaste. Das Fell scheint nach diesen Zeichnungen einfarbig gewesen zu sein.
Lebensweise
Löwen besiedelten Europa und Nordasien sowohl in den
Warmzeiten, als auch in den
Kaltzeiten. Selbst zu Zeiten der Maximalvereisung lebten Löwen in
Mitteleuropa und Fossile Trittsiegel von Löwen, die neben denen von
Rentieren (
Rangifer tarandus) erhalten sind, beweisen eindrücklich, dass diese Katzen einst tatsächlich mindestens bis in sub
polare Regionen vorgedrungen sind.
Ihre Nahrung bestand vor allem aus größeren Huftieren der damaligen Zeit, etwa
Wildpferden,
Hirschen, Wild
rindern und
Antilopen. In Jungpleistozänen Ablagerungen des Rheins von Hessenaue bei Darmstadt wurde das Schienbein eines Löwen gefunden, das trotz einer schweren Entzündung des
Knochenmarks, die das Tier sicherlich jagdunfähig machte, später wieder verheilt ist. Das Tier muss demnach noch längere Zeit mit dieser Behinderung überlebt haben. Das legt nahe, dass dieses Tier von Artgenossen an der Beute geduldet oder gar mit Futter versorgt wurde. Möglicherweise war der Höhlenlöwe also ähnlich wie heutige Löwen ein Rudeltier.
Der Höhlenlöwe war kein dauerhafer Bewohner von Höhlen, wie man aufgrund seines Namens vermuten könnte. Im Vergleich zur
Höhlenhyäne (
Crocuta crocuta spelea) und zum
Höhlenbär (
Ursus spelaeus) hat er Höhlen wohl eher selten als Versteck aufgesucht. Besonders kranke, alte oder geschwächte Löwen suchten hier wahrscheinlich Schutz und verendeten. Während langer Zeiträume reicherten sich die Knochen von Generationen von Höhlenlöwen im konservierenden Höhlenmilieu an.
Felis-speleata_Höhlenlöwe.jpg bei
Brünn in Tschechien]]
Verwandtschaft
Während man sich beim Mosbacher Löwen immer einig war, einen echten Löwen vor sich zu haben, war beim Höhlenlöwen lange umstritten, ob er eher dem
Tiger oder dem Löwen zuzurechnen ist, oder gar eine eigene Art darstellt. Im Jahre 2004 ist es deutschen Wissenschaftlern nach eigenen Angaben gelungen, durch einen
DNA-Test den Höhlenlöwen eindeutig als Unterart des Löwen zu identifizieren. Damit konnte ein seit der Erstbeschreibung im Jahre
1810 bestehender Streit geklärt werden, ob es sich bei den Fossilien um die Überreste eines Löwen oder eines
Tigers handelt.
Dennoch bilden die pleistozänen Löwen des Nordens einen eigenen Rassekreis, dem die Löwen Afrikas und Südasiens gegenüberstehen. Zu dieser sogenannten
spelea-Gruppe zählen der Mosbacher Löwe (
P. l. fossilis), der Höhlenlöwe (
P. l. spelea), der Ostsibirische Höhlenlöwe (
P. l. vereshchagini) und der Amerikanische Löwe (
P. l. atrox). Alle heutigen Löwenrassen gehören der
leo-Gruppe an. Die beiden Rassekreise entwickelten sich wahrscheinlich vor etwa 600.000 Jahren auseinander.
Der ausgestorbene
Amerikanische Löwe Panthera leo atrox war in Einzelexemplaren sogar größer als der Mosbacher Löwe und damit eine der größten Katzen, die je existierten. Früher wurde er gelegentlich für eine eigenständige Art gehalten und teilweise sogar als Riesenjaguar bezeichnet. Neueren Erkenntnissen zufolge war er aber mit großer Sicherheit keine eigene Art, sondern wie der Höhlenlöwe eine Unterart des heutigen Löwen (
Panthera leo).
Literatur
- A. Turner: The big cats and their fossil relatives. Columbia University Press, 1997. ISBN 0-231-10229-1
- W. v. Koenigswald: Lebendige Eiszeit. Theiss-Verlag, 2002. ISBN 3-8062-1734-3
- Ernst Probst: Deutschland in der Urzeit. Orbis Verlag, 1999. ISBN 3-572-01057-8
- J. Burger: Molecular phylogeny of the extinct cave lion Panthera leo spelea, 2003.Molecular phylogeny of cave lion .
Weblinks
Katzen | Ausgestorbenes Säugetier | Speläologie
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