Als Höhere Töchter- oder Höhere Mädchenschule (regional auch Lyzeum) bezeichnete man um 1900 eine Mädchenschule auf der Ebene der Sekundarstufe I, d.h. für ca. die 5.-10. Klasse nach dem heutigen Schulsystem.
Der Begriff ist eine Zusammensetzung aus "Höhere Schule" und "Töchter" oder "Mädchen". Als Höhere Schulen bezeichnete man damals Schulen, deren Unterricht über den der Elementarschule und Volksschulen hinausging und eine allgemeinere "geistige Bildung" (Brockhaus 1896/97) zum Ziel hatte. Höhere Töchter- oder Mädchenschulen waren demnach Höhere Schulen für Mädchen, die damals so genannten "Töchter". Im Unterschied zu Gymnasien (den Höheren Schulen für Knaben) aber fehlte in den Höheren Mädchenschulen die studiumsvorbereitende Oberstufe (s. Sekundarstufe II) und der zu einem Hochschulstudium qualifizierende Abschluss des Abiturs. Die Höhere Töchterschule endete ca. mit dem 15./16. Lebensjahr. Der Besuch eines Lehrerinnenseminars war lange Zeit die einzige Möglichkeit einer weiterführenden und berufsqualifizierenden Schulbildung für junge Frauen. Erst in den 1890er Jahren wurden vereinzelt spezielle Mädchengymnasien und Mädchengymnasialkurse eingerichtet, die als Ersatz für die fehlende Oberstufe der Mädchenschule eintreten konnten.
Der Name "Höhere Töchterschule" wurde oft missverstanden als 'Schule für höhere Töchter' - ein Missverständnis, das durch die Praxis der Mädchenschulbildung um 1900 allerdings mehr als nahelag. Denn der Besuch einer Höheren Töchterschule war zwar durch die allgemeine Schulpflicht (meist bis zum 14. Lebensjahr) halbwegs garantiert, das veranschlagte Ziel der allgemeineren "geistigen Bildung" wurde jedoch nicht in allen Höheren Mädchenschulen gleich ausgelegt. Das Hauptziel war die Vorbereitung der jungen Mädchen auf ihre späteren häuslichen Pflichten als Gattin und Mutter. Wohlhabendere (groß)bürgerliche und adlige Familien, die sich ein Schulgeld leisten konnten und denen es um eine etwas ernster zu nehmende Bildung ihrer Töchter zu tun war, schickten sie deshalb lieber in private Bildungsinstitute oder Mädchenpensionate, die den Anforderungen einer 'Höheren Schule' eher gerecht wurden. Töchter weniger gut gestellter Familien verließen die Höhere Mädchenschule häufig schon vorzeitig, sobald sie ihre Schulpflicht erfüllt hatten, weil andere häusliche Aufgaben auf sie warteten und Bildung in Bezug auf junge Frauen keinen hohen Stellenwert hatte.
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"Höhere Töchterschule".
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