Das Gymnasium Adolfinum (kürzer Adolfinum) befindet sich in der Innenstadt von Moers in Nordrhein-Westfalen und hat etwa 1.100 Schüler (Stand 2006). Die Schwerpunkte des 1582 als schola illustris gegründeten, vormals altsprachlichen Gymnasiums sind Fremdsprachen und der mathematisch-naturwissenschaftliche Bereich.
Neben den üblichen Leitsätzen zur Bildung und pädagogischen Erziehung ist die Förderung besonders begabter Schüler ein Kernelement. Hier werden in einem Erweiterungsprojekt für ausgewählte Schüler der Sekundarstufe I Betreuung bei der Bearbeitung ergänzender, teilweise parallel zum Unterricht durchgeführter Projekte angeboten. Schüler der Sekundarstufe II erhalten die Möglichkeit, parallel zum Unterricht Vorlesungen an der Universität zu besuchen. Bei diesem Projekt arbeitet die Schule mit dem Projekt für Begabtenförderung der Universität Nimwegen, dem Stedelijk Gymnasium Nimwegen und der regionalen Schulberatungsstelle in Duisburg zusammen. In der Jahrgangsstufe 5 wurde eine besondere Freiarbeitsklasse nach Maria Montessori eingerichtet, die jeweils bis in die Jahrgangsstufe 8 fortgeführt wird.
Das Schulprogramm und die pädagogischen Konzeptionen werden in Arbeitskreisen fortgeschrieben. Es bestehen Arbeitskreise zu den Themen Schulprogramm, Schulentwicklung, Oberstufe, Mittelstufe, Multimedia, Begabtenförderung, Freiarbeit und Latein PLUS. In die vom Lehrerkollegium getragenen Arbeitskreise werden auch Schüler und Eltern eingebunden. Insbesondere zu Fragen der Begabungsförderung werden auch Kontakte zum Gymnasium Nimwegen genutzt.
Als Ergebnis dieser Arbeit entstand zuletzt eine Gedenktafel für die jüdischen Schüler, die in einer Schulfeier am 27. November 2000 in Anwesenheit von Vertretern der oberen Schulbehörde und des 2006 verstorbenen, ehemaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, auf dem Gelände des Schulhofes als Mahnmal eingeweiht wurde. Paul Spiegel betonte in seiner Rede: "Nicht wir Juden benötigen dieses Denkmal, sondern Sie als Schulgemeinschaft, um die Erinnerung an den Holocaust dauerhaft wach zu halten."
Das Jahr 1634 war für die Schule auch deshalb von Bedeutung, weil auf Veranlassung der Niederländer eine grundlegende Schulsatzung geschaffen wurde. Oberstes Leitungsgremium war der „senatus scholasticus“ dem der jeweilige Statthalter, der Stadtmagistrat (sofern evangelisch), die Geistlichen, die Professoren und der Rektor angehörten. Die laufenden Geschäfte führten alle zwei Jahre neu zu wählende Scholarchen. Themen der Oberstufe waren Institutionen des römischen Rechts, theoretische Philosophie, Mathematik und Physik, praktische Philosophie bestehend aus Ethik, Politik und Oekonomik sowie Logik und höhere Beredtsamkeit. Einer der Professoren dieser Zeit war Dr. Wiricus Scriba, der in Moers Physik und Hebräisch unterrichtete, und der bei der Gründung der Universität Duisburg dort eine Professur für Medizin und morgenländische Sprachen erhielt (vgl. Heinz 1932, S. 24).
Der Unterricht am Gymnasium dieser Zeit war fast ausschließlich auf die alten Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch ausgerichtet. Allein Latein nahm einen Umfang von 30 Wochenstunden ein, so dass für den sonstigen Stoff nur wenig Raum blieb. Ursache dieser Verteilung war, dass man das Gymnasium ganz überwiegend als Vorstufe in der Ausbildung von Pfarrern betrachtete.
Ein erfreuliches Ereignis mit besonderer Wirkung auch für die Folgezeit war die formell auch noch heute existierende Stiftung des ehemaligen Moerser Schülers und braunschweigisch-lünerburgischen Bergrates zu Clausthal, Peter Hartzingh, vom 20. April 1680, in der dieser die Hälfte seines Vermögens, überwiegend bestehend in Kuxen, in die sogenannte Hartzingh-Klausthalsche Stiftung einbrachte. Zweck dieser Stiftung war es, mittellosen evangelischen Kindern der Stadt den Besuch der Schule zu ermöglichen und ihnen, sofern sie studierfähig waren, auch noch ein „Stück Geld“ zukommen zu lassen. Von diesem Stiftungsvermögen profitierten viele Schüler bis ins 20. Jahrhundert.
Nach dem Wiener Kongress 1815 kam Moers wieder an Preußen. Nach den Stein-Hardenbergischen Reformen und der Bildungsreform Humboldts veränderte sich die preußische Schullandschaft. Der Antrag von Moers, wieder ein Gymnasium einzurichten, wurde zugunsten Duisburgs abgelehnt, wo die Universität geschlossen worden war. Das Adolfinum erhielt stattdessen 1821 den Status eines Progymnasium. Dies bedeutet, dass nur noch bis zur Sekunda ausgebildet wurde und die Schüler danach für den Übergang zur Universität ein Vollgymnasium besuchen mussten. Insbesondere der Besuch auswärtiger Schüler, für die diese Lösung wenig attraktiv war, nahm nicht mehr den Umfang früherer Zeiten an. Damit war der Schule ein wesentlicher Teil ihrer Finanzierung entzogen. Die ländliche Bevölkerung von Moers wie auch die Handwerker und Kaufleute hatten darüber hinaus eher ein Interesse daran, die Schule in eine höhere Stadtschule umzuwandeln, in der die immer mehr modern werdenden „Realwissenschaften“ sowie Englisch bevorzugt unterrichtet wurden. Die Schulleitung versuchte dem Rechnung zu tragen, indem sie vor der Sekunda die Schüler wählen ließ, ob sie studieren oder nach der Schule einen praktischen Beruf ergreifen wollten. Für diese Schüler wurden in der Sekunda in höherem Maße moderne Sprachen (Englisch und Französisch) sowie Naturwissenschaften unterrichtet. 1828 kam es zu einem Versuch, das Progymnasium mit einer Elementarschule zu integrieren. Als hierdurch der Status des Progymnasiums in Gefahr geriet, wurde der Zusammenschluss bereits 1833 wieder aufgegeben. Im Jahre 1820 war das Lehrerseminar in Moers durch Adolf Diesterweg begründet worden. Dieser war von 1822 bis 1824 auch in Nebentätigkeit als Lehrer am Adolfinum tätig. Nachdem Diesterweg aufgrund des schnell wachsenden Seminars selbst keine Zeit mehr hatte, war aber laufend ein Lehrer des Seminars auch am Progymnasium tätig. Im Gegenzug wurde am Seminar der Religionsunterricht wie auch der Musikunterricht teilweise durch Lehrer des Adolfinums abgehalten. Oskar Jäger.jpg Für Preußen war das Adolfinum eine städtische Angelegenheit, so dass dieses über keine staatlichen Mittel zu seiner Finanzierung verfügte. Ohne die Hartzingh-Klaustalsche-Stiftung, aus der zumindest das Gehalt des Rektors finanziert wurde, hätte die Kleinstadt Moers den Schulbetrieb der vier- bis fünfklassigen Schule nicht aufrecht erhalten können. Selbst mit diesen Mitteln lag das Hauptaugenmerk des Scholarchats auf der Sicherstellung des Schulbetriebs überhaupt. Wegen der geringen Gehälter, die nur gezahlt werden konnten, kam es in der Lehrerschaft sehr häufig zu Fluktuation, wenn die Lehrer eine attraktivere Stelle als Pfarrer oder an einer anderen Schule fanden.
Eine grundlegende Veränderung in der schulpolitischen Ausrichtung ergab sich mit der Berufung von Dr. Oskar Jäger als Rektor des Adolfinum im Jahre 1862. Jäger verschärfte sowohl bei Schülern als auch bei Lehrern die wohl arg eingerissene Disziplin und weckte die Vorstellung, aus dem Progymnasium wieder ein Vollgymnasium zu machen. Unter Jäger wurde auch erstmals katholischer Religionsunterricht erteilt. Schon nach kurzer Zeit erreichte er mit dem veränderten Geist in der Schule eine Verdopplung der Anmeldezahlen und eine deutliche Unterstützung seiner Pläne beim Scholarchat. Gegenüber 62 Schülern im Jahr 1861 stieg die Zahl 1862 auf 102 Schüler an. Es kam wieder zu verstärkten Spenden der Bürger und einer veränderten Einschätzung seitens der Schulaufsichtsbehörde in Hinblick auf die Ausbaufähigkeit der Schule. Jäger verließ das Adolfinum zwar schon wieder 1865, um Rektor in Köln zu werden, doch die veränderte schulpolitische Situation war angestoßen.
Moers war in dieser Zeit eine ländliche Kleinstadt von 3.000 Einwohnern ohne Eisenbahnanschluss, in der noch die Nachtwächter die Zeit ausriefen und die Postillione ihren Dienst taten. Als Kreisstadt hatte es eine gewisse Bedeutung für die Umgegend. Neben der „Gesellschaft Societät“, in der sich die Honoratioren der Stadt trafen, dem gemischten Chor und den Bürgerschützen-Vereinen war das Adolfinum die wichtigste Kultureinrichtung. Eine entsprechende Aufmerksamkeit hatte Zahn als Schulleiter in der Öffentlichkeit der Stadt, zumal er der Sohn des langjährigen, auch überregional anerkannten Leiters des Moerser Lehrerseminars, Ludwig Zahn, war.
Aus der reformierten Tradition kommend, war Zahn ein engagierter Verfechter des humanistischen Gymnasiums, von dem es hieß, er habe Latein ebenso gut wie Deutsch gesprochen. Er sah in Abgrenzung zu den realwissenschaftlichen Schulen das Ziel für das Adolfinum darin, eine hochwertige humanistische Bildung zu vermitteln. Entsprechend klagte er, als in den 1880er Jahren der Lateinunterricht in der Oberstufe von 9 auf 8 und in der Unterstufe von 10 auf 9 Stunden verkürzt wurde. In dieser Zeit war es durchaus üblich, im sogenannten „Extemporale“ deutsch diktierte Sätze unmittelbar in das Lateinische zu übersetzen. Eine andere Übung war die Übersetzung des Kommentars der Kölnischen Zeitung und das Abfassen eines kritischen Kommentars hierzu auf Latein.
Aus der Bevölkerung gab es eine Reihe Klagen über das hohe Anforderungsniveau der Schule. Zahn blieb in diesem Punkt sehr restriktiv, befürwortete eine strenge Auswahl der Schüler bei der Aufnahme und lehnte einen Ausbau der Schule durch Steigerung der Schülerzahl ab. Der Geist der Schule war im Übrigen von Nationalstolz und vaterländischen Gedanken geprägt. Im Vordergrund der Erziehung standen Pflicht, Anstand, Fleiß und Pietät gegenüber Vaterland und Kirche.
Während der 300-Jahrfeier 1882 kam es zur Gründung eines Fonds für einen Schulneubau. Die Schülerzahl war deutlich auf ca. 180 gestiegen und es gab auch wieder eine Reihe externer Schüler. Das aus sechs Klassenräumen bestehende Schulgebäude war nunmehr deutlich zu klein. Für 14 der sogenannten Alumnen wurde am 2. April 1885 das Martinsstift in Fild eröffnet. 1890 kam das Johanneum an der Uerdinger Straße hinzu, wo die Söhne von Missionaren der Rheinischen Missionsgesellschaft von Barmen, die das Adolfinum besuchten, untergebracht waren. Die vorhandenen Mittel und die Möglichkeiten der Stadt reichten jedoch für einen Neubau und die Fortführung der Schule in einem größeren Rahmen nicht aus. So entschloss man sich, mit den Schulbehörden wegen einer Verstaatlichung der Schule, wie sie auch andernorts durchgeführt worden war, in Verhandlungen einzutreten. Zahn, unterstützt von den Pfarrern der evangelischen Gemeinde, war mit diesem Weg nicht einverstanden, weil er den Verlust des kirchlichen Einflusses auf die Auswahl der Lehrer und der Unterrichtsinhalte befürchtete, doch Bürgermeister Kautz und die Vertreter des Magistrats der Stadt im Scholarchat setzten sich durch.
Nach mehrjährigen Verhandlungen ging das Adolfinum 1893 nach einem Zuschuss der Stadt dann in die Trägerschaft des preußischen Staates über. Bei den Verhandlungen war es gelungen, den evangelischen Charakter der Schule zu erhalten. Der Neubau wurde unmittelbar in Angriff genommen. Bis 1896 war das Gymnasium Adolfinum im Gebäude des früheren Karmeliterklosters untergebracht, danach bezog es das neuerbaute Schulgebäude an der Homberger Straße. Einerseits durch die wachsende Industrialisierung, andererseits durch den geringeren Einfluss der Bürgerschaft infolge der Verstaatlichung hatte das Adolfinum zwar an Bedeutung für die Stadt verloren, jedoch durch die abgesicherte Finanzlage an Stabilität gewonnen.
Der Beginn des 1. Weltkrieges wurde mit Begeisterung aufgenommen, die jedoch bald der Ernüchterung wich. Ein Schüler berichtete:
1919 übernahm Friedrich Heinz die Schulleitung für die nächsten 25 Jahre. Er unterrichtete Geschichte, alte Sprachen sowie evangelische Religion und passte sich gut der kirchlich konservativen Tradition des Adolfinums an. Er war Mitglied der DVP, bei der er dem Ausschuss für Schulfragen im Kreis Düsseldorf zeitweilig leitete. Dem distanzierten Verhältnis der DVP zur neuen Republik entsprachen auch die Ansichten Heinz, einem Offizier des 1. Weltkrieges, der in einer Denkschrift anlässlich „der Befreiung der Grafschaft Moers von feindlicher Besatzung“ (Ende der Ruhrbesetzung) an den Skageraktag 1916 als einen der stolzesten Tage erinnerte und nach einer Lobrede auf die Personen des passiven Widerstandes zu folgendem Schluss fand:
Durch das Wachstum der Stadt im Zuge der Industrialisierung und des Ausbaus im Bergbau wuchs auch die Schülerzahl des Adolfinums in erheblichem Umfang. 1924 wurde in Moers eine Realschule gegründet, die in den ersten vier Jahren unter der gemeinsamen Leitung von Heinz stand. 1925 wurde bekannt, dass das Lehrerseminar in Moers geschlossen werden sollte. Die Stadt und mit ihr Heinz bemühten sich zur Kompensation um die Angliederung einer Oberschule in Aufbauform an das Adolfinum. Wesentlicher Diskussionspunkt in der Bevölkerung war dabei die konfessionelle Bindung. Außerdem wurde von Vertretern der Arbeiterschaft befürchtet, dass die Aufbauschule zum Absterben der Realschule führen könnte und so den Kindern der Bergarbeiter ein wichtiger Bildungsweg wieder genommen würde. Von katholischer Seite wurde anstelle einer konfessionellen Lösung der Ausbau der Realschule bis zum Abitur gefordert. Moers_Lehrerseminar.jpg Mit Stimme des Bürgermeisters kam es im Rat schließlich mit 16 zu 15 Stimmen zur der Entscheidung für die Errichtung einer nicht konfessionell gebundenen Aufbauschule als Teil des Adolfinums ab 1926. (Klein-Reesink, 150ff.) Für das Adolfinum bedeutete dies eine Aufwertung, aber auch in mehrfacher Hinsicht strukturelle Veränderungen. Im gemeinsamen Kollegium waren nun auch katholische Lehrer vertreten. Die Aufbauschule wurde von vornherein naturwissenschaftlich ausgerichtet und koedukativ geführt. Zugleich veränderte sich die Sozialstruktur der Schüler. Am Adolfinum gab es nur wenige Bergarbeiterkinder. Die Aufbauschüler stammten hingegen überwiegend aus den unteren Schichten, in denen die Schulentscheidung für eine höhere Schule zunächst nicht in Frage gekommen war, bei denen sich aber mit Abschluss der Volksschule aufgrund guter Leistungen eine Fortführung der Schulausbildung anbot. Die Aufbauschule war damit ein wichtiger Schritt in Hinblick auf die Durchlässigkeit des Schulangebotes in Moers. 1928 zog das Gymnasium als Doppelanstalt in das vollständig umgebaute Lehrerseminargebäude am Ostring ein und fand so für die mit den Aufbauschülern weiter wachsenden Ansprüche an Raumbedarf eine angemessene Unterbringung mit gesonderten naturwissenschaftlichen Räumen und einer eigenen modernisierten Turnhalle. Im Laufe der Zeit stieg die Schülerzahl auf über 600.
Im Oktober 1932 wurde die 350-Jahrfeier in großem Stil begangen mit Gottesdiensten und Festreden vor hohen Schulbeamten und wichtigen Vertretern von Kirchen und Universitäten. Den Schlusspunkt setzte nach einem Fackelzug zum Neumarkt eine vaterländische Ansprache von Heinz mit einem Hoch auf den Reichspräsidenten Hindenburg und dem Deutschlandlied.
Bis auf einige eindeutige äußere Zeichen veränderte sich der Schulalltag zunächst wenig. Hitler-Bilder wurden in den Klassen aufgehängt, es gab den Zwang zum Hitlergruß beim Unterrichtsbeginn und Beflaggung an Gedenktagen. Viele nationale Themen, die auch vorher schon positiv besetzt waren, wurden nun vom NS-Regime vereinnahmt. Kaum jemand hatte Probleme hiermit. Schwieriger waren die Erlasse, die die Unterrichtsinhalte veränderten, wie z.B. zur Vererbungs- und Rassenlehre oder über Schülerauslese an höheren Schulen. Besonders betroffen war der Deutschunterricht, in dem Reden von NS-Größen aufgrund von Erlassen behandelt werden mussten. Direktor Heinz hat in dieser Zeit auf konsequente Umsetzung der von außen kommenden Anforderungen geachtet und es – wie von vielen Seiten positiv bestätigt wird – damit erreicht, dass der Zusammenhalt im Kollegium wie bei Schülern nach Innen gewahrt blieb und jeglicher umfangreiche Eingriff von außen unterblieb. Auf Widerstreben der Lehrerschaft stieß der Erlass, nichtversetzte Schüler, die sich vor 1933 nationalsozialistisch betätigt hatten, nachträglich zu versetzen. Die meisten Anträge wurden allerdings umgesetzt. Neben Freistellungen für NS-Veranstaltungen wurden vielfach für Schüler und Lehrer Schulungslager durchgeführt, in denen nationale Gesinnung und Sportlichkeit eingeübt wurden.
Nur wenige Lehrer waren direkt in der Partei aktiv wie die Studienräte Dr. Rendenbach (sen.) als Propagandaleiter („Kulturreferent“), Spahr ab 1932 Vertrauensmann der Partei für das Adolfinum oder Abendroth, der als Mitglied seit 1928 das goldene Parteiabzeichen erhielt. Ebenso wenige – genannt wird immer wieder der spätere Direktor Dr. Marx – zeigten offene Distanz zu den Machthabern. Für sich und damit für fast alle anderen Kollegen stellte Marx im Nachhinein fest:
Mit Kriegsbeginn wurde der Unterricht immer mehr eingeschränkt, auch wenn man sich bemühte, den Alltag so normal wie möglich zu halten. Viele Lehrer mussten zum Militär, so auch Heinz, der bis 1944 im Kriegsministerium als Oberst Dienst in Berlin leistete. Ersatz gab es durch eine Reihe jüngerer Lehrerinnen. Aula, Turnhalle und einige weitere Räume waren durch militärische Hilfsdienste belegt. Ab 1943 kam es immer wieder zu Luftangriffen der Alliierten. Viele Schüler der Oberstufe taten Dienst als Luftwaffenhelfer bei Flakbatterien und wurden von den Lehrer nachmittags unterrichtet. Ab 1944 wurden im Keller der Schule Nachtwachen eingerichtet, um bei Schäden an der Schule nach Bombenangriffen sofort Löscharbeiten leisten zu können. Erste größere Schäden gab es im Sommer 1944. Wegen der Gefährdung war dann der normale Schulbetrieb ab Oktober 1944 eingestellt worden. Bei einem Bombenangriff am 8. November 1944 wurde das Adolfinum schließlich gänzlich zerstört. Nur die Außenmauern blieben stehen. Glücklicherweise konnten wesentliche Teile der Schulbibliothek gerettet werden. Wichtige Akten zur Schulgeschichte gingen jedoch verloren. Im Dezember 1944 gab es konkrete Planungen, den gesamten Schulbetrieb nach Tschechien zu verlagern, doch davon wurde aufgrund der Kriegsentwicklungen schließlich abgesehen. Der bis zur Befreiung am 4. März 1945 nur noch provisorisch stattfindende Unterricht wurde in Kleingruppen in privaten und öffentlichen Bunkern erteilt.
Von der Lehrerschaft standen bald die meisten wieder zur Verfügung; einige verspätet durch Kriegsgefangenschaft, einige verspätet aufgrund der Entnazifizierung. Zwei Lehrer durften aufgrund ihrer NS-Vergangenheit nicht wieder unterrichten. Einer, der später zurückkam, war Dr. Karl Rendenbach, der sich vielseitig als Begründer der Gruppe 45, eines Literaturkreises, als Vorsitzender des Jugendfilmklubs und vor allem als Regisseur einer Vielzahl hochwertiger Theateraufführungen an der Schule um die kulturelle Bildung der Adolfiner verdient gemacht hat. Er war einer der wenigen, die sich offen zu ihrer NS-Vergangenheit bekannten: „ Jawohl, ich war in der Partei. Und als der Krieg verloren war, habe ich gemerkt, dass ich scheinbar der einzige war. Seitdem frage ich mich immer wieder, wie der Hitler und ich das alles allein geschafft haben.“ (Felbinger, in: Adolfinum 1982, 158).
Die hohe Anzahl von Flüchtlingen aus der DDR, die nach Moers kamen, führte dazu, dass an der Aufbauschule 1956 und 1961 je eine Klasse anstelle von Latein Unterricht in Russisch erhielt. Bedingt durch die geburtenstarke Jahrgänge und eine veränderte Einstellung zur Schulbildung stiegen die Schülerzahlen enorm, obwohl im ursprünglichen Einzugsbereich des Adolfinums weitere Gymnasien (Kamp-Lintfort, Rheinkamp und Rumeln) entstanden. Als 1963 die Schülerzahl 900 überschritt, wurden auf dem Schulgelände fünf Unterrichts-Pavillons (Baracken mit je zwei Klassenräumen) errichtet. Den Höchststand erreichte die Schule 1969 mit 1383 Schülern, davon 569 Aufbauschüler, und 63 Lehrern. Als Konsequenz wurde 1971 in Moers ein drittes Gymnasium (In den Filder Benden) errichtet, dessen Stamm an Schülern und Lehrern durch Verselbständigung und Übergang des Aufbaugymnasiums an diese Schule entstand.
Schulpolitisch brachten die 1970er Jahre einige Veränderungen. Ab 1973 wurde in den Latein-Sexten und ab 1977 in den Englisch-Sexten der Unterricht koedukativ durchgeführt. 1974 wurde die Schule wieder in die Verantwortung der Stadt übertragen. Die dritte, wohl gravierendste Veränderung war die Oberstufenreform. Aufgrund der so genannten „Enttypisierung“ verlor das Adolfinum seinen Status als altsprachliches Gymnasium. Die Wahlmöglichkeiten der Schüler im Kurssystem der Oberstufe brachte eine erhebliche Erweiterung der für das Abitur relevanten Schulfächer. Durch Kooperation mit dem ehemaligen Aufbaugymnasium und dem Grafschafter Gymnasium (ehemaliges Lyzeum) gelang es recht gut, den erweiterten Anforderungen zu genügen und entsprechend der Nachfrage auch in den oftmals weniger frequentierten naturwissenschaftlichen Fächern Chemie und Physik Leistungskurse anzubieten. Adolfinum Lageplan.png War mit dem Auszug des Aufbaugymnasiums die Schülerzahl drastisch auf 675 gesunken, so stieg sie nicht zuletzt durch die Koedukation und die Einführung von Englisch als Anfangssprache in den Folgejahren kontinuierlich wieder an. Damit stellte sich auch bald wieder das Problem der Raumnot, zumal der bauliche Zustand äußerst problematisch war. Insbesondere die Baracken und das Hofgebäude waren in einer bedenklichen Verfassung. Mit Übernahme der Schule durch die Stadt hatte diese aber dem Land die Zusage für die Finanzierung eines Neubaus abgerungen. Nach längeren, manchmal schwierigen Verhandlungen wurde das neue Gebäude schließlich 1979 fertiggestellt. Seitdem verfügt die Schule über ein modernes, für 1100 Schüler auskömmliches Raumangebot. Vor allem für die naturwissenschaftlichen Fächer gibt es eine umfangreiche und zeitgemäße Ausstattung. 1981 kam eine Dreifach-Turnhalle im hinteren Teil des Geländes hinzu, die auch größere Veranstaltungen zulässt und durch eine Ausstattung für eine Mehrzwecknutzung eine Einbindung der schulischen Infrastruktur in das kulturelle Leben der Stadt ermöglicht.
Unruhe an den Moerser Gymnasien entstand Anfang der 1980er Jahre als die Stadt begann, das Bildungsangebot um eine integrierte Gesamtschule zu erweitern. Es gab Überlegungen im Rat, dass das Adolfinum „durch seine optimale Lage in der Stadtmitte und auch räumlich günstige Voraussetzungen liefert.“ Man wehrte sich mit Öffentlichkeitsarbeit und Unterschriftsaktionen. Im Laufe der Zeit kam es zur Bildung von drei Gesamtschulen in Moers, die die Existenz der Moerser Gymnasien nicht beeinträchtigen.
Zur Abrundung der Infrastruktur wurde schließlich der renovierungsbedürftige Altbau in den Jahren 2004 bis 2006 grundlegend saniert und im Dachgeschoss deutlich erweitert. Im Jahr 2007 wird die Schule 425 Jahre alt.
| Zeitraum (von - bis) | Schulleiter | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1582 - 1585 | Johannes Sniekelius Reidanus | Dr. der Jurisprudenz, Stellvertreter war Johannes Piscator |
| 1586 - 1603 | --- | Während der Besetzung von Moers durch Spanier war die Schule geschlossen. |
| 1603 - 1619 | ??? | |
| 1620 - 1622 | Jonas Olaus | Norweger, ging als Pastor nach Krefeld |
| 1622 - 1626 | Johann Timmermanns | Bremen, ging als Pastor nach Hochemmerich |
| 1627 - 1631 | ??? | |
| 1631 - 1632 | Johannes Carpius | |
| 1632 | Bernardus Isaacks | |
| 1633- 1655 | ??? | keine genaueren Angaben, Rektor innerhalb diese Zeitraumes: David Rismanus |
| 1656 - 1661 | Gerhardus a Grevenbruk | evtl. schon früher; ging nach Nimwegen |
| 1661 - 1668 | Seither | danach Pfarrer in Moers |
| 1668 - 1680 | Snethlage | danach Pfarrer in Moers |
| 1680 - 1693 | Hermann Kruse | *1640 in Moers, Schüler des Adolfinum, Studium in Duisburg, 1665-1679 Rektor in Elberfeld (heutiges Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium), als Dichter bekannt |
| 1693 - 1698 | Petrus Eenmann | aus Neukirchen, Schüler des Adolfinum, Renovierung der Schule, Erweiterung auf Klassen und einen Hörsaal, führte tägliche Andachten ein |
| 1698 - 1702 | Johannes Godescalus Wulffingius (Wülfing) | aus Elberfeld, ging an die Universität Duisburg |
| 1702 - 1712 | vakant | Während des Interregnum (Übernahme der Regentschaft durch Preußen durch Erbfolge nach 10 jähriger Gegenwehr der Niederländer) leitet Konrektor Arnold Merckens die Schule. |
| 1713 - 1728 | Bernhard Steenhelt | |
| 1728 - 1735 | Bernhard Pagenstecher | (vermutlich Moerser), ging nach Alkmar |
| 1735 - 1747 | Bruckmann | |
| 1747 - 1748 | vakant | |
| 1748 - 1769 | Johann Jacob Schmitt | aus Herborn |
| 1769 - 1793 | Conrad Heinrich Riema | Schwiegersohn Schmitt’s aus Bacharach, auf Druck des Scholarchats wird Französisch als Schulfach eingeführt |
| 1793 - 1801 | Friedrich Adolf Krummacher | ging an die Universität Duisburg |
| 1801 - 1821 | vakant | während der Franzosenzeit (seit 1794) halten die Lehrer Neumann und Limborg, ab 1813 Stapelmann einen Schulbetrieb aufrecht. |
| 1821 - 1832 | Dr. Karl Hoffmeister | bekannter Verfasser einer Schiller-Biographie, ging als Oberlehrer an das Friedrich-Wilhelm Gymnasium in Köln, Einführung eines alternativen Englischunterrichts in den beiden oberen Klassen, um auch den Abschluss einer Höheren Bürgerschule zu ermöglichen, Adolf Diesterweg als Lehrer tätig (1822-1824) |
| 1833 - 1861 | Johann Scotti | aus Köln |
| 1862 - 1865 | Dr. Oscar Jäger | aus Stuttgart, Einführung von Klassenbüchern, einer Schulglocke, von Fachkonferenzen und einer Schülerbücherei, Beginn der Aktivitäten zur Umwandlung in ein Vollgymnasium, Regionalpolitiker, diverse Veröffentlichungen zur Pädagogik und antiken Geschichte, ging als Direktor an das Friedrich-Wilhelm Gymnasium in Köln |
| 1865 - 1868 | Albert Moritz Theodor Rohde | aus Hamburg, ging als Direktor nach Wittenberg |
| 1868 - 1870 | Dr. Hermann Friedrich Perthes | aus Bonn, ging als Direktor nach Treptow, durch Sammlungen gelingt es die Umwandlung in eine Höhere Bürgerschule zu verhindern |
| 1870 - 1900 | Dr. Johannes Zahn | aus Dresden, Sohn des langjährigen Leiters des Moerser Lehrerseminars Ludwig Zahn, Umwandlung in ein Vollgymnasium (1873), Errichtung des Martinsstiftes für Alumni (1885), Verstaatlichung (1893), Schulneubau an der Homberger Straße (1898) |
| 1900 - 1909 | Dr. Hermann Caesar | ging anschließend nach Wetzlar |
| 1909 - 1912 | Dr. Bernhard Heie | vertrat reformpädagogische Ansätze und befürwortete eine lateinlose Schule in Moers, wurde Oberschulrat |
| 1912 - 1917 | Hoerle | Während des Krieges vertreten durch Oberlehrer Hofius |
| 1917 - 1919 | Schmitt-Hartlieb | |
| 1919 - 1945 | Professor Friedrich Heinz | Errichtung der Aufbauschule (1926), Umzug in des ehemalige Lehrerseminar an der Wilhelm Schröder Straße (1928), Umwandlung in eine Oberschule für Jungen im Zuge der Reichsschulreform (1937) bei voller Aufrechterhaltung der Aufbauschule, Zerstörung des Schulgebäudes (1944), Promotion 1952 |
| 1945 - 1947 | Dr. Wilhelm Marx | Leitung nur kommissarisch, während Heinz dauerhaft erkrankt ist, Beginn des Unterrichts im Martinsstift (15. Oktober 1945) aus Platzgründen in zwei Schichten mit über 600 Schülern |
| 1947 - 1949 | Dr. Bruno Prehn | ging als Direktor an das Friedrich-Wilhelm Gymnasium in Köln |
| 1950 - 1972 | Dr. Wilhelm Marx | Starkes Schulwachstum bis auf 1325 Schüler (1969), Verselbständigung der Aufbauschule (1971, Gymnasium an den Filder Benden) |
| 1972 - 1973 | vakant | Dr. Frentz leitet die Schule kommissarisch |
| 1973 - 1974 | Dr. Harzem | wechselt anschließend in das Schulkollegium, Übergang der Trägerschaft an die Stadt Moers (1974) |
| 1974 - 1976 | vakant | Dr. Rendenbach leitet die Schule kommissarisch |
| 1976 - 1998 | Joachim Bank | Einführung der reformierten Oberstufe; Errichtung des Neubaus und der Mehrzweckhalle (1981). |
| 1998 - 1999 | vakant | kommissarische Schulleitung durch Heinz Plonka |
| 1999 - 2003 | Michael Schopp | Entwicklung eines Schulprogramms; Einführung einer Freiarbeitsklasse |
| 2004 - 2006 | Heinz Plonka | Renovierung des Altbaus |
| seit Feb. 2006 | Hans van Stephoudt | |
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