Das Gwangju-Massaker oder Massaker von Gwangju entstand aus einer eskalierten Demonstration in der südkoreanischen Stadt Gwangju im Jahr 1980. Es gilt als Symbol für die Unterdrückung der Demokratiebewegung in Südkorea in den 80er Jahren.
Vorgeschichte
Nach dem Attentat auf den seit 1961 regierenden Diktator
Park Chung-hee Ende 1979 hatte Premierminister
Choi Kyu-ha das Amt des Präsidenten von Südkorea übernommen, de facto wurde das Land aber weiterhin von der Armeeführung beherrscht, in der sich
Chun Doo-hwan im Dezember 1979 an die Spitze geputscht hatte. Nach der Auflösung der Nationalversammlung und nach dem Anschwellen der Demokratiebewegung wurde am
17. Mai 1980 der landesweite Ausnahmezustand ausgerufen.
Verlauf
Die Proteste in
Gwangju entzündeten sich an der Schließung der dortigen Universität infolge des Ausnahmezustands am
18. Mai. Viele Bewohner der Stadt schlossen sich nach ersten Zusammenstößen mit der Polizei den Demonstrationen an. Daraufhin wurde die Stadt von der Armee abgeriegelt. Nachdem es bei Zusammenstößen mit Armeetruppen erste Todesopfer gegeben hatte, stürmten einige der Demonstranten Polizeireviere, um sich zu bewaffnen.
Am neunten Tag nach Ausbruch der Proteste stürmte die Armee das Hauptversammlungszentrum der Demonstranten. Innerhalb von 90 Minuten hatte sie die Lage unter Kontrolle gebracht, dabei wurden mindestens 200 Demonstranten getötet, weitere 1000 schwer verletzt und mehrere Tausend festgenommen. Nach Aussagen von Zeugen wurden die Gefangenen schwer misshandelt und viele überlebten die teilweise monatelange Gefangenschaft nicht.
Bewertung und Folgen
Das Geschehen kann nur aus der besonderen politischen Situation Südkoreas verstanden werden. Die koreanischen Studenten waren und sind zu einem Großteil sehr nationalbewußt, und deshalb zwangsläufig sehr amerikakritisch, sowie unermüdliche Verfechter der koreanischen Wiedervereinigung. Da sie hierbei auch Sympathie für
Nordkorea zeigten und dies auch bei Demonstrationen öffentlich machten, waren sie ständig im Blickfeld der Sicherheitsorgane wie Polizei und Geheimdienst. Gwangju ist die Hochburg der koreanischen Katholiken, die im Lande selbst eine Minderheit sowohl unter den Christen als auch den anderen Religionen bilden. Ihr politischer Führer war
Kim Dae-jung, der von den Militärregimes als Staatsfeind verfolgt wurde. Hinzu kam die Tatsache, daß die Herrschenden fast alle aus den
Gyeongsang-Provinzen kamen und die
Jeolla-Provinzen um Gwangju an den staatlich gelenkten Investitionsprogrammen kaum teilhatten, was die dortige Bevölkerung in die Arme der Opposition trieb.
Der verantwortliche Armeechef Chun Doo-hwan übernahm im Februar 1981 das Präsidentenamt, nachdem sein Vorgänger Choi Kyu-ha im August 1980 zurückgetreten war. Er behielt das Amt bis 1988, wonach eine allmähliche Aufarbeitung der Ereignisse begann. Eine in den 90er Jahren eingesetzte Kommission gab die Zahl der Opfer des Gwangju-Massakers mit 207 Toten und etwa 1000 Schwerverletzten an. Opferorganisationen gehen von mindestens 1000 Toten und 15.000 Verletzten aus.
Die Opfer wurden auf einem eigenen Friedhof bestattet, an dem später eine nationale Gedenkstätte eingerichtet wurde.
Literatur
- Scott-Stokes, Henry & Lee Jai Eui (eds.): The Kwangju Uprising: Eyewitness Press Accounts of Korea's Tiananmen. Armonk & London: M.E.Sharpe. ISBN 0-7656-0637-2
Weblinks
- http://www.518.org Organisation (kor./engl.)
- http://cyber518.gwangju.kr/ Virtuelles Museum (kor./engl.)
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