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Guy Mollet (* 31. Dezember 1905 in Flers (Normandie); † 3. Oktober 1975 in Paris) war in den Jahren 1956-1957 Premierminister Frankreichs.

Mollet war der Sohn eines Textilarbeiters, erlangte seine Ausbildung in Le Havre und wurde dann in Arras Englisch-Lehrer. Politisch war er seit 1923 in der Gewerkschaft CGT und für die sozialistische Partei SFIO tätig, deren Sekretär für das Département Pas-de-Calais er 1928 wurde. 1932 wurde er Generalsekretär des Lehrerbundes. Im Zweiten Weltkrieg geriet er 1940 zunächst in deutsche Gefangenschaft und schloss sich nach seiner Freilassung 1942 der Résistance an. 1944 wurde er Bürgermeister von Arras sowie 1945 Abgeordneter in der Nationalversammlung, 1946 bis 1969 Generalsekretär der SFIO; in der Regierung Léon Blum erhielt er mit dem Posten des Staatsministers eine herausgehobene Rolle. Unter René Pleven war er 1950-1951 Europa-Minister und dann stellvertretender Ministerpräsident von Henri Queuille. Mollet vertrat Frankreich 1949 bis 1956 in der Beratenden Versammlung des Europarats, von 1954 bis 1956 Präsident des Europarats und stand den europäischen Sozialisten in der dortigen Ratsversammlung vor. 1951-1969 war er Vize-Präsident der Sozialistischen Internationale. Als Mitglied des Aktionskommitees für die Vereinigten Staaten von Europa von Jean Monnet und entschiedener Atlantiker, trat er für den Beitritt Frankreichs zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) ein, einem Projekt, das definitiv 1954 aufgegeben wurde, das aber zur tiefen Spaltung der SFIO beitrug.

Im Anschluss an die Parlamentswahl vom Januar 1956 entstand eine Koalition der "Front républicain", zu der neben Mollet auch Pierre Mendès-France, François Mitterrand und Jacques Chaban-Delmas zählten, mit Unterstützung der PCF. Sie strebte neben einer sozialen und wirtschaftlichen Modernisierung Frankreichs einen Frieden in Algerien an. Staatspräsident René Coty ernannte Mollet am 31. Januar 1956 zum neuen Regierungschef. Während eines Besuchs in Algier mit der gewaltsamen Feindschaft der Bevölkerung europäischen Ursprungs konfrontiert (6. Februar 1956), engagierte er sich vorzugsweise für eine Politik der Repression und lehnte jede Verhandlungslösung vor einem Waffenstillstand ab. Binnen sechs Monaten verdoppelte er die dort effektiv stationierten Truppen. Das Kabinett Guy Mollet übernahm die Forderung nach einer dritten Woche bezahlten Urlaubs, die « vignette » zur Finanzierung für ältere mittellose Personen und die Maßnahmen zum Wohnungsbau. Im März 1957 unterzeichneten die Minister Christian Pineau und Maurice Faure die Römischen Verträge, die die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) besiegelten.

Die innenpolitischen Ereignisse rückten bald in den Hintergrund, als sich zum einen die Lage in Algerien weiter verschärfte, zum anderen mit der Nationalisierung des Sueskanals durch Gamal Abdel Nasser und der Sueskrise ein neuer Krisenherd entstand. Frankreich entschloss sich nach entsprechenden geheimen Absprachen, an dem offensiven Vorgehen Großbritanniens und Israels teilzunehmen und schickte Truppen nach Ägypten. Der Protest der USA und der Sowjetunion gegen diese Aktion zwang die Invasoren aber schnell zum Einlenken. Während jedoch der britische Premier Anthony Eden zurücktreten musste, konnte sich Mollet, trotz Kritik von linker Seite, als Regierungschef halten, sodass er mit einer Amtszeit von 16 Monaten dem langlebigsten Kabinett der Vierten Republik vorstand. Während die Entkolonialisierung von Marokko und Tunesien wenig Probleme bereitete, stürzte Mollet im Juni 1957 schließlich über das Vorhaben, die Aufstockung des Militärbudgets zur Führung des Algerienkrieges durch Steuererhöhungen zu finanzieren. Im Folgejahr unterstützte er die - nicht zuletzt auf die Ereignisse in Algerien zurückzuführenden - Bemühungen de Gaulles, die Verfassung zu reformieren; unmittelbar vor der Errichtung der Fünften Republik holte de Gaulle daher Mollet in sein Kabinett, wo er erneut Staatsminister wurde. Dort nahm er an den Beratungen zur neuen Verfassung teil. Aus Protest über die Steuer- und Finanzpolitik trat er jedoch 1959 zurück.

In den 1960er Jahren blieb Mollet Vorsitzender der SFIO, die allerdings zunehmend marginalisiert zu werden drohte, sodass es 1971 zu einer Reorganisation als Parti socialiste français (PS) unter Mitterrand kam. Danach widmete er sich der theoretischen Arbeit für das Office universitaire de recherches socialistes (Universitätsinstitut für sozialistische Forschung).

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Mann | Franzose | Premierminister (Frankreich) | Geboren 1905 | Gestorben 1975

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