Gustav Stresemann (* 10. Mai 1878 in Berlin; † 3. Oktober 1929 in Berlin) war ein deutscher Politiker, Reichskanzler sowie Außenminister in der Zeit der Weimarer Republik und Friedensnobelpreisträger (1926).
Im Jahr 1903 heiratete Stresemann Käthe Kleefeld, mit der er zwei Söhne (Wolfgang und Joachim) haben sollte. Während des Studiums war Stresemann Mitglied der Reformburschenschaft Neogermania. Käthe war Schwester eines Verbindungsbruders und Tochter des Industriellen Adolf Kleefeld aus Berlin. Käthe Stresemann, die von jüdischer Abstammung war, spielte eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben Berlins in den 20er Jahren. Nach früheren politischen Sympathien für den Nationalsozialen Verein von Friedrich Naumann begann Stresemann im gleichen Jahr 1903 eine politische Karriere mit dem Eintritt in die Nationalliberale Partei. Stresemann galt als Kronprinz seines politischen Mentors Ernst Bassermann. 1906 wurde er zum Stadtrat in Dresden gewählt. Seine Unterstützung von Sozialmaßnahmen brachten ihn häufiger in Konflikt mit dem rechten Flügel seiner Partei, der durch Angehörige der sächsischen Schwerindustrie dominiert wurde. Dieser Flügel verhinderte 1912 eine Wiederwahl in den Parteivorstand. Nachdem er 1912 auch seinen Sitz im Reichstag verloren hatte, unternahm Stresemann zusammen mit anderen Wirtschaftsexperten eine Studienreise in die USA. Stresemann war Mitglied im Deutschen Kolonialverein und in anderen zahlreichen Verbänden und Vereinen, so der Deutsch-Amerikanischen-Handelsgesellschaft. Stresemann unterstützt die deutsche Flottenpolitik, die als eine Ursache für die Entwicklung hin zum Ersten Weltkrieg gesehen wird.
Gustav Stresemann war ab 1907 mehrmals Mitglied des Reichstags (Wahlkreis in sächsischen Revier Annaberg), zuerst bis 1912, dann wieder von 1914 bis 1918. 1917 wurde er Fraktionsvorsitzender und von 1920 bis 1929 wieder Abgeordneter im Reichstag. Im Jahre 1918 wurde er zum Parteivorsitzenden der NLP gewählt und begründete die rechtsliberale DVP mit. 1923 wurde er während der französischen Ruhrbesetzung für eine kurze Zeit Reichskanzler und blieb bis zu seinem Tod 1929 Außenminister.
Die in Versailles beschlossene Friedensordnung lehnte er als unzumutbar ab. In diesem Vertrag sah er die Entehrung Deutschlands. Aber die moralische Komponente des Vertrages wog für ihn weniger schwer als die wirtschaftlichen und territorialen Konsequenzen. Bezüglich der neuen deutschen Ostgrenzen waren es Zweifel an der historischen Richtigkeit und sicherheitspolitische Überlegungen gegenüber Polen, die ihn zum Gegner der Regelungen werden ließen. Obwohl Stresemann den Versailler Vertrag ablehnte, war er nicht bereit, die Verantwortung für eine Ablehnung dieses Vertrages zu übernehmen, die unzweifelhaft eine militärische Intervention der Alliierten nach sich gezogen hätte. Er kam zu der Einsicht, dass die Wahrung und Durchsetzung der deutschen Interessen nicht gegen, sondern nur auf der Grundlage der neuen Friedensordnung zu erreichen waren. Als Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und des Reichstages betrieb er so genannte Realpolitik und trat, wie er später selbst sagte, aus Vernunftgründen für die Republik ein.
Bereits im wilhelminischen Deutschland dienten Stresemann wirtschaftspolitische Einsichten als Ausgangspunkt außenpolitischer Überlegungen. Die verbliebene deutsche Wirtschaftskraft nach 1918 begriff er als einzige Deutschland noch zur Verfügung stehende Machtquelle. Reparationsproblem, Ostgrenzen und Rheinlandfrage, all dies befand sich seiner Meinung nach in einem sich gegenseitig bedingenden Abhängigkeitsverhältnis. Eine Verbesserung der deutschen Lage wollte er durch eine Verständigung mit den Westmächten und insbesondere Frankreich suchen.
Während der französischen Ruhrbesetzung unterstützte Stresemann zunächst den passiven Widerstand der Regierung Cuno. Als die wirtschaftliche und politische Lage aber immer kritischer wurde, übernahm am 13. August 1923 eine Koalitionsregierung aus DVP, Zentrum, DDP und SPD die Regierung und Stresemann wurde Reichskanzler. Stresemann gab dem französischen Druck nach und brach den aussichtslosen Ruhrkampf ab. Um die Inflation in den Griff zu bekommen, initiierte er mit der Einführung der Rentenmark eine Währungsreform. Mit seiner Politik leitete er die Konsolidierung der Weimarer Republik ein. Dennoch endete seine Regierungszeit nach einer gescheiterten Vertrauensfrage schon am 23. November 1923. Umstritten war insbesondere die Ungleichbehandlung der Länder Thüringen, Sachsen und Bayern.
Wichtige Stationen der Außenpolitik Stresemanns waren der Dawes-Plan 1924, der die Reparationszahlungen Deutschlands neu regelte, die Verträge von Locarno 1925 und damit auch die gleichberechtigte Aufnahme in den Völkerbund 1926. Als er sich in seiner berühmten Rede anlässlich des Eintritts deutlich eines freimaurerischen Vokabulars bediente, erregte er Aufsehen:
1928 hatte Stresemann wichtigen Anteil am Zustandekommen des Briand-Kellogg-Pakts, als er zwischen den USA und Frankreich vermittelte.
Für seine Versöhnungsarbeit erhielt er zusammen mit seinem französischen Kollegen Aristide Briand 1926 den Friedensnobelpreis. In Deutschland wurde ihm jedoch eine entsprechende Anerkennung für seine Außenpolitik versagt; er wurde für seine Verständigungspolitik als „Erfüllungspolitiker“ beschimpft.
Solche Aussagen enthalten den Vorwurf einer geheimen Politik Stresemanns. Aber, dass die Revision des Versailler Vertrages sein langfristiges Ziel war, daran ließ Stresemann keine Zweifel. Diese Wünsche waren auch den ausländischen Staatsmännern vertraut. Entscheidend ist, dass der von Stresemann eingeschlagene Weg eindeutig auf der Grundlage der neuen Friedensordnung über internationale Verhandlungen führen sollte. Stresemann betrieb eine auf ökonomischer Basis fußende, republikanische Außenpolitik, die sich in Methode und Zielsetzung von der Außenpolitik des Kaiserreichs als „Machtstaat“ (Thomas Nipperdey) und der militärisch expansiven nationalsozialistischen Außenpolitik Hitlers abhob und Eigenständigkeit in der deutschen Geschichte beanspruchen darf. Extreme Urteile werden Stresemann, der während der Weimarer Republik immer von politischen Extremen Abstand hielt und vor ihnen warnte, nicht gerecht. In der modernen Forschung wird seine Bedeutung allmählich relativiert, da zahlreiche Dokumente, die erst wesentlich später der Wissenschaft zur Verfügung standen, ein wesentlich milderes Bild Stresemanns zeichnen.
Stresemann kurz vor seinem Tode zu dem Diplomaten Sir Albert Bruce Lockhart.
Mann | Deutscher | Reichskanzler (Weimarer Republik) | Außenminister (Deutschland) | Friedensnobelpreisträger | DVP-Mitglied | NLP-Mitglied | Reichstagsabgeordneter | Freimaurer (19. Jh.) | Freimaurer (20. Jh.) | Burschenschafter | Geboren 1878 | Gestorben 1929
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