Gustav Walter Heinemann (* 23. Juli 1899 in Schwelm; † 7. Juli 1976 in Essen) war ein deutscher Politiker (Erst CDU, dann GVP, dann SPD). Er war von 1949 bis 1950 Bundesminister des Innern, von 1966 bis 1969 Bundesminister der Justiz und von 1969 bis 1974 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.
Ab Oktober 1950 war Heinemann dann wieder als Rechtsanwalt tätig. Er gründete gemeinsam mit Diether Posser eine Sozietät in Essen und vertrat 1957 Viktor Agartz in einem Hochverratsprozess vor dem Bundesgerichtshof und nach der Spiegel-Affäre das Nachrichtenmagazin in den Prozessen gegen Franz Josef Strauß.
In der Zeit des Nationalsozialismus engagierte sich Heinemann ab 1934 in der Bekennenden Kirche. Er war Teilnehmer an der Barmer Bekenntnissynode und Mitautor der Barmer Erklärung. Von 1936 bis 1950 war er Vorsitzender des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) in Essen. Von 1945 bis 1967 war er Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), wobei er von 1949 bis 1955 Ratspräsident war. Von 1948 bis 1961 gehörte er auch der Kommission für internationale Angelegenheiten des Weltrates der Kirchen an; seine Unterschrift steht unter dem Stuttgarter Schuldbekenntnis. Von 1949 bis 1955 wirkt er als Präses der gesamtdeutschen Synode der EKD.
Seit 1926 war er mit Hilda Ordemann (1896-1979) verheiratet. 1927 wurde Tochter Uta (Uta Ranke-Heinemann), 1928 Tochter Christa (Mutter von Christina Rau), 1933 Tochter Barbara und 1936 Sohn Peter geboren. Seine Enkelin Christina Delius war mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau verheiratet.
Heinemann starb am 7. Juli 1976 an den Folgen von Durchblutungsstörungen des Gehirns und der Nieren in Essen.
1945 gehörte Heinemann zu den Mitbegründern der CDU, die er jedoch 1952 aufgrund der Diskussion um die Wiederbewaffnung Deutschlands verließ. Er gründete stattdessen die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP), gemeinsam u. a. mit Helene Wessel, Margarete Schneider und Diether Posser. Die GVP konnte jedoch keine große Wirkung entfalten, so erzielte sie z. B. bei der Bundestagswahl 1953 nur 1,2 % der Stimmen. Daher löste sich die GVP im Mai 1957 selbst auf und empfahl gleichzeitig ihren Mitgliedern, in die SPD einzutreten. Auch Heinemann wurde daher 1957 Mitglied der SPD. Von 1958 bis 1969 war Heinemann Mitglied des SPD-Bundesvorstandes.
Vom 17. Juni 1947 bis zum 24. Mai 1948 war er in der von Ministerpräsident Karl Arnold geführten Landesregierung Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Am 20. September 1949 wurde er als Bundesminister des Innern in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführte Bundesregierung berufen. Aus Protest gegen die geplante Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland und Adenauers Entscheidung in dieser Sache ohne Rücksprache mit dem Kabinett trat Heinemann am 11. Oktober 1950 von seinem Amt als Bundesinnenminister zurück.
Am 1. Dezember 1966 wurde Heinemann zum Bundesminister der Justiz im von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger geführten Kabinett der Großen Koalition ernannt.
Am 5. März 1969 wurde er dann bei der Wahl zum Bundespräsidenten im dritten Wahlgang mit 6 Stimmen Vorsprung vor seinem Gegenkandidaten Gerhard Schröder zum 3. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt.
Obwohl ihm die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung 1974 eine Wiederwahl ermöglicht hätten, verzichtete er auf die Kandidatur für eine zweite Amtszeit. Auch wollte er zum Abschied aus dem Amt keinen großen Zapfenstreich der Bundeswehr bekommen. Er schied am 1. Juli 1974 aus dem Amt aus.
Auf dem Gelände der ehemaligen Gustav-Heinemann-Kaserne in Essen befinden sich jetzt die Geschäftsräume der Medion AG, welche in den nächsten Jahren komplett auf das Gelände ziehen will.
Das politische Erbe Gustav Heinemanns, besonders sein starkes Engagement für Bürger- und Menschenrechte, versucht die Gustav-Heinemann-Initiative zu bewahren, eine private Initiative engagierter Bürger, die sich dem Erbe Heinemanns verpflichtet fühlen.
Der Nachlass Gustav Heinemanns befindet sich im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Mann | Deutscher | Bundespräsident (Deutschland) | Innenminister (Deutschland) | Justizminister (Deutschland) Bundestagsabgeordneter | Justizminister (Nordrhein-Westfalen) | Bekennende Kirche | Evangelische Kirche | CSVD-Mitglied | CDU-Mitglied | GVP-Mitglied | SPD-Mitglied | Ehrenbürger | Träger des Bundesverdienstkreuzes | Geboren 1899 | Gestorben 1976
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