Der Gunung Merapi ("feuerroter Berg" indonesisch Gunung = „Berg“, merah = rot, api = Feuer) ist ein Schichtvulkan in Indonesien. Er hat eine Höhe von zirka 2914 m ü. NN und ist einer der aktivsten Vulkane des Landes. Er gilt als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt.
Indonesien hat die weltweit höchste Dichte von Vulkanen und ist Teil des so genannten „Pazifischen Feuerrings“.Reuters AlertNet, "FACTBOX-Five facts on Indonesia's Merapi volcano", 25.4.2006 Der Feuerring ist ein ausgedehntes Gebiet im Pazifischen Ozean mit regelmäßigen Erdbeben und Vulkanausbrüchen. Dort gibt es 128 aktive Vulkane, von denen 65 als gefährlich eingestuft wurden.
Der oberste Teil des Vulkans ist aufgrund der regelmäßigen Eruptionen ohne Vegetation.Global Volcanism Programm, "Merapi" In der Vergangenheit gab es mehrmals heftige Ausbrüche, die Gas- oder Schlammlawinen zur Folge hatten. Seit 1548 gab es 68 Eruptionen.VolcanoWorld, "Merapi, Java, Indonesia", Stand: 29.12.2000 Da der Gunung Merapi ein Schichtvulkan ist, wechselt er zwischen Aschen-Ausbrüchen und Lava-Ausflüssen. Diese verschiedenen Ausbrüche trugen zu seinem typischen Aussehen bei. Die Schichtung des Vulkans besteht aus Asche-Lava-Asche. Typisch für den Gunung Merapi sind auch die heißen Wolken (nuee ardens), die eine Temperatur von bis zu 700 °C erreichen und in eine Höhe von bis zu acht Kilometer steigen.spektrumdirekt, "Feurige Vulkangeister und tierische Wissenschaftler", 9.5.2006
Der vorletzte große Ausbruch 1994 kostete mehr als 60 Menschenleben.Spiegel-Online, "Lava kündigt Ausbruch auf Java an", 4.5.2006 6000 Bewohner mussten evakuiert werden. Seit Sommer 2005 zeigt der Vulkan wieder eine verstärkte Aktivität, im Mai 2006 brach der Vulkan schließlich wieder aus.
Dieser Vulkan hat eine besondere Bedeutung für die Bevölkerung von Java: Er ist einer von vier Orten, an denen Beamte des königlichen Palastes von Yogyakarta und Solo jährlich Opfergaben zur Besänftigung der alten Geister von Java erbringen.Radio New Zealand, "Java volcano warning re Mt Merapi now at 2nd highest level", 23.4.2006TVNZ Television - OneNews, "Volcano grows 10 metres in three days", 2.5.2006 Im Glauben der Javaner befindet sich auf dem Gunung Merapi ein unsichtbares Königreich, dessen König die Bewohner um den Vulkan schützt.Spiegel-Online, "Mythischer Gleichmut vor dem Ausbruch", 6.5.2006
In großer Höhe auf dem Gunung Merapi lebt der 79 Jahre alte spirituelle Wächter Marijan des Vulkans. Er dient sowohl den Geistern und Dämonen des Gunung Merapi, als auch dem Sultan von Yogyakarta. Die Bewohner hören vornehmlich auf seinen Rat, weniger auf den der Wissenschaftler. Besonders in ländlichen Gebieten, wo die Mehrheit der Javaner lebt, hat sich bis heute der Glaube an Geister und Ahnenkulten gehalten, was zum Teil auch darauf zurückzuführen ist, dass die Javaner nur oberflächlich islamisiert wurden.
Trotz modernster Messtechnik hat sich gezeigt, dass aus dem Verhalten von Tieren ein besserer bzw. sicherer Rückschluss auf einen bevorstehenden Vulkansausbruch gezogen werden kann. Die Tiere reagieren äußerst empfindlich auf Veränderungen im Magnetfeld und zeigen dies durch ein aufgeregtes Verhalten an.
Typische kleine Eruptionen finden alle zwei oder drei Jahre statt. Größere Ausbrüche kommen durchschnittlich alle zehn bis fünfzehn Jahre vor. Beträchtliche Eruptionen verursachten häufig den Tod vieler Menschen und fanden vor allem in den Jahren 1006, 1786, 1822, 1872 (der gewaltigste Ausbruch in der neueren Zeit) und 1930 statt. Beim Ausbruch im Jahre 1930 wurden dreizehn Dörfer zerstört und 1400 Menschen von pyroklastischen Strömen getötet.
Eine sehr große Eruption im Jahre 1006 bedeckte den gesamten zentralen Teil von Java mit Vulkanasche. Es wird angenommen, dass diese Verwüstung den Zusammenbruch der hinduistischen Zivilisation des Königreichs von Mataram hervorrief. Das anschließende Machtvakuum ermöglichte es den Muslimen, die Herrschaft über Java zu übernehmen. Bei diesem Ausbruch wurde u. a. der nahe gelegene buddhistische Tempel Borobudur unter heißer Asche und Steinen begraben.
Einer der neueren Ausbrüche des Gunung Merapi begann im Jahr 1992 und hielt zehn Jahre an. Während dieser Zeit bildete sich ein Lavadom, der bis zu einem halben Meter pro Tag anstieg. 1994 erreichte der Lavadom den Rand des Vulkankraters. Seit diesem Zeitpunkt führten Felsstürze vom Lavadom zu regelmäßigen pyroklastischen Strömen. Gegen Ende des Jahres 1994 brach nahezu der gesamte Lavadom ein und erzeugte einen sehr großen pyroklastischen Strom, der vom Gipfel aus etliche Kilometer weit abging und 43 Menschen tötete.
Im Anschluss an eine große Eruption im November 1994 bildete sich ein neuer Lavadom im Krater des Vulkans. In den darauffolgenden Jahren folgten viele kleine Ausbrüche, die jeden Tag zahlreiche Lavalawinen und pyroklastische Ströme hervorriefen. Die Eruptionen endeten gegen Ende des Jahres 2002.
Am 27. Mai 2006 kam es in der Region von Yogyakarta zu einem Erdbeben der Stärke 6,3, bei dem tausende Menschen starben und starke Zerstörungen verursacht wurden.Spiegel-Online, "Tausende sterben bei Erdbeben auf Java", 27.5.2006Spiegel-Online, "Erdbeben auf Java: Helfer verzweifelt, Dauerregen behindert Rettungsarbeiten", 29.5.2006The New York Times, "Death Toll in Indonesian Quake at 6, 234", 1.6.2006 Zwar wurde durch das Erdbeben kein Ausbruch des Gunung Merapi hervorgerufen, jedoch stieß der Vulkan infolge eine drei Kilometer hohe Aschewolke aus und wird von Wissenschaftlern als noch gefährlicher eingestuft.Spiegel-Online, "Beben macht Vulkan noch gefährlicher", 30.5.2006 Es wird vermutet, dass durch das Erdbeben ein Gesteinsbrocken, der den Glutschlot des Vulkans verschließt, gelockert worden sein und sich die Druckverhältnisse des Vulkans verändert haben könnten. Am 6. Juni 2006 lösten sich Teile des Gunung Merapi in flüssiges Gestein auf, wodurch nun die West- und Südwesthänge des Vulkans von Lava und heißen Gaswolken bedroht werden.Die Welt.de, "Java: Vulkan Merapi wird instabil", 6.6.2006 Zudem spie der Vulkan in den Folgetagen große Mengen an heißen Gas- und Aschewolken aus, die in bis zu fünf Kilometer Entfernung an den Berghängen niedergingen und dort die Vegetation stark beeinträchtigten.Die Welt.de, "Tausende Menschen fliehen vor Vulkan Merapi ", 8.6.2006 Mittlerweile waren zehntausende Menschen aus dem Gebiet um den Vulkan geflohen.
Beim Ausbruch im Jahre 1930 wurde festgestellt, dass diesem eine Vielzahl von großen Erdbeben vorausgingen. Zur Zeit befindet sich um den Vulkan ein Netzwerk aus acht Seismographen. Dieses Netzwerk ermöglicht den Forschern die exakte Feststellung der Herde der Beben. 1,5 Kilometer unter dem Gipfel befindet sich eine Zone, in der bisher keine Erdbebenherde festgestellt wurden. Dort vermutet man das Magma-Reservoir, von dem aus die Eruptionen gespeist werden.
Zudem werden magnetische Messungen und Messungen der Neigung des Vulkankegels vorgenommen. Es wurde entdeckt, dass bei Eruptionen kleine Veränderungen des lokalen Magnetfeldes messbar sind. Durch die Messungen der Neigung kann ein Aufblähen des Vulkans festgestellt werden, was durch ein Anfüllen der Magmakammer verursacht wird.
Durch seismische Überwachungen können zudem so genannte Lahars aufgespürt werden. Ein Lahar stellt eine große Gefahr beim Vulkan dar und wird durch Regen verursacht, der die Ablagerungen von pyroklastischen Strömen wieder in Bewegung setzt. Er kann aufgespürt werden, da er ein hochfrequentes seismisches Signal verursacht. Durch Beobachtungen wurde festgestellt, dass ein Niederschlag mit zirka 50 Millimeter pro Stunde den Schwellenwert für das Auftreten von Lahars darstellt.
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