Der Gulden von "golden bzw. gülden" oder "goldener" ist eine früher gebräuchliche Münze (ursprünglich aus Gold, daher der Name, später auch aus Silber) und eine Währungseinheit in mehreren Staaten. Die reguläre Abkürzung ist fl. oder f. für Fiorino, lat. florenus aureus, französisch Florin. Sie leitet sich vom Florentiner Goldgulden ab, der im 13. Jahrhundert Europa einschließlich England als silberner Florin (= 2 Shillinge) eroberte. (siehe weiter unten)
Es gab Gulden in Gold und ab dem 16. Jahrhundert vorwiegend als Silberäquivalent (z.B. als Joachimsthaler Guldiner, dem späteren Taler). Guldiner wurden mit unterschiedlichen Gewichten in ganz Europa geprägt. Im deutschen Sprachraum kannte man den Gulden bis zur Einführung der Goldmark im Jahre 1873. Besondere Bedeutung errangen neben dem Reichsgulden der niederländische Gulden, der ungarische Forint sowie der polnische Gulden, der heute noch mit dem Złoty fortbesteht. Man unterschied im 17. bis frühen 19.Jh. genau zwischen dem eigentlichen Goldgulden, dem (rheinischen und süddt.) Silbergulden, dem Taler und dem (virtuellen) Rechnungsgulden. Ein sprachliches Paradoxon bestand z.B. in Sachsen des 18.Jh., wo der Conventionstaler gleich zwei Gulden (halbe Taler) galt, obwohl beide Bezeichnungen historisch eigentliche vom (Gold-)gulden abstammten! Der Goldgulden unterlag im Gegensatz zum Dukat ab der frühen Neuzeit der Münzverschlechterung was seine Beliebtheit einschränkte.
Fr 1617-Schlegel 19var.jpg(1397-1419), geprägt zwischen 1399-1402 in Frankfurt-Höchst; Avers: Johannes der Täufer mit Kreuzzepter, die Rechte zum Segen erhoben; zwischen den Füßen ein Johanniterkreuz. Umschrift: IOH(ann)IS AR(chi)EP(iscop)VSMAGV(n)T(inus) Revers: Vierpass; in der Mitte das nassauische Wappen, in den Bögen die Schilde von Kurmainz, Kurköln, Kurtrier, und von Bayern für Kurpfalz. Umschrift: MONETA OP(p)IDI IN HOIESTEN]]
Die Bezeichnung Goldgulden ist keine Tautologie, sondern dient zur numismatischen Unterscheidung vom in der Neuzeit dominierenden Silbergulden sowie zur Abgrenzung gegenüber dem Gulden als Rechnungseinheit.
Erste Florentiner Goldgulden ("Fiorino") wurden 1252 geprägt (Gewicht 3,537 g). Die Bücher des Florentiner Münzamtes weisen in guten Jahren einen Ausstoß von bis zu 350.000 Florenen aus, das sind etwa 1,2 Tonnen Gold.
Weil der Floren nördlich der Alpen so begehrt war und nachgeahmt wurde, bot Papst Johannes XXII. im Jahr 1332 den Florentinern an, alle Nachahmer zu exkommunizieren, falls ihm selbst die Ausgabe von Florenen gestattet würde. Geprägt wurden diese in Avignon.
Um Prägungen verschiedener Territorien zu unterscheiden, entwickelten sich im Laufe der Jahre verschiedene Münzbildnisse. St. Johannes wurde in Mainz 1365 durch einen Bischof ersetzt, die Lilie durch ein Wappen. Darstellungen der Heiligen Petrus, Christus, St. Laurentius, St. Andreas, St. Martin, Madonna und sogar eines Ritters oder stehenden Pfalzgrafen kamen noch im 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts hinzu. Erst im 16. Jahrhundert wurden die Heiligen durch Herrscherbildnisse ersetzt.
Johannes der Täufer ist der erste Heilige, der auf den Goldgulden abgebildet wurde.
Der Heilige Laurentius als Symbol für die Nürnberger Goldgulden.
Der Rheinische Goldgulden war bis in die Neuzeit von zentraler Bedeutung für das deutsche Geldwesen. Er entwickelte sich zur verbreitetsten Fernhandelsmünze in Böhmen, Ungarn, Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Spanien und Frankreich. Nicht nur Gold-, sondern auch Silbermünzen wurden in ihrem Wert nach rheinischen Gulden bewertet und damit ihr Kurs (Zahlwert) festgesetzt.
Eine umfangreiche Guldenprägung der Österreichisch- steirischen Herzöge war die Albrechts II.. Bei seinem Nachfolger, Herzog Rudolf IV. (1358-65), ist bereits ein deutlich schwächerer Prägeausstoß zu festzustellen. Auch Rudolf führte den Florentiner Typus vorerst unverändert weiter, stellte dann jedoch auf einer zweiten Emission die Anfangsbuchstaben seines Namens neben die Figur des Täufers ein typologisches Detail, das wohl aus der parallellaufenden Pfennigprägung in Wien und Graz übernommen wurde. Unter Albrecht III. (1365-95) erfolgte schließlich die Umstellung der österreichischen Gulden mit einer Darstellung des Österreichs und der Steiermark auf dem Avers.
Der Umfang der Guldenprägung Albrechts III. war sehr gering, und wegen vermutlich mangelnder Rentabilität der Goldbergwerke eingestellt werden. Sie mussten schließlich gegen die hochwertigen ungarischen Goldgulden, aufgrund der rentableren Goldvorkommen, konkurrieren.
Der älteste Görzer Gulden-Typus ist ein Florentiner Typus und führt neben der Lilie nur die allgemeine Umschrift COMES GORICIE. Das Rosenwappen der Münzstätte Lienz, ist in die Avers-Legende integriert. Ab 1363/64 erfolgte auch in Lienz die Umstellung auf den Wappen-Typ.
Der Goldgulden stieß die Tür zur Neuzeit auf, denn die numismatisch gerne als Beginn der Neuzeit bezeichnete Talerprägung hat an diesen Verhältnissen kaum etwas verändert und übertrug lediglich Zahlkraft und Geldwert der Goldmünzen in den Bereich der Silbermünzen. Erste Silbergulden wurden als Äquivalente 1486 geprägt und kamen dem Bedürfnis nach einer international handelbaren Großsilbermünze entgegen.
Die Reichsmünzordnung von 1559 schuf neben dem Taler zu 72 Kreuzern auch den "Reichsguldiner" bzw. "Gulden-Taler" zu 60 Kreuzern bei einem Metallgewicht von 24,63 g, einem Feingehalt von 930/1000, und einem Silbergewicht von 22,9 g. Das reguläre Erscheinungsbild wurde der Reichsadler mit Reichsapfel auf der Vorder- und die Angabe 60 (für 60 Kreuzer) auf der in der Gestaltung freieren Rückseite. Zur Reichsmünze ließ sich der Gulden der Regelung zum Trotz nicht erheben, Deutschlands nördliche Territorien beharrten auf dem im Wert höheren Taler. In der Folge zerfiel das Reichsgebiet monetär in Gulden- und Taler-Länder, was mit dem Reichsmünzedikt von 1566 fixiert wurde. Der Taler wurde auf 90 Kreuzer gesetzt, so dass der Gulden 2/3 eines Talers entsprach. In Norddeutschland wurden in der Tat 2/3-Taler geprägt. Um 1700 besaß ein Gulden eine Kaufkraft, die heute etwa 80 Euro entspräche.
Nach der monetären Katastrophe der Kipper- und Wipperzeit zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges festigte sich im Reich das folgende Schema, nach dem im frühen 18. Jahrhundert 4 Reichsgulden einen Golddukaten machten, 2 Reichsgulden einem "gemünzten" oder "Species"-Taler" entsprachen, 1½ Reichsgulden einem Reichstaler der reinen Recheneinheit und ein Reichsgulden schließlich 3 Mark Lübisch entsprach:
| Reichs-Ducat | Speciestaler | Reichstaler | Reichsgulden | Marck Lübisch | Kreuzer |
| 1 | 2 | 2 2/3 | 4 | 8 | 240 |
| 1 | 1 1/3 | 2 | 4 | 120 | |
| 1 | 1 ½ | 3 | 90 | ||
| 1 | 2 | 60 | |||
| 1 | 30 |
Diese stabile Phase endete 1750 mit der Einführung des Konventionstalers, der sich insbesondere in Österreich und Süddeutschland durchsetzte und ursprünglich zwei Reichsgulden entsprach. Aufgrund des geringeren Feingehaltes der Kleinmünzen wurde der Gulden, den es als Münze damals nicht gab, in der Folge jedoch als Rechnungsgulden abgewertet. Ein Konventionsgulden entsprach demnach einem Rechnungsgulden und 12 Kreuzern. Seit 1760 wurde der Münzfuß auf 24 (statt 20) Gulden aus einer feinen Mark Silber festgelegt. Der Münchener Münzvertrag von 1837 brachte eine weitere Anpassung auf 24 ½ Gulden aus einer feinen Mark. Dreieinhalb Gulden entsprachen damit zwei Talern. Mit der Umstellung auf das metrische System 1857 wurde dann der Münzfuß auf 52 ½ Gulden aus einem Pfund Feinsilber angepasst. Doppelgulden, Gulden und Teilstücke wurden noch bis 1870 geprägt. Ab 1876 war der Gulden nicht mehr als Zahlungsmittel zugelassen.
Während der Reichstaler als Währungseinheit von ¾ des gemünzten Reichstalers eine europäische Karriere machte, entwickelte sich der Gulden uneinheitlich in Europas Währungssystemen. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick für das frühe 18. Jahrhundert - Bewertungen konkurrierender europäischer Gulden gegenüber dem Reichsgulden:
- | 3 Reichsgulden = | 5 | Niederländische Gulden | Marteau-Umrechnungswerkzeug | - | 2 Reichsgulden = | 1 | Polnischer Gulden | Marteau-Umrechnungswerkzeug | - | 6 Reichsgulden = | 43 | Genfer Gulden | Marteau-Umrechnungswerkzeug |
Der Gulden war zwischen 1857 und 1892 in Österreich die Silberwährung (1 Gulden = 100 Kreuzer). Es gab von 1870 bis 1892 8- und 4-Gulden-Stücke als Goldmünzen, 2- (ab 1859), 1- (ab 1857 bzw. schon früher) und 1/4-Gulden-Stücke als Silbermünzen. Ab 1857 wurden im Unterschied zu den deutschen Staaten aus 500 g Silber 45 Gulden geprägt (45-Gulden-Fuß). Für den ungarischen Reichsteil wurden ab 1868 Guldenmünzen mit der Bezeichnung Forint geprägt. 1892 wurde mit Einführung der Goldwährung der Gulden in 2 Kronen umgewechselt, aber noch weiter im Verkehr belassen.
Nach dem ersten Weltkrieg lebte der Gulden im ungarischen Forint wieder auf.
1923 bis 1939 war der Danziger Gulden die Währung der Freien Stadt Danzig.
2einhalb_gulden.jpg Das polnische Wort "Złoty", das seit der Renaissance bis 1831 gebräuchlich war und ab 1926 (von 1918-1926 hieß die Währung "Marka Polska" - polnische Mark) wieder die polnische Währung bezeichnet, ist eine Übersetzung des Wortes "Gulden".
In den Niederlanden wurden seit 1601 Gulden geprägt. Der Niederländische Gulden wurde 2002 durch den Euro abgelöst. Lediglich die niederländische Landeszentralbank (oder Dienstleister wie GFC ) wechseln noch bis 2012 Gulden in Euro. In Form des Niederländischen Guldens verbreitete sich der Gulden bis nach Asien. Surinames Gulden wurde 2003 vom Surinam-Dollar abgelöst. Es überlebten der Antillen-Gulden auf den Niederländischen Antillen und der Aruba-Florin.
Siehe auch: Coselgulden
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