Der Begriff Guerilla *, und davon abgeleitet Guerillakrieg, über das Französische aus dem Spanischen entlehnt, bedeutet Kleinkrieg mit nichtregulären Kombattanten. Wer ihn betreibt, wird auch Guerrillero genannt.
„Guerrilla“ ist die Verkleinerungsform von guerra und bedeutet daher „Kleiner Krieg“. Der Ausdruck „Kleiner Krieg“ war im deutschen Sprachgebrauch bis ins 19. Jahrhundert hinein üblich, bevor es zusammen mit dem zunächst neu geprägten deutschen Wort „Volkskrieg“ (und für guerrilleros - Freischärler) durch den Guerilla-Begriff verdrängt wurde. In dieser Form wurde es dann als Fremdwort wieder in die deutsche Sprache übernommen. Es handelt sich also um eine Rückentlehnung. Kleiner Krieg wurde für alle militärischen Auseinandersetzungen benutzt, bei denen zahlenmäßig schwache Abteilungen Operationen zur Schwächung des Gegners unternahmen, ohne jedoch eine Entscheidung herbeiführen zu können. Dies schloss auch Soldaten mit ein und konnte neben großen Operationen des Hauptheeres ausgeführt werden (so die verschiedenen Streifkorps der Koalitionstruppen 1813 und die der Franc-Tireurs 1870).
Zum ersten Mal wurde der Begriff Guerrilla im 19. Jahrhundert während des spanischen Widerstandes gegen Napoléon gebraucht. Besonders in der Anfangszeit des Französisch-Spanisch-Portugiesischen Krieges 1807 bis 1814 hatten die Guerilla unter Empecinado, dem Pfarrer Merino und anderen den Franzosen schwer zu schaffen gemacht. Dies lag vor allem an einer brauchbaren Organisation und an der günstigen Topographie für den Kleinkrieg, mit Berglandschaften und festen Wohnplätzen. Im offenen Gelände konnten sie sich gegen tüchtige Truppen nicht behaupten. Seit jener Zeit waren in Spanien und auch auf Kuba in den Bürgerkriegen immer wieder Guerilleros erschienen.
Vergleichbar mit der Situation in Spanien sind hier der Tiroler Aufstand unter Andreas Hofer und die Freikorps in den deutschen Befreiungskriegen gegen die napoleonische Besatzung. In Spanien hat das Wort „Guerrilla“ aufgrund seiner Verbindung mit dem Kampf gegen die französische Besatzungsmacht eine durchgehend positive Konnotation, wie damals (und länger noch) auch in Deutschland der „Volkskrieg“, wie sie in den frühen Denkschriften von Gneisenau beschrieben sind.
Auch der polnische Aufstand 1863 und der Burenkrieg 1901 wurden mit der Taktik des Kleinen Krieges geführt.
Als Analytiker der Guerilla sind Carl von Clausewitz, T. E. Lawrence, Mao Zedong, Carl Schmitt und Ernesto Che Guevara hervorgetreten.
Ein entscheidendes Kennzeichen der Guerilla ist ihre hohe Mobilität und Flexibilität, oft kombiniert mit dem Fehlen der Identifizierbarkeit als 'rechtmäßiger Kombattant' (also keine Uniformen etc.). Guerilla-Einheiten sind in ständiger Bewegung, um dem militärisch überlegenen Gegner auszuweichen. Ihr Erfolg ist davon abhängig, ob es ihr gelingt die Entscheidung darüber zu behalten, an welchem Ort und zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen die militärische Konfrontation mit dem Gegner stattfindet. Die klassische Landguerilla operiert meist aus den Bergen heraus, welche optimales Rückzugsgebiet bilden. Sie ist auf die Unterstützung der Landbevölkerung angewiesen, die sie mit Nahrungsmitteln und Informationen versorgt.
Die meisten modernen Verfassungen enthalten ein Widerstandsrecht (Beispiel Grundgesetz: "Gegen jeden, der es unternimmt, diese (verfassungsmäßige) Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.") oder sogar eine Widerstandspflicht (Französische Verfassung).
Von großer Bedeutung für die Guerillabewegung ist die Frage der "Belligerenz", die Anerkennung als kriegführende Partei. Die politische Anerkennung durch Staaten von internationaler Bedeutung oder die Anerkennung als Verhandlungspartner durch den Gegner bildet die Grundlage für die Erreichung der politischen Ziele der Guerilla (siehe die Diskussion um die Anerkennung der palästinensischen PLO). Erst als kriegführende Partei können gefangene Guerilla-Kämpfer ihren Rechtsstatus als Kriegsgefangene geltend machen. Ohne den Status als völkerrechtlich legal bewaffnete Kriegsteilnehmer ("Kombattanten") werden Guerilla-Kämpfer wie Franctireurs (Heckenschützen) angesehen, also als Schwerkriminelle behandelt. Beispiele aus dem 2. Weltkrieg und gegenwärtig (2005) aus Guantanamo Bay zeigen jedoch, dass die Regeln der Haager Landkriegsordnung oft genug nicht einmal regulären Soldaten gegenüber eingehalten werden.
Die militärisch-politischen Gegner der Guerilla hingegen werden immer versuchen, die Anerkennung als kriegführende Partei zu verhindern und die Guerilla sprachlich wie politisch zu kriminalisieren: Verbrecherbanden, Terroristen, Agenten einer fremden Macht etc.
Demgegenüber ist die Guerilla stets bemüht, ihre Legitimität (die revolutionäre Richtigkeit ihres Tuns) und ihre Legalität (die Gesetzlichkeit ihrer Kriegshandlungen) unter Beweis zu stellen. Dazu gehört die Schaffung tatsächlicher oder scheinbarer politisch-demokratischer Strukturen (Asamblea de Guaímaro im kubanischen Unabhängigkeitskrieg oder das Parlament der palästinensischen PLO) sowie von politischen Auslandsvertretungen in unterstützenden Staaten oder in internationalen Organisationen wie der UNO. Die Einführung von klaren Befehlsstrukturen, einer hierarchisch-militärischen Ordnung mit den dazugehörigen Rängen soll besonders in der letzten Phase, in der Entwicklung zur Revolutionsarmee, die Gleichwertigkeit der Guerilla gegenüber der konventionellen gegnerischen Armee herausstellen. Erst wenn der Gegner sich gezwungen sieht, mit der Guerilla offiziell zu verhandeln, ist tatsächlich die Belligerenz hergestellt.
Durch den Einsatz von Kontraguerilla-Einheiten versucht die reguläre Armee sich der flexiblen Kriegführung der Guerilla anzupassen (Vietnam). (Nicht zu verwechseln mit der konterrevolutionären Guerilla, die von einer fremden Macht eingesetzt wird, um mit Mitteln der Guerilla-Taktik eine bestehende revolutionäre Regierung anzugreifen - siehe Contra (Organisation)).
Die Regierungsarmee wird also immer versuchen, Zivilbevölkerung und Guerilla voneinander zu trennen. Das kann etwa durch Aufrufe an die Bevölkerung geschehen, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Gebiet zu verlassen. Alle nach diesem Zeitpunkt in diesem Gebiet befindlichen Personen werden dann als Guerilleros bezeichnet. Die Bevölkerung, die dieses Gebiet verlässt, muss untergebracht und versorgt werden, wozu sich das Militär meist weder personell, logistisch oder materiell in der Lage sieht. Die so entstandenen campos de reconcentración (Kubanischer Unabhängigkeitskrieg) oder concentration camps (Burenkrieg) sollten die Kämpfer von der übrigen Bevölkerung trennen und damit der Regierungsarmee ein klar umgrenztes Feindesland für den Angriff definieren. Die in den Lagern herrschende Not (Hunger, Krankheiten) führt jedoch in der Regel zur politischen Stärkung der Guerilla. Eine freiwillige Aussiedlung von Menschen aus den von der Guerilla kontrollierten Gebieten wird dadurch unwahrscheinlich. Da die unvermeidlich unterschiedslose Bombardierung von Guerillagebieten durch die reguläre Armee nicht nur die Guerilla trifft, sondern jeden, der sich dort befindet, werden die dort lebenden Menschen gezwungen, sich in den Schutz der Guerilla zu begeben. Das herrschende Regime treibt so oft neutrale Teile der Bevölkerung auf die Seite der Guerilla.
Erfolgreichere Anti-Guerilla-Strategien versuchen, die Guerilla politisch zu isolieren. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen:
Ein Anti-Guerillakrieg ist mit militärischen Mitteln nur schwer zu gewinnen, weil es auf Grund der fehlenden Unterscheidbarkeit der Guerilla von der übrigen Bevölkerung nicht möglich ist, die jedenfalls in den frühen Phasen eines Konfliktes überlegene militärische Macht einzusetzen, ohne gleichzeitig Unschuldige zu treffen. Weiter kann sich die Guerilla immer wieder aus der Bevölkerung verstärken, solange die Guerilla die Unterstützung der Bevölkerung genießt oder die Guerilla über ausreichend Mittel zur Zwangsrekrutierung besitzt.
Die meisten Guerillakrige wurden daher nur politisch, das heißt durch teilweises oder völliges Nachgeben gegenüber den Zielen der Volksbewegung, gelöst.
Das Wort Partisan stammt aus dem Italienischen, während Guerilla spanischen Ursprungs ist. Militärisch gesehen handelt es sich um Synonyme. Die in Europa gegen die faschistische Besatzung kämpfenden irregulären Einheiten werden als Partisanen bezeichnet, während die Befreiungskämpfer der antikolonialen Bewegungen nach dem 2. Weltkrieg in der Regel Guerilla benannt werden.
Kriegsart Kriegs- und Gefechtsführung Politischer Widerstand | Irreguläre Truppen
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