Gudrun Ensslin (* 15. August 1940 in Bartholomä, Württemberg; † 18. Oktober 1977 in Stuttgart) war einer der Köpfe und Gründungsmitglied der Rote Armee Fraktion (RAF). In der Zeitschrift „883”, dem Gegenblatt zur Roten Presse Korrespondenz, begründete sie den Aufbau der Roten Armee Fraktion.
Involviert in die Studentenunruhen der ausgehenden 1960er, engagierte sich Ensslin zunehmend in der Außerparlamentarischen Opposition und verfasste linksgerichtete agitatorische Schriften.
Nachdem der Student Benno Ohnesorg während des Besuchs des Schahs von Persien in Berlin am 2. Juni 1967 von einem Polizisten erschossen worden war, rief sie im Büro des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes zur „Gewalt gegen einen gewaltbereiten Staat” auf. Während dieser Zeit traf sie vermutlich auf den bereits in den radikalen Untergrund abgetauchten Andreas Baader. Das Gedankengut von Ensslin und Baader sollte sich zusehend in militante Aktionen steigern. So richtete sich ihre Gewaltbereitschaft zum einen auf den konservativ eingestellten Axel-Springer-Verlag, der die Studentenaktivitäten scharf kritisierte - partiell zu Hetzkampagnen gesteigert - und zum anderen auf die „bornierte” Wohlstandsgesellschaft. Ihr erstes terroristisches Fanal entfachten Ensslin und Baader am 2. April 1968 mit Brandanschlägen auf zwei Frankfurter Kaufhäuser. Bei ihrer Festnahme sagten beide aus „...sie wollten ein Zeichen gegen die Gleichgültigkeit der Gesellschaft setzen, mit der die Menschen in der Bundesrepublik den Krieg in Vietnam hinnehmen”.
Baader und Ensslin wurden daraufhin zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach einer vorübergehenden Haftentlassung 1969 flüchtete Gudrun Ensslin zusammen mit Andreas Baader nach Frankreich. Zurückgekehrt in die Bundesrepublik Deutschland entstand vermutlich der erste Kontakt zu der radikalen Hamburger Journalistin Ulrike Meinhof, die sich ihrerseits mit der linksgerichteten Publikation „konkret” vehement gegen die Allmacht des Staates aussprach. Weitere Kontakte zu Gesinnungsgenossen wie Holger Meins, Jan-Carl Raspe und Inge Viett entstanden wahrscheinlich bereits Anfang der 1970er.
Am 14. Mai 1970 organisiert Ensslin zusammen mit Ulrike Meinhof die Befreiung des mittlerweile wieder inhaftierten Andreas Baader aus dem Gefängnis. Die Baader-Befreiung sollte als Geburtsstunde der Baader-Meinhof-Gruppe in die bundesdeutsche Geschichte eingehen. Es folgten zahlreiche Banküberfälle um den eigenen autonomen „bewaffneten Kampf” zu finanzieren. Für diesen hatten sich Gruppenangehörige zuvor bei Palästinensern ausbilden lassen.
Ab 1970 lebte Gudrun Ensslin zusammen mit Baader, Meinhof und Raspe im Untergrund. Weitere Sympathisanten sollten folgen. Die Geburtsstunde der RAF wurde eingeläutet. Mittels erpresstem oder geraubtem Geld werden Waffen oder gefälschte Papiere beschafft.
Gudrun Ensslin wurde am 7. Juni 1972 bei einem Einkaufsbummel in einer Modeboutique auf dem Hamburger Jungfernstieg zufällig von Passanten beobachtet; die verständigte Polizei verhaftete sie umgehend.
Es folgten langjährige Prozesse gegen Ensslin und die anderen Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe/RAF. Inhaftiert wurde Gudrun Ensslin im Hochsicherheitstrakt der JVA Stuttgart-Stammheim. Nach langer Nahrungsverweigerung und Zwangsernährung wurde sie zusammen mit Andreas Baader und Jan-Carl Raspe am 18. Oktober 1977 im Alter von 37 Jahren tot aufgefunden. Nach offizieller Darstellung der Gefängnisleitung beging sie mit einem Telefonkabel Suizid.
Ob die Gefangenen in Isolationshaft gehalten wurden ist umstritten. Wärend dies von Anhängern der linken Szene behauptet wird, wird es von Zeitzeugen bestritten. Es kann jedoch vermutet werden, daß die Isolationshaft zumindest zeitweilig eingesetzt wurde.
Gudrun Ensslin wurde am 27. Oktober 1977 in einem Gemeinschaftsgrab zusammen mit Andreas Baader und Jan-Carl Raspe auf dem Dornhaldenfriedhof in Stuttgart beigesetzt.
Der Vater von Gudrun Ensslin, der Pfarrer Helmut Ensslin (+), hat sich trotz dieser Geschehnisse nie von seiner Tochter abgewandt.
Siehe auch:
Frau | Deutscher | RAF-Mitglied | Geboren 1940 | Gestorben 1977
Gudrun Ensslin | Gudrun Ensslin | Gudrun Ensslin | Gudrun Ensslin
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