Guaraní * (eigener Name: avañe'ẽ) ist eine Sprache, die in Paraguay, im nordöstlichen Argentinien, Teilen von Bolivien, und im südwestlichen Brasilien gesprochen wird. Guaraní gehört zur Sprachfamilie der Tupi-Guaraní-Sprachen.
Es gibt etwa 6 Millionen Guaraní-Sprecher in der Welt.
Guaraní wurde schon in der spanischen Kolonialzeit zum Zwecke der christlichen Missionierung als Schriftsprache verwendet.
Jedoch blieb das Spanische auch im unabhängigen Paraguay alleinige Amtssprache. Das Guaraní wurde zwar als ein wichtiges kulturelles Merkmal der paraguayischen Nation betrachtet, seine Verwendung blieb jedoch auf den mündlichen Gebrauch und auf Literatur vorwiegend folkloristischen Charakters beschränkt.
Erst in jüngerer Zeit wurde in Paraguay begonnen, das Guaraní auch im Bildungswesen und als Amtssprache zu verwenden und die unterschiedlichen in Gebrauch befindlichen Rechtschreibsysteme zu einer weitgehend phonetischen Orthographie zu vereinheitlichen.
Zusammen mit Spanisch ist Guarani in Paraguay Amtssprache. Die Verfassung von 1992 ist allerdings einer der wenigen offiziellen Texte, die ins Guarani übersetzt wurden.
Offiziell gilt Paraguay als "zweisprachig". Die Realität ist komplizierter. Nahezu niemand spricht eine der Sprachen in ihrer Reinform. Höher gebildete, städtische, eurozentrische Schichten sprechen ein rioplatensisches Spanisch mit eingemischten Guaraní-Phrasen, während weniger gebildete, ländliche, bäuerliche Schichten ein Guaraní mit starken Anteilen von spanischem Vokabular sprechen, das als Jopara * bekannt ist.
Laut Volkszählung von 1992 wurden in Paraguay folgende Sprachen gesprochen:
Durch die vermehrte Verwendung des Guaraní auch im Bildungswesen und als Amtssprache trug man ansatzweise der Tatsache Rechnung, dass über 80 % der paraguayischen Bevölkerung guaranisprachig ist und ein beträchtlicher Teil nur rudimentäre Kenntnisse des Spanischen besitzt.
Vokale:
| Orthographie | Aussprache |
| a | * |
| e | * |
| i | * |
| o | * |
| u | * |
| y | * |
Außerdem gibt es von allen 6 Vokalen auch noch nasale Varianten (ã, ẽ, ĩ, õ, ũ, ỹ) Die Nasalvokale sind nur in der betonten Silbe distinktiv, die vortonigen Vokale werden infolge der Nasalassimilation vor folgenden nasalen Vokalen oder nasalen Konsonaten nasal, in anderen Fällen nichtnasal ausgesprochen.
Konsonanten:
| Orthographie | Aussprache |
| Nasale | |
| m | * |
| n | * |
| ñ | * |
| g̃ (auch ng) | * |
| Stimmlose Verschlusslaute | |
| p | * |
| t | * |
| k | * |
| Frikative | |
| s | * |
| ch (auch x) | * |
| h | * |
| Flap | |
| r | * |
| Approximant | |
| v | * |
| Verbindungen aus Nasal und homorganischem stimmhaftem Verschlusslaut (auch im Anlaut) | |
| mb | * |
| nd | * |
| ng | * |
| Knacklaut | |
| ' | * |
| j | * |
Der Akzent liegt zumeist auf der letzten Silbe des Stammes, die suffigierten grammatischen Morpheme sind unbetont (enklitisch).
Nomina und Verben werden nicht so scharf getrennt wie im Deutschen.
Guarani ist eine stark agglutinierende bzw. polysynthetische Sprache, also werden viele Affixe verwendet.
Hingegen gibt es keine Kasus, Geschlechter oder Unterschied Singular-Plural. Eine weitere Besonderheit ist eine bestimmte Art der Anlautmutation, die Eklipse: Viele Wörter, die mit /t-/ anfangen, ändern diesen Anlaut, wenn sie von anderen Wörtern abhängen oder mit ihnen zusammengesetzt werden:
| tape | che rape | hape |
| Weg | mein Weg | sein Weg |
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"Guaraní (Sprache)".
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