| Gruppe (Axiome EANI) |
| berührt die Spezialgebiete |
| ist Spezialfall von |
| umfasst als Spezialfälle |
Beispielsweise folgt die Gruppe, die durch das Hintereinanderausführen von Drehungen eines regulären n-Ecks in der Ebene um Vielfache des Winkels 360°/n entsteht, denselben Gesetzen wie die Addition der ganzen Zahlen modulo n. Neutrales Element – entsprechend der Null bei der Addition – wäre hier die Nicht-Drehung oder äquivalent die Drehung um einen Winkel von 0°.
Große Beiträge zur Gruppentheorie stammen unter anderem von Evariste Galois, Niels Henrik Abel, Sophus Lie.
Eine Liste von Artikeln zum Thema Gruppentheorie ist die Liste gruppentheoretischer Artikel. Knappe Begriffsdefinitionen finden sich im Gruppentheorie-Glossar.
Genauer gesagt: Eine Gruppe ist eine Menge mit einer Verknüpfung von zwei Elementen dieser Menge, etwa "a + b" oder "a × b". Des weiteren müssen die folgenden Anforderungen erfüllt sein:
Beispiele für (sämtlich abelsche) Gruppen sind die ganzen Zahlen mit der Addition "+" als Verknüpfung und der Null als neutralem Element, oder die rationalen Zahlen ohne Null mit der Multiplikation "×" als Verknüpfung und der Eins als neutralem Element. Die Null muss hierbei ausgeschlossen werden, da sie kein inverses Element besitzt. ("1/0" ist nicht definiert.)
Eine Gruppe heißt abelsch oder kommutativ, wenn die Verknüpfung symmetrisch ist, d.h. wenn zusätzlich das folgende Axiom erfüllt ist:
Eine additiv geschriebene Gruppe liegt vor, wenn für die Verknüpfung das Symbol benutzt wird. Das neutrale Element heißt dann auch Nullelement und wird durch symbolisiert. Das zum Gruppenelement inverse Element wird in einer additiv geschriebenen Gruppe nicht durch , sondern durch symbolisiert.
Wenn das neutrale Element einer Gruppe klar ist, kann anstelle von auch geschrieben werden. Ist auch die Verknüpfung klar, so schreibt man für die Gruppe üblicherweise nur .
Diese formal schwächere Definition ist äquivalent zu der ursprünglichen Definition, denn es gilt:
Die Mächtigkeit (Kardinalität) |G| der Trägermenge der Gruppe nennt man Ordnung der Gruppe oder kurz Gruppenordnung.
Hauptartikel: Ordnung eines Gruppenelementes
Ergibt ein Element a der Gruppe endlich viele Male mit sich selbst verknüpft das neutrale Element 1, d. h. es gilt: an = 1, so nennt man das kleinste derartige n die Ordnung des Elements a. Falls kein solches n existiert, sagt man, dass a unendliche Ordnung hat. In beiden Fällen entspricht die Ordnung des Elements der Ordnung der von ihm erzeugten Untergruppe.
Davon ausgehend kann man zeigen, dass die Ordnung jedes Elements einer endlichen Gruppe endlich ist und die Gruppenordnung teilt.
Ist U eine Teilmenge der Trägermenge G einer Gruppe und gelten für die Gruppenaxiome, so nennt man U eine Untergruppe von G.
Hierzu ein wichtiger Satz: (Satz von Lagrange) Die Kardinalität jeder Untergruppe U einer endlichen Gruppe G teilt die Kardinalität der Gruppe G.
Ist beispielsweise |G| eine Primzahl, enthält G nur zwei Untergruppen, nämlich und G.
Definiert man auf der Menge G die Relation durch:
,
erhält man eine Äquivalenzrelation auf G. Die sog. Äquivalenzklasse zu einem Element a in G (d.h. diejenigen Elemente b, so dass zwischen a und b die Relation besteht), ist die Menge
und bezeichnet sie durch oder kurz . Da diese Menge alle Elemente von G enthält, die durch Linksverknüpfung mit dem Element a mit sämtlichen Elementen aus U entstehen, heißt sie Linksnebenklasse von U nach dem Element a. Definiert man eine weitere Relation durch
,
so ergibt sich die Menge der zu a äquivalenten Elemente in G als
.
Diese Menge entsteht also durch Rechtsverknüpfung der Elemente aus U mit dem Element a; sie wird entsprechend mit U*a oder kurz Ua bezeichnet und Rechtsnebenklasse von U nach dem Element a genannt.
Beispiel: Man nehme die ganzen Zahlen mit der Addition als G. Dann ist die Menge U aller ganzzahligen Vielfachen von 3 eine Untergruppe. Bildet man die rechten Nebenklassen, so erhält man folgende Tabelle:
U U+1 U+2 U+3=U U+4=U+1 ...
... ... ... -6 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 ... ... ...
Man sieht, dass diese Tabelle wieder genau alle ganzen Zahlen enthält, wobei keine Zahl zweimal vorkommt. Für endliche Gruppen besagt der Satz von Lagrange: Die Anzahl der Nebenklassen multipliziert mit |U| ergibt |G|.
Die Spalten sind genau die Teilungsreste bei der Division durch 3. Jetzt mag man versucht sein, hier nur mit den Nebenklassen zu rechnen, also modulo 3, und sich fragen, ob es so ein Konzept zu jeder Untergruppe für beliebige Gruppen gibt. Dies führt zur folgenden Definition:
Ist für jedes Element b aus G die linke Nebenklasse von U gleich der rechten, d. h. U × b = b × U, so nennt man U einen Normalteiler von G.
Ein Sonderfall ist: In einer abelschen Gruppe G ist jede Untergruppe Normalteiler.
Damit können wir nun unser Konzept des Rechnens auf den Nebenklassen umsetzen: Ist U ein Normalteiler, dann kann man auch nur mit den Nebenklassen rechnen und erhält eine Gruppe.
Dies geht wie folgt: man nimmt irgendein Element aus der einen Spalte und multipliziert es mit einem beliebigen Element aus der anderen Spalte. Die Spalte, in der das Ergebnis liegt, ist das Ergebnis meiner Multiplikation.
Die mit dieser Multiplikation und den Spalten (Nebenklassen) als Elementen definierte Gruppe nennt man die Faktorgruppe von G bezüglich U.
Gibt es in G ein Element a, so dass man jedes andere Element als Potenz ak (mit einer ganzen Zahl k) schreiben kann, so nennt man G eine zyklische Gruppe und a erzeugendes Element.
Es gibt auch Verallgemeinerungen der Gruppentheorie. Eine Herangehensweise ist die Definition der Halbgruppen und Monoide: Für Halbgruppen wird nur die Assoziativität verlangt. Existiert in einer Halbgruppe ein neutrales Element, so spricht man von einem Monoid.
Eine andere Verallgemeinerung stellen die Quasigruppen dar.
Die Chemie beschäftigt sich mit Molekülen. Diese lassen sich mit Hilfe von Symmetrieoperationen (Spiegelung, Drehung, Inversion, Drehspiegelung) auf sich selbst abbilden. Die Symmetrieoperationen haben die Eigenschaften von Gruppen, die sog. Punktgruppen. Außerdem kann gezeigt werden, dass die Gruppentheorie auch für die Symmetrie von Funktionen gilt, also auch für Wellenfunktionen. Dadurch kann der Rechenaufwand von quantenchemischen Rechnungen erheblich verringert werden. Weiterhin ist sie hilfreich zur Beschreibung von SALKs (Symmetrieadaptierten Linearkombinationen aus Atomorbitalen), was in der MO-Theorie und Ligandenfeldtheorie Anwendung findet. Außerdem ist die Gruppentheorie für die IR-Spektroskopie von Bedeutung, IR-, Raman-Eigenschaften, Vorhandensein von Quadrupol- und Octopolmoment können direkt aus der Charaktertafel eines Moleküls abgelesen werden. Moleküle mit mindestens zwei nicht zusammenfallenden Symmetrieachsen haben kein Dipolmoment. Moleküle, die nur die Symmetrieelemente Identität oder eine Drehspiegelachse aufweisen, können chiral und daher optisch aktiv sein. Moleküle, die eine Spiegelachse haben, sind nicht optisch aktiv, auch wenn sie chirale Zentren enthalten, z.B. Meso-Verbindungen. In der Kristallographie kommt die Gruppentheorie in Form von Kristallographischen Raumgruppen vor. Weiterhin findet die Gruppentheorie Anwendung bei der Theorie der Erhaltung der Orbitalsymmetrie (siehe: Woodward-Hoffmann-Regeln).
Zudem baut die Quantenmechanik vielfach auf Symmetriegruppen und Lie-Gruppen auf. So werden die Elektronenspinzustände durch die Paulischen Spinmatrizen-Gruppe beschrieben. Auch in der Kernphysik werden gruppentheoretische Überlegungen zur Beschreibung des Kernaufbaus verwandt. In der Teilchenphysik und den Quantenfeldtheorien schließlich findet die Gruppentheorie Anwendung als Ordnungsschema.
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