Die Gruppendynamik beschäftigt sich mit den Vorgängen und Abläufen in einer Gruppe von Menschen.
Als hauptsächlicher Begründer des sozialwissenschaftlichen Theorems der Gruppendynamik gilt Kurt Lewin, einer der Pioniere der Gestalttheorie bzw. Gestaltpsychologie. Es wird davon ausgegangen, dass die Eigenschaften und Fähigkeiten einer Gruppe verschieden sind von der Summe der Eigenschaften und Fähigkeiten der einzelnen Personen der Gruppe.
Dabei zeigt sich ein recht widersprüchliches Verhalten: Man pendelt zwischen Distanz und Nähe, zwischen Kennenlernen und Abwehrstellung. Jeder versucht, sich von seiner besten Seite zu zeigen, sich anderen gegenüber so zu verhalten, wie er gern gesehen werden möchte und tastet vorsichtig die anderen ab. Kennen sich einige Gruppenmitglieder bereits, so bilden sich unmittelbar Untergruppen. Die Teilnehmer versuchen den Leiter auszutesten um ihn einschätzen zu können. Die anderen Gruppenmitglieder werden mit dem bereits vorhandenen Menschenbild abgeglichen und eingeordnet. Oft lässt sich ein starkes Unwohlsein in der Gruppe bemerken.
Er sollte Zeit und Hilfen für das Kennenlernen geben. Eine Vorstellrunde sollte jedem die Möglichkeit geben, sich der Gruppe zu präsentieren. Die Aufgabenstellung sollte jedoch nicht zu tiefgehend ausfallen, denn durch zu schwierige und private Fragen ergeben sich zu schnell Außenseiterrollen. Um diesem schon zu Beginn der Gruppenentwicklung vorzubeugen, sollte der Leiter sein eigenes Verhalten beachten. Er sollte möglichst Interesse an jedem Einzelnen in der Gruppe zeigen. Außerdem besteht die Gefahr, dass bei der Einordnung der Anderen Vorurteile überwiegen.
In dieser Phase sollten auch einige äußere Strukturen festgelegt werden. Die Teilnehmer müssen erkennen in welchem Spielraum sie sich in Zukunft zu bewegen haben. Dies ist besonders in Blick auf die Machtkampfphase zu beachten. Komplexere Aufgaben, insbesondere mit einer engen Zusammenarbeit, sollten auf spätere Gruppenphasen verschoben werden. Die Gruppe ist noch nicht bereit um zu kooperieren.
Um diese Rollen, auch die des Außenseiters, wird in dieser Phase gekämpft. Die Positionen werden geklärt und gefestigt. Diese Rivalisierung kann zu Konfrontationen untereinander, aber auch einiger Untergruppen führen. Es ist selten abzusehen, wie viele gruppeneigene Führer, Außenseiter und Untergruppen sich ergeben.
In dieser Phase kommt daher gereizte Atmosphäre auf und auch der Gruppenleiter sieht sich erster Kritik ausgesetzt. Es ist schwer sich als Leiter aus diesem Prozess zu entziehen, da sich viele Aggressionen auch auf den Leiter fokussieren. Durch die starke emotionale Reibung besteht zudem eine erhöhte Gefahr des Austritts Einzelner aus der Gruppe.
Machtkämpfe dürfen und müssen sein und Konflikte beinhalten hohes Potential. Nicht ohne Grund nennen einige Autoren diese Phase die der "Gärung und Klärung". Allerdings sollte dies mit klar definierten Regeln geschehen. Nützlich sind hier also Angebote die die Möglichkeit bieten Machtkämpfe spielerisch auszutragen. Abwechselnd sollten allerdings auch Kooperationsaufgaben bestehen. Der Leiter sollte also für ausreichend Programm sorgen.
Es entwickelt sich ein starkes Wir-Gefühl innerhalb der Gruppe. Eben aus diesem Grund ist die Gruppe nicht in der Lage die Aufnahme neuer Mitglieder zu verkraften. Oft fällt die Gruppe dann in eine Mischung aus den ersten beiden Phasen zurück. Eventuelle neue Mitglieder müssen sich gleichzeitig orientieren und für eine Akzeptanz ihrer Person in der Gruppe sorgen.
In dieser Phase ist die Gruppe am produktivsten, sie wird deshalb auch in einigen Modellen als Arbeitsphase beschrieben
Die Tatsache, dass die gruppeneigene Führung akzeptiert ist muss nicht negativ gesehen werden. Wichtig ist dennoch die gruppeninternen Rollen teilweise gezielt aufzulösen um die Kompetenzen der einzelnen Gruppenmitglieder voll ausschöpfen zu können. Dies kann unter anderem geschehen, indem zum Beispiel einem möglichen Außenseiter Verantwortung übertragen wird, welcher so der Gruppe seine Führungsqualitäten verdeutlichen kann.
Für die Programmplanung bedeutet dies, dass auch längerfristige Projekte durchgeführt werden können. Es sollte die Möglichkeit zur freien Entfaltung gegeben werden.
Die speziellen Rollen treten in den Hintergrund und die Gruppenführung wird je nach Situation wechselseitig ausgeübt. Aus diesem Grund lenkt sich die Gruppe auch hier überwiegend selbst. Zudem nimmt die Gruppe nach Möglichkeit auch Kontakt zu Gruppenfremden auf. Dies kann überwiegend freundschaftlich geschehen, da die Gruppe Sicherheit bietet und sich alle ihrer Gruppenzugehörigkeit bewusst sind. Die Gruppenmitglieder orientieren sich also nach außen, sehen aber die Gruppe noch als Rückzugsgebiet an.
Diese Phase wird nicht in allen Modellen beschrieben bzw. teilweise mit der Vertrautheitsphase zusammengenommen, da beide sozusagen den "Höhepunkt" der Gruppenentwicklung bilden.
Daher ergeben sich nur drei wirkliche Aufgaben: Die vorrangige Aufgabe der Leitung innerhalb dieser Phase ist die Entwicklung einer echten Solidarität zu fördern und daher die aufkommenden Statusansprüche einzelner zu unterbinden. Außerdem muss er der Gruppe als Außenstehender Feedback geben. Mit Blick auf die fünfte Phase ist es zudem sinnvoll sich auch zunehmend organisatorisch entbehrlich zu machen.
Dadurch entsteht Unruhe und Unzufriedenheit. Oft resultiert dies auch aus dem zunehmenden Kontakt zu anderen Gruppen. Die Mitglieder suchen sich neue Betätigungsfelder, da die möglichen Erfahrungen abgeschlossen sind. Dies beinhaltet sogar das Risiko, dass die Gruppe in frühere Phasen zurückfällt.
Ein Überblick über die Zeit bis zur Trennung ist Voraussetzung für einen organisierten Ablauf dieser Phase und vermeidet ein hektisches Durcheinander. Eine gute Möglichkeit ist das Organisieren von Nachtreffen und der Austausch von Adressen.
Die bisherige Gruppenarbeit sollte reflektiert werden. Nur muss dabei darauf geachtet werden, dass dies nicht zu einer Idealisierung als "die große Zeit" führt.
Das Modell ist also idealtypisch und auf gar keinen Fall zu verallgemeinern. Dazu kommt die Tatsache, dass die Phasen nicht von allen Gruppenmitgliedern gleich empfunden werden. Die Phasen sollen Hilfsmittel für die Gruppenleiter sein, nicht Gesetz.
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