Die Grunewaldseenkette oder auch Grunewaldrinne ist eine Kette von Seen in den Berliner Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Die Kette verbindet als eiszeitliche Glaziale Rinne in nordöstlicher Richtung Havel (Großer Wannsee) und Spree, dabei werden die „große“ und die „kleine“ Seenkette unterschieden. Daneben gibt es eine kleinere Nebenrinne entlang des Volksparks Wilmersdorf in östliche Richtung. Die Geschichte der Seen und die Entwicklung der Niederungen schreibt ein Stück Berliner Stadtgeschichte. Dieser Beitrag stellt eine Übersicht über einige der wichtigsten Aspekte dar, die in den teilweise sehr ausführlichen Einzelbeiträgen vertieft werden.
Die sich anschließende „kleine Grunewaldseenkette“ verläuft durch bebautes Stadtgebiet und besteht aus den 1889 für die Villenkolonie Grunewald durch Aushebung von Mooren künstlich angelegten Seen Dianasee und Koenigssee, die bereits bestehenden Gewässer Halensee sowie Lietzensee, verläuft in nordöstlicher Richtung diagonal durch die südlich des Schlosses Charlottenburg gelegene barocke Stadtanlage, bildet im Bereich Hebbelstraße/Fritschestraße/Zillestraße das "nasse Dreieck" und endet etwas westlich von Alt-Lietzow an der Spree. Ursprünglich waren die zu Seen ausgehobenen Sumpfgebiete in der Siedlung Grunewald nicht öffentlich zugänglich, da die Grundstücke bis ans Ufer reichten. In den letzten Jahren wurden durch Freigabe öffentlicher Grundstücke und Ankauf von Uferstreifen an allen Seen Zugänge geschaffen.
WildePark17.JPG, Ostteil]] Krumme_Lanke2.JPG mit Kanal zum Schlachtensee]] Eine weitaus kleinere und kürzere Nebenrinne verläuft vom Rathaus Schöneberg in Ost-West-Richtung senkrecht zu der großen und kleinen Kette. Diese Rinne begann ursprünglich am Schöneberger Nollendorfplatz. Das östlichste Gewässer bildet heute der Ententeich im Rudolph-Wilde-Park, dem sich nach Westen der Volkspark Wilmersdorf anschließt, der zum Teil auf dem ab 1915 zugeschütteten Wilmersdorfer See angelegt ist und zu dem auch der Fennsee kurz vor dem Berliner Stadtring (A 100) gehört. Beide Parks zusammen bilden einen rund 2,5 Kilometer langen und rund 500 Meter breiten innerstädtischen Grünzug, der mit seinem Niederungscharakter und sanft geschwungenen Wiesen den geologischen Ursprung als eiszeitliche Rinne noch heute sichtbar macht.
Die Nebenrinne setzt sich nach ihrer Unterbrechung durch die Stadtautobahn, Sportplätze, Sommerbad Wilmersdorf und einige bebaute Straßenzüge in den künstlich angelegten Gewässern Hubertussee und Herthasee fort, die 1889 beim Bau der Villenkolonie Grunewald in ehemaligen Fenngebieten ausgehoben wurden. Nach dem Herthasee trifft diese Nebenrinne am Koenigssee senkrecht auf die Hauptrinne.
Rehwiese2.JPG mit Kirche Berlin-Nikolassee]] Der im Teltow häufige Flurname „Fenn“ oder auch „Fenne“ bezeichnet nach Hermann Teuchert einen versumpften oder vertorften Binnensee oder Teich ohne festen Boden und nach Agathe Lasch und Conrad Borchling mit Gras oder Röricht bewachsenes Sumpf-, Moorland, sumpfiges Weideland, beide Zitate hier wiedergegeben nach Gerhard Schlimpert. Der Begriff hat einen niederdeutschen Ursprung und geht auf die Besiedlung des Fläming durch Flamen zurück, die bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zum Landesausbau der gerade gegründeten Mark Brandenburg vom ersten Markgrafen Albrecht dem Bären und seinem Sohn und Nachfolger Otto I. ins Land gerufen worden waren (Moor im niederdeutschen Veen).
Die Wohngebiete entlang der Grunewaldrinne, die teilweise die Namen der Seen tragen, zählten und zählen auch heute zu den besonders bevorzugten Berliner Villenvierteln. Die Entwicklung der Seen und ihrer Besitzverhältnisse, die Aushebung von Fenns und die Anlage von neuen Seen, die Zuschüttung des Wilmersdorfer Sees und die Gestaltung der innerstädtischen Parks im ehemaligen Wilmersdorfer-Schöneberger Fenn spiegeln einen Ausschnitt der Geschichte in den südwestlichen Berliner Bezirken Nikolassee, Dahlem, Grunewald, Halensee, Charlottenburg, Wilmersdorf und Schöneberg wieder.
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