Grube_Messel.jpg Die Grube Messel (Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen) ist ein stillgelegter Tagebau
In der Nähe der heutigen Ortschaft Messel entstand der Messeler „Ölschiefer“ im Eozän vor rund 49 Millionen Jahren im Explosionstrichter eines bis zu 300 Meter tiefen Maars durch Sedimentation. Das ergab eine Forschungsbohrung im Herbst des Jahres 2001. Der „Ölschiefer“ wurde in einer Stärke von bis zu 150 Metern abgelagert. Das lässt auf einen Zeitraum von rund 1,5 Mio. Jahren schließen, während der dieser See bestanden haben muss. Die sehr große Tiefe im Verhältnis zur Oberfläche erlaubte einen Wasseraustausch durch Konvektion nur in den oberen Wasserschichten, was in der Tiefe zu Sauerstoffmangel führte.
In dem subtropischen bis tropischen See konservierten sich deshalb in den in tiefer gelegenen Wasserschichten und im Schlamm am Grund des Sees tote Tiere und Pflanzen, die auf den Grund sanken, und versteinerten.
In der Grube Messel wurde von 1859 bis 1970 bituminöser Tonstein Eisenerz und Braunkohle abgebaut und der Tonstein zur Gewinnung von Erdölprodukten verschwelt. Umgangssprachlich werden diese Sedimente auch als „Ölschiefer“ bezeichnet.
Nach Einstellung des Ölschieferabbaus war geplant, die Grube mit Müll zu verfüllen. Proteste von Wissenschaftlern und der Bevölkerung und ein drastisch gesunkenes Müllaufkommen führten 1990 dazu, dass diese Pläne aufgegeben wurden. Die Grube Messel wurde vielmehr bei der UNESCO zur Aufnahme in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit angemeldet und dort am 8. Dezember 1995 eingetragen. Die Grube Messel ist damit die erste und bisher einzige Naturerbestätte Deutschlands.
Der Erhaltungszustand der Messeler Fossilien ist herausragend: Oft finden sich sogar Weichteilabdrücke, Mageninhalte und Flügel von Insekten mitsamt deren ursprünglicher Farbgebung.
Grube_Messel_Fossil_2005-09-24.jpg Bei den Fosslien aus der Grube Messel gibt es allerdings ein Konservierungsproblem: Das tragende Material, der Tonstein („Ölschiefer“), enthält etwa 40 % Wasser. Trocknet er aus, dann zerreißt er und zerkrümelt in kleine Blättchen, Rindenmulch nicht unähnlich. Erst seit Anfang der 1960er Jahre ist es möglich, die Fossilien auf Kunstharz umzubetten und damit dauerhaft zu konservieren, für die Forschung zu erhalten und auszustellen.
Eine Ausstellung zu den Fossilienfunden der Grube Messel findet sich auch im Naturmuseum Senckenberg, wo insbesondere die Präparationsmethoden vorgestellt werden.
Auch das Hessische Landesmuseum Darmstadt zeigt in seiner Geologischen Abteilung eine gelungene Präsentation zum Thema Messel, die außer herausragenden Fossilien auch ein Diorama der Grube zur Zeit des Eozäns zeigt. Dadurch werden die Rekonstruktionen diskutiert, wie beispielsweise die des in Messel gefundenen Urpferdchens, das man auch vom Eckfelder Maar her kennt.
In den letzten Jahren haben zunehmend mehr Gruppen die Grube besuchen können. Führungen werden regelmäßig angeboten. Darüber hinaus konnte eine Aussichtsplattform errichtet werden, die Individualbesuchern einen Blick in die Grube ermöglicht. Informationstafeln helfen bei der selbständigen Erkundung. Ein Besucher- und Informationszentrum, direkt am Rand der Grube Messel, ist ebenfalls vorhanden.
Nicht zuletzt haben die Grube Messel und die umgebenden Museen durch den Roman Das Ölschieferskelett auch literarisch an Bekanntheit gewonnen.
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