Großharras ist eine
Marktgemeinde mit 1.202 Einwohnern im
Bezirk Mistelbach in
österreichischen Bundesland Niederösterreich.
Geografie
Großharras liegt im nördlichen
Weinviertel in Niederösterreich im Hügelland südlich der
Pulkau etwa auf halbem Weg zwischen
Laa an der Thaya und
Haugsdorf. Der zur Gemeinde gehörende Ort
Zwingendorf liegt an der durch das Pulkautal führenden
Pulkautal Straße B 45.
Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 42,65 Quadratkilometer. 2,63 Prozent der Fläche sind bewaldet.
Katastralgemeinden sind Diepolz, Großharras, Zwingendorf.
Geschichte
Im österreichischen Kernland Niederösterreich liegend teilte der Ort die wechselvolle
Geschichte Österreichs.
Das Dorf Großharras, das sicherlich bereits vor seiner erstmaligen urkundlichen Nennung im Jahre
1156 besiedelt war - am Ortsrand an der Straßengabelung Richtung
Kammersdorf wurde 1876 ein
Langobardengrab aus der 1. Hälfte des 6. Jahrhunderts gefunden, dessen Grabbeigaben im Niederösterreichischen Landesmuseum zu besichtigen sind - wurde im Zuge der 2. deutschen Besiedelung wahrscheinlich im 11. Jahrhundert gegründet und von fränkischen Siedlern aufgebaut. Der Ortsname Harras wird vom mittelhochdeutschen har-roze, also
Flachsröste, abgeleitet.
1255 wird die Pfarrkirche von Großharras, die ursprünglich dem hl. Pankraz, später der Hl. Dreifaltigkeit geweiht wurde, von den
Seefeldern den Johannitern in Mailberg (
Malteser-Ritterorden) übertragen und ist deshalb eine der fünf Malteserkirchen in Österreich.
Die geografische Lage des Ortes im Grenzraum zu
Mähren bedingte die Involvierung in zahlreiche Konflikte des Thayaraumes (Schlacht bei Mailberg, Ungarneinfälle,
Hussitenkriege,
30jähriger Krieg).
Im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts konnte wie in vielen anderen Dörfern der Umgebung der
Protestantismus Fuß fassen, sodass
1574 der protestantische Magister Leopold Zerer als Schulmeister tätig war. Im Laufe des 17. und frühen 18. Jahrhunderts bestimmte allerdings im Zuge der
Gegenreformation der
Katholizismus das religiöse und kulturelle Leben.
1763 kommt es zu einem Streit zwischen der Herrschaft
Kadolz und 34 Kleinhäuslern, weil diese auf Grund steigender Schutzgeldzahlungsforderungen den Naturalrobot verweigern. Die Regierung vermittelt im Streit, indem Schutzgeldobergrenzen festgelegt und die Verpflichtung zum Natural
robot festgelegt werden. Im Zuge dieser Maßnahmen wird der Kleinhäusler Thomas Walter in das Temesvarer Banat erwiesen.
Im 19. Jahrhundert konnte die Ortsentwicklung durch
Choleraepidemien
1836 und
1866, als die Preußen nach der Schlacht von
Königgrätz die Krankheit einschleppen) und Großbrände (z.B. 1858: gesamte Neustift abgebrannt, 1863: 13 Häuser und 6 Scheunen abgebrannt, 1871: 9 Häuser abgebrannt) nicht aufgehalten werden. Der Brandgefahr suchte die Kommune durch die Gründung der Freiwilligen
Feuerwehr Herr zu werden.
Nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie
1918 hat das Dorf mit den Problemen einer an den Rand gedrängten Gemeinde und den ökonomischen Strukturveränderungen (Bedeutungsverlust der Landwirtschaft, Mangel an Arbeitsplätzen im sekundären und tertiären Sektor) zu kämpfen. Diese Veränderungen spiegeln sich in der Bevölkerungsentwicklung wider.
Im Zuge der kommunalen Verwaltungsstrukturanpassungen der späten 60er und frühen 70er Jahre erfolgte 1969 die Zusammenlegung mit der 1 Kilometer entfernten Ortschaft Diepolz und mit 1.1.1971 die Zusammenlegung mit dem 5 Kilometer nördlich liegenden Ort Zwingendorf.
Literatur: Heimatbuch des Verwaltungsbezirkes Mistelbach.Wien 1959. Marktgemeinde Großharras (Hrsg.): Festschrift anläßlich der Markterhebungs- und 800-Jahr-Feier der Marktgemeinde Großharras am 30. September 1956. Großharras 1956
Einwohnerentwicklung
Nach dem Ergebnis der
Volkszählung 2001 gab es 1202 Einwohner.
1991 hatte die Marktgemeinde 1319 Einwohner,
1981 1391 und im Jahr
1971 1602 Einwohner.
Politik
Bürgermeister der Marktgemeinde ist Franz Breindl, Amtsleiter Josef Windpassinger.
Im Marktgemeinderat gibt es bei insgesamt 19 Sitzen seit der Gemeinderatswahl vom 6. März 2005 folgende Mandatsverteilung:
ÖVP 13, SPÖ 6, andere keine Sitze.
Wappen
Beschreibung: Das Wappen besteht aus einem im Verhältnis 1:1 der Länge nach geteilten Schild. Auf der linken Hälfte ist auf rotem Grund ein weißes Malteserkreuz abgebildet (Großharras ist seit 1255 eine der wenigen Malteserpfarren Österreichs). Auf der rechten Hälfte findet sich auf weißem Grund eine rote Flachsbrechel, die die Entstehung des Ortsnamens (harroce - Flachsröste) versinnbildlicht.
Wirtschaft und Infrastruktur
Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 42, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 107. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 505. Die
Erwerbsquote lag 2001 bei 42,67 Prozent.
Ort in Niederösterreich
Großharras