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Die als Große Hungersnot (engl. Great Famine, Irish potato famine oder irisch An Gorta Mór) in die Geschichte Irlands eingegangene Hungersnot zwischen 1846 und 1851 war die Folge mehrerer Kartoffel-Missernten zwischen 1846 und 1849. Auslöser war die durch den Pilz Phytophthora infestans verursachte Kraut- und Knollenfäule, die in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren die gesamte Kartoffelernte vernichtete. Da die Kartoffel vor allem für die arme Bevölkerung Irlands im Lauf des 19. Jahrhunderts zum wichtigsten Grundnahrungsmittel geworden war, führte der Ernteausfall von 1846 bis 1851 zum Tod von schätzungsweise 500.000 bis einer Million Iren und der Auswanderung einer weiteren Million, in erster Linie nach Kanada, Australien und in die USA.

Aufgrund des damals vorherrschenden politischen Klimas in Großbritannien (laissez-faire economics) wurde von der Regierung zu wenig zur Bekämpfung des Hungers getan. Während dieser Zeit wurde vom englischen Adel in Irland eine Getreidewirtschaft betrieben, deren Ernten für den Export bestimmt waren und der irischen Bevölkerung nicht zur Verfügung standen. Die unmittelbaren Folgen für Irland waren verheerend, die Bevölkerungszahl in Irland hat nie mehr den Stand vor der Hungersnot erreicht.

Bis heute ist diese Hungersnot Bestandteil von Gedichten und Liedern aller Art, siehe zum Beispiel The Fields of Athenry.

Ursachen und Folgen der Hungerkatastrophe in Irland im 19. Jahrhundert


Bevölkerungsexplosion

Am Beginn des 19. Jahrhunderts kam es in Irland zu einer Bevölkerungsexplosion. Zum einen, weil durch den Anbau der Kartoffel schon ein kleines Stück Land ausreichte, um eine Großfamilie zu ernähren, zum anderen, weil die Natur die Rohstoffe für Hausbau sowie das Heizmaterial zur Verfügung stellte. Es wurden also häufig junge Ehen mit vielen Nachkommen geschlossen. Aus diesem Grund stieg die Bevölkerung von vier bis fünf Millionen (1801) auf sieben Millionen (1821) und auf über neun Millionen (1841).

  • 1660: ca. 500.000 Einwohner
  • 1760: ca. 1.500.000 Einwohner
  • 1840: ca. 9.000.000 Einwohner (entspricht Zuwachs von 600%)
(Kothe 1996, Seite 117) (http://www.welt-in-zahlen.de/laenderinformation.phtml?country=85)

Eine der Folgen, die die Bevölkerungsexplosion mit sich brachte, war die Praxis der Realteilung. Der Umstand, dass das Pachtland jeweils unter den Söhnen aufgeteilt wurde, führte dazu, dass sehr kleine Parzellen entstanden, die kaum ausreichten, den Pächter und seine Familie zu ernähren.

Aufgrund der Realteilung waren nur mehr etwa 7 % des Pachtlandes größer als 30 Morgen, 45 % kleiner als 5 Morgen. In Connacht betrug dieser Anteil sogar 64 %. Außerdem lebten 70 % der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Diese Zahlen waren das Ergebnis einer Untersuchung, die 1845 von einer Regierungskommission unter der Führung des Grafen von Devon durchgeführt wurde. Ein anderes Ergebnis dieser Kommission war, dass zum Überleben mindestens acht Morgen Land nötig wären. Aber schon vor der so genannten "Devon–Kommission" hatten Wirtschaftstheoretiker sich mit Irland befasst. So wurde schon 1832 erkannt, dass die soziale Not großteils auf den Mangel an Arbeitsplätzen zurückzuführen war. Dies lag daran, dass außer im Norden keine Industrie vorhanden war.

Mit dem Einsatz von großen Mengen an Kapital wäre die Errichtung von Arbeitsplätzen und somit das Landproblem zu bewältigen gewesen. Den Marktgesetzen zufolge wären durch die geringere Nachfrage nach Land die Pachtzinsen gesunken. Außerdem wäre es möglich geworden, Pachthöfe zusammenzulegen. Ein Untersuchungsausschuss 1836 empfahl aus diesen Gründen öffentliche Bauarbeiten. Einige Jahre darauf schlug eine königliche Kommission die Errichtung eines staatlichen Eisenbahnnetzes in Irland vor. Es wurde jedoch keiner dieser Vorschläge berücksichtigt, da sie gegen Englands liberale Wirtschaftspolitik ("laissez-faire") verstoßen hätten. Man beschränkte sich darauf, 1838 die englischen Armengesetze auch in Irland zu erlassen. Allerdings wurden sie von der Bevölkerung nicht angenommen, da das System nicht auf kurzfristige Unterstützung, wie sie nach einer schlechten Ernte nötig gewesen wäre, ausgerichtet war. Um Hilfe zu erhalten, musste man Haus und Acker aufgeben und in ein Armenhaus ziehen.

Ein großes Problem beim Versuch, das Irlandproblem zu lösen, bestand darin, dass die Grundherren großen politischen Einfluss hatten. Sie stellten sich gegen Entscheidungen, die Vorteile für die Pächter gebracht hätten, weil dadurch für sie selbst Nachteile entstanden wären. Es war also nahezu unmöglich, gegen hohe Pachtzinsen und Kirchensteuern, die beides schwere Belastungen für die irischen Pächter darstellten, vorzugehen, da man hierbei sofort mit dem Widerstand von Kirche und Grundherren zu rechnen hatte.

Kartoffelfäule

Im Jahr 1842 vernichtete eine Kartoffelfäule fast die gesamte Ernte Nordamerikas. Aber auch Irland hatte schon vor 1845 mit Ernteausfällen zu kämpfen. "Zwischen 1816 und 1842 hatte es in Irland vierzehn teilweise oder vollständige Kartoffel-Missernten gegeben und im 18. Jahrhundert einige katastrophale Krisen wie namentlich 1740-42." Mit "Kartoffelfäule" werden die Schäden bezeichnet, die bei Pflanzen beim Befall mit dem Sporenpilz Phytophthora infestans hervorgerufen werden. Dieser Pilz bewirkt, dass die Kartoffeln ein bis zwei Tage nach der Ernte verfaulen. Seine Sporen werden vom Wind verbreitet und benötigen zu ihrer Entwicklung Feuchtigkeit. Er fand also gerade in Irland besonders gute Bedingungen.

Im Sommer 1845 wurden Ernteausfälle in den Niederlanden, Belgien und Frankreich prognostiziert. Im August waren auch in England Pflanzenschäden zu erkennen. Die Kartoffelfäule war also in verschiedenen europäischen Ländern ein Problem. Es stellt sich die Frage, warum die Schäden in Irland so groß waren. Ein Grund ist vielleicht, dass Irland im Gegensatz zu weiteren westeuropäischen Ländern fast ausschließlich vom Ackerbau abhängig geblieben war, der in vielen Regionen auf einem unproduktiven Niveau war. Zum Beispiel wurde die Kartoffel meist in Monokultur angepflanzt. Das wenige Getreide, das zur Verfügung stand, wurde gewinnbringend in England oder auf dem Kontinent verkauft, wo es, wie oben erwähnt, ebenfalls zu Ernteeinbußen gekommen war. Im September konnte anhand von Blattverfärbungen schon erkannt werden, dass auch Irlands Kartoffelernte vom Pilz befallen sein würde. Als im Oktober die Ernte begann, hoffte man noch, dass nur ein kleiner Teil betroffen sein würde. Die Hoffnungen wurden enttäuscht. Der Großteil der Ernte war zerstört.

Im November 1845 setzte Englands Premierminister Sir Robert Peel ein Zeichen für Irland: "He himself recognized that the first priority had to be the provision of food, and he personally authorized (without cabinet approval) the purchase of £ 100,000 of maize from the United States for distribution in Ireland by a Relief Commission he set up to coordinate relief work." Da das englisch–irische Armengesetz direkte finanzielle Zuwendungen verbot, wurden Arbeitsbeschaffungsprogramme ins Leben gerufen. Die Einfuhr von Getreide war mit hohen Schutzzöllen belegt. Diese Zölle, die Corn Laws, waren zum Schutz vor Konkurrenz erlassen worden. Da diese Zölle die Preise für das importierte Getreide hinauftrieben, mussten finanzielle Stützen gewährt werden, um die Brotpreise niedrig zu halten. Dennoch hatte ein großer Teil der Bevölkerung nicht die finanziellen Mittel, um selbst diese niedrigen Preise bezahlen zu können.

Viele Pächter, die aufgrund der Ernteausfälle die Pacht nicht aufbringen konnten, wurden von Haus und Hof vertrieben und verloren damit ihre Lebensgrundlage. Zur Vertreibung der Einwohner von Ballinglass (Galway County) siehe Ballinglass Incident.

Als für das Jahr 1846 eine noch schlechtere Ernte vorauszusehen war, setzte Peel die Abschaffung der Corn Laws durch. Er verlor jedoch die Unterstützung seiner Partei, und im Juni 1846 wurden die regierenden Tories von den Whigs abgelöst. Der neue Premierminister war John Russell, ein entschiedener Anhänger der "laissez faire"-Haltung.

In diesem Herbst war nicht nur die Kartoffelernte, sondern aufgrund des schlechten Wetters auch die Weizen- und Haferernte betroffen. Dennoch gab es von Seiten der Regierung keine finanzielle Unterstützung, da Regierungsalmosen "die Zuwendungsempfänger demoralisieren und deren Willen, sich aus eigener Kraft wieder aus der katastrophalen Lage zu befreien, lähmen" würden. Einzig durch die Organisation der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, deren Kosten von reichen irischen Kaufleuten und Grundherren getragen werden mussten, griff die Regierung ein. Nachdem aber im Gegensatz zu 1845 die gesamte Ernte entweder der Kartoffelfäule oder dem schlechten Wetter zum Opfer gefallen war, waren die Grundherren weder finanziell dazu in der Lage noch dazu bereit, zusätzlich zu ihren Einkommenseinbußen noch Geld für Arbeitsbeschaffungsprogramme aufzuwenden. Also mussten sie vom Staat getragen werden. Da der Winter 1846/47 besonders hart und lang andauernd war, waren diese Kosten weitaus höher als im Jahr zuvor. Im Oktober 1846 wurden 114.600 Arbeitsplätze vermittelt. Im Januar 1847 waren es 570.000 und im März waren es 734.000. Über £ 7.000.000 wurden während der Hungersnot an Unterstützungen und Krediten vom Staat gewährt. Die Bauten, die im Rahmen dieser Projekte errichtet wurden, sind teilweise noch heute erhalten. So können im Westen Irlands am Straßenrand Mauern betrachtet werden, die scheinbar keine Funktion haben. Sie werden "Brotmauern" genannt und sind Reste der öffentlichen Bauprojekte aus der Zeit der Hungersnöte.

Im Februar 1847 verschlimmerte sich die Lage, als das Überleben der ohnehin schon von Hunger und Seuchen geschwächten Bevölkerung noch von starken Schneefällen erschwert wurde. Es kam zu Unruhen und Attacken auf die Landsitze von Grundherren und auf Regierungsgebäude. Diese Umstände zwangen Russel, entgegen seinen Absichten Lebensmittel nach Irland einzuführen. Schließlich war der Großteil der Bevölkerung physisch nicht mehr in der Lage zu arbeiten und sich so die staatliche Unterstützung zu verdienen. "Zu Beginn des jahres 1847 wurden von der Regierung finanzierte Suppenküchen eingerichtet, und im August desselben Jahres wurden 3 Millionen Menschen täglich durch sie ernährt." Zu diesem Zeitpunkt waren aber bereits Zehntausende dem Hunger, der Kälte oder dem im Winter 1846 ausgebrochenem Hungerfieber Typhus zum Opfer gefallen. Diese Unterstützung durch den Staat währte nicht lange, da im Jahr 1847 die Ernte zwar klein, aber doch erfolgreich ausfiel. Der Grund für die schlechte Ernte lag darin, dass die Bauern in ihrer Verzweiflung auch die Saatkartoffeln für das nächste Jahr aufgegessen hatten. Schon in den nächsten beiden Jahren fielen die Ernten erneut aus. "Trotzdem stellte die englische Regierung ihre Hilfsmaßnahmen ein. Die dunkelsten Jahre der an Katastrophen so reichen irischen Geschichte waren angebrochen. Die Zahlen geben nur ein unzulängliches Bild der Folgen der Hungersnot."

Wie bereits erwähnt, lebten 1841 über 8,1 Millionen Menschen in Irland. Schätzungen zufolge hätten sich diese Zahlen bei einer normalen Entwicklung auf 9 Millionen belaufen müssen. Stattdessen waren es um 2,5 Millionen weniger – 6.552.000. Mindestens eine Million davon war verhungert oder an einer Seuche verstorben. 1,5 Millionen Menschen versuchten ihr Glück in Kanada, Australien, den USA und den Industriezentren Englands.

Die direkt erkennbaren Folgen

Zwischen 1841 und 1844 emigrierten durchschnittlich 50.000 Iren pro Jahr. Die Missernte von 1845 änderte an dieser Situation nur wenig, da die meisten Iren annahmen, dass die Ernte im nächsten Jahr besser sein würde. Erst als die Ernte 1846 wieder ausfiel, verließen viele Pächter und Kleinbauern das Land. "Schätzungen zufolge verließen in der Hauptemigrationsperiode in der Zeit nach der Hungersnot zwischen 1845 und 1855 fast zwei Millionen Iren das Land. Ungefähr drei Viertel der Emigranten wanderten nach Amerika aus, die restlichen 25 Prozent gingen nach Großbritannien und Australien."

Betroffene Gebiete: ('http://cain.ulst.ac.uk/images/maps/severity_famine.gif)

An Bord der Emigrationsschiffe waren Krankheiten und Seuchen der Alltag. Das brachte ihnen den zweifelhaften Namen coffin ships. Aufgrund der Seuchen wurden die Einwanderer in den USA nicht sehr erfreut begrüßt. Die Amerikaner schlossen ihre Häfen, und die Schiffe mit den Emigranten wurden nach Kanada umgelenkt. Auf Grosse Isle in Kanada weist eine Gedenktafel darauf hin, dass viele auch nach der Landung starben:

"Thousands of the children of the Gael were lost on this island while fleeing from foreign tyrannical laws and an artificial famine in the years 1847-8. God bless them. God save Ireland!"
Diejenigen, die die Überfahrt überlebten, bildeten, ganz gleich, wohin es sie zog, die unterste Schicht. Von der protestantischen Oberschicht wurden sie wegen ihrer Konfession gemieden, von der Arbeiterschicht wurden sie gehasst, weil sie Arbeit zu Billigstlöhnen verrichteten und so zu einer großen Konkurrenz wurden. Die Iren übernahmen schwerste und schmutzige Arbeiten, um überleben zu können. Irische Frauen arbeiteten als Dienstboten oder in Textilfabriken. Die Männer arbeiteten beim Bau von Eisenbahnlinien oder Kanälen mit oder im Bergbau. "A great amount Irishmen were killed in the mines and in digging the tunnels and in building the railroads. There was a saying that on the railroads ‘an Irishman is buried under every tie’." Obwohl, oder gerade weil sie zur untersten Schicht der Bevölkerung gehörten, war der Zusammenhalt unter den irischen Emigranten sehr groß. Man besann sich auf die alten Traditionen und unterstützte die in Irland gebliebenen Verwandten. Viele Iren nahmen auf der Seite der Union am amerikanischen Bürgerkrieg 1861-65 teil. Sie sahen darin eine Vorbereitung auf den Kampf gegen England.

Eine weitere Folge der Hungersnot war der beinahe völlige Untergang der gälischen Sprache. Gälisch ist eine keltische Sprache, die zum Indogermanischen gehört und wahrscheinlich seit ca. 300 vor Christus gesprochen wurde. Durch die anglo-normannischen Eroberer wurde es ab dem 12. Jahrhundert um französische und später englische Elemente bereichert. Im 18. Jahrhundert war Englisch zur Sprache der oberen Klassen, der Verwaltung und der Regierung geworden. Im 19. Jahrhundert war diese Entwicklung noch weiter vorangeschritten. Wirtschaftlicher und sozialer Aufstieg sowie politische Aktivitäten waren an die englische Sprache gebunden. Es war also schon vor der Hungersnot ein ständiger Rückgang der irisch sprechenden Bevölkerung zu erkennen.

1841 sprachen noch 4 Millionen Iren gälisch. Diese vier Millionen gehörten aber der unteren Gesellschaftsschicht an, und diese Schicht war es, die der Hungersnot hauptsächlich zum Opfer fiel. 1851 sprachen nur mehr etwas weniger als 25 % der Bevölkerung irisch. Die Hungersnot bewirkte einen großen Sprung im Rückgang der irisch sprechenden Bevölkerung. "Was die Briten in Jahrhunderten nicht geschafft hatten, war durch die Hungersnot in wenigen Jahren erreicht." Außerdem stellte es für die irisch-sprachigen Emigranten ein großes Problem dar, wenn sie sich in ihren neuen Heimatländern nicht verständigen konnten. Viele Eltern ließen ihre Kinder deshalb Englisch lernen, um ihnen diese Probleme zu ersparen. "Ende des 19. Jhs. war Irisch zum Synonym für Armut, Analphabetentum und katholische Rückständigkeit geworden." Heute ist Irisch neben Englisch Irlands offizielle Staatssprache. Der Anteil der Bevölkerung, der sie aber tatsächlich spricht, ist gering. An der Westküste und in abgelegenen ländlichen Gemeinden hat es sich bis heute erhalten. Diese Regionen werden als Gaeltacht bezeichnet.

Die Hungersnot hatte aber nicht nur Einfluss auf die irische Sprache. Angesichts der großen Not, der vielen Toten und Emigranten waren viele alte Bräuche, Lieder und Tänze in Vergessenheit geraten.

Politische Folgen

Freiheitsbestrebungen in Irland

Als es 1846 zu einer zweiten Missernte mit "apokalyptischen Zügen“ (Sommerville 1983, S. 161) kam, entschied sich die Regierung Russell, doch wieder die Hilfeleistungen aufzunehmen, um einen Bürgerkrieg zwischen irischen Katholiken und der protestantischen Bevölkerung zu verhindern, jedoch kam es trotzdem zu einer Verschärfung des ethnischen Kontrastes, der bis heute anhält und die Vertreibung der protestantischen Grundbesitzer in die Region Ulster, im Nordosten Irlands zur Folge hatte.

Da Irland aber immer noch abhängig von England war und die Iren ihre Unabhängigkeit wollten, kam es zur Bildung von irischen Widerstandsgruppen, wie der „Irish Republican Brotherhood“ (auch bekannt unter Fenian Movement/Brotherhood) oder der „Irish Land League“ (Charles Stewart Parnell). Diese wollten zudem mehr politischen Einfluss bzw. die eigene Entscheidungsgewalt und die Aufhebung der herrschenden (Land-)Besitzverhältnisse.

Irland bekam durch diesen politischen Druck auf England einen Sitz im Unterhaus der britischen Regierung in Westminster, wo Parnell immer wieder die Hungerkatastrophe als Beispiel für die Ausbeutung Irlands durch Großbritannien ansprach und das Sterben von Hunderttausenden als zwingende Konsequenz auf diese zurückführte. So schlachteten irische Politiker die Katastrophe weitestgehend propagandistisch aus. Parnell vertrat die Meinung, dass der Krise nicht genügend begegnet worden sei und nutzte dies, um schließlich die politischen Interessen der Iren durchzusetzen (Sommerville 1983). So steht der Name Parnell für den Motor der irischen Politik der folgenden 10 Jahre. (http://www.cs.mun.ca/~david12/papers/parnell.html)

Die Besitzverhältnisse wurden durch das Gesetz der Landreformen ("Land Acts“) die vom englischen Premierminister William Ewart Gladstone 1869/70 erlassen wurden, geändert (Sommerville 1983), so entstanden aus den Kleinparzellenwirtschaften Familienbetriebe.

Die wachsenden Spannungen zwischen den Landpächtern und Grundherren führte trotzdem 30 Jahre später zu einer offenen blutigen Auseinandersetzung, in der Irland die Bestrebungen verdeutlicht, die Union mit England zu verlassen. So folgten verstärkte Unabhängigkeitsbemühungen, welche schließlich am 06. 12. 1921 durch politische und militärische Auseinandersetzungen von Erfolg gekrönt waren und zur Bildung der Republik Irlands, mit der Prämisse, die Region Ulster (Nordostirland) englischer Führung zu unterstellen, führten.

Die Große Hungersnot wird oft als Wasserscheide in der irischen Geschichte gesehen, ihre Auswirkungen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. So wird auch ein Zusammenhang mit den Freiheitsbestrebungen gesehen.

Die Situation war auch vor 1845 aufgrund der Jahrhunderte britischer Fremdherrschaft schon angespannt. Die Reaktion Englands auf die Hungersnot wurde aber von einem großen Teil der Bevölkerung als harte und unmenschliche Haltung empfunden. Die Emigranten nahmen ihre Erinnerungen an die Not und den Hass auf Großbritannien, das sie ihrer Meinung nach zur Emigration gezwungen hatte, mit in ihre neue Heimat. Eine große Zahl der irischen Auswanderer bildete aus diesem Grund den moralischen und finanziellen Rückhalt für den Geheimbund der Fenier, für die Irish National League und Irish National Land League. "* wahrscheinlich sind es diese Verbindungen, in denen das Haupterbe des Großen Hungers zu sehen ist."

Andere Historiker gehen soweit, in der Hungersnot den Beginn für die gewalttätigen Bemühungen um eine Lösung von der Union zu sehen: "Wäre bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine friedliche Lösung auf dem Verhandlungstisch vielleicht noch denkbar gewesen, so war nach der Hungersnot der weitere Weg Irlands in die Gewalt bereits vorgezeichnet."

Eine andere Veränderung, die sich nach der Hungersnot in Irland vollzog, war demographischer Art. Das Heiratsalter stieg an und dadurch nahm die Kinderzahl ab. Da man außerdem von der Praxis der Realteilung abging und nur noch an den ältesten Sohn weitervererbt wurde, entstanden größere Höfe. Das Einkommen der Pächter stieg und damit auch ihr Selbstvertrauen. "Dieser Wandel wiederum stärkte das Selbstbewusstsein der vormals Unterprivilegierten, die zunehmend auf die Erweiterung ihrer Rechte pochten."

Die Ereignisse von über sechzig Jahren können selbstverständlich nicht auf einen einzigen Vorfall zurückgeführt werden. Dennoch muss eine Katastrophe, die eine Million Menschen tötete, große Relevanz in der Geschichte eines Landes haben.

Literatur


  • Cecil Woodham-Smith: The Great Hunger. Ireland 1845-1849. ISBN 014014515X
  • Christine Kinealy: This Great Calamity. ISBN 0717140113
  • Cormac Ó Gráda: The Great Irish Famine. ISBN 0521552664 , 1. Auflage, Cambridge, 1989
  • Hans Ulrich Happe: Irland und die Emigration. Die Bedeutung des Auswanderungsphänomens für die irische Insel. in: Winfried Böttcher (Hrsg.), Aachener Studien „Sozialwissenschaften“, Band 4, ISBN 3893990283 , 1. Auflage, Aachen, 1987
  • Donal A. Kerr: A Nation of Beggars?, Priests, People, and Politics in Famine Ireland. 1846-1852, ISBN 0198200501 , 1. Auflage, Oxford, 1994
  • Francis Stewart/Leland Lyons: Ireland since the Famine. ISBN 0006860052 , 1. Auflage, London, 1971
  • Kerby A. Miller: Emigrants and Exiles. Ireland and the Irish Exodus to North America. ISBN 0195051874 , 1. Auflage, New York u. a., 1985
  • Liam O'Flaherty: Zornige grüne Insel. ISBN 3257213301 , engl. Famine. 1.Auflage, London, 1937
  • Jörg Rademacher (Hrsg.), Alexander Sommerville: Irlands großer Hunger, Briefe und Reportagen aus Irland während der Hungersnot 1847. ISBN 3928300423 , 1. Auflage, Münster, 1996
  • Vom Ackerbau und von dem Zustande der den Ackerbau treibenden Klassen in Irland und Großbritannien. Auszüge aus den amtlichen Untersuchungen, welche das Parlament vom Jahre 1833 bis zum heutigen Tag öffentlich bekannt gemacht hat. Der Ackerbau in Irland. Erster Band, 1. Auflage, Wien, 1840
  • R. D. Edwards, T. D. Williams: The Great Famine. Studies in Irish History 1845-52. ISBN 0946640947 , 2. Auflage, Lilliput, 1997
  • Elvert, Jürge: Geschichte Irlands. ISBN 3423301481 , 4. Aufl., München 2003.

Weblinks


  • Informationen zur Kartoffelfäule auf Biosicherheit.de
  • http://www.derriere.de/Irland/Irland_1.4.htm
  • http://www.dokufaktur.de/deutsch/foodinfos/kartoffel/phy1d.htm
  • http://www.irlandfan.de
  • http://www.karl-may-stiftung.de/hungersnot.html
  • http://www.mlwerke.de/me/me16/me16_445.htm
  • http://www.welt-in-zahlen.de/laenderinformation.phtml?country=85

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