Großbulgarisches Reich (650-922).PNG Das Großbulgarische Reich war kein bulgarisches Großreich auf dem Balkan, sondern das Reich der Protobulgaren (auch als Hunno-Bulgaren bezeichnet) in Südrussland und dem Nordkaukasus.
Die vom 7. bis zum 13. Jahrhundert ebenfalls in Russland ansässigen Wolgabulgaren waren der an der Wolga verbliebene Teil der Protobulgaren nach der Zerschlagung des Großbulgarischen Reiches.
Als Alternativbezeichnung für die Wolgabulgaren liegt uns auch aus der überwiegend turkvölkischen Turkologie Törk Bolğar (tatarisch), Turk Bolğar bzw. Türk Bulğar vor. Diese Bezeichnung stammt vom alttürkischen Türük-Bolqar/Turuk-Bulkha ab und hatte die Bedeutung: „vermischte Turuk“. Das weist eindeutig darauf hin, dass schon die Vorfahren der Wolgabulgaren ein ausgesprochenes Mischvolk darstellten. Doch heute wird „Türük-Bolqar“ vielfach mit Türk-Bulgaren oder Turk-Bulgaren übersetzt. Dieses hat zwar eine gewisse Berechtigung, doch diese Übersetzung kam erst im Zuge des Panturkismus des 19. Jahrhunderts bei den Tataren Russlands auf.
Die Hunnen waren 454 aus Ungarn in die Schwarzmeer-Steppe (Altyn Oba Horde) abgezogen. Dabei standen sie unter der Herrschaft von zwei Familien-Klans (Kutriguren und Utriguren), die ihre Herkunft auf Attila und dessen Söhne zurückführten. Um 558-60 lösten sie sich im inneren Streit auf und wurden von den Awaren besiegt, die aber weiterzogen. Die besiegten Reste der Hunnen vermischten sich allmählich mit bereits benachbarten wie auch neu ankommenden türkischen und ersten slawischen Stammesgruppen, so dass sich das Volk der Protobulgaren bildete.
Sein Nachfolger war sein Neffe Kubrat Dulo, zu dessen Zeit (ca. 626) der Druck der Chasaren zunahm, die sich mit dem Tod des Khan Tung Sche-hu 630 (Ziebil?) langsam von den Westtürken ablösten. Kubrat hielt sich in seiner Jugend einige Zeit als Geisel oder Gast in Konstantinopel auf, so dass ihm gern byzantinische, zivilisierte Sitten nachgesagt werden. Zumindest galt er als "Freund" des damaligen byzantinischen Kaisers und trat um 619 eventuell zum Christentum über.
Wolgabulgarien nahm unter Khan Alamusch (Almush, Almas, Almış reg. 895-925) um 922 den Islam an (vgl. Ibn Fadlan) und entwickelte sich bald zu einer bedeutenden Handelsmacht, die insbesondere den Fernhandel (Luxusprodukte) zwischen der Kiewer Rus und den islamischen Ländern im Süden vermittelte. Diplomatische Beziehungen reichten unter Ibrahim (reg. 1006-1025) um 1024 bis Chorasan. Man betrieb in dem dicht besiedelten Land erfolgreich Ackerbau und gründete mehrere Städte wie Bolgar (beim heutigen Kasan), die Moscheen, Karawansereien und öffentliche Bauten besaßen. Zahlreiche Dörfer und kleine Festungen werden verzeichnet.
Schon im 12. Jahrhundert kam es zu mehreren militärischen Konflikten mit russischen Fürsten, die den Bestand des Staates bedrohten. Im Jahr 1236 wurde das Reich der Wolgabulgaren von der Goldenen Horde zerstört, kurz bevor diese die Rus unter ihre Herrschaft brachte.
Das Volk der Tschuwaschen sieht sich als Nachfolger eines Teils der Wolga-Bulgaren, ein anderer Teil verschmolz mit den Kasan-Tataren, die sich noch bis ins späte 19. Jahrhundert als "Bolgarları" (Bolgaren = Bulgaren) und nicht als "Tatarlar" (Tataren) bezeichneten.
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