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Der Siedlungsraum
Die südliche Balkan-Halbinsel ist in eine Fülle geografischer Einheiten untergliedert. Die Verbindung zwischen ihnen ist nur durch schroffe Gebirge gegeben. Hierdurch wurde die Entwicklung einer Vielzahl sehr eigenständiger Kleinstaaten begünstigt. Verkehrsadern waren die meist nach Osten gerichteten Flussläufe. Die reich gegliederte Küste der
Ägäis, Inselbrücken nach
Kleinasien und
Kreta begünstigten den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch nach Osten. Nach Westen hingegen ist das Land weit weniger geöffnet, mit Ausnahme des
Golfes von Korinth. Auch waren die Bedingungen für die Seefahrer im
Adriatischen Meer ungünstiger. Geringe Ausdehnung des zusammenhängend landwirtschaftlich nutzbaren Bodens, Verkarstung des Landes durch frühe Abholzung und Waldbrände, Dürreperioden und Erdbeben behinderten die wirtschaftliche Entfaltung.
Die griechische Frühzeit
Schon in der Steinzeit
( 4. und 3. Jahrtausend v.Chr. ) war Griechenland besiedelt. Daraus entwickelte sich eine bronzezeitliche Kultur mit einheitlichen Merkmalen. Für das griechische Festland und die nördliche Ägäis helladische Kultur (Hellas = Griechenland), für Kreta minoische Kultur(nach dem mythischen König Minos). Die Mediterrane Kultur zeichnet sich durch einfache bäuerliche Lebensformen, offene Siedlungen, kleine weibliche Idole und das Fehlen großer Befestigungen oder Burganlagen aus, außerdem durch vermutete sprachliche Verwandtschaft. Es wurde früher auch von einer
mutterrechtlich dominierten Gesellschaft und Kultur ausgegangen. Flur- und Ortsnamen (vor allem solche, die auf -assos und -nthos enden) zeugen ebenfalls von einer einheitlichen nicht
indogermanen Urbevölkerung, die in der Erinnerung der Griechen als
Pelasger,
Leleger und
Karer bezeichnet wurden. Sie weisen auf die
Ägäis und
Kleinasien, aber auch mit den
Illyrern und
Ligurern, sowie den
Etruskern und Proto
thrakern verbindet man diese vorindoeuropäische Bevölkerung im Mittelmeerraum. Von ihnen übernahmen die Griechen auch Bezeichnungen in den Bereichen Pflanzen, Metalle, Schifffahrt und Fischereiwesen.
Die minoische Kultur
Kreta lag im Schnittpunkt der Seeverbindungen zwischen
Ägypten, Kleinasien und dem heutigen Griechenland. Hieraus mag sich die bevorzugte Besiedlung des Ost- und Mittelteils der Insel erklären. Unter
orientalischem Einfluss entwickelte sich hier zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. eine eigene vorgriechische
Hochkultur. Ihre Zentren waren die Paläste von
Knossós,
Phaistós und
Mallia. Um einen großen Mittelhof gruppierten sich in einer scheinbar planlosen Anlage die verschiedensten Gemächer (
Labyrinth): Ohne vom Palast abgesondert zu sein, schloss sich die umliegende Stadt an. Auf mindestens 50.000 Einwohner schätzt man die Bevölkerung von Knossos. Die ungeschützte Lage der Paläste lässt auf eine ungefährdete Königsherrschaft über ganz Kreta schließen. Eine bedeutende Flotte sicherte das Land gegen Angriffe von außen (Thalassokratie = Seeherrschaft). Die Darstellung von Volksfesten auf den
Fresken der Palastwände und die unmittelbare Nähe der Stadt lassen eine politische Mitwirkung von Hofgesellschaft und freier Bevölkerung vermuten. Die hervorragende Rolle von Frauen auf den Gemälden in Verbindung mit der Bedeutung weiblicher Gottheiten dokumentiert eine privilegierte Stellung der Frau. Man schloss sogar auf eine
matriarchalische Ordnung.
Ausgedehnte Vorratsräume und Werkstätten weisen die Paläste auch als Zentren des Wirtschaftslebens und des Handwerks aus. Bilder über die Ablieferung von Abgaben, Tontafeln mit Aufzeichnungen einer geordneten Buchführung deuten auf eine organisierte Verwaltung. Der Export von Gegenständen des hochentwickelten kretischen Kunstgewerbes nach Vorderasien, Ägypten, den Ägäisinseln und Zypern, umgekehrt Funde babylonischer Waren in den kretischen Palästen bezeugen einen weiträumigen Handelsverkehr.
Die minoische Kultur hatte großen Einfluss auf die Ägäis und Südwest-Kleinasien (Karer), bis sie von der mykenischen abgelöst wurde. Der Ausbruch des Vulkans auf Santorin galt lange als mitverantwortlich für den Untergang der minoischen Kultur, inzwischen datiert man dieses Ereignis aber in das 17. Jh. v. Chr.
Nach der Zerstörung der Paläste um 1450 v. Chr. gewann die mykenische Kultur und Sprache (Linear B) auf Kreta die Vorherrschaft. Schließlich brachte die große ägäische Wanderungsbewegung (Seevölkersturm) ab ca. 1200 v.Chr. das endgültige Ende der minoischen Hochkultur.
Die mykenische Kultur
Löwentor_Mykene.jpg
Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr. waren die
indoeuropäischen (frühgriechischen) Stämme der
Achäer und
Ionier in die südliche Balkanhalbinsel eingewandert. Dort passten sie sich der bäuerlichen mediterranen Kultur der ansässigen ägäischen Bevölkerung an. Nach anderer Auffassung waren schon vorher protogriechische Stämme, wahrscheinlich
Thraker, eingewandert, wofür vor allem die
Mythologie und Ergebnisse der
Namenforschung sprechen. Zu Beginn des
Späthelladikums bildete sich unter kretischem Einfluss (möglicherweise Einwanderung einer griechisch(?)/indoeuropäischen Führungsschicht, der
Danaer, aus Vorderasien via Ägypten über Kreta, was aber höchst spekulativ ist) die erste Hochkultur auf dem Boden des griechischen Mutterlandes heraus, nach eines ihrer Zentren,
Mykene in der
Argolis, die
mykenische Kultur genannt. Stadtstaaten entstanden um die hochgelegenen Burganlagen (
Palastwirtschaft/Stadtkönigtum/
Wanax) aus mächtigen Steinmauern. Diese stehen im schroffen Gegensatz zu den unbefestigten kretischen Palästen, aber auch der umliegenden einheimischen Kultur. Darin einbezogen waren Häuser für Beamte, Gefolge und Leibwache. Unterhalb lag die offene Siedlung der bäuerlichen Bevölkerung. Den Zug zum Monumentalen unterstreichen gewaltige
Kuppelgräber (z.B. das Schatzhaus des
Atreus) und das
Löwentor von Mykene. Der König war Stammesführer, der im Einvernehmen mit Rat und Heeresversammlung regierte. Die Monumentalbauten wiesen auch nach Kleinasien hin zur Kultur der
Hethiter (Löwentor).
Tontafelarchive in der griechischen Silbenschrift Linear B dokumentieren eine geordnete Verwaltung. Ackerbau und Viehzucht bildeten die Grundlage der Wirtschaft. Daneben existierte ein spezialisiertes Gewerbe. Handel zu Lande wurde durch angelegte Straßen unterstützt. Fernhandelsbeziehungen bestanden vor allem zu den vorderasiatischen Ländern und Ägypten. Damit verbunden waren Raubzüge, deren Erfolge an den Schätzen in den repräsentativen Kuppelgräbern abzulesen sind.
Dorische Wanderung und ionische Kolonisation
Um 1200 v.Chr. ging, vermutlich von den sog. "
Seevölkern", die in ägyptischen Quellen begegnen, eine Welle von Zerstörungen im gesamten östlichen
Mittelmeerraum aus. Sie bedrohten Ägypten, das
Hethiterreich in Kleinasien brach zusammen,
Zypern und
Ugarit sowie eine Reihe von Zentren im syrisch-palästinensischen Raum gerieten in die Hände von Feinden bzw. wurden zerstört. Die mykenischen Staaten verloren dadurch wichtige Handelspartner, was zu einer Metallverknappung und Krisen führte und vermutlich die Palastwirtschaft zusammenbrechen ließ. Die meisten bisher bekannten Zentren der mykenischen Kultur auf dem griechischen Festland wurden teils durch Erdbeben, teils durch kriegerische Einwirkungen oder Revolten zerstört. Die Organisation der Palastwirtschaft verschwand. Vermutlich ging die Schriftlichkeit verloren, und viele Siedlungen wurden aufgegeben. Andere wurden hingegen weiterbesiedelt, und die mykenische Kultur hielt sich noch etwa 150 Jahre. Möglicherweise begann gegen Ende der Spätmykenischen Zeit (ca. 1050 v. Chr.) die dorische Wanderung. Der neue Volksstamm der
Dorer gewann in einem längeren Prozess die Vorherrschaft in der
Peloponnes. Gleichzeitig rückten die sog. Griechen in die Landschaften
Epirus,
Akarnanien und
Ätolien ein. Die
Äoler waren künftig vorwiegend auf
Thessalien und
Böotien, die Ionier auf
Attika und
Euböa beschränkt. In den Zusammenhang der dorischen Wanderung gehört vermutlich auch die Zerstörung
Trojas, dessen legendenhafte Beschreibung (
Homer) zu einem zentralen Element der späteren griechischen Kultur wurde.
An der Kolonisation der kleinasiatischen Westküste beteiligten sich Angehörige aller griechischen Stämme. Ohne auf nennenswerten Widerstand der Einheimischen zu stoßen, gründeten sie bedeutende griechische Städte wie Milet, Ephesos, Smyrna, die z.T. ältere anatolische Vorläufer hatten. Durch späteren Zuzug aus der Heimat verstärkten die Ioner ihren Anteil, so dass sie in Westkleinasien die Vorherrschaft erlangten.
„Dunkles Zeitalter“
Die Zeiten zwischen
1200 v. Chr. und circa
750 v. Chr. werden auch als „
Dunkle Jahrhunderte“ bezeichnet. Weiteres siehe dort.
Griechenland in archaischer, klassischer und hellenistischer Zeit
Siehe Antikes Griechenland und Hellenismus
Griechenland in Mittelalter und Neuzeit
Nach der Eroberung des Byzantinischen Reichs 1453 durch die Osmanen gehörte Griechenland vierhundert Jahre zum Osmanischen Reich. Am 25. März 1821 begann die
Griechische Revolution, die zur nationalen Unabhängigkeit der Griechen führte.
Die jüngere Geschichte wird auch in dem Artikel Griechenland beschrieben. Ein besonderes Kapitel ist die Griechische Militärdiktatur.
Siehe auch
Alteuropa,
Thraker,
Indoeuropäer,
Anatolien,
Zypern,
Liste der Stämme Griechenlands
Literatur
- Bowra, C.M.: Griechenland. Von Homer bis 404 vor Chr.. Zürich 1960.
- Burckhardt, J.: Griechische Kulturgeschichte. (4 Bde.). Basel 1958.
- Enderwitz, Ulrich: Reichtum und Religion, Drittes Buch, Band Zwei (Die Polis), Ça ira Verlag, Freiburg 1998. ISBN 3-924627-49-5 (http://reichtum-und-religion.de)
- Lotze, Detlef: Griechische Geschichte, München:C.H.Beck 62004. ISBN 3-406-45014-8
- Reden, Sibylle von: Auf der Spur der ersten Griechen. DuMont, Köln 1981. ISBN 3-7701-1191-5 <ddb>
Griechische Geschichte
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